Posts mit dem Label Fabio Luisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fabio Luisi werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 3. Juni 2013
Robin Ticciati steigt aus Don Giovanni aus
Das aktuelle Regietheater deutscher Ausprägung fordert immer wieder neue Opfer. Nach zwei Aufführungen hat sich Robin Ticciati entschlossen, das Dirigat des Don Giovanni am Opernhaus Zürich zurück zu legen, die weiteren Termine übernimmt jetzt Fabio Luisi. Die Inszenierung von Sebastian Baumgarten ist beim Publikum auf große Ablehnung gestoßen (Fotogalerie hier). Intendant Andreas Homoki äußerte sich irritiert, warum Ticciati diese Entscheidung nicht bereits während der sechswöchigen Probenphase getroffen hätte, welche er mitunter skeptisch, aber immer konstruktiv begleitet hätte. Ein ähnliches Szenario gab es bereits bei einer früheren Produktion in der Regie von Sebastian Baumgarten. Beim Tannhäuser in Bayreuth im Sommer 2011 zog sich Dirigent Thomas Hengelbrock erst ein bisschen und dann vollständig aus der Produktion zurück.
Montag, 27. Februar 2012
Anna Netrebko eröffnet kommende MET-Saison

Auch die kommende Saison der New Yorker Metropolitan Opera wird Anna Netrebko eröffnen. In Donizettis L'elisir d'amore singt sie im September an der Seite ihrer großartigen Kollegen Mariusz Kwiecien und Ambrogio Maestri. Die laufende Saison war ebenfalls mit Netrebko als Anna Bolena gestartet. Der Belcantozyklus wird mit Maria Stuarda fortgesetzt, es singen Joyce DiDonato und Elza van den Heever. Karita Matilla kehrt an der Seite von Marcelo Alvarez und Dimitri Hvorostovsky in Un ballo in maschera auf die MET-Bühne zurück. Diana Damrau und Pjotr Beczala singen Rigoletto, aber nicht in der geplanten Produktion von Luc Bondy, diese wird nach der gemischten Aufnahme seiner Tosca gegen eine weniger streitbare Inszenierung ausgetauscht. Danielle Gatti dirigiert einen neuen Parsifal mit Katarina Dalayman, Peter Mattei, Jonas Kaufmann und René Pape. Aus Glyndebourne wird eine Produktion von Händels Giulio Cesare übernommen (mit Natalie Dessay und David Daniels). Robert Lepage inszeniert Thomas Adès The Tempest mit Simon Keenlyside als Prospero. Seine inzwischen komplette Ring-Inszenierung steht im April/Mai 2013 in drei Zyklen auf dem Plan, alle dirigiert von Fabio Luisi. Eine Rückkehr von James Levine ist in der kommenden Saison nicht geplant. Die Wiederaufnahmen bergen keine großen Überraschungen, Lorin Maazel dirigiert eine Serie Don Carlo, La Traviata kommt in der Willy-Decker-Inszenierung mit Diana Damrau, Saimir Pirgu und Placido Domingo weiter auf Baritonkurs als Germont. Im Spielplan fehlt Richard Strauss völlig. Deswegen tritt Hausdiva Renée Fleming nur als Desdemona auf und teilt sich die Termine soger noch mit Krassimira Stoyanova, die sie in dieser Partie im Moment locker in den Schatten stellt. Umfangreich wie das ganze Repertoire auch die geplanten Kino-Übertragungen im Rahmen der HD-Series, es ist allerdings noch nicht klar, welche davon außerhalb der USA gezeigt werden. Alle Details finden sich in dieser Online-Broschüre!
Mittwoch, 7. September 2011
Luisi übernimmt Levine-Dirigate an der MET

New Yorks Musikchef James Levine muss weiterhin pausieren, er hat sich während seiner Rekonvaleszenz eine Rückenverletzung zugezogen und kann vorerst nicht auf das Dirigentenpult der Metropolitan Opera zurück kehren. Seine Position übernimmt Fabio Luisi, der schon länger Erster Gastdirigent des Hauses ist, er wird u.a. die Premieren von Don Giovanni und Siegfried leiten. Luisi muss dafür einige Engagements in Wien, Genua, Rom und San Francisco absagen. Levine dirigiert seit mehr als 40 Jahren an der MET. Vorerst bleibt er musikalischer Direktor des Hauses, er plant am 27. Januar 2012 zur Premiere der Neuproduktion Götterdämmerung an sein Haus zurück zu kommen. Auch will er die kompletten Ringzyklen im Frühjahr 2012 dirigieren.
Montag, 27. Juni 2011
Philippe Jordan übernimmt Wiener Symphoniker

Der immer noch junge Dirigent Philippe Jordan soll die Leitung der Wiener Symphoniker übernehmen und damit Fabio Luisi auf dieser Position nachfolgen. Jordan arbeitet bereits regelmäßig mit dem Orchester, seit zwei Jahren ist er außerdem GMD an der Oper von Paris. Zuvor war er musikalischer Leiter der Oper in Graz und hat sehr erfolgreich an der Berliner Lindenoper gearbeitet. Auch Luisis Weggang von den Wienern ist von Irritationen überschattet, übernimmt er doch derzeit viele Aufgaben für den New Yorker Opernchef James Levine und sagt dafür immer wieder Engagements in Europa ab. Auch die Dirigate der beiden Münchner Festspielaufführungen Fidelio mit Jonas Kaufmann hat Luisi jetzt zurück gelegt, für ihn übernimmt Adam Fisher.
Dienstag, 10. Mai 2011
Luisi ante Portas

Wer hätte gedacht, dass Fabio Luisi nur ein reichliches Jahr nach seinem übereilten Rückzug aus Dresden als New Yorker Nachfolger von Dirigenten-Legende James Levine in den Startlöchern steht? Der an der MET zum Principal Guest Conductor ernannte Luisi übernimmt jetzt Levines Dirigate bei der großen Japan-Tournee im Juni und auch verschiedene New Yorker Projekte. Levine, schon länger mit gesundheitlichen Problemen kämpfendend, muss sich von allen anstehenden Aufgaben zurückziehen, auch an der Sommerresidenz seines Boston Symphony Orchestras in Tanglewood kann er in diesem Jahr nicht teilnehmen. Sein vorerst letzter Auftritt an der MET soll die weltweit in die Kinos übertragene Walküre am 14. Mai sein, dann will er bis zu Saisoneröffnung am 13. Oktober mit Don Giovanni pausieren. Luisi fällt somit unerwartet und weit auf der Karriereleiter nach oben. Ob es unter diesen Umständen überhaupt noch zu seinem Engagement in Zürich ab 2012 kommt weiß niemand. Wer Luisis Dirigate in den letzten Jahren in Dresden und München regelmäßig erlebt hat dürfte außerdem etwas verwundert über die offenbar hohe Reputation des Italieners sein, denn einzelnen wirklich gelungenen Abenden stehen viele durchschnittliche und gerade mal solide Aufführungen gegenüber. Auch die andauernden Querelen hinter den Kulissen erweckten nicht immer den Eindruck von Weltklasse.
Mittwoch, 6. Oktober 2010
Fabio Luisi oder Kirill Petrenko

In München wird heute die momentan wichtigste Kulturpersonalie der bayerischen Landeshauptstadt bekanntgegeben: die Nachfolge für GMD Kent Nagano, der seinen Vertrag über 2013 hinaus nicht mehr verlängert hatte. Nachdem anfangs auch einige andere Kandidaten im Gespräch waren hat sich die Diskussion nun auf zwei Namen konzentriert: Fabio Luisi und Kirill Petrenko. Beider Repertoire ist kompatibel zur Bayersichen Staatsoper und den spezifischen Münchner Anforderungen. Petrenko scheint aber nicht nur musikalisch die bessere Wahl zu sein, gerade nach Luisis unrühmlichem Abgang in Dresden Anfang diesen Jahres. Andererseits ist Petrenko in Bayreuth für den neuen Ring gebunden, was sich schwer mit Münchner Opernfestspiel-Plänen in Einklang bringen ließe. Sein Rückzug dort wäre ein schwerer Rückschlag für die Wagner-Schwestern. Luisi ist der bewährte Routinier, zuletzt waren seine Dirigate aber auch glanzlos und ohne Rafinesse. Das war über Petrenko nie zu berichten! Wer auch immer es wird, er wäre ein Musikdirektor von Intendant Bachlers Gnaden. Das mag man kritisieren, besser als der gegenwärtige Zustand ist das auf jeden Fall.
Samstag, 10. Juli 2010
Heute abend live aus München: TOSCA

Um 21 Uhr überträgt arte die aktuelle Festspielproduktion aus dem Münchner Nationaltheater. In den Hauptrollen sind Karita Matilla und Jonas Kaufmann zu erleben, die Inszenierung stammt von Luc Bondy. Bei Publikum und Presse fand die Premiere ein recht geteiltes Echo. Die Tageszeitung Die Welt stellte ihre Kritik unter den Titel: Diese Tosca küsst ziemlich kalt. Dirigieren wird heute abend Fabio Luisi, bis zum Anfang diesen Jahres noch Musikchef an der Dresdner Semperoper. Wäre er nicht zwischenzeitlich nach Zürich verpflichtet, sicher auch ein Kandidat für die Nachfolge auf der demnächst vakanten Chefposition in München. Auf den Max-Joseph-Platz vor dem Opernhaus wird die Vorstellung ebenfalls übertragen, das Event nennt sich in München traditionell Oper für alle, wir hatten uns dazu schon ausführlicher Gedanken gemacht...
Dienstag, 22. Juni 2010
Tosca aus München auf allen Kanälen

Es ist das Ereignis der Münchner Opernsaison, der Höhepunkt der diesjährigen Opernfestspiele: Die Premiere von Puccinis Künstleroper Tosca am 28. Juni 2010. Alle Vorstellungen sind schon seit längerem ausverkauft, aber das macht in diesem Fall nichts, denn die Bayerische Staatsoper ist fest in die aktuellen Verwertungszyklen integriert. Die Aufführung wird im Rahmen von Oper für alle am 10. Juli 2010 auf eine große Leinwand auf den Münchner Max-Joseph-Platz übertragen und auch am gleichen Abend zur besten Sendezeit um 21 Uhr in Deutschland und Frankreich im Fernsehen gezeigt (natürlich ist wiedermal arte so frei). Eine DVD ist sicher spätestens zu Weihnachten im Handel. Und für alle, denen die Angelegenheit nicht mehr ganz taufrisch vorkommt, die haben auch Recht! Es handelt sich bei der Inszenierung von Luc Bondy um eine Produktion der Metropolitan Opera New York aus der vergangenen Saison, die der eine oder andere Opernfreund bereits im Rahmen der regelmäßigen Kinoübertragungen gesehen haben wird. Ursache für diese Zweitverwertung ist in diesem Fall aber nicht die Einfallslosigkeit des Intendanten Nikolaus Bachler, sondern die erlesene Besetzung. Die Finnin Karita Matilla, eine der weltberühmtesten Sängerinnen ihres Fachs tritt bekanntermaßen nur in ausreichend geprobten Neuinszenierungen auf. Aus diesem Grund wird die New Yorker Produktion, die dort bereits mit Matilla herauskam, in München lediglich neu einstudiert und die Stadt kommt so nach langer Zeit in den Genuss einer größeren Auftrittsserie der Diva. Mit Jonas Kaufmann als Maler Cavaradossi ist ein ebenfalls immer populärer werdender Sänger dabei, der seine Engagements aber - im Gegensatz zu seiner finnischen Kollegin - in diesem Jahr sehr sportlich geplant hat. Nur einen knappen Monat nach der Tosca-Premiere steht er in Bayreuth auf der Bühne und gibt seine Hügel-Debüt in der Titelrolle der Neuinszenierung des Lohengrin. Unter Regisseur Hans Neuenfels wird das sicher auch kein Spaziergang und selbst für einen routinierten Tenor wäre das alles ein wirklich ambitioniertes Programm. Die Operndirektionen werden sicher für Covers gesorgt haben...
Freitag, 7. Mai 2010
Dresdner Lösung in München?

Im September letzten Jahres meldete sich Fabio Luisi, seinerzeit noch Chef der Dresdner Staatskapelle krank, als Ersatz wurde eilig Christian Thielemann präsentiert, der ist mittlerweile der Nachfolger des damals Erkrankten. Fast vergleichbar die Situation jetzt in München: Christian Thielemann hat sich für die Sinfoniekonzerte der Münchner Philharmoniker in der kommenden Woche und auch die darauf folgende Tourneekonzerte in Köln und Paris krank gemeldet und sein Ersatz ist hochkarätig: Lorin Maazel, der vor kurzem mit einem Dreijahresvertrag ausgestattete Nachfolger. Spekulationen, ob Thielemann überhaupt noch einmal in Münchnen dirigieren wird erhalten so natürlich wieder neue Nahrung. Das Verhältnis zwischen ihm und einem Teil des Orchesters ist erklärtermaßen schlecht. Vielleicht war die hocherfolgreiche Japantournee im März schon das Ende der Zusammenarbeit, Anzeichen dafür gibt es. Für München wäre das bedauerlich, sind doch für die kommende Saison einige hochinteressanten Programme mit Thielemann und illustren Gästen wie zum Beispiel Renée Fleming geplant. Ein kleines Detail am Rande: Sowohl beim Dresdner Einspringen Thielemanns im letzten Jahr, wie auch jetzt in München wurde das Konzertprogramm zufällig auf die gleiche Weise geändert. Man spielt(e) die achte Sinfonie von Anton Bruckner. (K)ein Schelm, wer sich dabei etwas denkt!
Samstag, 1. Mai 2010
Kleine Presserundschau 01. Mai 2010
Der aus dem Norden stammende Schriftsteller Marcel Beyer erklärt, warum er nach 14 Jahren Urlaub von Dresden braucht. Christine Schäfer erzählt, dass sie sich für die zweite Callas hielt und warum sie ihre CDs nur noch in Eigenregie prodziert. DIE WELT fand nicht viel Gutes an der Dresdner Neuproduktion von Franz Schimdts Notre Dame. Die Bayerische Staatsoper hat jetzt ein eigenes Opernblog, auf welches wir natürlich sehr gern hinweisen. Rolando Villazon ist gerade in Sachen comeback unterwegs (wir haben bereits ausführlich darüber berichtet), sein jüngster Auftritt sorgt für Streit, weil die sehr teuren Karten zur allgemeinen Überraschung doch nicht so einfach verkauft werden konnten und private Veranstalter in Hamburg einen Preiskrieg heraufziehen sehen. Die New Yorker MET steht zu Saisonschluss mit durchwachsener Bilanz da, hat aber einen neuen ständigen Gastdirigenten, der erst vor kurzem in Dresden aufgegeben hat. An der Komischen Oper Berlin hatte vor einer Woche eine gewöhnungsbedürftige Fassung von Beethovens Fidelio Premiere, die Kritikerin des Tagesspiegels sah sich zwar nicht dem Untergang des Abendlandes, aber vielleicht dem des Musiktheaters nah. Vielleicht hat sie sogar recht?
Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende!
Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende!
Donnerstag, 11. März 2010
Gerd Albrecht dirigiert Notre Dame

Die Ära von Fabio Luisi in Dresden ist endgültig zu Ende. Nun wurden auch die letzten Dirigate des vor einem Monat vorfristig ausgeschiedenen Generalmusikdirektors neu vergeben: Die musikalische Leitung der Neuproduktion Notre Dame in der Semperoper übernimmt mit Gerd Albrecht einer der Nestoren der neuen Musik in Deutschland. Zuletzt hatte Albrecht am gleichen Haus Othmar Schoecks Penthesilea dirigiert. Die Inszenierung wird zu den gelungensten Produktionen in der Intendanz von Gerd Uecker gezählt. Vielleicht kann die fast unbekannte Oper Notre Dame des österreichischen Komponisten Franz Schmidt an diesen Erfolg anschließen, steht doch neben einer hochkarätigen Besetzung (Camilla Nylund, Robert Gambill) auch der derselbe Regisseur auf dem Besetzungszettel: Günter Krämer, dessen bisherige Dresdner Produktionen (neben Penthesilea noch Strauss Die Liebe der Danae) immer Glücksfälle waren.
Montag, 8. Februar 2010
Juristisches Nachspiel in Dresden

Die außerordentlichen Kündigung von Fabio Luisi wird nun ein juristisches Nachspiel haben, da der Freistaat Sachsen nicht gewillt ist, sie zu akzeptieren. Für Irritationen sorgte der Rückzug Luisis mittlerweile auch an seinem künftigen Wirkungsort Zürich. Eine große Schweizer Tageszeitung fragt besorgt: Wird das Opernhaus ins Abseits dirigiert? An der Semperoper in Dresden dürfte man indessen zügig zum Alltag übergehen, noch in diesem Monat steht Wagners kompletter Ring auf dem Spielplan und mit großer Spannung wird die Entscheidung erwartet, welcher Dirigent die Wiederaufnahme von Luisi übernehmen wird. Das gleiche gilt für die Premiere von Franz Schmidts Notre Dame de Paris im April, eine der wichtigsten Premieren der Saison und die vorletzte der Amtszeit von Intendant Gerd Uecker. Alles wird sich nun auf den neuen starken Mann an der Semperoper konzentrieren: Christian Thielemann. Der hat gerade das Gastspiel in Baden-Baden mit seinen Münchner Philharmonikern mit Richard Strauss Elektra sehr erfolgreich absolviert und wird in der kommenden Woche das Dresdner Gedenkkonzert mit Beethovens Missa solemnis leiten. Das war schon lange so geplant und hat mit den aktuellen Entwicklungen nichts zu tun. Auch wenn er betont, dass er seinen Münchner Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison erfüllen wird ist davon auszugehen, dass seine Präsenz in Dresden in den nächsten Monaten kontinuierlich steigen wird. Thielemann gehört nicht zu den Jet-Set-Dirigenten und so werden sich in seinem Kalender noch einige Lücken finden lassen. Spätestens wenn sich die Anwälte von Luisi mit dem Freistaat geeinigt haben und der Pulverdampf verzogen ist wird man sagen, das ist ja noch mal gut gegangen...wie es eben in Dresden immer funktioniert!
Freitag, 5. Februar 2010
Luisi gibt auf

Die Nachricht kommt für viele nicht überraschend, der Zeitpunkt könnte aber nicht ungünstiger sein. Fabio Luisi gibt sein Amt als Generalmusikdirektor in Dresden mit sofortiger Wirkung auf. Noch in diesem Monat stehen die Festwochen zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Semperoper auf dem Programm, mit einer Wiederaufnahme von Wagners komplettem Ring der Nibelungen, unmittelbar danach sollten die Proben zu Franz Schmidts Notre Dame de Paris beginnen, einer fast nie gespielten Oper aus der der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts - auch das ein Projekt, für welches sich Luisi mit Nachdruck eingesetzt hatte. Was wird damit? Die Entfremdung zwischen dem italienischen Maestro und seinem Dresdner Orchester hatte schon vor längerem begonnen. Nach seiner frühen Ankündigung Dresden in Richtung Zürich zu verlassen, präsentierte man mit Christian Thielemann sehr schnell einen attraktiven Nachfolger und die Aktivitäten des Orchesters richteten sich von diesem Tag an vollkommen auf den neuen Chef aus. Das Fass zum Überlaufen brachte nun wohl das gemeinsam mit dem ZDF geplante Silvesterkonzert in diesem Jahr, für welches bereits Thielemann vorgesehen war. Für erste beschädigt sein dürfte nun auch die neue Intendantin der Semperoper Dr. Ulrike Hessler, die noch vor Amtsantritt eine Krise lösen muss, an der sie nicht ganz unschuldig ist. Luisi hatte sie von München nach Dresden geholt, dennoch hat sie frühzeitig auf Thielemann gesetzt. Die entscheidende Frage im Moment dürfte sein, wie schnell Thielemann unter den neuen Bedingungen nach Dresden wechselt. In der heutigen Ausgabe der FAZ schließt er einen vorzeitigen Weggang aus München aus, will aber prüfen, ob er fallweise für Dresden zur Verfügung stehen kann. Für die kommende Woche ist schon seit längerem Thielemanns Dirigat des Dresdner Gedenkkonzertes mit Beethovens Missa solemnis sowie seine öffentliche Vorstellung als zukünftiger Orchesterchef geplant.
Dienstag, 8. September 2009
Thielemann übernimmt von Luisi
Wegen Erkrankung von Fabio Luisi übernimmt Christian Thielemann das Dirigat der drei Termine des 2. Sinfoniekonzertes der Staatskapelle Dresden (13.-15. September). In Abänderung des ursrpünglich geplanten Progammes wird die achte Sinfonie von Anton Bruckner aufgeführt. Diese Umbesetzung ist mehr als Routine, gilt Thielemann doch als einer der möglichen Nachfolger von Luisi auf der in zwei Jahren vakant werdenden Dresdner Chefdirigentenposition. Luisi geht dann nach Zürich und Thielemanns Münchener Vertrag endet ebenfalls.
Die musikalische Leitung der aktuellen Vorstellungsserie der Salome (aktuell mit Nadja Michael in der Titelrolle) übernimmt Sebastian Weigle.
Die musikalische Leitung der aktuellen Vorstellungsserie der Salome (aktuell mit Nadja Michael in der Titelrolle) übernimmt Sebastian Weigle.
Mittwoch, 22. Juli 2009
Sommerpause in Dresden: Viele Fragen offen

Mit einigen dissonanten Tönen ist die Dresdner Musiksaison 2008/09 Anfang Juli zu Ende gegangen. Inzwischen traditionell endete die Spielzeit der Semperoper mit einer Vorstellung von Richard Strauss Der Rosenkavalier. Als Feldmarschallin überzeugte einmal mehr Camilla Nylund (auf dem Foto rechts), die hier an ihrem Stammhaus seit einiger Zeit als Kammersängerin geehrte, aber inzwischen auch in Wien, Salzburg und Paris als eine der wichtigsten Strauss- und Wagner-Interpretinnen ihrer Generation geschätzte Sopranistin. Ansonsten viel sängerische Routine und zu wenig Präzision in manchem Detail. Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wirkt inzwischen mächtig angestaubt, das Konzept die drei Akte in unterschiedlichen Zeitepochen spielen zu lassen trägt nicht so weit, wie es müsste. Im Jahr 2012 jährt sich die Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden zum hundertsten Mal, da besteht Handlungsbedarf für die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler, damit das vielleicht wichtigste Dresdner Repertoirestück zum Jubiläum in einer adäquaten Inszenierung auf dem Spielplan steht. (Das gilt übrigens auch für die Elektra – von der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus musste im Januar Abschied genommen werden.) Doch zu allererst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, nachdem Fabio Luisi überraschend seinen Weggang an das Opernhaus Zürich bekannt gegeben hat. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte das mit Christian Thielemann mehr als ein Ersatz gefunden wurde. Der Qualitätsfanatiker hat seinen Vertrag bei den Münchener Philharmonikern platzen lassen (dort war er immerhin der Nachfolger von Sergiu Celibidache und James Levine) und wäre ab 2012 frei für Dresden. Thielemann gilt als schwierig und kompromisslos, aber gerade das könnte ihm angesichts des Dresdner Traditionsbewusstseins zu Gute kommen. Sein schmales Kernrepertoire (Wagner, Strauss) passt wunderbar mit dem der Staatskapelle zusammen; diese Lösung hätte sogar einen gewissen Charme für den darnieder liegenden CD-Markt. Und die Aussicht, dass Thielemann nicht nur Konzerte sondern auch wieder regelmäßig Opernaufführungen dirigiert, dürfte den Spielplan der Semperoper nachhaltig attraktiver machen, auch überregional. Das ist dringend nötig, denn im bisher stets mit höchsten Auslastungszahlen verwöhnten Haus bleiben immer mehr Plätze frei. Dresdner Publikum und Touristen schaffen es auch zusammen immer seltener das Haus zu füllen und so blieben nicht nur bei der jüngsten Henze-Produktion von L’Upupa ganze Stuhlreihen leer, obwohl die Inszenierung von der Presse als eine der besten der Ära Gerd Uecker gefeiert wird, sondern übers Jahr auch in Aufführungen von Tristan und Isolde trotz einer fantastischen Evelyn Herlitzius oder bei Boris Godunow mit einem überragenden René Pape.

Der stellt seine ganze sängerische und darstellerische Präsenz auch noch mal in einer Vorstellung am Saisonende in den Dienst der in ihrer Eindimensionalität wirklich missratenen Inszenierung von Christian Pade aus dem vergangen Dezember. Und Elton John der am selben Abend auf dem Theaterplatz konzertiert muss warten, bis Pape fertig ist und die Semperopernbesucher das Haus verlassen haben. Schöne Arbeitsteilung. Ansonsten war das Wochenende gekennzeichnet von unerfreulichen Absagen. Waltraud Meier sollte mit der Dresdner Philharmonie am Elbufer einen großen Wagner-Abend gestalten (ihr konzertantes Brünnhilde-Debüt war angekündigt), wegen Hochwassers musste das ganze Konzert ausfallen. Auch der für das letzte Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden angekündigte Dirigent Sir Colin Davis musste seinen Auftritt wegen höherer Gewalt absagen: Er durfte England nicht verlassen, weil sein Reisepass von den britischen Behörden nicht rechtzeitig ausgestellt wurde. Zwei wirklich plausible Erklärungen im um Ausreden eigentlich nicht verlegenen Klassik-Betrieb. Jetzt ist Sommerpause, die Publikum und Musiker verlustieren sich auf diversen Sommerfestivals, schon Ende August geht alles wieder los. Dann streiten wir auch weiter über den neuen Dresdner Konzertsaal...was meint eigenlich Herr Thielemann dazu?
Dienstag, 30. Juni 2009
Fabio Luisi geht nach Zürich
Erst vor wenigen Tagen hat Fabio Luisi seinen überraschenden Weggang aus Dresden mitgeteilt. Viel schneller als gedacht sind jetzt seine beruflichen Perspektiven bekannt geworden. Gerüchte, dass er ab Herbst 2012 neuer Generalmusikdirektor am Opernhaus Zürich wird haben sich heute bestätigt. Er tritt das Amt zeitgleich mit dem neuen Intendanten Andreas Homoki an, dem derzeitigen Intendanten der Komischen Oper Berlin. In Zürich wird Luisi dann Danielle Gatti ablösen, der erst vor kurzem für drei Jahre als Musikchef verpflichtet wurde. Offenbar nicht betroffen ist Luisis Engagement als Chef der Wiener Symphoniker, welches er unverändert fortführen will.
Freitag, 26. Juni 2009
Fabio Luisi verlässt Dresden

Überraschend hat der Dresdner Generalmusikdirektor Fabio Luisi angekündigt, seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Er begründet seinen Entschluss "ausschließlich mit persönlichen und familiären Gründen." Ausschlaggebend dürfte aber auch das in letzter Zeit nicht immer ganz konfliktfreie Verhältnis zur Dresdner Staatskapelle sein. Die Bilanz der letzten Jahre fällt dann auch gemischt aus. Neben herrausragenden Premieren wie Rigoletto und Cardillac (nicht zu vergessen ein fulminantes Ring-Dirigat noch vor Luisis Amtsantritt 2006) standen mit Die Meistersinger von Nürnberg und Il trovatore eher kritisch aufgenommene Einstudierungen. Auch im - in Dresden sehr wichtigen - sinfonischen Bereich gab es viel höfliche Routine, der berühmte Funke sprang zu selten über. Nun also die frühzeitige Ankündigung des Rückzugs und damit alles auf Anfang. Nach dem bereits fixierten Wechsel in der Intendanz der Semperoper am Ende der kommenden Spielzeit von Gerd Uecker zu Ulrike Hessler steht damit auch eine Neubesetzung der musikalischen Leitungsposition an. Die Suche nach einer profilierten und renomierten Dirigentenpersönlichkeit - mit einschlägigen Erfahrungen sowohl im sinfonischen, wie auch im Opernbereich - wird auf keinen Fall einfach werden.
Sonntag, 12. April 2009
Esmeralda & Quasimodo in der Semperoper
Franz Schmidt (1874-1939) war zu seinen Lebzeiten einer der bekanntesten Komponisten Österreichs. Von den Nazis hofiert, machte er sich deren Ideologie nie zu eigen, wurde aber nach 1945 als "Mitläufer" diskreditiert. Schnell geriet er dann in Vergessenheit, ein Schicksal, dass er mit vielen Künstlern seiner Generation teilt. Sein recht überschaubares Werk gilt als sehr aufführungswirksam, weshalb es nicht verwundert, dass man immer mehr auf den vielleicht wichtigsten Vertreter der Wiener Spätromantik aufmerksam wird.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
Montag, 16. März 2009
Ein Held starb
Wenn eine Oper nach ihrer Uraufführung nur vier Vorstellungen erlebt und es dann 83 Jahre dauert, bis sie wieder in den Spielplan zurück kehrt, dann kann man nicht wirklich von einer Aufführungsgeschichte sprechen. Fast zu spät kehrt Hindemiths "Cardillac" heim auf die Bühne der Dresdner Semperoper.

Die Chorkostüme sind mit "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" bedruckt - genauso wirkungsvoll: Markus Marquardt als Cardillac
Jede Note atmet den Geist der zwanziger Jahre, eine expressionistisch grundierte Geschäftigkeit, eine von extremen Spannungen gespeiste Vitaltät. Im Vorfrühling des Jahres 2009 glaubt man kaum, dass es auch in Dresden mal so etwas gegeben hat, wie die "roaring twenties". So fern scheint das alles und so wenig entspricht das auch dem Klangideal der Staatskapelle Dresden. Doch das Orchester kommt unter der Leitung von Fabio Luisi erstaunlich gut mit der herben Schönheit der Partitur zurecht. Präzision im Detail und Sinn für die Effekte machen die transparente Interpretation zu einem wirklichen Genuss. Das gleiche gilt für den Staastsopernchor, der sich in den schön arrangierten Chorbildern mit klanglicher Fulminanz seiner Aufgabe stellt. In der kammerspielartig angelegten Handlung gibt es dann allerdings wenig Aktion und viel konventionelle Gestik zu sehen. Das groß angelegte Bühenbild mit den klappbaren Spiegelwänden ist nicht wirklich eine Hilfe, zu oft wirken die Sänger verloren auf der großen Semperopernbühne. Regisseur Philipp Himmelmann und sein Austatterteam interpretieren das Werk aus dem Geiste E.T.A. Hoffmanns und begeben sich dadurch in die düsteren Untiefen einer unverstandenen Künstlerexistenz. Vielleicht ist das ein Irrweg (den schon der russische Regisseur Issai Dobrowen bei der umstrittenen Uraufführung 1926 beschritt), denn Hindemith geht es um das Universelle, um das Prinzip "Cardillac". Ein Mörder als Held! In der Analyse von Individuum und Gesellschaft wird man wohl eher bei Sigmund Freud fündig werden oder viel aktueller im Theater von Bernard Marie Koltés ("Roberto Zucco"). Die Inszenierung bleibt auch in der zeitlichen Einordnung zu vage und unentschlossen. Eine Deutung des Werkes aus seiner Entstehungszeit würde der Geschichte besser auf den Grund kommen. Zu vieles bleibt im Ungefähren, der Abend gefällt, wo er weh tun müsste!
Durchweg erfreulich sind die Sängerleistungen. Markus Marquardt ist ein wunderbar kraftvoller Cardillac, er vollzieht mit der Rolle einen Fachwechsel zum Heldenbariton, man freut sich auf ein Wiederhören in anderen Partien. Anna Gabler als seine Tochter und Oliver Ringelhahn stehen ihm darstellerisch und sängerisch kaum nach. Bei Evelyn Herlitzius ist jeder Ton ein Edelstein (man hat sich schon so sehr daran gewöhnt, dass einen diese Sängerin immer überzeugt) und zusammen mit Rainer Trosts sicher geführtem Tenor gerät der erste Akt bereits zum Höhepunkt der Aufführung.

Luxusbesetzung im ersten Akt: Rainer Trost als Kavalier und Evelyn Herlitzius als Dame.
Insgsamt handelt es sich um einen gelungen Opernabend, nicht zuletzt wegen der geschlossen hervorragenden musikalischen Leistung; man hätte sich inszenatorisch einen stärker akzentuierten Zugriff auf das Werk vorstellen können. Das Dresdner Premierenpublikum gab sich dann auch interessiert und geizte nicht mit Applaus für Protagonisten, Regieteam, Chor und Orchester. Keine schlechten Voraussetzungen also, den "Cardillac" für das Repertoire zurück zu gewinnen, denn dort gehört er hin, zumal am Ort seiner Uraufführung. Man kann an einem Abend sicher keine acht Jahrzehnte Zwangspause überbrücken, aber ein Anfang ist gemacht.

Die Chorkostüme sind mit "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" bedruckt - genauso wirkungsvoll: Markus Marquardt als Cardillac
Jede Note atmet den Geist der zwanziger Jahre, eine expressionistisch grundierte Geschäftigkeit, eine von extremen Spannungen gespeiste Vitaltät. Im Vorfrühling des Jahres 2009 glaubt man kaum, dass es auch in Dresden mal so etwas gegeben hat, wie die "roaring twenties". So fern scheint das alles und so wenig entspricht das auch dem Klangideal der Staatskapelle Dresden. Doch das Orchester kommt unter der Leitung von Fabio Luisi erstaunlich gut mit der herben Schönheit der Partitur zurecht. Präzision im Detail und Sinn für die Effekte machen die transparente Interpretation zu einem wirklichen Genuss. Das gleiche gilt für den Staastsopernchor, der sich in den schön arrangierten Chorbildern mit klanglicher Fulminanz seiner Aufgabe stellt. In der kammerspielartig angelegten Handlung gibt es dann allerdings wenig Aktion und viel konventionelle Gestik zu sehen. Das groß angelegte Bühenbild mit den klappbaren Spiegelwänden ist nicht wirklich eine Hilfe, zu oft wirken die Sänger verloren auf der großen Semperopernbühne. Regisseur Philipp Himmelmann und sein Austatterteam interpretieren das Werk aus dem Geiste E.T.A. Hoffmanns und begeben sich dadurch in die düsteren Untiefen einer unverstandenen Künstlerexistenz. Vielleicht ist das ein Irrweg (den schon der russische Regisseur Issai Dobrowen bei der umstrittenen Uraufführung 1926 beschritt), denn Hindemith geht es um das Universelle, um das Prinzip "Cardillac". Ein Mörder als Held! In der Analyse von Individuum und Gesellschaft wird man wohl eher bei Sigmund Freud fündig werden oder viel aktueller im Theater von Bernard Marie Koltés ("Roberto Zucco"). Die Inszenierung bleibt auch in der zeitlichen Einordnung zu vage und unentschlossen. Eine Deutung des Werkes aus seiner Entstehungszeit würde der Geschichte besser auf den Grund kommen. Zu vieles bleibt im Ungefähren, der Abend gefällt, wo er weh tun müsste!
Durchweg erfreulich sind die Sängerleistungen. Markus Marquardt ist ein wunderbar kraftvoller Cardillac, er vollzieht mit der Rolle einen Fachwechsel zum Heldenbariton, man freut sich auf ein Wiederhören in anderen Partien. Anna Gabler als seine Tochter und Oliver Ringelhahn stehen ihm darstellerisch und sängerisch kaum nach. Bei Evelyn Herlitzius ist jeder Ton ein Edelstein (man hat sich schon so sehr daran gewöhnt, dass einen diese Sängerin immer überzeugt) und zusammen mit Rainer Trosts sicher geführtem Tenor gerät der erste Akt bereits zum Höhepunkt der Aufführung.

Luxusbesetzung im ersten Akt: Rainer Trost als Kavalier und Evelyn Herlitzius als Dame.
Insgsamt handelt es sich um einen gelungen Opernabend, nicht zuletzt wegen der geschlossen hervorragenden musikalischen Leistung; man hätte sich inszenatorisch einen stärker akzentuierten Zugriff auf das Werk vorstellen können. Das Dresdner Premierenpublikum gab sich dann auch interessiert und geizte nicht mit Applaus für Protagonisten, Regieteam, Chor und Orchester. Keine schlechten Voraussetzungen also, den "Cardillac" für das Repertoire zurück zu gewinnen, denn dort gehört er hin, zumal am Ort seiner Uraufführung. Man kann an einem Abend sicher keine acht Jahrzehnte Zwangspause überbrücken, aber ein Anfang ist gemacht.
Sonntag, 15. März 2009
Auch Götter haben es nicht leicht
Selten werden sie gespielt, die späten Opern von Richard Strauss. Zu Unrecht, wie sich gestern in der Dresdner Semperoper anlässlich der Wiederaufnahme von "Die Liebe der Danae" herausstellte.

Göttervater in Bedrängnis - vier Exgeliebte setzen Jupiter zu.
Jupiter hat schon lange ein Auge auf die schöne Danae geworfen, als deren Vater Pollux dringend Geld benötigt ergreift er die Gelegenheit und nähert sich ihr in Gestalt des armen Eseltreibers Midas, dem er dafür im Tausch die Gabe verleiht, alles zu Gold werden zu lassen. Doch Danae wiedersteht nicht nur dem Göttervater, sondern verliebt sich auch noch unrettbar in Midas. Mit klangschönem Tenor weiß Raymond Very in dieser undankbaren Rolle zu beeindrucken. Im Mittelpunkt sitzt Anne Schwanewilms zunächst auf dem Souffleurkasten und schaut versonnen ins Publikum, später macht sie mit glockenhellem Sopran Danaes Emanzipation zur selbstbestimmt liebenden Frau deutlich. Ihre mit starker Mittellage und flutender Höhe ausgestattete Stimme prädistiniert sie für die großen Frauenpartien der späten Opern des Komponisten. Die Überraschung des Abends ist Hans-Joachim Ketelsen als Göttervater Jupiter, mit Stimmkraft und Spielwitz wirft er sich in die Mammutpartie und trifft sowohl den ironischen Konversationston der Vorlage, wie auch die heldischen Phrasen im bewegenden Schlussmonolog, chapeau! Insgesamt agiert ein homogenes Ensemble, aus dem das Quartett der Königinnen mit Agnete Munk Rassmussen, Kyung-Hae Kang, Anke Vondung, Christa Mayer wirkungsvoll heraussticht. Die vier abgelegten Geliebten verbergen ihre Freude nicht, dass Jupiter diesmal nicht wie gewohnt zum Zuge kommt und sorgen sowohl in Badetracht, wie auch auf Schlittschuhen für Witz und Tempo - und beweisen, allesamt Ensemblemitglieder, einmal mehr, die sängerische Potenz des Dresdner Hauses. Die Inszenierung von Günter Krämer aus dem Jahr 2002 erzählt die eher sprunghafte Handlung mit geschickt und unaufwendig angelegten Bildern. Die Doppelung der Danae-Figur (als Double agiert mit großer Bühnenpräsenz die Schauspielerin Anna Franziska Srna) ermöglicht überraschende Wendungen, ohne dass diese Idee überstrapaziert wird. Unter Fabio Luisi erfreut die Staatskapelle Dresden mit einem differenzierten Klangbild, welches den weit gefassten Ansprüchen der Partitur so gerecht wird, wie man das von diesem Orchester erwarten darf. Eine musikalisch, wie szenisch bestens einstudierte Wiederaufnahme und ein kleiner Höhepunkt der laufenden Dresdner Opernsaison.

Das Geldproblem bleibt ungeklärt, wenn Götter mit Menschen händeln, dann geht es um andere Dinge.

Göttervater in Bedrängnis - vier Exgeliebte setzen Jupiter zu.
Jupiter hat schon lange ein Auge auf die schöne Danae geworfen, als deren Vater Pollux dringend Geld benötigt ergreift er die Gelegenheit und nähert sich ihr in Gestalt des armen Eseltreibers Midas, dem er dafür im Tausch die Gabe verleiht, alles zu Gold werden zu lassen. Doch Danae wiedersteht nicht nur dem Göttervater, sondern verliebt sich auch noch unrettbar in Midas. Mit klangschönem Tenor weiß Raymond Very in dieser undankbaren Rolle zu beeindrucken. Im Mittelpunkt sitzt Anne Schwanewilms zunächst auf dem Souffleurkasten und schaut versonnen ins Publikum, später macht sie mit glockenhellem Sopran Danaes Emanzipation zur selbstbestimmt liebenden Frau deutlich. Ihre mit starker Mittellage und flutender Höhe ausgestattete Stimme prädistiniert sie für die großen Frauenpartien der späten Opern des Komponisten. Die Überraschung des Abends ist Hans-Joachim Ketelsen als Göttervater Jupiter, mit Stimmkraft und Spielwitz wirft er sich in die Mammutpartie und trifft sowohl den ironischen Konversationston der Vorlage, wie auch die heldischen Phrasen im bewegenden Schlussmonolog, chapeau! Insgesamt agiert ein homogenes Ensemble, aus dem das Quartett der Königinnen mit Agnete Munk Rassmussen, Kyung-Hae Kang, Anke Vondung, Christa Mayer wirkungsvoll heraussticht. Die vier abgelegten Geliebten verbergen ihre Freude nicht, dass Jupiter diesmal nicht wie gewohnt zum Zuge kommt und sorgen sowohl in Badetracht, wie auch auf Schlittschuhen für Witz und Tempo - und beweisen, allesamt Ensemblemitglieder, einmal mehr, die sängerische Potenz des Dresdner Hauses. Die Inszenierung von Günter Krämer aus dem Jahr 2002 erzählt die eher sprunghafte Handlung mit geschickt und unaufwendig angelegten Bildern. Die Doppelung der Danae-Figur (als Double agiert mit großer Bühnenpräsenz die Schauspielerin Anna Franziska Srna) ermöglicht überraschende Wendungen, ohne dass diese Idee überstrapaziert wird. Unter Fabio Luisi erfreut die Staatskapelle Dresden mit einem differenzierten Klangbild, welches den weit gefassten Ansprüchen der Partitur so gerecht wird, wie man das von diesem Orchester erwarten darf. Eine musikalisch, wie szenisch bestens einstudierte Wiederaufnahme und ein kleiner Höhepunkt der laufenden Dresdner Opernsaison.

Das Geldproblem bleibt ungeklärt, wenn Götter mit Menschen händeln, dann geht es um andere Dinge.
Abonnieren
Posts (Atom)
