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Sonntag, 27. März 2016

Waltraud Meiers letzte Kundry















Am Ostermontag nimmt Ausnahmesängerin Waltraud Meier Abschied von einer ihrer Lebensrollen, im Schillertheater Berlin steht sie zum letzten Mal als Kundry auf der Bühne. Selbstverständlich dirigiert Daniel Barenboim, die Inszenierung von Dmitri Tcherniakov hatte vor einem Jahr Premiere. Seit 1983 hat Waltraud Meier die Kundry zunächst bei den Bayreuther Festspielen und später weltweit in mehr als zwanzig Inszenierungen verkörpert. Nun ist Schluss, von ihr allein beschlossen und verfügt. Sie kann loslassen, nur wenige Sängerkollegen schaffen es auf so souveräne Weise in die Zielgerade ihrer Karriere einzubiegen. Bereits im vergangenen Sommer hat sich Waltraud Meier in München von der Isolde - ihrer zweiten Lebenspartie - verabschiedet. Und wie! Genau zum richtigen Zeitpunkt, im phänomenalen Besitz ihrer sängerischen und darstellerischen Kraft. Wie kaum eine andere Sängerin hat sie in den letzten Jahrzehnten den Wagnergesang geprägt, an die Stelle der auftrumpfendern Tonproduktion vieler ihrer großen Vorgängerinnen hat sie eine Symbiose von musikalischer und darstellerischer Konkrektheit gesetzt, der man sich kaum entziehen kann. Ihre wissende und zugleich könnende Inhaltlichkeit wird lange nachwirken und markiert eine Linie, hinter die man bei Wagner jetzt nicht mehr zurück will. Was folgt? Der Kalender ist gut gefüllt, die von ihr geschätzten Liederabende sollen häufiger kommen und die Klytämnestra in Richard Strauss Elektra, mit der sie nun schon seit längerem zu erleben ist, die hat sie selber mal, als ihre Altersversicherung bezeichnet. Die Elektra-Inszenierung von Patrice Chéreau - mit dem sie auch die Marie in Wozzeck und die Isolde in unvergessenen Produktionen erarbeitet hat - steht in diesem Jahr noch in New York und Berlin auf dem Spielplan. Wir freuen uns darauf!

Sonntag, 16. März 2014

Elektra aus Aix nochmals auf ARTE



Der weithin geschätzte deutsch-französische Kulturkanal ARTE zeigt heute im Abendprogramm eine wirkliche Hommage an zwei große Künstler, den im Vorjahr verstorbenen Regisseur Patrice Chéreau und den Komponisten Richard Strauss. Die Elektra im letzten Sommer in Aix-en-Provence war Chéreaus letzte Arbeit. Esa-Pekka Salonen dirigiert, Evelyn Herlitzius, Waltraud Meier, Adrianne Pieczonka singen....mehr muss man wirklich nicht dazu sagen! Für eine Woche wird die Aufführung auf ARTE+7 abzurufen sein...

Samstag, 18. Januar 2014

Elektra-Premiere in Dresden

Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs















Die Sächsische Staatsoper läutet das Strauss-Jahr am Sonntag mit einer Elektra-Premiere ein, am Pult steht Christian Thielemann höchstselbst. Musikalisch dürfte bei der Besetzung mit Evelyn Herlitzius, Waltraud Meier, Anne Schwanewilms, René Pape, Frank van Aken und Nadine Secunde (als Aufseherin) nichts schief gehen. Bei der Inszenierung von Schauspielregisseurin Barbara Frey bleibt das abzuwarten. Die letzte Dresdner Elektra-Produktion stammte von Ruth Berghaus und ist mit ihrem Turm auf der Bühne längst Legende. Ebenso schwer dürfte die Deutungstiefe der aktuellen Inszenierung von Patrice Chéreau zu übertreffen sein, die der im Herbst letzten Jahres verstorbene Regisseur 2013 in Aix-en-Provence heraus gebracht hat.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Elektra live aus Aix-en-Provence


Morgen abend ist es soweit, aus Aix-en-Provence wird die neue Elektra in der Inszenierung von Patrice Chéreau auf arteliveweb übertragen. Die drei Hauptpartien sind mit Evelyn Herlitzius als Elektra, Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrienne Piezconka herausragend besetzt. Ohne Zweifel ist diese Produktion bereits einer der Höhepunkte der sommerlichen Opersaison 2013. Der Livestream ist für mehr als zwei Monate abrufbar und die Inszenierung wird in den nächsten Jahren um die Welt gehen, von Berlin bis Tokyo!



Donnerstag, 11. Juli 2013

Patrice Chéreau auf arte über Elektra



Gestern hatte beim Festival in Aix-en-Provence Richard Strauss Elektra in der Regie von Patrice Chéreau Premiere. Im arte-Format Square spricht der Meisterregisseur auf hochinteressante Weise über seine Arbeit. Die Vorstellung Elektra am 19. Juli 2013 wird auf arteliveweb übertragen.



Freitag, 25. Januar 2013

Patrice Chéreau inszeniert Elektra
















Darüber werden sich nicht nur Opernfreunde freuen: Meisterregisseur Patrice Chéreau inszeniert wieder. Richard Strauss Elektra wird in diesem Sommer beim Festival Aix-en-Provence als Neuproduktion herauskommen und geht dann über mehrere Saisonen durch die Spielpläne der Opernhäuser von New York, Helsinki, Barcelona und Berlin. Die musikalische Leitung hat Esa-Pekka Salonen übernommen, es spielt das Orchestre de Paris. Auf der Besetzungsliste finden sich illustere Namen wie Waltraud Meier, Evelyn Herlitzius und Adrianne Pieczonka (womit auch klar wäre warum letztere die Partie der Senta in Bayreuth nach nur einem Jahr aufgibt). Chéreau ist kein Vielinszenierer, seine letzte Opernarbeit Tristan und Isolde an der Mailänder Scala liegt bereits einige Jahre zurück. Seine Protagonistin damals war übrigens auch die hochgeschätzte Waltraud Meier.



Sonntag, 15. August 2010

Ein Kammerspiel in Breitwand


Man kann Regisseur Nikolaus Lehnhoff für diese Elektra im Großen Festspielhaus zu Salzburg gar nicht dankbar genug sein! Er machts nichts weniger, als dieses Schlüsselwerk des Musiktheaters des zwanzigsten Jahrhunderts wieder auf sich selbst zurück zu führen und stellt damit den Blick frei für eine völlig neue, unverbrauchte Sicht auf die Oper. Er liest Elektra als Kammerspiel (was die Theatervorlage ja auch ist) und macht daraus ein breites, existenzielles Tableau. Fast den ganzen Abend herrscht Dämmerung, kein Scheinwerfer wirft ein klärendes Licht von außen. Unerbittlich läuft das Geschehen und offenbart sich aus sich selbst. Die Welt ist nicht aus den Fugen, sie bleibt außen vor. Die großartige Bühne, ein gedehnter Unraum, den sich Elektra selbst erschaffen hat, nur sie. Anders kann sie nicht existieren. Zeit ist ihr nichts, ihre Rache alles. Lehnhoff und sein Bühnenbilder Raimund Bauer verzichten auf alle überstarken Setzungen und bieten den Sängern breiten Entfaltungsraum. Dennoch ist ihr Zugriff nicht zurückhaltend, im Gegenteil. Psychoanalytisch grundiert wird hier in aller Klarheit eine Geschichte aufgestellt, die es in sich hat, bei der man beim bloßen Zusehen fröstelt. Vielleicht das Wichtigste: Nie gerät das Geschehen auf der Bühne in Konkurrenz mit der Musik und bleibt doch immer mit ihr auf engste verknüpft. Das Opernregie eine Kunst ist - hier, in dieser Elektra sieht man es wieder auf das Schönste!

Lang erwartet wurde das Debüt von Waltraud Meier als Klytämnestra. Das hat sich gelohnt, was diese Ausnahmesängerin aus der Rolle macht ist bemerkenswert. Da steht keine Furie auf der Bühne, sondern eine desolate, bedürftige Frau, die sich jeder Situation ausliefern würde, um Ruhe zu finden. Die Meier macht das durchaus mit der ihr eigenen Noblesse und Grandezza, aber auch mit frappierender Detailgenauigkeit in der Darstellung und ohne die Figur auch nur in einem Moment zu verraten. Und auch das ist eine neue Erfahrung: Man kann die Klytämnestra singen und zwar jeden Ton, wenn man kann! Schon das lohnt die nicht ganz preiswerte Karte! Irene Theorin als Elektra liefert eine plausible Studie einer im selbsterrichteten Gefängnis gefangenen Frau. Ihre Situation ist ausweglos, ihre Rache Selbstzweck. Sängerisch kommt sie gut durch die Mammutpartie, in der Mittellage muss man bei ihr immer Abstriche machen und auch bei der Textverständlichkeit. Dennoch kann ihre Interpretation das Prädikakt "rollendeckend" in Anspruch nehmen, nicht zuletzt wegen der Fachvertreterinnen, die sonst mit der Rolle betraut werden. Als Chrysothemis überzeugt einmal mehr Eva-Maria Westbroek, die mit der Partie vor mehr als zehn Jahren ihren Durchbruch geschafft hatte. Aufgrund der vielfältigen stimmlichen Möglichkeiten steht ihr inzwischen ein breites Repertoire offen. Vielleicht sollte sie demnächst zur Rolle der Elektra wechseln, das wäre früh, aber konsequent. René Pape als Orest ist eine absolute Luxusbesetzung, der Sänger könnte mit seiner stimmlichen, wie darstellerischen Präsenz wohl jeden Abend tragen. Hier agiert kontrolliert und gefährlich, schon mit seinem Auftreten kommt eine andere Temperatur ins Geschehen. Der schreit nicht nach Rache wie Elektra, der tut es und der wird auch nicht aufhören. Mit einer subtilen Personenführung schärft die Regie hier die Handlung weit über das eigentliche Stück hinaus. Eher enttäuschend der Aegisth von Robert Gambill, man muss wohl sagen der ehemalige Heldentenor, der in Auftritt und Gesang farblos bleibt. Die kleineren Partien leisten einen substantiellen Beitrag, können aber schon vom Stück her kaum eigene Akzente setzen.

Die Wiener Philharmoniker spielen unter Danielle Gatti einen sehr ausgereifte, nicht vorschnell in eine Richtung getriebenen Strauss. Das ist alles sehr laut, aber dennoch differenziert und in den Details hörbar. Vielleicht könnte man sich für ein paar Momente eine etwas größere Sängerfreundlichkeit wünschen. Den breiten, sinfonischen Ansatz wandelt Gatti im Laufe das Abends zu einem musiktheatralischen, das funktioniert dann wirklich gut. Mitunter gerät das dann kraftvoll auftrumpfend und gemahnt an Guiseppe Verdi. Man hat schon andere Interpretationen gehört, aber diese ist auf jeden Fall auch eine gültige und passt perfekt in den Raum des Großen Festspielhauses. Vielleicht ist es zu hoch gegriffen, diese Inszenierung als die Aufführung des Jahres zu betiteln, aber in Salzburg wird wieder Richard Strauss gespielt. Und wie!

Freitag, 18. Juni 2010

Elektra aus Baden-Baden auf arte


In einer hochkarätig besetzten Produktion stand Anfang diesen Jahres Richard Strauss Elektra auf dem Programm des Festspielhauses Baden-Baden. Christian Thielemann dirigierte die Münchner Phiharmoniker, Linda Watson gab ihr Debüt in der Titelrolle, die Klytämnestra sang Jane Henschel, die Chrysothemis Manuela Uhl von der Deutschen Oper Berlin und Albert Dohmen den Orest. Große Beachtung fand auch René Kollo der erstmals als Aegisth auftrat und damit eine längere Abstinenz von der Opernbühne sehr erfolgreich beendet hat. Einstudiert wurde (wie im Vorjahr bei Richard Strauss Der Rosenkavalier) eine Inszenierung von Herbert Wernicke. Die Produktion kommt aus dem Repertoire der Bayerischen Staatsoper München, wo sie aber leider derzeit nicht zu sehen ist. Das überregionale Feuilleton war voll des Lobes für die gelungene Aufführungsserie. Am 21. Juni 2010 um 22.45 Uhr zeigt arte erstmals den kompletten Mitschnitt der Aufführung!

Die Protagnonisten privat, Bild von lindawatson.com

Mittwoch, 10. Februar 2010

Alles auf Anfang


Die Zeichen stehen auf Anfang: Der designierte Chef der Dresdner Staatskapelle dirigiert kommende Woche in der Semperoper Beethovens Missa solemnis. Zuvor stellt sich Christian Thielemann im Gespräch seinem neuen Dresdner Publikum und zwar am 12. Februar um 19 Uhr in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen am Straßburger Platz in Dresden (Eintritt 5 Euro). In der gestrigen FAZ hat er in einem ausführlichen Interview unter dem Titel Ich will als Dirigent immer das Schwerste Stellung zu seinen Dresdner Plänen. Er will an der Semperoper dort anknüpfen, wo er vor Jahren an der Deutschen Oper Berlin aufgehört hat, bei Puccini und dem späten Verdi, dazu kommen selbstverständlich die beiden Hausgötter Strauss und Wagner. Für die Besetzungen verspricht er neuen Glanz, so soll Renée Fleming zum ersten Mal in Dresden singen. Neben Dresden, wo er pro Saison 45 Abende dirigieren will, beschränkt er sich auf Bayreuth, Berlin und Wien. Er vergisst auch nicht die Dresdner Klangkultur und die Orchestertradition zu rühmen und sinniert über den Werkbegriff in der Musik. Frau Dr. Hessler, die neue Intendantin der Semperoper, hat unterdessen auf einer Preisverleihung in München (wo sie in Vertretung von Jonas Kaufmann auftrat) betont, dass sie nicht für Thielemanns Wechsel von München nach Dresden verantwortlich sei. An der Isar gibt man sich nun vollends dem Abschiedsschmerz hin - zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel Gier nach dem Exzeptionellen in einer Besprechung der konzertanten Einzelaufführung von Elektra am Sonntag in der Philharmonie.

Dienstag, 19. Januar 2010

Christian Thielemanns Pläne für Baden-Baden


Auch in diesem Winter gastieren die Münchner Philharmoniker wieder im Festspielhaus Baden-Baden, nach dem fulminanten Erfolg mit Richard Strauss Der Rosenkavalier im Vorjahr steht heuer dessen Elektra auf dem Programm. Unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann wird Linda Watson ihr Debüt in der Titelrolle geben, nicht die ursprünglich angekündigte Katarina Dalayman. In weiteren Rollen sind Jane Henschel (Klytämnestra), Manuela Uhl (Chrysothemis), René Kollo (Aegisth) und Albert Dohmen (Orest) zu erleben. Es erfolgt eine komplette Neueinstudierung der hochgelobten Inszenierung von Herbert Wernicke, die sich sonst im Repertoire der Bayerischen Staatsoper München befindet. Für das kommende Jahr wird keine Opernaufführung angekündigt, Thielemann wird dafür einen kompletten Zyklus aller Sinfonien von Johannes Brahms dirigieren, letztmalig mit seinem Münchner Orchester. Im Winter 2012 soll es erneut eine Oper von Richard Strauss geben: Ariadne auf Naxos. Dann werden aber nicht mehr die Münchner Philharmoniker an der Oos spielen, sondern die Staatskapelle Dresden, der Christian Thielemann dann vorstehen wird. Elektra wird auch in einer Vorstellung konzertant in München gespielt: Am 07. Februar in der Philharmonie im Gasteig, diese Vorstellung ist allerdings im Gegensatz zu den drei Aufführungen in Baden-Baden bereits ausverkauft. Auch wenn die Veröffentlichung auf DVD und CD sicher geplant ist, bleibt zu hoffen, dass die Inszenierung bald wieder im Nationaltheater zu sehen sein wird.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Sommerpause in Dresden: Viele Fragen offen


Mit einigen dissonanten Tönen ist die Dresdner Musiksaison 2008/09 Anfang Juli zu Ende gegangen. Inzwischen traditionell endete die Spielzeit der Semperoper mit einer Vorstellung von Richard Strauss Der Rosenkavalier. Als Feldmarschallin überzeugte einmal mehr Camilla Nylund (auf dem Foto rechts), die hier an ihrem Stammhaus seit einiger Zeit als Kammersängerin geehrte, aber inzwischen auch in Wien, Salzburg und Paris als eine der wichtigsten Strauss- und Wagner-Interpretinnen ihrer Generation geschätzte Sopranistin. Ansonsten viel sängerische Routine und zu wenig Präzision in manchem Detail. Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wirkt inzwischen mächtig angestaubt, das Konzept die drei Akte in unterschiedlichen Zeitepochen spielen zu lassen trägt nicht so weit, wie es müsste. Im Jahr 2012 jährt sich die Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden zum hundertsten Mal, da besteht Handlungsbedarf für die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler, damit das vielleicht wichtigste Dresdner Repertoirestück zum Jubiläum in einer adäquaten Inszenierung auf dem Spielplan steht. (Das gilt übrigens auch für die Elektra – von der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus musste im Januar Abschied genommen werden.) Doch zu allererst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, nachdem Fabio Luisi überraschend seinen Weggang an das Opernhaus Zürich bekannt gegeben hat. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte das mit Christian Thielemann mehr als ein Ersatz gefunden wurde. Der Qualitätsfanatiker hat seinen Vertrag bei den Münchener Philharmonikern platzen lassen (dort war er immerhin der Nachfolger von Sergiu Celibidache und James Levine) und wäre ab 2012 frei für Dresden. Thielemann gilt als schwierig und kompromisslos, aber gerade das könnte ihm angesichts des Dresdner Traditionsbewusstseins zu Gute kommen. Sein schmales Kernrepertoire (Wagner, Strauss) passt wunderbar mit dem der Staatskapelle zusammen; diese Lösung hätte sogar einen gewissen Charme für den darnieder liegenden CD-Markt. Und die Aussicht, dass Thielemann nicht nur Konzerte sondern auch wieder regelmäßig Opernaufführungen dirigiert, dürfte den Spielplan der Semperoper nachhaltig attraktiver machen, auch überregional. Das ist dringend nötig, denn im bisher stets mit höchsten Auslastungszahlen verwöhnten Haus bleiben immer mehr Plätze frei. Dresdner Publikum und Touristen schaffen es auch zusammen immer seltener das Haus zu füllen und so blieben nicht nur bei der jüngsten Henze-Produktion von L’Upupa ganze Stuhlreihen leer, obwohl die Inszenierung von der Presse als eine der besten der Ära Gerd Uecker gefeiert wird, sondern übers Jahr auch in Aufführungen von Tristan und Isolde trotz einer fantastischen Evelyn Herlitzius oder bei Boris Godunow mit einem überragenden René Pape.

Der stellt seine ganze sängerische und darstellerische Präsenz auch noch mal in einer Vorstellung am Saisonende in den Dienst der in ihrer Eindimensionalität wirklich missratenen Inszenierung von Christian Pade aus dem vergangen Dezember. Und Elton John der am selben Abend auf dem Theaterplatz konzertiert muss warten, bis Pape fertig ist und die Semperopernbesucher das Haus verlassen haben. Schöne Arbeitsteilung. Ansonsten war das Wochenende gekennzeichnet von unerfreulichen Absagen. Waltraud Meier sollte mit der Dresdner Philharmonie am Elbufer einen großen Wagner-Abend gestalten (ihr konzertantes Brünnhilde-Debüt war angekündigt), wegen Hochwassers musste das ganze Konzert ausfallen. Auch der für das letzte Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden angekündigte Dirigent Sir Colin Davis musste seinen Auftritt wegen höherer Gewalt absagen: Er durfte England nicht verlassen, weil sein Reisepass von den britischen Behörden nicht rechtzeitig ausgestellt wurde. Zwei wirklich plausible Erklärungen im um Ausreden eigentlich nicht verlegenen Klassik-Betrieb. Jetzt ist Sommerpause, die Publikum und Musiker verlustieren sich auf diversen Sommerfestivals, schon Ende August geht alles wieder los. Dann streiten wir auch weiter über den neuen Dresdner Konzertsaal...was meint eigenlich Herr Thielemann dazu?

Dienstag, 2. Juni 2009

Der Rest ist Schweigen

Die allerletzte Regieanweisung in der Partitur von Richard Strauss "Elektra" lautet Stille, dann fällt der Vorhang. Es ist etwas zu Ende gegangen. Hundert Jahre nach der Uraufführung stand das monumentale Musikdrama jetzt in zwei bemerkenswerten Repertoire-Aufführungen auf dem Spielplan der Staatsoper Unter den Linden Berlin.


Vergiss das Hackebeil nicht, wenn du zum Brunnen gehst...

In kaum einer der Elektra-Vorstellungen der letzten Jahre ist es gelungen, ein so hervorragendes Sängerinnen-Trio zu verpflichten. Mit Deborah Polaski steht für die Titelrolle eine erprobte Sängerdarstellerin zu Verfügung, die sich mit kontrollierter Emphase in die Partie wirft. Ihr gelingen auf diese Weise viele wunderbare Momente der Innerlichkeit, die sie mit einer wunderbaren Linienführung und überraschenden Piani beglaubigt. Das gleiche gilt für Anne Schwanewilms als fahrige Schwester Chrysothemis, sie steigert sich regelrecht in die Rolle hinein und gibt der Figur in ihrem ungebrochenen Lebenswillen eine existenzielle Dimension - und sie singt (!) das alles ganz großartig, mit viel Engagement, beipsielhaft! Das kann auch Jane Henschel für ihre Klytämnestra für sich in Anspruch nehmen. Mit beeindruckender Bühnenerscheinung und stimmlich in hervorragender Form macht sie die Verletzungen und die Tragik der versagenden Mutter deutlich. Auch für sie gilt: es wird gesungen - nicht, wie so oft nur deklamiert. Viele große Momente des Aufeinanderhörens, das ist selten. Stimmlich passen die drei Sängerinnen bermerkenswert gut zusammen und man kann wie auf einem Tableau drei Ausprägungen weiblicher Handlungsdynamik verfolgen und - wenn man will - verstehen. Das funktioniert durchweg so gut, dass man es kaum glauben kann und geht weit über den von der Inszenierung vorgelegten Deutungshorizont hinaus. Von dieser (vor mehr als einem Jahrzehnt von Dieter Dorn eingerichtet) bleiben nicht mehr als Arrangements, die sich dicht an der Angaben der Partitur halten. Zumindest die hektische Atmosphäre des Nachts am Hofe zeigt sich durch die kurzen und zügigen Auftritte der Nebenfiguren immer noch sehr eindrücklich. Aus dem Ensemble müssen Hanno Müller-Brachmann (Orest) und Rainer Goldberg (Aegisth) genannt werden, beide hier mit "großen" kleinen Auftritten - wie gewohnt auf den Punkt präzise und mit hervorragender Stimmkultur. Zusammengehalten wird das Geschehen aber durch die Staatskapelle Berlin im Orchestergraben unter der Leitung von Michael Boder. Dessen kluges und zugreifendes Dirigat bescherte einen großen Opernabend, der ein richtiges Erlebnis wird, welches eine Weile vorhalten muss, denn in der kommenden Saison planen weder die Staatsoper, noch die Deutsche Oper eine Elektra-Vorstellung. Warum eigentlich?

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