Posts mit dem Label Oper Köln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Oper Köln werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 15. September 2013
Olivier Py - der Pariser Opernpapst
In Frankreich gehört Olivier Py seit mindestens einem Jahrzehnt zu den prägenden Figuren der Theaterlandschaft, in Deutschland wurde er erst in der vergangen Opernsaison mit zwei sehr erfolgreichen Verdi-Inszenierungen in Köln (La forza del destino) und München (Il trovatore) bekannt, aber noch nicht so richtig berühmt. Das hat er vielleicht auch gar nicht mehr nötig, denn mit nicht weniger als drei Neuproduktionen wird Olivier Py in den nächsten Monaten den Pariser Opernherbst dominieren. Den Auftakt macht dabei in dieser Woche Glucks selten gespielte Alceste im Palais Garnier. Die auf beiden Seiten des Rheins geschätzte Mezzosopranistin Sophie Koch wird die Titelrolle singen, ein spannendes Rollendebüt für die zuletzt auch in München mit Wagner und Strauss reüssierende Sängerin. An ihrer Seite gibt Yann Beuron den Admète. Für diese Rolle war ursprünglich Roberto Alagna eingeplant, er hat sich aber vor einigen Monaten aus der Produktion zurückgezogen, was ihm jetzt Gelegenheit gab, kurzfristig an der Wiener Staatsoper als Don José einzuspringen. Die nächste Premiere unter der Leitung von Olivier Py ist für Anfang Oktober geplant, Giuseppe Verdis Aida in der großen Bastille-Oper unter der musikalischen Leitung von Philippe Jordan. Zwei ausgesuchte Besetzungen alternieren, das Ganze dürfte musikalisch wie szenisch ein Paukenschlag werden, nicht zuletzt weil des Pariser Opernorchester inzwischen auf bemerkenswert hohem Niveau spielt, auch das ein Verdienst des hier bereits im fünften Jahr arbeitenden Philippe Jordan. Im Dezember dann gibt es eines der Schlüsselwerke des französischen Repertoires zu sehen, Olivier Py bringt am Théâtre des Champs-Elysées Poulencs hochdramatisches Meisterwerk Dialogues des Carmélites zur Premiere. Neben Sophie Koch werden u.a. Patricia Petition, Sandrine Piau und Véronique Gens zu erleben sein - die Elite der französischen Sängerinnen gemeinsam in einer Produktion! Der Regisseur Py vereint mehrere Tugenden, die bei vielen seiner Kollegen in dieser Fülle kaum zu finden sind: Er beherrscht sowohl das große Bühnenspektakel, wie auch die prägnante Personenführung. Sein Arbeiten sind enorm reichhaltig, dabei immer voller Leidenschaft aus der Musik entwickelt und - was besonders auffällt - es steht immer eine Idee hinter ihnen, aus der sich viele kleine Ideen rekrutieren. Für Verdi scheint das heutzutage der ideale Weg zu sein und so gehört der Komponist auch zu Pys erklärten Favoriten. Mit dessen zuweilen sprunghaften Libretti hat er dabei keine Probleme, schon das markiert seine Ausnahmestellung. Scheinbar wenig plausible Dinge werden von ihm nicht verdruckst zur Seite gespielt, sondern geschärft ins Blickfeld gerückt. Und auch wenn es reizvoll ist, sich auf Pys Annäherungen, mal katholisch, mal psychoanalytisch und zur Not auch mal klassenkämpferisch grundiert, einzulassen - muss man das alles auch nicht mitdenken, sondern kann sich bei ihm einfach nur an der stimmig gearbeiteten Inszenierung erfreuen. Py ist Künstler und Handwerker zugleich, beides steht sich bei ihm nicht im Weg, im Gegenteil. Also hinfahren und anschauen! Für den Opernregisseur Py gibt es ab dem kommenden Jahr erst mal eine Pause, denn er übernimmt die Leitung des renommierten Festival d'Avignon. Wer es in den nächsten Wochen nicht nach Paris schafft kann probieren für die Wiederaufnahme von Il trovatore im November an der Bayerischen Staatsoper Karten zu bekommen. Was schwierig werden dürfte, weil wiederum Jonas Kaufmann singt (seine Leonora ist diesmal übrigens Krassimira Stoyanova). Bessere Chancen auf Plätze gibt es wohl an der Oper Köln, die im Januar 2014 noch eine Serie La forza del destino spielt.
Montag, 25. Juni 2012
Quo vadis Colonia?
Die Oper Köln steht - wieder einmal - in einer Existenzkrise. Intenant Uwe Eric Laufenberg hat das Haus nach monatelangen Querelen eher unfreiwillig verlassen, der GMD Markus Stenz kündigt seinen Abschied für 2014 an (Ich habe nur ein Künstlerleben). Drei bereits im Vorverkauf befindliche Neuproduktionen für die kommende Saison stehen ohne Regisseur da (Die Hochzeit des Figaro, Cosi fan tutte, Parsifal) und das Haus ohne einen Chef. Das Operngebäude ist endgültig für die Sanierung geschlossen, wann und wie es wieder eröffnet werden wird bleibt ungewiss. Das Ganze ist um so bedauerlicher, weil man in den vergangenen zwei Jahren den Eindruck gewinnen konnte, dass die Oper Köln wieder Land gewinnt und auch überregional eine Rolle spielt. Die mehr als zwanzig Jahre andauernde desaströse Kölner Kulturpolitik findet einen weiteren traurigen Höhepunkt. Wer soll diese Karre aus dem Dreck ziehen? Der geschasste Laufenberg will gegen seinen Rauswurf klagen. Die Nachrichtenlage wird also nicht bessser werden, aber man hat sich an solche Meldungen bereits gewöhnt. Düstere Aussichten in Köln!
Sonntag, 30. August 2009
Das wars - Bilanz der Opernsaion 2008/09
Kurz vor Beginn der neuen Saison soll Gelegenheit sein die abgelaufenden Spielzeit zu erinnern und einzuordnen. Wir nutzen die Gelgenheit noch ein Mal die Höhepunkte der vergangenen Monate noch mal ins Gedächnis zu rufen und vielleicht den einen oder anderen Vorstellungsbesuch anzuregen. Die meisten Aufführungen werden ja weiterhin in den Spielplänen zu finden sein. Kommentare sind übrigens erwünscht.
Unsere Rückschau beginnt im Sommer 2008 in Salzburg.

In der hochspannenden Rusalka - Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito welche das Märchen mit kaltem analytischen Blick und spannungsvoller Figurenzeichnung umsetzt brillierte ein Sängerensemble der Extraklasse: neben Camilla Nylund (Foto) in der Titelrolle waren das Pjotr Beczala als Prinz, Emily Magee als Fremde Fürstin und Birgit Remmert als Hexe Jezibaba. Artifiziell und sensibel gestaltetes Musiktheater mit hoher Wirkungskraft, bei dem keine Wünsche offen blieben. Auch musikalisch nicht, das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst schwelgte präzise und fulminant in der reichen, dramatischen Partitur.

Ebenfalls ein Höhepunkt im Salzburger Sommer 2008: Herzog Blaubart im Rollstuhl inszeniert durch den Holländer Johann Simons. Mit Falk Struckmann und Michelle deYoung standen zwei stimmlich, wie darstellerisch rollendeckende Protagonisten zur Verfügung. Unter Peter Eötvös liefern die Wiener Philharmoniker ein Musterbeispiel an klanglicher Differenzierung und intellektueller Durchdringung, ein Großteil der dramatischen Spannnung kommt aus dem Orchestergraben, sorgsam akzentuiert durch die Regie und die Bühne des Hamburger Malers Daniel Richter.

An der Oper Leipzig kann man erleben, dass die Frage nach dem Wohl oder Wehe des viel gescholtenen Regietheaters gegenstandslos bleibt. Dietrich Hilsdorf erzählt die Geschichte von Jenufa (im Orginal: Ihre Ziehtochter) als schlüssige Milieustudie. Ein wunderbar disponiertes Ensemble, souveräne Figurenzeichnung und eine durchdachte Konzeption - so einfach ist großes Musiktheater. Wenn am Ende Diane Pilcher als Alte Burya im Rollstuhl resigniert auf die Trümmer ihrer Famile und damit auch ihres Lebens schaut, dann ist das unerhört nahe bei Janacek und zugleich auch Regietheater par excellence. Musikalisch spielt der Abend dort, wo die Oper Leipzig hingehört, in der ersten Liga. Alles in allem: Eine Sternstunde - unbedingt anschauen, die Aufführung bleibt weiterhin im Repertoire!

Die sehr selten gespielte Ägyptische Helena von Richard Strauss kam in einer gelungenen und heftig akklamierten Inszenieurng an der Deutschen Oper Berlin heraus. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli nimmt das verschachtelte Stück ernst und gewinnt, nicht zuletzt wegen der grandiosen Ricarda Merbeth in der Titelrolle. Die wirft sich mit Vehemenz in eine der schwierigsten Partien des dramatischen Sopranfachs und bewältigt sie mit Bravour! Ein Genuss, wie sicher und souverän sie durch die tückische "zweite Brautnacht" geht. Vergleiche mit der legendären Christel Goltz die in der Presse angestellt wurden sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls eine geglückte Besetzung: Laura Aikin als Aithra. Fazit: Viel riskiert und alles gewonnen. Und: Auch die Drehbühne ist nicht out!

Die kulissenselige Inszenierung der Lucia di Lamermoor von Regisseur Filippo Sanjust an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 1980 gehört auf jeden Fall ins staubige Repertoirefach. Schon zu ihrer Premiere wollte sie nicht mehr, als nur die Handlung bebildern. Die im Frühjahr diesen Jahres anlässlich der Wiederaufnahme aufgebotene Besetzung ließ diese Zumutung allerdings rasch vergessen. Es war das Sängerfest der Saison in der (in dieser Hinsicht gar nicht so verwöhnten) Stadt! Klar und kernig Mariusz Kwiecien als Enrico mit strahlendem Bariton, Joseph Calleja mit ungefährdeter tenoraler Kraft als Edgardo und schließlich eine Elena Mosuc in Topform mit einer Verkörperung der Titelrolle, die wohl nicht nur im Moment als Maßstäbe setzend gelten kann (auch angesichts der Tatsache, das so unterschiedliche Sängerinnen wie Anna Netrebko und Edita Gruberova die Rolle im Repertoire haben). Riesenjubel, die Deutsche Oper stand Kopf - schön, dass es auch so was immer noch gibt!

Diese Inszenierung feiert schon seit Jahren einen unvergleichlichen Siegeszug über die europäischen Bühnen und gehört ab Herbst auch zum Programm der neuen Intendanz an der Opéra de Paris: Die Tote Stadt von Erich Wolfgang Konrngold in der Inszenierung von Willy Decker. Bei der diesjährigen Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper konnte man erneut erfahren, warum das so ist. Klug und poetisch rehabiltiert sie die Oper als ein Meisterwerk für das Repertoire. Angela Denoke als Marie/Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul harmonieren auf beeindruckende Weise sowohl in lyrischen Momenten, wie auch bei wohldosierter Dramatik. Eine Aufführung, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann und die immer wieder auf ganzer Linie beeindruckt.

Für ihre Darstellung der Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck, die seit vorletzter Saison an der Dresdner Semperoper auf dem Spielplan steht, hat sie jetzt den Theaterpreis "Faust" bekommen: Iris Vermillion. Auch bei der letzten Wiederaufnahme erwies sich sich als kongeniale Darstellerin der Kleistschen Extremfigur. Das mit Engagement agierende übrige Ensemble und die von Marc Albrecht zu Höchstleistungen inspirierte Staatskapelle Dresden machen die Inszenierung von Günter Krämer zu einem Glücksfall, zu einem Beweis für die enormen musiktheatralischen Möglichkeiten des modernen Repertoires der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Dresdner Aufführung sind noch viele Vorstellungen und ein aufgeschlossenes Publikum zu wünschen.

Zwischenzeitliche kursierte der Name des lettischen Dirigenten Andris Nelsons für die musikalische Leitungsposition an der Deutschen Oper Berlin. Daraus wurde leider nichts, bei der von ihm geleiteten Wiederaufnahme des Eugen Onegin in der Inszenierung aus dem Jahr 1996 von Götz Friedrich Ende April wurde deutlich welch vertane Chance das ist. Selten wurde eine Repertoirevorstellung an diesem Haus mit solchem Engagement, mit solcher Leuchtkraft dirigiert. Das Orchester spielt für diesen Abend in einer anderen Liga also sonst und bereitet den Sängern und dem präzise einstudierten Chor einen Klangteppich der Sonderklasse. Mit Olga Guryakowa (Tatjana), Bo Skovhus (Onegin), Andrej Dunajew (Lenski) und Eva Wolak (Olga) ist ein erlesenes Sängerquartett aufgeboten, welches konzentriert und mit großer Spielfreude agiert. Schön auch das erneute (und letzte?) Wiedersehen mit der "Chefin": Karan Armstrong als würdevoller Larina. Die nicht mehr ganz taufrische Inszenierung erweist sich als reizvolle und tragfähige Annäherung an ein gemeinhin eher unterschätztes Standardwerk.

Es schien zunächst der Theaterskandal des Jahres zu werden, Samson et Dalila an der Oper Köln inszniert von Tilman Knabe. Während der Proben stieg der halbe Chor und ein Teil des Ensembles aus. In der Aufführung dann bleibt nur schwer verständlich warum, denn diese geht wirklich unter die Haut. Der Schönklang der Musik von Camille Saint-Saéns wird kontrastriert durch ein schonungslos dargestelltes Bühnengeschehen, es herrscht Krieg. Das beeindruckt in seiner Radikalität, wird aber vom allabendlichen Fernsehprogramm dennoch in den Schatten gestellt. Die Inszenierung wirkt in ihrer Größe als Ganzes: durch gelungen strukturierte Massenszenen, die beiden Sänger der Hauptpartien Ursula Hesse von den Steinen und Ray Wade jr., das unter Enrico Delamboye mit Kraft und Detailfreude spielende Gürzenich-Orchester und nicht zuletzt durch eine mutig umgesetzte Konzeption.

Das Märchen nicht unbedingt für Kinder aufgeschrieben werden gerät mitunter in Vergessenheit. Bei Hans Werner Henze ist das nicht so, seine poetisch schillernde Oper L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe kam im Juni zur Premiere in der Dresdner Semperoper. Die Regie von Altmeister Nikolaus Lehnhoff holt das Stück nicht näher an uns heran, macht es aber dennoch auf prachtvolle Art wirksam und nachvollziehbar. Subtil und humorvoll geht er mit den zahlreichen musikalischen und szenischen Querverweisen um und kreiert daraus eine neue, eigene Interpretation, die aus sich selbst heraus lebt. Nichts ist zuviel, nichts fehlt. Dazu steht ihm ein wunderbar präpariertes Ensemble und ein wirklungsvolles Bühnenbild von Roland Aeschlimann zur Verfügung und - nicht zu vergessen - eine mit differenziertem Klangbild aufspielende Staatskapelle Dresden. Henze - schon zu Lebzeiten ein Klassiker, jetzt auch wieder an der Elbe!
Unsere Rückschau beginnt im Sommer 2008 in Salzburg.

In der hochspannenden Rusalka - Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito welche das Märchen mit kaltem analytischen Blick und spannungsvoller Figurenzeichnung umsetzt brillierte ein Sängerensemble der Extraklasse: neben Camilla Nylund (Foto) in der Titelrolle waren das Pjotr Beczala als Prinz, Emily Magee als Fremde Fürstin und Birgit Remmert als Hexe Jezibaba. Artifiziell und sensibel gestaltetes Musiktheater mit hoher Wirkungskraft, bei dem keine Wünsche offen blieben. Auch musikalisch nicht, das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst schwelgte präzise und fulminant in der reichen, dramatischen Partitur.

Ebenfalls ein Höhepunkt im Salzburger Sommer 2008: Herzog Blaubart im Rollstuhl inszeniert durch den Holländer Johann Simons. Mit Falk Struckmann und Michelle deYoung standen zwei stimmlich, wie darstellerisch rollendeckende Protagonisten zur Verfügung. Unter Peter Eötvös liefern die Wiener Philharmoniker ein Musterbeispiel an klanglicher Differenzierung und intellektueller Durchdringung, ein Großteil der dramatischen Spannnung kommt aus dem Orchestergraben, sorgsam akzentuiert durch die Regie und die Bühne des Hamburger Malers Daniel Richter.

An der Oper Leipzig kann man erleben, dass die Frage nach dem Wohl oder Wehe des viel gescholtenen Regietheaters gegenstandslos bleibt. Dietrich Hilsdorf erzählt die Geschichte von Jenufa (im Orginal: Ihre Ziehtochter) als schlüssige Milieustudie. Ein wunderbar disponiertes Ensemble, souveräne Figurenzeichnung und eine durchdachte Konzeption - so einfach ist großes Musiktheater. Wenn am Ende Diane Pilcher als Alte Burya im Rollstuhl resigniert auf die Trümmer ihrer Famile und damit auch ihres Lebens schaut, dann ist das unerhört nahe bei Janacek und zugleich auch Regietheater par excellence. Musikalisch spielt der Abend dort, wo die Oper Leipzig hingehört, in der ersten Liga. Alles in allem: Eine Sternstunde - unbedingt anschauen, die Aufführung bleibt weiterhin im Repertoire!

Die sehr selten gespielte Ägyptische Helena von Richard Strauss kam in einer gelungenen und heftig akklamierten Inszenieurng an der Deutschen Oper Berlin heraus. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli nimmt das verschachtelte Stück ernst und gewinnt, nicht zuletzt wegen der grandiosen Ricarda Merbeth in der Titelrolle. Die wirft sich mit Vehemenz in eine der schwierigsten Partien des dramatischen Sopranfachs und bewältigt sie mit Bravour! Ein Genuss, wie sicher und souverän sie durch die tückische "zweite Brautnacht" geht. Vergleiche mit der legendären Christel Goltz die in der Presse angestellt wurden sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls eine geglückte Besetzung: Laura Aikin als Aithra. Fazit: Viel riskiert und alles gewonnen. Und: Auch die Drehbühne ist nicht out!

Die kulissenselige Inszenierung der Lucia di Lamermoor von Regisseur Filippo Sanjust an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 1980 gehört auf jeden Fall ins staubige Repertoirefach. Schon zu ihrer Premiere wollte sie nicht mehr, als nur die Handlung bebildern. Die im Frühjahr diesen Jahres anlässlich der Wiederaufnahme aufgebotene Besetzung ließ diese Zumutung allerdings rasch vergessen. Es war das Sängerfest der Saison in der (in dieser Hinsicht gar nicht so verwöhnten) Stadt! Klar und kernig Mariusz Kwiecien als Enrico mit strahlendem Bariton, Joseph Calleja mit ungefährdeter tenoraler Kraft als Edgardo und schließlich eine Elena Mosuc in Topform mit einer Verkörperung der Titelrolle, die wohl nicht nur im Moment als Maßstäbe setzend gelten kann (auch angesichts der Tatsache, das so unterschiedliche Sängerinnen wie Anna Netrebko und Edita Gruberova die Rolle im Repertoire haben). Riesenjubel, die Deutsche Oper stand Kopf - schön, dass es auch so was immer noch gibt!

Diese Inszenierung feiert schon seit Jahren einen unvergleichlichen Siegeszug über die europäischen Bühnen und gehört ab Herbst auch zum Programm der neuen Intendanz an der Opéra de Paris: Die Tote Stadt von Erich Wolfgang Konrngold in der Inszenierung von Willy Decker. Bei der diesjährigen Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper konnte man erneut erfahren, warum das so ist. Klug und poetisch rehabiltiert sie die Oper als ein Meisterwerk für das Repertoire. Angela Denoke als Marie/Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul harmonieren auf beeindruckende Weise sowohl in lyrischen Momenten, wie auch bei wohldosierter Dramatik. Eine Aufführung, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann und die immer wieder auf ganzer Linie beeindruckt.

Für ihre Darstellung der Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck, die seit vorletzter Saison an der Dresdner Semperoper auf dem Spielplan steht, hat sie jetzt den Theaterpreis "Faust" bekommen: Iris Vermillion. Auch bei der letzten Wiederaufnahme erwies sich sich als kongeniale Darstellerin der Kleistschen Extremfigur. Das mit Engagement agierende übrige Ensemble und die von Marc Albrecht zu Höchstleistungen inspirierte Staatskapelle Dresden machen die Inszenierung von Günter Krämer zu einem Glücksfall, zu einem Beweis für die enormen musiktheatralischen Möglichkeiten des modernen Repertoires der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Dresdner Aufführung sind noch viele Vorstellungen und ein aufgeschlossenes Publikum zu wünschen.

Zwischenzeitliche kursierte der Name des lettischen Dirigenten Andris Nelsons für die musikalische Leitungsposition an der Deutschen Oper Berlin. Daraus wurde leider nichts, bei der von ihm geleiteten Wiederaufnahme des Eugen Onegin in der Inszenierung aus dem Jahr 1996 von Götz Friedrich Ende April wurde deutlich welch vertane Chance das ist. Selten wurde eine Repertoirevorstellung an diesem Haus mit solchem Engagement, mit solcher Leuchtkraft dirigiert. Das Orchester spielt für diesen Abend in einer anderen Liga also sonst und bereitet den Sängern und dem präzise einstudierten Chor einen Klangteppich der Sonderklasse. Mit Olga Guryakowa (Tatjana), Bo Skovhus (Onegin), Andrej Dunajew (Lenski) und Eva Wolak (Olga) ist ein erlesenes Sängerquartett aufgeboten, welches konzentriert und mit großer Spielfreude agiert. Schön auch das erneute (und letzte?) Wiedersehen mit der "Chefin": Karan Armstrong als würdevoller Larina. Die nicht mehr ganz taufrische Inszenierung erweist sich als reizvolle und tragfähige Annäherung an ein gemeinhin eher unterschätztes Standardwerk.

Es schien zunächst der Theaterskandal des Jahres zu werden, Samson et Dalila an der Oper Köln inszniert von Tilman Knabe. Während der Proben stieg der halbe Chor und ein Teil des Ensembles aus. In der Aufführung dann bleibt nur schwer verständlich warum, denn diese geht wirklich unter die Haut. Der Schönklang der Musik von Camille Saint-Saéns wird kontrastriert durch ein schonungslos dargestelltes Bühnengeschehen, es herrscht Krieg. Das beeindruckt in seiner Radikalität, wird aber vom allabendlichen Fernsehprogramm dennoch in den Schatten gestellt. Die Inszenierung wirkt in ihrer Größe als Ganzes: durch gelungen strukturierte Massenszenen, die beiden Sänger der Hauptpartien Ursula Hesse von den Steinen und Ray Wade jr., das unter Enrico Delamboye mit Kraft und Detailfreude spielende Gürzenich-Orchester und nicht zuletzt durch eine mutig umgesetzte Konzeption.

Das Märchen nicht unbedingt für Kinder aufgeschrieben werden gerät mitunter in Vergessenheit. Bei Hans Werner Henze ist das nicht so, seine poetisch schillernde Oper L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe kam im Juni zur Premiere in der Dresdner Semperoper. Die Regie von Altmeister Nikolaus Lehnhoff holt das Stück nicht näher an uns heran, macht es aber dennoch auf prachtvolle Art wirksam und nachvollziehbar. Subtil und humorvoll geht er mit den zahlreichen musikalischen und szenischen Querverweisen um und kreiert daraus eine neue, eigene Interpretation, die aus sich selbst heraus lebt. Nichts ist zuviel, nichts fehlt. Dazu steht ihm ein wunderbar präpariertes Ensemble und ein wirklungsvolles Bühnenbild von Roland Aeschlimann zur Verfügung und - nicht zu vergessen - eine mit differenziertem Klangbild aufspielende Staatskapelle Dresden. Henze - schon zu Lebzeiten ein Klassiker, jetzt auch wieder an der Elbe!
Montag, 22. Juni 2009
Das Glück kennt nur Minuten
Richard Strauss letzte Oper Capriccio - ein Konversationsstück mit Musik - spielt im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts. Nach dem Motto Prima la musica e poi le parole streiten der Komponist Flamand und der Musiker Olivier um die Vorherrschaft von Wort oder Musik und zugleich um die Gunst der Gräfin Madeleine. Dem hintersinnigen und anspielungsreichen Alterswerk wird gern Oberflächlichkeit und Langeweile nachgesagt - zu Unrecht wie die aktuelle Premiere an der Oper Köln nachhaltig unter Beweis stellte.

Willkommen im Elfenbeinturm.
Die Inszenierung von Christian von Götz macht aus der Handlung ein kongeniales Spiel im Spiel, angesiedelt in der Entstehungszeit des Stückes: 1942 - im von den Deutschen besetzten Paris. Alles ist nicht mehr als ein flüchtiger Traum in einer Samstagnacht, aber auch nicht weniger. Bilderstark, intellektuell überzeugend, emotional bewegend, getragen von einem intensiv agierenden Solisten-Ensemble wächst da ein Opernabend, dem man sich nicht entziehen kann. Die Rahmenhandlung ist behutsam inszeniert, nur zaghaft mit dem Capriccio-Spiel verknüpft, dann aber um so bewegender. Der Graf ist ein Nazi-Bonze und stellt jüdischen Flüchtlingen Passierscheine aus. Wenn die Gräfin an der Rampe sitzt und in Tränen ausbricht, weil sie bemerkt, dass ihr Schmuck einen jüdischen Vorbesitzer hatte, dieser stumme Moment wird zum Höhepunkt des Abends. Die Schlussworte "Das Souper ist serviert." markieren den Abschied. Die Utopie kann nicht von Dauer sein - das rückt sehr nah heran an Richard Strauss.

Auch Schreibtischtäter sind Menschen.
Mit Camilla Nylund steht als Gräfin eine wirklich herausragende Sängerin und Darstellerin zur Verfügung. Sie beherrscht sowohl die parlandohafte Leichtigkeit der Partitur, wie auch die große Gesangslinie. Ihre Interpretation der Figur kann so als exemplarisch gelten. Mit sicherem Gespür für das nötige Maß an Identifikation und Distanz und fein portionierter Ironie steht sie unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens. Ebenfalls hervorragend: Miljenko Turk in der Rolle des Dichters Olivier, der Hausbariton der Oper Köln, den man hoffentlich bald an anderer Stelle wieder hören wird. Hauke Möller steigert sich als Komponist Flamand zusehends, Ashley Holland ist rollendeckend ein zerrissener Graf. Als Schauspielerin Clairon überzeugt Ursula Hesse von den Steinen durch komödiantischen Zeichnung ihrer Figur. Mit viel Kraft, aber zu wenig Differenzierungsvermögen gibt Michael Eder den Theaterdirektor La Roche, er kommt souverän durch die Partie, bleibt aber zu viel an stimmlicher Gestaltung schudlig. Das gilt leider auch für das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Markus Stenz. Es wird mit Liebe zum Details gespielt, aber nicht mit Inspiration musiziert, was für diese zu ein paar Ausführlichkeiten neigende Oper aber dringend notwendig wäre.

Der Traum ist aus.
Dieser außerordentlich gelungene Capriccio kündet auf beeindruckende Weise von den Möglichkeiten eines realistischen Musiktheaters mit poetischer Rafinesse und politischer Relevanz. Das die Inszenierung inhaltlich etwas wagt stellt man bei dem geglückten Ergebnis kaum in Rechnung. Die letzte Produktion der Oper Köln, bevor der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg sein Amt antritt (vom Ende einer Ära will man nicht sprechen) setzt ein Achtungszeichen. Es geht doch!

Willkommen im Elfenbeinturm.
Die Inszenierung von Christian von Götz macht aus der Handlung ein kongeniales Spiel im Spiel, angesiedelt in der Entstehungszeit des Stückes: 1942 - im von den Deutschen besetzten Paris. Alles ist nicht mehr als ein flüchtiger Traum in einer Samstagnacht, aber auch nicht weniger. Bilderstark, intellektuell überzeugend, emotional bewegend, getragen von einem intensiv agierenden Solisten-Ensemble wächst da ein Opernabend, dem man sich nicht entziehen kann. Die Rahmenhandlung ist behutsam inszeniert, nur zaghaft mit dem Capriccio-Spiel verknüpft, dann aber um so bewegender. Der Graf ist ein Nazi-Bonze und stellt jüdischen Flüchtlingen Passierscheine aus. Wenn die Gräfin an der Rampe sitzt und in Tränen ausbricht, weil sie bemerkt, dass ihr Schmuck einen jüdischen Vorbesitzer hatte, dieser stumme Moment wird zum Höhepunkt des Abends. Die Schlussworte "Das Souper ist serviert." markieren den Abschied. Die Utopie kann nicht von Dauer sein - das rückt sehr nah heran an Richard Strauss.

Auch Schreibtischtäter sind Menschen.
Mit Camilla Nylund steht als Gräfin eine wirklich herausragende Sängerin und Darstellerin zur Verfügung. Sie beherrscht sowohl die parlandohafte Leichtigkeit der Partitur, wie auch die große Gesangslinie. Ihre Interpretation der Figur kann so als exemplarisch gelten. Mit sicherem Gespür für das nötige Maß an Identifikation und Distanz und fein portionierter Ironie steht sie unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens. Ebenfalls hervorragend: Miljenko Turk in der Rolle des Dichters Olivier, der Hausbariton der Oper Köln, den man hoffentlich bald an anderer Stelle wieder hören wird. Hauke Möller steigert sich als Komponist Flamand zusehends, Ashley Holland ist rollendeckend ein zerrissener Graf. Als Schauspielerin Clairon überzeugt Ursula Hesse von den Steinen durch komödiantischen Zeichnung ihrer Figur. Mit viel Kraft, aber zu wenig Differenzierungsvermögen gibt Michael Eder den Theaterdirektor La Roche, er kommt souverän durch die Partie, bleibt aber zu viel an stimmlicher Gestaltung schudlig. Das gilt leider auch für das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Markus Stenz. Es wird mit Liebe zum Details gespielt, aber nicht mit Inspiration musiziert, was für diese zu ein paar Ausführlichkeiten neigende Oper aber dringend notwendig wäre.

Der Traum ist aus.
Dieser außerordentlich gelungene Capriccio kündet auf beeindruckende Weise von den Möglichkeiten eines realistischen Musiktheaters mit poetischer Rafinesse und politischer Relevanz. Das die Inszenierung inhaltlich etwas wagt stellt man bei dem geglückten Ergebnis kaum in Rechnung. Die letzte Produktion der Oper Köln, bevor der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg sein Amt antritt (vom Ende einer Ära will man nicht sprechen) setzt ein Achtungszeichen. Es geht doch!
Abonnieren
Posts (Atom)

