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Freitag, 2. Oktober 2015

Les contes d'Hoffmann heute live aus der Komischen Oper















Die Komische Oper Berlin streamt heute abend die Premiere von Les contes d'Hoffmann gratis ab 18.55 Uhr auf ihrer Website, die Inszenierung hat Hausherr Barrie Kosky übernommen, der auch durch den Abend im Netz führen wird. Zum ersten Mal wird die Oper übringens nicht auf deutsch, wie bislang auf der Behrensstraße üblich, sondern in Orginalsprache auf die Bühne gebracht. Auf der Homepage das Hauses heißt es zur Konzeption: Regisseur Barrie Kosky erzählt Offenbachs skurril-fantastische Geschichte als verstörenden Alptraum eines Künstlers, der des eigenen Ichs mehr und mehr verlustig zu gehen droht, – mit nur einer Sopranistin in allen vier Frauenrollen, aber mehreren Hoffmann-Darstellern. Dabei wird die Titelpartie in den ersten beiden Akten der Oper zum ersten Mal in ihrer 130-jährigen Aufführungsgeschichte so gesungen, wie der Komponist sie ursprünglich geplant hatte: von einem Bariton! Könnte interessant werden, viel Spaß beim Reinschauen!


Freitag, 27. März 2015

Anne Sofie von Otter in der Komischen Oper






















Die aus Schweden stammende Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter gastiert am 22. April 2015 mit ihrem Programm Douce France in der Komischen Oper Berlin. Auf dem mit einem Grammy ausgezeichneten gleichnamigen Doppel-Album aus dem vergangenen Jahr präsentiert sie eine Reise durch die französische Musik aus zwei Jahrhunderten, von Claude Debussy bis Edith Piaf. Stilsicher und wandelbar zeigt die hin und wieder auch skrupulöse Ausnahmekünstlerin welchen Rang sie nach wir vor inne hat. Ihre jahrzehntelange, skandalfreie Karriere auf der Bühne wie im Aufnahmestudio dauert noch an. Viele ihrer frühen Aufnahmen haben Referenzcharakter, ihre Konzerte und Liederabende sind immer Ereignisse, die in Erinnerung bleiben. Der Vorverkauf für den seltenen Auftritt in der deutschen Hauptstadt im April läuft!

Dienstag, 23. November 2010

Semperoper hat bundesweit beste Kennzahlen


Nach einer Untersuchung der Zeitschrift Wirtschaftswoche ist die Dresdner Semperoper das wirtschaftlich bestgeführte Haus in Deutschland. Kein anderes Musiktheater erreicht einen Kostendeckungsgrad von mehr als 40 Prozent, die Sächsische Staatsoper sogar 43! Damit einher geht eine sehr hohe Auslastung von weit über 90 Prozent. Als Gegenbeispiel wird die Komische Oper Berlin aufgeführt, die bei einer Auslastung von 63 Prozent nur eine Kostendeckung von 17 Prozent erreicht. Bei den kleineren Häusern steht Dessau mit 11 Prozent an der Spitze, die hinteren Plätze belegen Heidelberg, Rostock und Halle. Die Studie prognostiziert, dass die öffentlichen Zuschüdsse in den nächsten Jahren um zehn Prozent sinken werden und dadurch jedes zehnte Haus in seiner Existenz gefährdet ist. Aktuelle Schließungsdiskussionen aus Wuppertal und Bonn stützen diese These. Grundlage der Untersuchung waren die Zahlen der vergangenen Spielzeit 2009/2010, ob sich die Dresdner Erfolgsgeschichte in der Zukunft fortschreiben wird muss sich noch herausstellen. In der aktuellen Saison kämpft auch die Semperoper mit Auslastungsproblemen, gerade wochentags bleiben viele Sitze leer. Die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler versucht das Programm und damit das Publikum zu verjüngen. Eine dringend notwendige, aber auch eine Mammutaufgabe, weil es gilt, das Haus gleichermaßen für Touristen attraktiv zu halten und für neue Besucherkreise zu öffnen. Das wird ohne gewisse Besuchereinbrüche kaum zu leisten sein.

Sonntag, 7. November 2010

Peter Schneider an der Komischen Oper Berlin


Kaum ein Dirigent vereint Souveränität, Sängerfreundlichkeit und profunde Werkkenntnis im deutschen Fach so sehr wie Peter Schneider, früher nannte man das ganz wertfrei kapellmeisterliche Tugenden. Seine Interpretationen sind durchhörbar und detailreich, dabei immer spannungsvoll und nie zufällig. Auch der erfahrene Zuhörer kann ihnen viel abgewinnen. Seit Jahrzehnten ist Schneider deshalb eine stabile Größe im Musikbetrieb, ob in München, Dresden oder Wien. In Bayreuth übernahm er 2006 das Tristan-Dirigat in der Marthaler-Inszenierung vom im Premierenjahr grandios gescheiterten Eiji Oue, der inzwischen schon in Vergessenheit geraten ist. Heute abend springt Peter Schneider an der Komischen Oper in Berlin als Dirigent für Die Meistersinger von Nürnberg ein, das dürfte sein spätes Debüt an diesem Haus sein. Die von vielen Seiten hochgelobte Inszenierung stammt vom Hausherrn Andreas Homoki und steht seit Saisonbeginn auf dem Spielplan.

Sonntag, 6. Juni 2010

Die BiFi muss mit!


An der Komischen Oper Berlin gibt heute abend Nicolas Stemann sein Debüt als Opernregisseur. Der seit vielen Jahren im Sprechtheater sehr erfolgreiche Theatermann inszeniert Jaques Offenbachs nicht ganz so bekannte Opéra-bouffe La Périchole. In Berlin hat Stemann zuletzt regelmäßig am Deutschen Theater gearbeitet und mit Don Carlos und Die heilige Johanna der Schlachthöfe zwei sehr sehenswerte Inszenierungen gezeigt. Im Rahmen des Theatertreffens war seine jüngste Arbeit Die Kontrakte des Kaufmanns, die Einrichtung eines neuen Textes von Elfriede Jelinek, zu sehen. Sein Inszenierungsstil ist kräftig, deutlich und im besten Fall unverwechselbar. Die ganze Aufmerksamkeit gilt weniger dem Text, als vielmehr dem performenden Schauspieler. Wer Stemann kennt sieht der Premiere heute mit großem Interesse entgegen. Es könnte ihm eine große, bilderstarke, Fragen stellende Aufführung gelingen. Geht es schief, dann ordnet sich auch die letzte Neuproduktion in eine äußerst unterdurchschnittliche Saison an der Komischen Oper ein. Nach den ersten Fotos scheint alles möglich. Für alle, die nicht vor Ort sein können oder wollen überträgt 3sat die Premiere heute abend zeitversetzt ab 20.15 Uhr!

Samstag, 22. Mai 2010

Kleine Presserundschau 21. Mai 2010


Christian Thielemann war erstmals mit seinem neuen Orchester, der Dresdner Staatskapelle auf Tournee und die österreichische Tageszeitung Die Presse ist nach dem Gastspiel im Musikverein Wien ganz euphorisch: Unter dem Titel Wien erwächst wieder Konkurrenz schreibt sie Anders als in München steht ihm in Dresden ein Klangkörper zur Verfügung, der schon von sich aus auf Spitzenniveau aufspielt. Der in München geborene Tenor Jonas Kaufmann (Foto) ist wohl vorerst auf dem Gipfel seines Ruhms angelangt, im Sommer debütiert er als Lohengrin in Bayreuth und die Bayerische Staatsoper plant bereits bis 2015 mit ihm, allein noch in diesem Jahr steht er dort als Cavaradossi und Florestan auf der Bühne. In Bayreuth trifft er dann auch auf einen anderen Überflieger: den noch jungen lettischen Dirigenten Andris Nelsons, der mit dem Dirigat der Neuinszenierung des Lohengrin durch Hans Neuenfels (wahrscheinlich der älteste Bayreuth-Debütant in diesem Jahr) betraut wurde. An der Staatsoper Unter den Linden übernehmen in zwei Wochen die Bauarbeiter und Architekten das Zepter. Die Komische Oper Berlin hat als letztes der drei haupstädtischen Opernhäusern den Spielplan für die neue Saison veröffentlicht. Der geneigte Zuschauer rieb sich allerdings verwundert die Augen, denn alles bleibt, wie es ist. Nur am Haus schon sattsam bekannte Namen, alter Wein in alten Schläuchen, da bleibt es wohl auch mit der Auslastung so wie es ist, bei gefühlten 50 Prozent! Die Berliner Zeitung beklagt das ganz unprosaisch: Es wird eben nicht spannend. Einer taucht gar nicht mehr auf: der erst vor zwei Jahren herbeigeholte Chefdirigent Christian St. Clair. Er gibt auf, geht vorfristig von Bord und wird durch den jungen Kapellmeister Patrick Lange ersetzt, der nicht weniger als 61 Vorstellungen, davon drei Premieren dirigieren soll. Wir wünschen viel Glück und frohe Pfingsten!

Samstag, 1. Mai 2010

Kleine Presserundschau 01. Mai 2010

Der aus dem Norden stammende Schriftsteller Marcel Beyer erklärt, warum er nach 14 Jahren Urlaub von Dresden braucht. Christine Schäfer erzählt, dass sie sich für die zweite Callas hielt und warum sie ihre CDs nur noch in Eigenregie prodziert. DIE WELT fand nicht viel Gutes an der Dresdner Neuproduktion von Franz Schimdts Notre Dame. Die Bayerische Staatsoper hat jetzt ein eigenes Opernblog, auf welches wir natürlich sehr gern hinweisen. Rolando Villazon ist gerade in Sachen comeback unterwegs (wir haben bereits ausführlich darüber berichtet), sein jüngster Auftritt sorgt für Streit, weil die sehr teuren Karten zur allgemeinen Überraschung doch nicht so einfach verkauft werden konnten und private Veranstalter in Hamburg einen Preiskrieg heraufziehen sehen. Die New Yorker MET steht zu Saisonschluss mit durchwachsener Bilanz da, hat aber einen neuen ständigen Gastdirigenten, der erst vor kurzem in Dresden aufgegeben hat. An der Komischen Oper Berlin hatte vor einer Woche eine gewöhnungsbedürftige Fassung von Beethovens Fidelio Premiere, die Kritikerin des Tagesspiegels sah sich zwar nicht dem Untergang des Abendlandes, aber vielleicht dem des Musiktheaters nah. Vielleicht hat sie sogar recht?

Viel Spaß beim Lesen und ein schönes Wochenende!

Sonntag, 26. Juli 2009

Drei Karten

Vor einigen Tagen konnte man unter den vermischten Kulturmeldungen lesen, dass der musikalische Leiter des Bolschoi-Theaters Alexander Verdernikow aus Protest gegen die Verzögerungen und Einsparungen bei der Generalsanierung des Moskauer Hauses seinen Rücktritt eingereicht hat. Um so mehr überraschte es, den Namen des Dirigenten am selben Abend auf dem Besetzungszettel der Komischen Oper Berlin zu finden.



Dort dirigierte er die letzte Saisonvorstellung der aktuellen Inszenierung von Tschaikowskis Pique Dame und zwar mit Umsicht und Brillianz, großen Bögen und Sinn fürs Detail. Musikalisch war das einer der besten Abende in der Komischen Oper in der laufenden Saison, was da für ein filigran und dicht gewebter Klangteppich aus dem Orchestergraben wogte, wie der Reichtum der Partitur deutlich wurde und wie engagiert die Musiker bei der Sache waren, das ließ schmerzliche Erinnerungen an den vormaligen musikalischen Leiter Kyrill Petrenko aufkommen. Bei ihm waren solche Abende Alltag. Mit Robert Künzli als Hermann und Elena Semonova als Lisa waren die Hauptrollen gut besetzt, der Rest des umfangreichen Ensembles zeigt sich souverän und prägnant (besonders Mirko Janiska als Jeletski).



Der große Auftritt der Gräfin ist auch ohne Anja Silja ein Ereignis, Eva Gilhofer gurrt und wispert und ist ganz die große Verführerin. An dieser Stelle geht auch das Konzept von Regisseur Thilo Reinhardt bestens auf, die Oper als Psychogramm des unglücklich Liebenden Hermann anzulegen, der erst dann zum Spieler wird. Das ist näher an Tschaikowski und auch an der Puschkinschen Vorlage, als viele andere Interpretationen. Von wenigen Akzenten abgesehen gibt sich die Inszenierung angenehm zurückhaltend, die Geschichte wird durch die vielgestaltige Musik erzählt und vorangetrieben. Die Entscheidung im postsowjetisch angehauchten Einheitsbühnenbild zu spielen ist dabei konsequent, führt aber im Laufe des Abends zu einigen unmotivierten Auf- und Abgängen insbesondere des Chors. Da fehlt dann leider doch die inszenatorische Rafinesse.



Es wird in den Solopartien sehr textverständlich gesungen, in den Ensembles ist kein Wort zu verstehen und man vermisst schmerzlich die lautmalerischen Effekte der russischen Sprache, die für Tschaikowskis Kompostionsstil eigentlich essentiell sind. Noch scheint es ein unverzichtbares Alleinstellungsmerkmal der Komischen Oper zu sein, das gesamte Repertoire in deutscher Sprache zu bringen. Aber eine Inszenierung wie diese Pique Dame würde auch nur durch Musik und Aktion verstehbar sein und das musikalische Erlebnis wäre ungleich kompletter. Nichtsdestotrotz, ein großer, ein schöner Abend!

Montag, 20. Juli 2009

Einmal Batavia und zurück bitte!

Seit mit dem Metropol-Theater das Berliner Stammhaus für die Operette geschlossen ist hat macht es sich die Komische Oper zur Aufgabe, dieses Genre zu pflegen. Die aktuelle Produktion in dieser Reihe ist „Der Vetter aus Dingsda“ des Berliner Komponisten Eduard Künneke.

Die junge Regisseurin Cordelia Däuper nimmt das Stück sehr ernst und gerät schon mit ihrer Grundentscheidung auf eine falsche Fährte. Die pathologische, aber dennoch unbedarfte Schwärmerei eines Landmädchens für einen nach Batavia entschwundenen Jugendfreund mit dem heutigen Bollywood-Starkult zu kontrastieren, hat nur kurzzeitig Wirkung. Dem Stück hilft es nicht über die Runden. Vielmehr wird mit jedem Filmausschnitt deutlich, woran es der Aufführung fehlt: Form, Stringenz und natürlich auch Opulenz. Das mit ein paar Trashelementen lieblos zusammengestellte Bühnenbild erschöpft sich schon nach kurzer Zeit, ebenso der Witz mit Auf- und Abfahrten der einzelnen Personen. Es marthalert hier ein wenig und konwitschnyt dort ein bisschen, aber alles mehr gewollt, als gekonnt.

Unter Patrick Lange müht sich das Orchester der Komischen Oper durch die eigentlich spritzige und abwechslungsreiche Partitur durchzukommen. Mit einem schlanken flexiblen, eher am Big-Band-Style orientierten Klang – der bei dieser Berliner Operette nahe liegt – hat das nur sehr wenig zu tun. Man kann einen Ohrwurm auch als solchen präsentieren, wenn man seiner Sache sicher ist. Julia Kamenik enttäuscht als Julia de Veert, ihre Stimme trägt nicht dahin, wo die Operette wohnt und auf der Szene erreicht sie nie die unverkrampfte Präsenz, bei der man gern hinsieht. Von Anna Borchers (Hannchen) ist über den Abend nicht sehr viel zu hören. Am wackersten schlägt sich noch Uwe Schönbeck als Josef Kuhbrodt, er hat mit Spielwitz und Tempo viele Lacher auf seiner Seite, konterkariert aber damit eher das Konzept der Inszenierung. An seiner Seite Christiane Oertel im hohen Opernton, der hier auch nicht richitig passt, aber die Idee zur Figur stimmt immerhin. Peter Renz liefert im Rollstuhl tapfer eine Studie des verklemmten Egon von Wildenhagen, der Sänger kann ungleich mehr. Mit Charme und Aplomb stattet Christoph Späth den falschen Roderich aus Batavia aus und mit seinem Auftritt bekommt die Inszenierung endlich auch noch eine Portion Ironie.

Schade, wenn das, was die Komische Oper derzeit als Operette anbietet (Der Vetter aus Dingsda, Das Land des Lächelns, Die Fledermaus) wirklich der Stand der Dinge ist, dann steht es wirklich schlecht um dieses Genre. Dem geneigten Operettenfreund sei deshalb die Reise an die Volksoper Wien, die Dresdner Staatsoperette oder die Musikalische Komödie Leipzig angeraten. Andernorts bemüht man sich mit mehr Idee und mehr Elan um die leichte Muse – die wie alles Einfache recht schwer zu machen ist. (An der Volksoper Wien läuft eine unvergleichlich gelungenere Aufführung von Der Vetter aus Dingsda in der Inszenierung von Olivier Tambosi.)

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