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Donnerstag, 23. März 2017
Dresdner Lohengrin bei ARTE und bald auf DVD
Im Mai 2016 debütierte Anna Netrebko an der Dresdner Semperoper als Elsa und sang damit ihre erste Wagnerrolle - das Ereignis war viele Jahre im Voraus angekündigt und wurde mit Spannung erwartet. Es hat mehr als gut funktioniert, kurz danach hat sie mit zwei Vorstellungen in St. Petersburg nachgelegt. Ob sie die Elsa allerdings jemals wieder singen wird steht in den Sternen, im Moment sind keine weiteren Termine angekündigt. Gerüchte über einen Auftritt bei den Bayreuther Festspielen, wenn dort 2018 ein neuer Lohengrin herauskommt, wurden bislang nicht bestätigt. Jetzt wird aber endlich die Aufzeichnung der Dresdner Aufführung zugänglich, ARTE zeigt den Lohengrin am 30. April 2017 ab 22.50 Uhr in voller Länge. Und auch für die DVD-Veröffentlichung durch die Unitel kursiert schon seit längerem ein Coverentwurf. Die musikalische Leitung hatte selbstverständlich Christian Thielemann inne, neben Netrebko war ein kaum besser auszuwählendes Solistenensemble engagiert: Evelyn Herlitzius als Ortrud, Georg Zeppenfeld als König Heinrich, Tomasz Konieczny als Telramund und - als besonderer Clou - Piotr Beczala mit seinem Debüt in der Titelpartie, dem bislang auch keine weiteren Lohengrin-Auftritte folgten. Gespielt wurde die aufpolierte Uralt-Inszenierung von Christine Mielitz aus dem Jahr 1983, die noch im Dresdner Schauspielhaus, zwei Jahre vor der Wiedereröffnung der Semperoper zur Premiere kam.
Samstag, 25. Juli 2015
Bayreuth-Auftakt 2015 mit Premiere von Tristan und Isolde
Die diesjährigen Bayeruther Festspiele starten heute mit der langerwarteten Premiere von Tristan und Isolde in der Regie von Katharina Wagner und unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann. In den Titelpartieren sind Stephen Gould und Evelyn Herlitzius zu erleben, als König Marke Georg Zeppenfeld, als Brangäne Christa Mayer und als Kurwenal Iain Paterson. Nur wenige Einblick gab es im Vorfeld in die neue Inszenierung, es ist von geometrischen Formen die Rede und dass dem Nichtzusammenkommenkönnen von Tristan und Isolde auch räumlich Ausdruck verschafft wird. Der zweite Akt soll in einem Gefängnis spielen und Tristan im dritten Akt bereits tot. Musikalisch dürfte eine Sternstunde vorherzusagen sein, Christian Thielemann hat den Tristan zwölf Jahre nicht mehr dirigiert - in Bayreuth noch nie - und sich dem Extremwerk nun ganz neu angenähert. Ungewöhnlich aufreibend waren die letzten Wochen auf dem Grünen Hügel sicher auch wegen der zahlreichen kursierenden Gerüchte und Beschuldigungen zu diversen Themen. Da wird mittlerweile jedes Jahr viel Porzellan zerschlagen, was längst Bestandteil des Rituals ist. Man müsste das mal wissenschftlich untersuchen. Erstaunlich offen zeigten sich Katharina Wagner und Christian Thielemann in ungewöhnlich zahlreichen Interviews im Vorfeld der Eröffnung ohne jedoch konkret Stellung zu beziehen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Ab sofort geht es also um Richard Wagner, endlich! Auch wer nicht im Besitz einer Festspielkarte ist bekommt Gelegenheit sich eine Meinung zu bilden: Der Bayerische Rundfunk überträgt die heutige Premiere ab 16 Uhr komplett live im Radio, in zwei Wochen wird die Aufführung dann im Kino und einen Tag später im Fernsehen übertragen. Und die bundesdeutsche Presse berichtet auch in diesem Jahr ausführlich...
Sonntag, 19. Juli 2015
Tristan und Isolde aus Bayreuth am 8.8.15 auf 3sat
Zum ersten Mal geben die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr eine Neuproduktion bereits im ersten Jahr in die mediale Verwertung. Die mit Spannung erwartete Neuinszenierung von Tristan und Isolde durch die bald alleinige Festspielchefin Katharina Wagner und in der musikalischen Leitung durch den neuberufenen Bayreuther Musikdirektor Christian Thielemann wird nicht nur am 07. August 2015 ab 15.45 Uhr in diversen Kinos in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen sein, sondern auch einen Tag später im Fernsehen, im gemeinsamen Kulturkanal der drei Länder. Ab 20.15 Uhr zeigt 3sat am 08. August 2015 den den kompletten Mitschnitt der Tristan-Aufführung vom Vortag ohne Pausen. Die Bayreuther Festspiele beginnen am kommenden Wochenende, in diesem Jahr gab es im Vorfeld außergewöhnlich viel vom üblichen Theaterdonner, ohne den das Musikfestival inzwischen kaum noch denkbar scheint. Dieser reichte von einem angeblichen Hügelverbot für die scheidenden Festspielchefi Eva Wagner-Pasquier über die überraschende Berufung von Christian Thielemann zum Musikdirektor bis hin zur erneuten, nun kurzfristigen Umbestzung der Isolde, die Partie wird jetzt von Evelyn Herlitzius gesungen. Die auch in Bayreuth erfahrene Sängerin zeigte sich bei ihren jüngsten Auftritten in Zürich und München als Elektra in Topform und das soll auch für den Tristan-Sänger Stephen Gould gelten. Beste Voraussetzungen als, damit es nun wieder verstärkt um die Kunst gehen könnte...
Dienstag, 30. Juni 2015
Evelyn Herlitzius singt Isolde in Bayreuth 2015
Erneute Umbesetzung bei der Eröffnungsproduktion der Bayreuther Festspiele in diesem Jahr: Evelyn Herlitzius übernimmt die Partie der Isolde in der Neuproduktion in der Regie von Katharina Wagner. Anja Kampe, welche erst seit einigen Monaten eingeplant war, hat die Partie "im Einvernehmen" mit den Festspielen zurück gelegt, sie wird weiterhin als Sieglinde im Ring auftreten. Im nächsten Jahr steht Herlitzius wohl schon nicht mehr zur Verfügung, denn dann soll Petra Lang die Isolde übernehmen. Evelyn Herlitzius hat eine lange Bayreuth-Vergangenheit, sie war am Grünen Hügel bereits die Brünnhilde im Flimm-Ring, die Kundry im Schlingensief-Parsifal und die Ortrud im Premierenjahr des Ratten-Lohengrins von Hans Neuenfels. Alles Referenzen, die sie für die neue Aufgabe auszeichnen, auch die Isolde hat sie schon länger im Repertoire und an wichtigen Häusern gesungen. Über die Gründe für diese Umbesetzung kann viel spekuliert werden, das Bayreuther Festspieltheater hat in diesem Jahr mit dem vermeintlichen Hügelverbot für Eva Wagner-Pasquier besonders früh und auch besonders intensiv begonnen. Die Wahl des Ring-Dirigenten Kirill Petrenko zum Chef der Berliner Philharmoniker in der vergangenen Woche wird dessen Verhältnis zu Christian Thielemann, der den neuen Tristan dirigiert, nicht gerade verbessert haben. Außerdem hat Anja Kampe eine anstrengende Saison hinter sich und auch wenn sie die Isolde schon gesungen hat ist sie vielleicht aktuell nicht in der Form, um sich unter Bayreuther Verhältnissen auf dieses Abenteuer einzulassen.
Donnerstag, 19. März 2015
Jonas Kaufmann singt Siegmund in Baden-Baden
Im Sommer 2016 wird Jonas Kaufmann in zwei konzertanten Aufführungen von Richard Wagners Die Walküre im Festspielhaus Baden-Baden als Siegmund zu hören sein. Die musikalische Leitung der Aufführungen hat Valery Gergiev inne, es spielt das Orchester des Marinskij-Theaters St. Petersburg - man weiß in Baden-Baden schließlich, was man seinem Publikum schuldig ist. Bislang hatte Jonas Kaufmann die Partie nur an der Metropolitan Opera in New York gesungen, er ist derzeit ohne Zweifel eine der wenigen Idealbesetzungen in dieser Rolle. An seiner Seite sind René Pape als Wotan, Eva-Marie Westbroek als Sieglinde und Evelyn Herlitzius als Brünnhilde zu erleben. Der Mitschnitt einer Aufführung in St. Petersburg mit Kaufmann und Pape aus dem Jahr 2012 ist auf CD erschienen.
Sonntag, 16. März 2014
Elektra aus Aix nochmals auf ARTE
Der weithin geschätzte deutsch-französische Kulturkanal ARTE zeigt heute im Abendprogramm eine wirkliche Hommage an zwei große Künstler, den im Vorjahr verstorbenen Regisseur Patrice Chéreau und den Komponisten Richard Strauss. Die Elektra im letzten Sommer in Aix-en-Provence war Chéreaus letzte Arbeit. Esa-Pekka Salonen dirigiert, Evelyn Herlitzius, Waltraud Meier, Adrianne Pieczonka singen....mehr muss man wirklich nicht dazu sagen! Für eine Woche wird die Aufführung auf ARTE+7 abzurufen sein...
Samstag, 18. Januar 2014
Elektra-Premiere in Dresden
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| Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs |
Die Sächsische Staatsoper läutet das Strauss-Jahr am Sonntag mit einer Elektra-Premiere ein, am Pult steht Christian Thielemann höchstselbst. Musikalisch dürfte bei der Besetzung mit Evelyn Herlitzius, Waltraud Meier, Anne Schwanewilms, René Pape, Frank van Aken und Nadine Secunde (als Aufseherin) nichts schief gehen. Bei der Inszenierung von Schauspielregisseurin Barbara Frey bleibt das abzuwarten. Die letzte Dresdner Elektra-Produktion stammte von Ruth Berghaus und ist mit ihrem Turm auf der Bühne längst Legende. Ebenso schwer dürfte die Deutungstiefe der aktuellen Inszenierung von Patrice Chéreau zu übertreffen sein, die der im Herbst letzten Jahres verstorbene Regisseur 2013 in Aix-en-Provence heraus gebracht hat.
Donnerstag, 18. Juli 2013
Elektra live aus Aix-en-Provence
Morgen abend ist es soweit, aus Aix-en-Provence wird die neue Elektra in der Inszenierung von Patrice Chéreau auf arteliveweb übertragen. Die drei Hauptpartien sind mit Evelyn Herlitzius als Elektra, Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrienne Piezconka herausragend besetzt. Ohne Zweifel ist diese Produktion bereits einer der Höhepunkte der sommerlichen Opersaison 2013. Der Livestream ist für mehr als zwei Monate abrufbar und die Inszenierung wird in den nächsten Jahren um die Welt gehen, von Berlin bis Tokyo!
Mittwoch, 27. Februar 2013
Semperoper Dresden - Saison 2013/14
Die Sächsische Staatsoper hat als erstes großes deutsches Opernhaus das Programm für die kommende Saison veröffentlicht. Diese ist dem Hauskomponisten Richard Strauss gewidmet, Elektra gibt es als starbesetzte Neuproduktion (Waltraud Meier, Evelyn Herlitzius, Anne Schwanwilms, René Pape) im Januar 2014, Christian Thielemann dirigiert, Barbara Frey inszeniert. Die vom Schauspiel kommende Regisseurin hat in München vor ein paar Jahren eine ziemlich langweilige Jenufa inszeniert, die gerade wieder zu sehen ist (Livstream am 09. März 2013) und ist sonst in der Oper kaum in Erscheinung getreten. In Dresden tritt sie in große Fußstapfen, war doch die Elektra bis vor kurzem über zwei Jahrzehnte in der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus zu sehen. Weitere Strauss-Positionen im Spielplan sind die selten bis nie gespielten Frühwerke Guntram (konzertant unter Omer Meir Wellber) und Feuersnot (open-air unter Stefan Klingele) sowie Ariadne auf Naxos und Salome. Thielemann dirigiert eine Reprise vom Rosenkavalier, der in Dresden jetzt wohl immer Chefsache ist (Isokoski, Rose, Sindram, Farcas). Warum nicht? Die zweite Opernpremiere von Christian Thielemann ist endlich mal ein Verdi mit ihm: Simone Boccanegra - inszeniert von Jan Philipp Gloger mit Maria Agresta, Kwangchul Youn, Zeljko Lucic und Ramon Vargas. Weitere Opernpremieren sind mit King Arthur, Carmen und Cosi fan tutte angekündigt, beides Stücke, die bis vor kurzem noch gespielt wurden. Ebenfalls weiter läuft der Wagner-Zyklus: Tristan und Isolde kommt mit dem Rollendebüt von Eva-Maria Westbroek (Frank van Aken als Tristan, Georg Zeppenfeld als Marke, Asher Fish dirigiert) und Der fliegende Holländer als Reprise der ausstehenden Neuproduktion. Tannhäuser wird in einer recht unambitionierten Hausbesetzung unter Constantin Trinks gezeigt, der auch eine Serie der letztjährigen Ausgrabung Schwanda, der Dudelsackpfeifer dirigieren wird. Jürgen Müller ist so etwas wie der neue Haustenor, dagegen fehlen viele angestammte Dresden Sängernamen wie Anja Harteros, Camilla Nylund, Klaus Florian Vogt inzwischen vollständig auf den Besetzungslisten. Ebenfalls verlustig gegangen ist man des vollmundig angepriesenen Hausregisseurs Stefan Herheim, von ihm steht in der neuen Saison keine einzige Produktion auf dem Spielplan, er hat in Dresden auch nie eine wirkliche Premiere herausgebracht, Rusalka und Lulu waren Übernahmen, genau wie nächste Woche die Premiere Manon Lescaut (aus Graz). Der Rest des Repertoires zielt deutlich auf das touristische Publikum, das nach wie vor gut sortierte Ensemble ist im Dauereinsatz. Die Intendanz bleibt weiterhin vakant, es findet sich wohl niemand, der zu Christian Thielemann passen will. Ein bisschen Licht, aber auch viel Schatten an der Elbe!
Freitag, 25. Januar 2013
Patrice Chéreau inszeniert Elektra
Darüber werden sich nicht nur Opernfreunde freuen: Meisterregisseur Patrice Chéreau inszeniert wieder. Richard Strauss Elektra wird in diesem Sommer beim Festival Aix-en-Provence als Neuproduktion herauskommen und geht dann über mehrere Saisonen durch die Spielpläne der Opernhäuser von New York, Helsinki, Barcelona und Berlin. Die musikalische Leitung hat Esa-Pekka Salonen übernommen, es spielt das Orchestre de Paris. Auf der Besetzungsliste finden sich illustere Namen wie Waltraud Meier, Evelyn Herlitzius und Adrianne Pieczonka (womit auch klar wäre warum letztere die Partie der Senta in Bayreuth nach nur einem Jahr aufgibt). Chéreau ist kein Vielinszenierer, seine letzte Opernarbeit Tristan und Isolde an der Mailänder Scala liegt bereits einige Jahre zurück. Seine Protagonistin damals war übrigens auch die hochgeschätzte Waltraud Meier.
Samstag, 8. Dezember 2012
Lohengrin aus der Scala im Web
Wer die gestrige TV-Übertragung versäumt hat kann diese noch eine Woche auf der arte-Homepage als Stream anschauen. Die DVD-Veröffentlichung wird dann sicher auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mehr zum Stück erzählt Jonas Kaufmann hier, smart guy! Viel Freude beim Anschauen!
Freitag, 16. November 2012
Lohengrin live aus der Mailänder Scala
| Anja Harteros und Jonas Kaufmann im Münchner Lohengrin |
Es ist beinahe schon eine Tradition: arte überträgt die Saisoneröffnung, welche alljährlich genau am 07. Dezember erfolgt, live aus der Mailänder Scala. Dieses Jahr steht eine Neuproduktion von Richard Wagners Lohengrin an, inszeniert von Claus Guth und musikalisch geleitet von Daniel Barenboim. Die Besetzung - schon seit längerem bekannt - hat absolutes Starniveau: Jonas Kaufmann gibt den Lohengrin, Anja Harteros die Elsa, René Pape den Köning Heinrich, Evelyn Herlitzius die Ortrud, Tomas Tomasson den Telramund und Zeljko Lucic den Heerrufer. Vor längerer Zeit hatte Martin Kusej angekündigt, die Regie zu übernehmen, wurde dann aber relativ unbemerkt ausgetauscht. Ob die Produktion auch nach Berlin an die Staatsoper gehen soll ist nicht bekannt. Die Übertragung beginnt um 20.15 Uhr und dauert bis nach Mitternacht.
Freitag, 1. April 2011
Ein lauter Liederabend

Wer die in Dresden lebende Sopranistin Evelyn Herlitzius kennt und schätzt war erstaunt, ihren Namen in der Reihe der Liederabende in der Semperoper angekündigt zu lesen. Im Vorfeld war zu erfahren, dass es sich um ihr Debüt als Liedsängerin handelt. Das konnte man mit Spannung erwarten, wurde aber insofern enttäuscht, das Herlitzius die hochdramatische und expressive Sängerin bleibt, die sie als Ortrud, Brünnhilde, Salome und Leonore seit vielen Jahren ist. Auf der Opernbühne ist sie geradezu unvergleichlich - wie sie ihre Partien interpretiert, das kann man mögen oder nicht, es setzt allerdings Maßstäbe. Die Interpretation von Kunstliedern, das wird an diesem Abend rasch klar, wird nur ein Randbereich ihres Repertoires bleiben. Solche glutvollen Interpretationen von Mussorgski haben sicher ihre Berechtigung, auch Brahms kann man so singen, Alban Berg vielleicht auch. Es geht aber auch anders! Wirklich neue Akzente setzen diese Interpretationen nicht. Herlitzius singt einfach sehr laut, was gegen die Konvention ist und auf Kosten vieler Nuancen und Differenzierungen geht. Johannes Wulf-Woesten am Piano hat da wirklich einen schweren Part und ist mitunter kaum zu vernehmen. Vielleicht war auch die Auswahl der Stücke nicht optimal für die Sängerin. Das ohnehin nur schütter besetzte Parkett der Semperoper reduzierte sich in der Pause noch einmal. Die Semperoper zieht die Konsequenzen und stellt die verdienstvolle Reihe zum Saisonende ein.
Mittwoch, 23. Februar 2011
Bayreuther Besetzungen 2011 online

Die Sängerbesetzungen bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen sind online veröffentlicht worden. Allein drei neue Solisten gibt es im erstmals wieder aufgenommenen Lohengrin aus dem Vorjahr: Klaus Florian Vogt in der Titelrolle, Petra Lang als Ortrud und Tómas Tómasson als Telramund. Georg Zeppenfeld übernimmt zum ersten Mal den Veit Pogner in den Meistersingern, als Stolzing debütiert Burkhard Fritz. Neu als Parsifal dabei ist Simon O'Neill. In der aktuellen Neuproduktion Tannhäuser singen Camilla Nylund, Stephanie Friede, Michael Nagy und Lars Clevemann.
Mittwoch, 11. August 2010
Salzburger Festspiele 2011 - das Opernprogramm

Noch laufen die aktuellen Festspiele in Salzburg auf vollen Touren, die letzten Premieren fanden erst Anfang dieser Woche statt, da sickern bereits Details der Planungen für die kommende Saison durch. Bereits länger bekannt ist, dass Christian Thielemann eine Neuproduktion von Richard Strauss Die Frau ohne Schatten dirigieren wird. Auf dem Besetzungszettel stehen Evelyn Herlitzius, Anne Schwanewilms, Stephen Gould und Wolfgang Koch, die Regie übernimmt Christoph Loy. Als weitere große Opernproduktion ist Janáčeks Die Sache Makropulos angekündigt, in einer Neuinszenierung durch Christoph Marthaler. Dirigieren wird Esa-Pekka Salonen, zuletzt nur noch selten im Opernbereich anzutreffen. Peter Stein, der in diesem Jahr zusammen mit Klaus Maria Brandauer als Ödipus auf Kolonos ein sehr gelungenes Salzburg-Comeback auf der Perner-Insel feiern konnte, soll Guiseppe Verdis Macbeth inszenieren, das Dirigat liegt bei Ricardo Muti. Außerdem wird der Da-Ponte-Zyklus von Claus Guth wiederaufgenommen, mit drei verschiedenen Dirigenten: Marc Minkowski, Robin Ticciati und Yannick Nézet-Séguin. Jürgen Flimm wird zeichnet für diese Planungen nicht mehr verantwortlich, er verlässt Salzburg in diesem Jahr gen Berlin. Bevor 2012 Alexander Pereira das Zepter übernimmt darf der bisherige Konzertchef Markus Hinterhäuser einen Sommer lang die Salzburger Festspiele leiten.
Donnerstag, 17. Juni 2010
Die Frau ohne Schatten in Salzburg 2011

Noch haben die diesjährigen Salzburger Festspiele noch nicht begonnen, da wirft der kommende Jahrgang im wahrsten Sinne des Wortes seine Schatten voraus. Unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann steht dann Richard Strauss (oben eine der letzten Aufnahmen von ihm als Dirigent) große Oper Die Frau ohne Schatten auf dem Spielplan. Die Besetzung der Hauptpartien wurde jetzt vorab bekannt: Neben Anne Schwanewilms singen Evelyn Herlitzius, Michaela Schuster, Stephen Gould und Wolfgang Koch. Die Regie der Neuproduktion hat Christoph Loy übernommen. Auch in diesem Sommer steht mit Elektra ein größeres Werk von Richard Strauss auf dem Spielplan.
Edit 13.07.2011
Eine gute Nachricht für alle Strauss- und Thielemannfreunde, die es im Sommer nicht nach Salzburg schaffen: Die Aufführung am 29. Juli 2011 wird ab 20.15 Uhr auf 3sat übertragen!
Samstag, 24. Oktober 2009
Dunkel ist die Macht der Liebe

Schon mehr als dreißig Jahre (!) findet sich die Salome in der Inszenierung von Harry Kupfer im Repertoire der Berliner Staatsoper, dass sie sich nach wie vor bewährt spricht für die Aufführung und natürlich auch für das Werk an sich. Kupfers realistische, in dunklen Tönen gehaltene und ganz aus dem obskuren Geist einer Diktatur gespeiste Lesart konzentriert sich (inzwischen?) ganz auf sich selbst und die Hauptfigur. Diese ist mit Evelyn Herlitzius großartig besetzt. Selten hat man eine so packende Salome erlebt, mit wunderbarer geführter Stimme, großen Ausbrüchen und gelingenden Piani, alles mit hervorragender Textverständlichkeit. Die darstellerischen Qualitäten stehen bei Evelyn Herlitzius bekanntermaßen den sängerischen in keiner Weise nach. Einen solchen Grad an Verkörperung der Figur wie hier ganz besonders im Tanz der sieben Schleier findet man wirklich nicht oft auf der Opernbühne. Zum abschließenden Höhepunkt wird der Schlussgesang, eine wirklich grandiose Leistung!

Philippe Jordan gibt der Aufführung mit der Staatskapelle weit mehr als einen Klangteppich. Wie immer sehr sängerfreundlich dirigiert er einen spannungsvollen, kontrastreichen Richard-Strauss-Abend, welcher sowohl im Detail, wie auch im Gesamtbild überzeugt. (Am Rande: Bei der Kombination Jordan-Strauss-Staatskapelle handelt es sich gegenwärtig um eine der wenigen Qualitätskonstanten im Berliner Musikleben!) Mark Doss gab einen kraftvollen, rollendeckenden Jochaanan, Stephan Rügamer routiniert als Narraboth und was Reiner Goldberg mit seinem Herodes anbietet ist schlicht Weltklasse (diesemal leider ohne seine Stammpartnerin Rosemarie Lang, sondern an der Seite der eingesprungenen, aber nur halb so alten Daniela Denschlag). Goldberg gibt der Figur eine wirklich eigene Prägung, spielt einen hochgefährlichen Trottel, der einen regelrecht entsetzt. Gespeist aus Jahrzehnten Bühnen- und Lebenserfahrung entwickelt er eine Charge zum Charakter und wird so auf ganz schlüssige Weise zum Kraftzentrum der Aufführung und eröffnet der Salome einen größtmöglichen spielerischen Freiraum, in doppelten Sinne des Wortes!

Die Aufführung ist nicht nur konzentriertes Musiktheater und als solches alleine ein Vergnügen, sondern auch ein Lehrbeispiel für die wunderbaren Möglichkeiten des Repertoiretheaters. Erfahrene Sängerpersönlichkeiten beglaubigen ihre Figuren am Abend auch ohne wochenlange probende Vorbereitungen. Es ist schön, dass auf diese Weise immer wieder neue Besetzungen erlebt werden können und es ist bemerkenswert, wie die Ästhetik des Abends nach mehr als drei Jahrzehnten zwar nicht mehr ganz taufrisch wirkt, aber immer eine Wirkung hervorruft, die nicht natürlich auch mit ihrer langen Bestandsdauer zu tun hat. Nicht nur deswegen würde sie auf jeden Fall auch gut ins Schillertheater passen!
Mittwoch, 22. Juli 2009
Sommerpause in Dresden: Viele Fragen offen

Mit einigen dissonanten Tönen ist die Dresdner Musiksaison 2008/09 Anfang Juli zu Ende gegangen. Inzwischen traditionell endete die Spielzeit der Semperoper mit einer Vorstellung von Richard Strauss Der Rosenkavalier. Als Feldmarschallin überzeugte einmal mehr Camilla Nylund (auf dem Foto rechts), die hier an ihrem Stammhaus seit einiger Zeit als Kammersängerin geehrte, aber inzwischen auch in Wien, Salzburg und Paris als eine der wichtigsten Strauss- und Wagner-Interpretinnen ihrer Generation geschätzte Sopranistin. Ansonsten viel sängerische Routine und zu wenig Präzision in manchem Detail. Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wirkt inzwischen mächtig angestaubt, das Konzept die drei Akte in unterschiedlichen Zeitepochen spielen zu lassen trägt nicht so weit, wie es müsste. Im Jahr 2012 jährt sich die Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden zum hundertsten Mal, da besteht Handlungsbedarf für die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler, damit das vielleicht wichtigste Dresdner Repertoirestück zum Jubiläum in einer adäquaten Inszenierung auf dem Spielplan steht. (Das gilt übrigens auch für die Elektra – von der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus musste im Januar Abschied genommen werden.) Doch zu allererst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, nachdem Fabio Luisi überraschend seinen Weggang an das Opernhaus Zürich bekannt gegeben hat. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte das mit Christian Thielemann mehr als ein Ersatz gefunden wurde. Der Qualitätsfanatiker hat seinen Vertrag bei den Münchener Philharmonikern platzen lassen (dort war er immerhin der Nachfolger von Sergiu Celibidache und James Levine) und wäre ab 2012 frei für Dresden. Thielemann gilt als schwierig und kompromisslos, aber gerade das könnte ihm angesichts des Dresdner Traditionsbewusstseins zu Gute kommen. Sein schmales Kernrepertoire (Wagner, Strauss) passt wunderbar mit dem der Staatskapelle zusammen; diese Lösung hätte sogar einen gewissen Charme für den darnieder liegenden CD-Markt. Und die Aussicht, dass Thielemann nicht nur Konzerte sondern auch wieder regelmäßig Opernaufführungen dirigiert, dürfte den Spielplan der Semperoper nachhaltig attraktiver machen, auch überregional. Das ist dringend nötig, denn im bisher stets mit höchsten Auslastungszahlen verwöhnten Haus bleiben immer mehr Plätze frei. Dresdner Publikum und Touristen schaffen es auch zusammen immer seltener das Haus zu füllen und so blieben nicht nur bei der jüngsten Henze-Produktion von L’Upupa ganze Stuhlreihen leer, obwohl die Inszenierung von der Presse als eine der besten der Ära Gerd Uecker gefeiert wird, sondern übers Jahr auch in Aufführungen von Tristan und Isolde trotz einer fantastischen Evelyn Herlitzius oder bei Boris Godunow mit einem überragenden René Pape.

Der stellt seine ganze sängerische und darstellerische Präsenz auch noch mal in einer Vorstellung am Saisonende in den Dienst der in ihrer Eindimensionalität wirklich missratenen Inszenierung von Christian Pade aus dem vergangen Dezember. Und Elton John der am selben Abend auf dem Theaterplatz konzertiert muss warten, bis Pape fertig ist und die Semperopernbesucher das Haus verlassen haben. Schöne Arbeitsteilung. Ansonsten war das Wochenende gekennzeichnet von unerfreulichen Absagen. Waltraud Meier sollte mit der Dresdner Philharmonie am Elbufer einen großen Wagner-Abend gestalten (ihr konzertantes Brünnhilde-Debüt war angekündigt), wegen Hochwassers musste das ganze Konzert ausfallen. Auch der für das letzte Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden angekündigte Dirigent Sir Colin Davis musste seinen Auftritt wegen höherer Gewalt absagen: Er durfte England nicht verlassen, weil sein Reisepass von den britischen Behörden nicht rechtzeitig ausgestellt wurde. Zwei wirklich plausible Erklärungen im um Ausreden eigentlich nicht verlegenen Klassik-Betrieb. Jetzt ist Sommerpause, die Publikum und Musiker verlustieren sich auf diversen Sommerfestivals, schon Ende August geht alles wieder los. Dann streiten wir auch weiter über den neuen Dresdner Konzertsaal...was meint eigenlich Herr Thielemann dazu?
Donnerstag, 11. Juni 2009
Ein Tristan mit Hindernissen
Die Deutsche Oper hat zum Ende der Saison Pech mit ihren Wagner-Sängern. Vor einem Monat gab es handfeste Probleme einen Ersatz für den Tannhäuser zu finden und jetzt musste Robert Gambill als Tristan absagen. Die Lösung, die man in der gestrigen Vorstellung gefunden hat kann aber nur als Kompromiss gelten, obwohl der "Einspringer" alles andere als eine Verlegenheitslösung ist.

Erfreulich ist, dass Peter Seiffert sich bereit gefunden hat, als Tristan einzuspringen. Schade bleibt, dass er das erstmal nur singend (mit Buch und Pult) getan hat. Als Tristan auf der Bühne figurierte die verdiente Spielleiterin der Deutschen Oper Gerlinde Pelkowski. Man muss sagen: Das funktioniert so nicht. Das Ganze gewinnt zu wenig an Spannung, es wird kein richtiger Opernabend. Seiffert singt einen akzeptablen Tristan, auch er mit Schwierigkeiten im dritten Akt, aber welcher Sänger hat die nicht. Trotzdem, er singt die ganze Partie, er schreit oder deklamiert sie nicht und alles mit vorzüglicher Sprachbehandlung. Es wird klar, warum der Sänger mal als Hoffnung des Wagnergesangs galt. Als Isolde ist Evelyn Herlitzius nach wie vor eine erste Rollenvertreterin, wohl kaum einer Sängerin gelingt es die Figur mit einer solchen Plausibilität und Konkretheit zu zeichnen. Indes stellte sich gerade beim Liebestod gestern erstaunlich wenig Magie ein, sicher lag es auch an der Tatsache, dass sie sich ja immer zwei Tristans gegenüber sah, einem singenden und einem spielenden. Der singende verließ die Bühne nach seinen letzten Phrasen und der spielende lag nur noch da, an der Stelle war dann endgültig die Luft raus. Die Brangäne von Daniela Sindram blieb zu eindimensional in der Darstellung. Gewohnt deutlich und mit viel sonorem Tiefklang zelebriert Hans-Peter König den König Marke. Das hat Wirkung, aber es berührt nicht. Schade, aber diese Rolle darf man nicht so unbeteiligt singen. Den besten Eindruck des Abends hinterlässt Samuel Youn als Kurwenal, mit viel Attacke und heldischem Glanz in der Stimme zeigt er sein Wagner-Format. Das Orchester der Deutschen Oper und Pinchas Steinberg hat einen routinierten Abend und hält sich über weite Strecken angenehm im Hintergrund, so geht es auch! Die langgediente Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1980 bekennt sich zu einer psychologischen und realtistischen Erzählung der nicht ganz einfachen Geschichte und es erstaunt, wie weit sie damit kommt. Üblicherweise wird dieser Weg ja inzwischen vermieden und das Stück in eher allegorischen oder symbolischen Zusammenhängen präsentiert. Das kann gut gehen, muss es aber nicht, wie viele Beispiele zeigen. Für die nächsten Vorstellung am 14. Juni 2009 ist Peter Seifert allein als Tristan angekündigt. Wenn alle einen guten Tag haben, könnte das - nach der gestrigen Durchlaufprobe mit Publikum - eine kleine Wagner-Sternstunde werden.

Erfreulich ist, dass Peter Seiffert sich bereit gefunden hat, als Tristan einzuspringen. Schade bleibt, dass er das erstmal nur singend (mit Buch und Pult) getan hat. Als Tristan auf der Bühne figurierte die verdiente Spielleiterin der Deutschen Oper Gerlinde Pelkowski. Man muss sagen: Das funktioniert so nicht. Das Ganze gewinnt zu wenig an Spannung, es wird kein richtiger Opernabend. Seiffert singt einen akzeptablen Tristan, auch er mit Schwierigkeiten im dritten Akt, aber welcher Sänger hat die nicht. Trotzdem, er singt die ganze Partie, er schreit oder deklamiert sie nicht und alles mit vorzüglicher Sprachbehandlung. Es wird klar, warum der Sänger mal als Hoffnung des Wagnergesangs galt. Als Isolde ist Evelyn Herlitzius nach wie vor eine erste Rollenvertreterin, wohl kaum einer Sängerin gelingt es die Figur mit einer solchen Plausibilität und Konkretheit zu zeichnen. Indes stellte sich gerade beim Liebestod gestern erstaunlich wenig Magie ein, sicher lag es auch an der Tatsache, dass sie sich ja immer zwei Tristans gegenüber sah, einem singenden und einem spielenden. Der singende verließ die Bühne nach seinen letzten Phrasen und der spielende lag nur noch da, an der Stelle war dann endgültig die Luft raus. Die Brangäne von Daniela Sindram blieb zu eindimensional in der Darstellung. Gewohnt deutlich und mit viel sonorem Tiefklang zelebriert Hans-Peter König den König Marke. Das hat Wirkung, aber es berührt nicht. Schade, aber diese Rolle darf man nicht so unbeteiligt singen. Den besten Eindruck des Abends hinterlässt Samuel Youn als Kurwenal, mit viel Attacke und heldischem Glanz in der Stimme zeigt er sein Wagner-Format. Das Orchester der Deutschen Oper und Pinchas Steinberg hat einen routinierten Abend und hält sich über weite Strecken angenehm im Hintergrund, so geht es auch! Die langgediente Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1980 bekennt sich zu einer psychologischen und realtistischen Erzählung der nicht ganz einfachen Geschichte und es erstaunt, wie weit sie damit kommt. Üblicherweise wird dieser Weg ja inzwischen vermieden und das Stück in eher allegorischen oder symbolischen Zusammenhängen präsentiert. Das kann gut gehen, muss es aber nicht, wie viele Beispiele zeigen. Für die nächsten Vorstellung am 14. Juni 2009 ist Peter Seifert allein als Tristan angekündigt. Wenn alle einen guten Tag haben, könnte das - nach der gestrigen Durchlaufprobe mit Publikum - eine kleine Wagner-Sternstunde werden.
Montag, 16. März 2009
Ein Held starb
Wenn eine Oper nach ihrer Uraufführung nur vier Vorstellungen erlebt und es dann 83 Jahre dauert, bis sie wieder in den Spielplan zurück kehrt, dann kann man nicht wirklich von einer Aufführungsgeschichte sprechen. Fast zu spät kehrt Hindemiths "Cardillac" heim auf die Bühne der Dresdner Semperoper.

Die Chorkostüme sind mit "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" bedruckt - genauso wirkungsvoll: Markus Marquardt als Cardillac
Jede Note atmet den Geist der zwanziger Jahre, eine expressionistisch grundierte Geschäftigkeit, eine von extremen Spannungen gespeiste Vitaltät. Im Vorfrühling des Jahres 2009 glaubt man kaum, dass es auch in Dresden mal so etwas gegeben hat, wie die "roaring twenties". So fern scheint das alles und so wenig entspricht das auch dem Klangideal der Staatskapelle Dresden. Doch das Orchester kommt unter der Leitung von Fabio Luisi erstaunlich gut mit der herben Schönheit der Partitur zurecht. Präzision im Detail und Sinn für die Effekte machen die transparente Interpretation zu einem wirklichen Genuss. Das gleiche gilt für den Staastsopernchor, der sich in den schön arrangierten Chorbildern mit klanglicher Fulminanz seiner Aufgabe stellt. In der kammerspielartig angelegten Handlung gibt es dann allerdings wenig Aktion und viel konventionelle Gestik zu sehen. Das groß angelegte Bühenbild mit den klappbaren Spiegelwänden ist nicht wirklich eine Hilfe, zu oft wirken die Sänger verloren auf der großen Semperopernbühne. Regisseur Philipp Himmelmann und sein Austatterteam interpretieren das Werk aus dem Geiste E.T.A. Hoffmanns und begeben sich dadurch in die düsteren Untiefen einer unverstandenen Künstlerexistenz. Vielleicht ist das ein Irrweg (den schon der russische Regisseur Issai Dobrowen bei der umstrittenen Uraufführung 1926 beschritt), denn Hindemith geht es um das Universelle, um das Prinzip "Cardillac". Ein Mörder als Held! In der Analyse von Individuum und Gesellschaft wird man wohl eher bei Sigmund Freud fündig werden oder viel aktueller im Theater von Bernard Marie Koltés ("Roberto Zucco"). Die Inszenierung bleibt auch in der zeitlichen Einordnung zu vage und unentschlossen. Eine Deutung des Werkes aus seiner Entstehungszeit würde der Geschichte besser auf den Grund kommen. Zu vieles bleibt im Ungefähren, der Abend gefällt, wo er weh tun müsste!
Durchweg erfreulich sind die Sängerleistungen. Markus Marquardt ist ein wunderbar kraftvoller Cardillac, er vollzieht mit der Rolle einen Fachwechsel zum Heldenbariton, man freut sich auf ein Wiederhören in anderen Partien. Anna Gabler als seine Tochter und Oliver Ringelhahn stehen ihm darstellerisch und sängerisch kaum nach. Bei Evelyn Herlitzius ist jeder Ton ein Edelstein (man hat sich schon so sehr daran gewöhnt, dass einen diese Sängerin immer überzeugt) und zusammen mit Rainer Trosts sicher geführtem Tenor gerät der erste Akt bereits zum Höhepunkt der Aufführung.

Luxusbesetzung im ersten Akt: Rainer Trost als Kavalier und Evelyn Herlitzius als Dame.
Insgsamt handelt es sich um einen gelungen Opernabend, nicht zuletzt wegen der geschlossen hervorragenden musikalischen Leistung; man hätte sich inszenatorisch einen stärker akzentuierten Zugriff auf das Werk vorstellen können. Das Dresdner Premierenpublikum gab sich dann auch interessiert und geizte nicht mit Applaus für Protagonisten, Regieteam, Chor und Orchester. Keine schlechten Voraussetzungen also, den "Cardillac" für das Repertoire zurück zu gewinnen, denn dort gehört er hin, zumal am Ort seiner Uraufführung. Man kann an einem Abend sicher keine acht Jahrzehnte Zwangspause überbrücken, aber ein Anfang ist gemacht.

Die Chorkostüme sind mit "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" bedruckt - genauso wirkungsvoll: Markus Marquardt als Cardillac
Jede Note atmet den Geist der zwanziger Jahre, eine expressionistisch grundierte Geschäftigkeit, eine von extremen Spannungen gespeiste Vitaltät. Im Vorfrühling des Jahres 2009 glaubt man kaum, dass es auch in Dresden mal so etwas gegeben hat, wie die "roaring twenties". So fern scheint das alles und so wenig entspricht das auch dem Klangideal der Staatskapelle Dresden. Doch das Orchester kommt unter der Leitung von Fabio Luisi erstaunlich gut mit der herben Schönheit der Partitur zurecht. Präzision im Detail und Sinn für die Effekte machen die transparente Interpretation zu einem wirklichen Genuss. Das gleiche gilt für den Staastsopernchor, der sich in den schön arrangierten Chorbildern mit klanglicher Fulminanz seiner Aufgabe stellt. In der kammerspielartig angelegten Handlung gibt es dann allerdings wenig Aktion und viel konventionelle Gestik zu sehen. Das groß angelegte Bühenbild mit den klappbaren Spiegelwänden ist nicht wirklich eine Hilfe, zu oft wirken die Sänger verloren auf der großen Semperopernbühne. Regisseur Philipp Himmelmann und sein Austatterteam interpretieren das Werk aus dem Geiste E.T.A. Hoffmanns und begeben sich dadurch in die düsteren Untiefen einer unverstandenen Künstlerexistenz. Vielleicht ist das ein Irrweg (den schon der russische Regisseur Issai Dobrowen bei der umstrittenen Uraufführung 1926 beschritt), denn Hindemith geht es um das Universelle, um das Prinzip "Cardillac". Ein Mörder als Held! In der Analyse von Individuum und Gesellschaft wird man wohl eher bei Sigmund Freud fündig werden oder viel aktueller im Theater von Bernard Marie Koltés ("Roberto Zucco"). Die Inszenierung bleibt auch in der zeitlichen Einordnung zu vage und unentschlossen. Eine Deutung des Werkes aus seiner Entstehungszeit würde der Geschichte besser auf den Grund kommen. Zu vieles bleibt im Ungefähren, der Abend gefällt, wo er weh tun müsste!
Durchweg erfreulich sind die Sängerleistungen. Markus Marquardt ist ein wunderbar kraftvoller Cardillac, er vollzieht mit der Rolle einen Fachwechsel zum Heldenbariton, man freut sich auf ein Wiederhören in anderen Partien. Anna Gabler als seine Tochter und Oliver Ringelhahn stehen ihm darstellerisch und sängerisch kaum nach. Bei Evelyn Herlitzius ist jeder Ton ein Edelstein (man hat sich schon so sehr daran gewöhnt, dass einen diese Sängerin immer überzeugt) und zusammen mit Rainer Trosts sicher geführtem Tenor gerät der erste Akt bereits zum Höhepunkt der Aufführung.

Luxusbesetzung im ersten Akt: Rainer Trost als Kavalier und Evelyn Herlitzius als Dame.
Insgsamt handelt es sich um einen gelungen Opernabend, nicht zuletzt wegen der geschlossen hervorragenden musikalischen Leistung; man hätte sich inszenatorisch einen stärker akzentuierten Zugriff auf das Werk vorstellen können. Das Dresdner Premierenpublikum gab sich dann auch interessiert und geizte nicht mit Applaus für Protagonisten, Regieteam, Chor und Orchester. Keine schlechten Voraussetzungen also, den "Cardillac" für das Repertoire zurück zu gewinnen, denn dort gehört er hin, zumal am Ort seiner Uraufführung. Man kann an einem Abend sicher keine acht Jahrzehnte Zwangspause überbrücken, aber ein Anfang ist gemacht.
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