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Mittwoch, 22. März 2017
Adé Zeittunnel
Der legendäre Götz-Friedrich-Inszenierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen an der Deutschen Oper Berlin geht in seine letzte Runde, noch zwei Mal steht der komplette Zyklus im April 2017 unter der Leitung des Generalmusikdirektors Donald Runnicles auf dem Spielplan. Die Produktion hatte in der Saison 1984/85 Premiere, als Berlin noch geteilt war. Auch der Mauerfall fünf Jahre später konnte der zeitlosen Interpretation des Stoffes nichts anhaben, immer wieder kam das Werk - in wechselnden prominenten Besetzungen - aufs Programm. Und das Publikum kam, bis heute - es gibt wohl keine vergleichbar erfolgreiche Ring-Inszenierung auf der Welt. Jetzt ist Schluss, aber die Deutsche Oper arbeitet bereits an der Nachfolgeporoduktion: Regiestar Stefan Herheim wird 2020 seinen ersten Ring herausbringen, ebenfalls wieder unter der Leitung von Donald Runnicles. Die Vorarbeiten laufen bereits. Bekannt wurde jetzt, dass Daniel Barenboim im Berliner Ring-Streit zurück gesteckt hat: Er wird seinen neuen Ring in der Staatsoper Unter den Linden erst zwei Jahre später herausbringen, im Jahr 2022 begeht er auch seinen achtzigsten Geburtstag.
Donnerstag, 24. März 2016
Ringen um den Ring 2020 in Berlin
An der Deutschen Oper Berlin steht im April 2017 zum letzten Mal die Ring-Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1985 auf dem Spielplan. Intendant Dietmar Schwarz wollte den legendären, aber mittlerweile maroden Zeittunnel nicht neu bauen lassen und konnte den Förderverein des Hauses davon überzeugen, dass es Zeit für eine Neuinterpretation des Werkes geworden ist. Diese soll nun mit Stefan Herheim einer der spannendsten verfügbaren Opernregisseure übernehmen, der mit seiner Bayreuther Parsifal-Deutung bereits vor Jahren Interpreationsgeschichte geschrieben hat. So weit, so gut. Nun gibt es in Berlin noch ein zweites Opernhaus, dessen Musikchef sich als Wagnerinterpret eigener Klasse versteht: Die Staatsoper Unter den Linden mit Daniel Barenboim an der Spitze. Diese hat zwar einen Ring in der Inszenierung von Guy Cassiers im Repertoire (im Juni 2016 wieder auf dem Spielplan im Schillertheater), der aber als künstlerisch missraten und entbehrlich gilt. Nun hat die Staatsoper angekündigt, im Jahr 2020 ebenfalls einen neuen Ring herauszubringen, dann wieder im Stammhaus Unter den Linden. Als Regisseur wird Dmitri Tcherniakov genannt, ebenfalls eine spannende Besetzung und eine die gut nachvollziehbar wäre, hat er doch zusammen mit Daniel Barenboim vor einigen Jahren seine erste Arbeit im Westen gemacht, eine sehr gelungende Inszenierung von Prokofjews Der Spieler und der gemeinsame Parsifal läuft gerade auf den diesjährigen Festtagen des Hauses. Man könnte nun meinen, dass eine Stadt zwei solche Hochkaräter auch parallel aushält, vielleicht sogar spannend findet. Aber da sind aber die komplizierten Berliner Opernverhältnisse davor. Die beiden innerhalb der Opernstiftung zusammengespannten Häuser müssen ihre Programme nämlich in so weit abstimmen, dass Werke des Kernrepertoires - wozu auch der Ring gehört - nur im Abstand von mindestens zwei Spielzeiten neu produziert werden können. Nun muss vermittlet werden und das geht im heutigen Opernbetrieb wohl nur unter starkem Blätterrauschen, was es zugegeben, nicht weniger interessant macht. Eine erste Bewährungsprobe dürfte die Causa für den gerade in Berlin eingtroffenen und denächst neuen Intendanten der Staatsoper Matthias Schulz sein. Und ebenfalls mit Interesse wird auch der Chef der Opera national de Paris Stéphane Lissner die Berliner Diskussionen verfolgen, denn er plant für den Anfang der zwanziger Jahre ebenfalls einen neuen Ring. Das Rennen um die dann besten Wagnersänger sollte deshalb längst eröffnet sein.
Mittwoch, 25. März 2015
Deutsche Oper plant neuen Ring mit Stefan Herheim
Die legendäre Berliner Ringinszenierung von Götz Friedrich wird ein letztes Mal gezeigt, im April 2017 steht die neben Patrice Chereaus Bayreuther Jahrhundertring vielleicht berühmteste Ringinterpretation noch einmal mit zwei Zyklen auf dem Spielplan der Deutschen Oper. Die Inszenierung mit dem Einheitsbühnenbild des Zeittunnels kam 1984 in der geteilten Stadt Berlin zur Premiere, die Ausstattung stammt von Peter Sykora. Sie gilt bis heute als Maßstäbe setzende Deutung der Tetralogie, gelingt es ihr doch den visionären und den poetischen Gehalt des Werks zu durchdringen und theatralisch plausibel umzusetzen. Ab 2020 wird sich nun der Regisseur Stefan Herheim um eine neue Interpreation des kompletten Rings bemühen. Er hat bis auf den Ring bereits alle großen Werke Richard Wagners inszeniert: Parsifal in Bayreuth 2008, Lohengrin an der Staatsoper 2009, Tannhäuser in Oslo 2010 und Die Meistersinger von Nürnberg in Salzburg 2013 (wird im nächsten Jahr in der Bastille-Oper in Paris wieder aufgegnommen). Sowohl die letzten Reprisen der alten Inszenierung wie auch die Neuproduktion werden musikalisch von Donald Runnicles geleitet, dessen Verlängerung im Amt des Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin damit nur noch Formsache sein dürfte. Karten für 2017 sind bereits erhältlich, die Besetzung der Hauptpartien ist ebenfalls bekannt.
Samstag, 12. Januar 2013
Jonas Kaufmann - Richard Wagner
Mitte Februar erscheint Jonas Kaufmanns fünftes Soloalbum, welches der Tenor vollständig dem einen Jahresjubilanten Richard Wagner gewidmet hat. (Ob es auch noch eine Verdi-Veröffentlichung geben wird ist nicht bekannt.) Neben den Wesendonck-Liedern werden erwartungsgemäß Arien aus Die Walküre, Siegfried, Rienzi, Die Meistersinger von Nürnberg, Tannhäuser und Lohengrin zu hören sein. Donald Runnicles dirigiert sein Orchester der Deutschen Oper Berlin. So bald wir etwas von der Musik gehört haben, werden wir uns hier dazu äußern! Auf dem bereits veröffentlichten Cover macht Jonas Kaufmann allerdings einen dermaßen männlich-düsteren Eindruck, dass man fast in Furcht vor ihm geraten könnte. Das ist nicht mehr der nette Junge von nebenan, hier will sich jemand ganz neu erfinden! Warum eigentlich? Hat er nicht das Münchner Opernpublikum an Silvester als special guest in der traditionellen Fledermaus mit einem völlig anders gearteten federleichten Auftritt in Verzückung gebracht?

Nun gut, Wandlungsfähigkeit war bei einem Opernsänger noch nie ein Problem. Und eines ist zumindest sicher: 2013 wird nicht nur Richard-Wagner- sondern auch Jonas-Kaufmann-Jahr!
Donnerstag, 10. Januar 2013
Elina Garanca sagt in Berlin ab
Jetzt macht sie es auch einmal: Elina Garanca sollte am 21. Februar 2013 an der Deutschen Oper Berlin ihr Rollendebüt als Didon in Berlioz Die Trojaner geben. Sie hat nun mitteilen lassen, dass diese Partie für sie nun doch zu früh kommt und dass sie sich über ein späteres Debüt in Berlin freuen würde. Für die drei geplanten Vorstellungen springt jetzt Daniela Barcellona ein. Auch beim Tenorpart Énée gab es bereits einen Wechsel, anstelle des vorgesehenen Kurt Streit singt Endrik Wottrich. Für das mit den großen Sängernamen nicht eben verwöhnte Berliner Opernpublikum ist das recht bedauerlich und die ohnehin schwer verkäufliche Trojaner-Wiederaufnahme wird sich so noch weniger an den Mann bringen lassen. Schade!
Samstag, 20. Oktober 2012
Hundert Jahre Deutsche Oper Berlin
In Berlin wird gefeiert: Klaus Florian Vogt singt den Parsifal in einer Neuproduktion von Regisseur Philipp Stölzl, der Fragen nach dem Aggressionspotential und Fanatismus hermetischer Religionsgemeinschaften ins Zentrum seiner Auseinandersetzung mit Wagners Bühnenweihfestspiel stellen will. Zumindest spektakulär sollte das werden. Ansonsten ist es ein Wochenende der Änderungen, allein im Parsifal werden Gurnemanz, Klingsor und Amortas umbesetzt. Es übernehmen Matti Salminen, Thomas Jesatko und Thomas Johannes Mayer - alles rollenerfahrene und gestandene Wagner-Sänger. Beim für heute geplanten Festkonzert hat die auch auf diesem Blog sehr kontrovers diskutierte Absage von Jonas Kaufmann noch weitere Folgen nach sich gezogen. Wie die Hompage der Deutschen Oper meldet: Anstelle von Simon O'Neill (Ersatz für Jonas Kaufmann) singt nun Ivar Gilhuus die Partie des Florestan. Auch Joseph Calleja muss seine Mitwirkung leider absagen. Vittorio Grigolo wird "Ah! Lève-toi, soleil" aus Charles Gounods ROMEO ET JULIETTE interpretieren. Jetzt spingt also in letzter Minute Ivar Gilhuus ein, der am gleichen Haus vor längerer Zeit mal ziemlich fulminant einen Tannhäuser gerettet hat. So kommt am Ende alles doch wieder irgendwie zusammen und stellt klar, was für eine kraftvolle Institution so ein Opernhaus ist. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin und auf die nächsten Hundert!
Samstag, 6. Oktober 2012
Jonas Kaufmann sagt mal wieder ab
Er hat es wieder getan. Beim Festkonzert anlässlich des 100. Jubiläums der Deutschen Oper Berlin am 20. Oktober 2012 wird Jonas Kaufmann nicht mitwirken. Gründe der Absage werden keine angegeben. Er sollte dort den Florestan in einer konzertanten Aufführung des zweiten Akts Fidelio singen, die Partie übernimmt jetzt der aus Neuseeland stammende Tenor Simon O'Neill. Das Konzert mit für Berlin sehr hohen Spitzenpreisen von 162 Euro ist seit langem ausverkauft, sicher auch aufgrund des Auftritts von Kaufmann. Im Oktober singt er eine Serie von sechs Vorstellungen Tosca an der Bayerischen Staatsoper in München, beginnend an diesem Sonntag.
Mittwoch, 11. April 2012
Klaus Florian Voigt übernimmt Berliner Lohengrin

Tenor Klaus Florian Vogt übernimmt die Titelrolle in der Neuinszenierung des Lohengrin an der Deutschen Oper Berlin, Premiere ist am kommenden Sonntag (15. April 2012). Kaspar Holten inszeniert, Donald Runnicles dirigiert. Ursprünglich war für die Rolle Vogts junger Kollege Marco Jentzsch vorgesehen, der jetzt ohne Angabe von Gründen aus der Produktion ausgestiegen ist. Dass in Vogts Kalender überhaupt eine passende Freiperiode zu finden war liegt am Gran Teatre de Liceu Barcelona, welches aus Finanzknappheit mehrere Neuproduktionen kurzfristig abgesagt hat. Er war dort für den Doppelabend Eine florentische Tragödie/Der Zwerg eingeplant. Bereits bei der letzten Neuproduktion des Lohengrin in Berlin(Foto) an der Staatsoper Unter den Linden - in der Inszenierung von Stefan Herheim, am Pult Daniel Barenboim - ist Klaus Florian Vogt kurzfristig eingesprungen (damals für Burkhard Fritz). Er ist ohnehin der Lohengrin vom Dienst, gerade in Berlin, zuletzt hat er ihn im konzertanten Wagner-Zyklus von Marek Janowski gesungen. Bleibt zu hoffen, dass das Debüt von Marco Jentzsch nur aufgeschoben ist, Nachwuchs im Wagnerfach ist selten und kostbar!
Sonntag, 5. Februar 2012
Neuer Sponsor an der Deutschen Oper Berlin
Über die künstlerischen Planungen des neuen Intendanten Dietmar Schwarz, der im Herbst 2012 sein Amt antritt, ist noch nichts bekannt. Aber ein neuer Hauptsponsor ist bereits für vier Jahre verpflichtet worden. Die Meldung klingt zunächst wie ein Aprilscherz, ist aber offenbar ernst gemeint! Es handelt sich um Der Grüne Punkt - Duales System Deutschland. Welchen Imagetransfer erwartet sich das Entsorgungsunternehmen von einem Opernhaus? Und warum betreibt eine solch bekannte und eingeführte Marke wie Der Grüne Punkt überhaupt Sponsoring? Ob diese Partnerschaft für ein Opernhaus, welches seine Programm ja zum großen Teil mit einem Repertoire aus alten bis sehr alten Inszenierungen füllt, geeignet ist wird sich erweisen müssen.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Termintausch an der Deutschen Oper

Dispositionsfehler an der Deutschen Oper Berlin: Im April werden zwei Aufführungen getauscht, Rienzi und Jenufa. Grund ist der Termin, Rienzi sollte am 20. April gespielt werden, das Datum ist auch der Geburtstag von Adolf Hitler und die Wagneroper gilt als eines seiner bevorzugten Werke. Auf der Homepage heißt es: In hausinternen Diskussionen legten Mitarbeiter des Hauses dar, dass sich für sie die Aufführung dieser Oper an diesem Abend aus persönlichen Gründen als schwierig oder unmöglich darstellt. Problem erkannt und geregelt, ohne viel Aufhebens!
Sonntag, 2. Oktober 2011
Neue Marschallin: Lioba Braun

Seit vielen Jahren ist sie als Wagner-Mezzo vom Dienst landauf und landab im Einsatz: Lioba Braun. Mit Ihrer Kundry und ihrer Ortrud hat sie schon viele eher glanzlose Repertoireaufführungen veredelt. Gefragt und geschätzt ist sie auch als zuverlässige und vielseitige Konzertsängerin. Nun wird sich Lioba Braun verstärkt dem dramatischen Sopranfach zu wenden, die Isolde ist in Vorbereitung (unter Andris Nelsons im März 2012 in Birmingham). Vor kurzem feierte sie an der Oper Leipzig außerdem ein umjubeltes Rollendebüt als Marschallin in Richard Strauss Der Rosenkavalier. Mit dieser Partie, die ihrer sinnlich-noblen Bühnenerscheinung durchaus entspricht, kommt sie nun auch in der Bundeshauptstadt zu kurzfristigen Einspringerehren. An der Deutschen Oper Berlin übernimmt in sie die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg für zwei Vorstellungen im Oktober, Donald Runnicles dirigiert die bekannte und beliebte Inszenierung von Götz Friedrich. Vielleicht wird sie ja jetzt die neue Marschallin vom Dienst, weil sich die im Moment auf diese Rolle abonnierten Kolleginnen mit Blick auf das Wagner- und Verdi-Jubiläumsjahr anderen Aufgaben zuwenden?
Sonntag, 10. Juli 2011
Letzter Vorhang für Kirsten Harms

Am Ende hatten sie alle lieb, doch das kam zu spät. Intendantin Kirsten Harms verlässt die Deutsche Oper Berlin, obwohl sie hätte bleiben können. Die letzte Vorstellung war gestern abend der von ihr inszenierte Tannhäuser. Vor sieben Jahren übernahme Harms eine der wohl schwierigsten Positionen im deutschen Kunstbetrieb. Die Deutsche Oper, einst kulturelles Flaggschiff Westberlins, trieb orientierungslos dahin. Die Politik glaubte mit der Gründung der Opernstiftung ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Dem war nicht so, die insbesondere im Vergleich zur kleineren Staatsoper Unter den Linden eklatante Unterfinanzierung des Hauses konnte bis heute nicht abgestellt werden. Unter diesen Umständen ist es wirklich erstaunlich, was Kirsten Harms in der kurze Zeitspanne gelungen ist, nämlich nichts weniger als die vollkommene Neupositionierung des Hauses an der Bismarckstraße. Ihr Konzept hieß Große Oper, genau für solche Werke ist das Haus einmal gebaut worden. Nicht alles ist dabei gelungen. (Geschenkt, wenn man bedenkt, was für Gurken die beiden anderen Berliner Opern im Vergleichszeitraum herausgebracht haben!) Aber das Publikum hat den Weg akzeptiert und Harms Konzept mit stetig zunehmendem Interesse mitgetragen. Nicht zuletzt der Fundus der über 80 Repertoirewerke, die teilweise hervorragend gepflegt in den Spielplan kamen, sorgte für großen Zuspruch. Skeptisch bis zuletzt bleib die Presse, in seltener Einheit die regionale und die überregionale Fraktion. (Ungute Erinnerungen weckt in diesem Zusammenhang, was als Idomeneo-Skandal in die Geschichte eingehen sollte und nichts weiter war, als ein verkappter Macho-Reflex der Journaille.) Die Intendantin Harms hat das genauso souverän überstanden, wie personelle Fehlentscheidungen (Renato Palumbo, Alexander von Pfeil), Absagen wichtiger Regisseure (Katharina Wagner, Jürgen Gosch) und kurzfristige Finanzierungslücken. Auf der Habenseite stehen eine ganze Reihe gelungener und erfolgreicher Produktionen, als Beispiele seine hier nur Jeanne d'Arc, Die ägyptische Helena, Ariadne auf Naxos, Othello und Samson und Dalila genannt. Man kann es eben nicht allen recht machen und irgendwann muss man sich entscheiden, für wen man das alles macht. Ein Haus mit 1800 Plätzen will gefüllt sein, gerade in einer Stadt wie Berlin, die sich für so kulturell hält und das vielleicht gar nicht ist. Harms besonderes Interesse galt den Ausgrabungen unbekannt gebliebener Werke des letzten Jahrhunderts. Dafür ist viel kritisiert worden, auch das zu Unrecht, weil die Rehabilitation einiger wichtiger Kapitel unserer Musikgeschichte noch aussteht. Das ist keine akademische, sondern eine künstlerische Aufgabe. Der verschreibt sich jetzt interessanterweise auch die Dresdner Intendantin Ulrike Hessler, die andere Frau an der Spitze eines großen Opernhauses.
Samstag, 12. März 2011
Tristan und Isolde neu in Berlin

Peter Seiffert singt am Sonntagabend den Tristan in der Neuproduktion der Richard-Wagner-Oper an der der Deutschen Oper Berlin. Die Dame an seiner Seite ist aber (hoffentlich) nicht seine Ehefrau Petra-Maria Schnitzer, die in dieser Premiere zum ersten Mal die Isolde singen wird. Ein mit Spannung erwartetes Rollendebüt ist das nicht, es wird eher zur Kenntnis genommen. Anders ist das bei Seiferts Tristan, der - wenn in Form - ein ganz herausragender Wagnersänger sein kann. Vor zwei Jahren ist Seiffert schon einmal halbkonzertant in einen Tristan an der Deutschen Oper eingesprungen, damals noch in der Inszenierung von Götz Friedrich, die jetzt nicht mehr gespielt wird. Bleibt zu hoffen, dass diese letzte Repertoire-Erneuerung in der Intendanz von Kirsten Harms gut geht, es gibt ja auch Beispiele, wo das nicht gelungen ist! Die Inszenierung stammt von Graham Vick, die musikalische Leitung hat der Chef Donald Runnicles, beide haben schon öfter zusammen gearbeitet - unlängst auch mit Schnitzer und Seifert beim Tannhäuser in San Francisco.
Dienstag, 21. September 2010
Jonas Kaufmann macht in Verismo
Jonas Kaufmann ist der Tenor der Stunde - jetzt gibt es auch noch das Album zur Medien- und Bühnendauerpräsenz: Verismo. Im Sommer noch Cavaradossi und Lohengrin - tief greift er jetzt ins italienische Kerngebiet der Oper, nicht immer ganz glücklich. Seine permanenten Wechsel zwischen dem deutschen, französischen und italienischen Repertoire werden dem Tenor immer wieder zum Vorwuf gemacht. Zu recht! Das vorliegende Album zeigt, dass er ein sicherer und stimmschöner, aber in manchen Dingen doch kein großartiger Sänger ist. Die eher leisen Töne stehen ihm nicht in dem nötigen Maß zu Gebote um auch mit diesen Stücken zu punkten. Wenig begeistert äußert sich auch der Kritiker der WELT: Während die Schwergewichte großartig geraten, mit vollem Volumen und Gusto, schleichen sich vor allem in den lyrischeren Arien seltsam gaumige Töne, heißere Phrasen und merkwürdig flaue Bögen ein. Hier schlägt der Wille zu Gestaltung in Manieriertheit um. Bei einem weniger berühmten Sänger würde man das nicht akzeptieren. Eine Aufnahme, die manche Wünsche offen lässt, von der man aber auch nicht so richtig abraten kann. In der Münchner Abendzeitung erklärt der Sänger nun auch, warum er im kommenden Jahr nicht nach Bayreuth zurück kehrt, wo er in diesem Sommer als Lohengrin debütiert hatte. Der Grund heißt einmal mehr Angela Gheorghiu, mit ihr und Bryn Terfel zusammen steht er in London in Tosca auf der Bühne, das ging sich wohl probenmäßig nicht anders aus. Seine aktuell nächste Rolle ist die des Maurizio in Adriana Lecouvreur welche er ebenfalls an der Seite von Angela Gheorghiu an der Deutschen Oper Berlin (zwei konzertante Vorstellungen Anfang Oktober) und dann später im Jahr in London singen wird. Als Bayreuther Lohengrin wird er im nächsten Jahr von Klaus Florian Vogt abgelöst, der in diesem Jahr bereits am Grünen Hügel für Kaufmann eingesprungen war. Von den geplanten sechs Vorstellungen hatte der nur vier gesugen.
Montag, 15. März 2010
Deutsche Oper Berlin - Saisonvorschau 2010/11

In ihrer letzten Saison lässt es die scheidende Intendantin Kirsten Harms noch mal so richtig krachen: Große Oper. So hat sie sich das wohl immer vorgestellt, jetzt wo sie da angkommen ist, wo sie hinwollte, steht ihr Stuhl vor der Tür. Das ist die Kulturpolitik Berlins. Nicht gut! Aber gelungen ist die neue Saisonplanung: Ildebrando D'Arcangelo und Michael Volle alternieren als Mozarts Don Giovanni in der Regie von Roland Schwab. Petra Lang gibt die Kassandra in Berlioz Les Troyens, inszeniert von David Pountney. Eine Neuproduktion von Tristan und Isolde übernimmt Graham Vick mit Peter Seiffert und erstmals Petra-Maria Schnitzer in den Titelrollen. Berlioz und Wagner werden musikalisch von Donald Runnicles geleitet, dem neuen starken Mann am Haus. Mit Samson et Dalila von Saint-Saens gibt es eine weitere große Oper in erlesener Besetzung: Vesselina Kasarova und José Cura. Kirsten Harms selber inszeniert Die Liebe der Danae von Richard Strauss (eine wunderbare Oper, die derzeit nur ab und zu in Dresden auf dem Spielplan steht) mit Hausstarsopran Manuela Uhl und es gibt eine Reprise der Robert-Carsen-Produktion von Macbeth mit Carlos Alvarez, Anna Smirnova und Pavol Breslik. Im Repertoire nimmt Harms konsequent alle ihre Ausgrabungen nicht gespielter Opern des 20. Jahrunderts wieder auf und mit Pelleas et Melisande, Dialoge der Karmeliterinnen und Ariadne auf Naxos gibt es vielversprechende Neueinstudierungen bekannter Inszenierungen. Zwischendurch dann auch viel alltägliche Repertoire-Kost, ohne die es nicht geht und als besonderes Zuckerl: Angela Gheroghiu in einer konzertanten Adriana Lecouvreur. Schön wäre das, wenn es wirklich dazu käme. Das Ganze ist nicht nur auf den ersten Blick die beste Saison der Deutschen Oper Berlin seit Jahren. Es wird sehr schwer für die Staatsoper, die ab Herbst gegenüber im Schillertheater residiert, da etwas dagegen zu setzen!
Donnerstag, 28. Januar 2010
Meyerbeers beste Oper

Richard Wagners Frühwerk Rienzi bleibt umstrtitten, daran ändert auch die aufwendige Neuproduktion an der Deutschen Oper Berlin nichts. Regisseur Philipp Stölzl macht vieles richtig, er kürzt das sechsstündige Orginal auf die Hälfte und erfindet den verbleibenden Rest quasi neu. Inspieriert von Orwell und Riefenstahl (und leider auch von Bernd Eichingers Der Untergang) erzählt er den Weg des "letzten Tribunen" als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das funktioniert im Detail sehr präzise und wirkungsvoll (allein die fulminante über Charlie Chaplin noch hinausgehende Eingangssequenz lohnt schon den Abend), viele inhaltliche Fragen bleiben allerdings unbeantwortet. Auf der Suche nach dem Prototypischen gelingen Stölzl sehr schöne, virtuos umgesetzte Bilder - ein wirklich interpretatorischer Zugriff wird aber im Laufe des kurzweiligen Abends nicht so recht deutlich. Als eine der Lieblingsopern Hitlers wurde der Rienzi seit Jahrzehnten gemieden. Es reicht aber nicht aus, diese Tatsache allein zum Konzept zu erheben. Es ist wirklich eine Crux: Darüber hinweg zu gehen traut man sich (noch) nicht, darauf zu fokussieren, das erdrückt das Stück. Konsequent hat man sich hier für den zweiten Weg entschieden. Der Vorhang öffnet sich und wir sind in Hitlers Berghof. Diese starke Eindruck dominiert alles was noch kommen wird und macht es kleiner und unwesentlicher als es nötig wäre. Das ist alles zwar präzise gearbeitet und sehr schön anzusehen und auch wenn Stölzl den Fehler vieler Filmregisseure in der Oper macht, alles gleichermaßen wichtig zu nehmen, so befindet er sich dennoch im Einklang mit dem jungen Wagner, der mit der Musik für den Rienzi vieles will und nur manches erreicht. Hier ist noch alles französische Grand Opera und als solche nimmt sie Dirigent Sebastinan Lang-Lessing auch. Schwelgerische Passagen werden mit Wucht ausgespielt, alles Schroffe, Dissonante tritt dahinter zurück. Torsten Kerl in der Titelrolle ist bemerkenswert präsent, auch in den vielen Livevideos. Stimmlich kommt er gut duch die Mammutpartie, mit ein paar kleinen Unsicherheiten gegen Ende. An seiner Seite Camilla Nylund mit höhensicherem Sopran als Schwester Irene, deren Rolle leider durch die umfangreichen Kürzungen auf ein Minimum reduziert wurde. Den größten Beifall erhält Kate Aldrich in der Hosenrolle des Adriano, den sie mit Engagement und Glaubwürdigkeit darstellt. In der heimlichen Hauptrolle triuphiert wieder einmal der Chor der Deutschen Oper Berlin in einer seiner fordernsten Aufgaben. Trotz gewissen Abstriche ist die Produktion unbedingt auf der Habenseite des Hauses einzuordnen. Die Aufführung sorgte bereits im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff und steht wohl für das, was die scheidende Intendantin Kirsten Harms immer wollte und was ihr doch nie so richtig glückte: modernes, großstädtisches und in gewisser Weise auch junges Musiktheater.
Sonntag, 30. August 2009
Das wars - Bilanz der Opernsaion 2008/09
Kurz vor Beginn der neuen Saison soll Gelegenheit sein die abgelaufenden Spielzeit zu erinnern und einzuordnen. Wir nutzen die Gelgenheit noch ein Mal die Höhepunkte der vergangenen Monate noch mal ins Gedächnis zu rufen und vielleicht den einen oder anderen Vorstellungsbesuch anzuregen. Die meisten Aufführungen werden ja weiterhin in den Spielplänen zu finden sein. Kommentare sind übrigens erwünscht.
Unsere Rückschau beginnt im Sommer 2008 in Salzburg.

In der hochspannenden Rusalka - Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito welche das Märchen mit kaltem analytischen Blick und spannungsvoller Figurenzeichnung umsetzt brillierte ein Sängerensemble der Extraklasse: neben Camilla Nylund (Foto) in der Titelrolle waren das Pjotr Beczala als Prinz, Emily Magee als Fremde Fürstin und Birgit Remmert als Hexe Jezibaba. Artifiziell und sensibel gestaltetes Musiktheater mit hoher Wirkungskraft, bei dem keine Wünsche offen blieben. Auch musikalisch nicht, das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst schwelgte präzise und fulminant in der reichen, dramatischen Partitur.

Ebenfalls ein Höhepunkt im Salzburger Sommer 2008: Herzog Blaubart im Rollstuhl inszeniert durch den Holländer Johann Simons. Mit Falk Struckmann und Michelle deYoung standen zwei stimmlich, wie darstellerisch rollendeckende Protagonisten zur Verfügung. Unter Peter Eötvös liefern die Wiener Philharmoniker ein Musterbeispiel an klanglicher Differenzierung und intellektueller Durchdringung, ein Großteil der dramatischen Spannnung kommt aus dem Orchestergraben, sorgsam akzentuiert durch die Regie und die Bühne des Hamburger Malers Daniel Richter.

An der Oper Leipzig kann man erleben, dass die Frage nach dem Wohl oder Wehe des viel gescholtenen Regietheaters gegenstandslos bleibt. Dietrich Hilsdorf erzählt die Geschichte von Jenufa (im Orginal: Ihre Ziehtochter) als schlüssige Milieustudie. Ein wunderbar disponiertes Ensemble, souveräne Figurenzeichnung und eine durchdachte Konzeption - so einfach ist großes Musiktheater. Wenn am Ende Diane Pilcher als Alte Burya im Rollstuhl resigniert auf die Trümmer ihrer Famile und damit auch ihres Lebens schaut, dann ist das unerhört nahe bei Janacek und zugleich auch Regietheater par excellence. Musikalisch spielt der Abend dort, wo die Oper Leipzig hingehört, in der ersten Liga. Alles in allem: Eine Sternstunde - unbedingt anschauen, die Aufführung bleibt weiterhin im Repertoire!

Die sehr selten gespielte Ägyptische Helena von Richard Strauss kam in einer gelungenen und heftig akklamierten Inszenieurng an der Deutschen Oper Berlin heraus. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli nimmt das verschachtelte Stück ernst und gewinnt, nicht zuletzt wegen der grandiosen Ricarda Merbeth in der Titelrolle. Die wirft sich mit Vehemenz in eine der schwierigsten Partien des dramatischen Sopranfachs und bewältigt sie mit Bravour! Ein Genuss, wie sicher und souverän sie durch die tückische "zweite Brautnacht" geht. Vergleiche mit der legendären Christel Goltz die in der Presse angestellt wurden sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls eine geglückte Besetzung: Laura Aikin als Aithra. Fazit: Viel riskiert und alles gewonnen. Und: Auch die Drehbühne ist nicht out!

Die kulissenselige Inszenierung der Lucia di Lamermoor von Regisseur Filippo Sanjust an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 1980 gehört auf jeden Fall ins staubige Repertoirefach. Schon zu ihrer Premiere wollte sie nicht mehr, als nur die Handlung bebildern. Die im Frühjahr diesen Jahres anlässlich der Wiederaufnahme aufgebotene Besetzung ließ diese Zumutung allerdings rasch vergessen. Es war das Sängerfest der Saison in der (in dieser Hinsicht gar nicht so verwöhnten) Stadt! Klar und kernig Mariusz Kwiecien als Enrico mit strahlendem Bariton, Joseph Calleja mit ungefährdeter tenoraler Kraft als Edgardo und schließlich eine Elena Mosuc in Topform mit einer Verkörperung der Titelrolle, die wohl nicht nur im Moment als Maßstäbe setzend gelten kann (auch angesichts der Tatsache, das so unterschiedliche Sängerinnen wie Anna Netrebko und Edita Gruberova die Rolle im Repertoire haben). Riesenjubel, die Deutsche Oper stand Kopf - schön, dass es auch so was immer noch gibt!

Diese Inszenierung feiert schon seit Jahren einen unvergleichlichen Siegeszug über die europäischen Bühnen und gehört ab Herbst auch zum Programm der neuen Intendanz an der Opéra de Paris: Die Tote Stadt von Erich Wolfgang Konrngold in der Inszenierung von Willy Decker. Bei der diesjährigen Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper konnte man erneut erfahren, warum das so ist. Klug und poetisch rehabiltiert sie die Oper als ein Meisterwerk für das Repertoire. Angela Denoke als Marie/Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul harmonieren auf beeindruckende Weise sowohl in lyrischen Momenten, wie auch bei wohldosierter Dramatik. Eine Aufführung, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann und die immer wieder auf ganzer Linie beeindruckt.

Für ihre Darstellung der Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck, die seit vorletzter Saison an der Dresdner Semperoper auf dem Spielplan steht, hat sie jetzt den Theaterpreis "Faust" bekommen: Iris Vermillion. Auch bei der letzten Wiederaufnahme erwies sich sich als kongeniale Darstellerin der Kleistschen Extremfigur. Das mit Engagement agierende übrige Ensemble und die von Marc Albrecht zu Höchstleistungen inspirierte Staatskapelle Dresden machen die Inszenierung von Günter Krämer zu einem Glücksfall, zu einem Beweis für die enormen musiktheatralischen Möglichkeiten des modernen Repertoires der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Dresdner Aufführung sind noch viele Vorstellungen und ein aufgeschlossenes Publikum zu wünschen.

Zwischenzeitliche kursierte der Name des lettischen Dirigenten Andris Nelsons für die musikalische Leitungsposition an der Deutschen Oper Berlin. Daraus wurde leider nichts, bei der von ihm geleiteten Wiederaufnahme des Eugen Onegin in der Inszenierung aus dem Jahr 1996 von Götz Friedrich Ende April wurde deutlich welch vertane Chance das ist. Selten wurde eine Repertoirevorstellung an diesem Haus mit solchem Engagement, mit solcher Leuchtkraft dirigiert. Das Orchester spielt für diesen Abend in einer anderen Liga also sonst und bereitet den Sängern und dem präzise einstudierten Chor einen Klangteppich der Sonderklasse. Mit Olga Guryakowa (Tatjana), Bo Skovhus (Onegin), Andrej Dunajew (Lenski) und Eva Wolak (Olga) ist ein erlesenes Sängerquartett aufgeboten, welches konzentriert und mit großer Spielfreude agiert. Schön auch das erneute (und letzte?) Wiedersehen mit der "Chefin": Karan Armstrong als würdevoller Larina. Die nicht mehr ganz taufrische Inszenierung erweist sich als reizvolle und tragfähige Annäherung an ein gemeinhin eher unterschätztes Standardwerk.

Es schien zunächst der Theaterskandal des Jahres zu werden, Samson et Dalila an der Oper Köln inszniert von Tilman Knabe. Während der Proben stieg der halbe Chor und ein Teil des Ensembles aus. In der Aufführung dann bleibt nur schwer verständlich warum, denn diese geht wirklich unter die Haut. Der Schönklang der Musik von Camille Saint-Saéns wird kontrastriert durch ein schonungslos dargestelltes Bühnengeschehen, es herrscht Krieg. Das beeindruckt in seiner Radikalität, wird aber vom allabendlichen Fernsehprogramm dennoch in den Schatten gestellt. Die Inszenierung wirkt in ihrer Größe als Ganzes: durch gelungen strukturierte Massenszenen, die beiden Sänger der Hauptpartien Ursula Hesse von den Steinen und Ray Wade jr., das unter Enrico Delamboye mit Kraft und Detailfreude spielende Gürzenich-Orchester und nicht zuletzt durch eine mutig umgesetzte Konzeption.

Das Märchen nicht unbedingt für Kinder aufgeschrieben werden gerät mitunter in Vergessenheit. Bei Hans Werner Henze ist das nicht so, seine poetisch schillernde Oper L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe kam im Juni zur Premiere in der Dresdner Semperoper. Die Regie von Altmeister Nikolaus Lehnhoff holt das Stück nicht näher an uns heran, macht es aber dennoch auf prachtvolle Art wirksam und nachvollziehbar. Subtil und humorvoll geht er mit den zahlreichen musikalischen und szenischen Querverweisen um und kreiert daraus eine neue, eigene Interpretation, die aus sich selbst heraus lebt. Nichts ist zuviel, nichts fehlt. Dazu steht ihm ein wunderbar präpariertes Ensemble und ein wirklungsvolles Bühnenbild von Roland Aeschlimann zur Verfügung und - nicht zu vergessen - eine mit differenziertem Klangbild aufspielende Staatskapelle Dresden. Henze - schon zu Lebzeiten ein Klassiker, jetzt auch wieder an der Elbe!
Unsere Rückschau beginnt im Sommer 2008 in Salzburg.

In der hochspannenden Rusalka - Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito welche das Märchen mit kaltem analytischen Blick und spannungsvoller Figurenzeichnung umsetzt brillierte ein Sängerensemble der Extraklasse: neben Camilla Nylund (Foto) in der Titelrolle waren das Pjotr Beczala als Prinz, Emily Magee als Fremde Fürstin und Birgit Remmert als Hexe Jezibaba. Artifiziell und sensibel gestaltetes Musiktheater mit hoher Wirkungskraft, bei dem keine Wünsche offen blieben. Auch musikalisch nicht, das Cleveland Orchestra unter Franz Welser-Möst schwelgte präzise und fulminant in der reichen, dramatischen Partitur.

Ebenfalls ein Höhepunkt im Salzburger Sommer 2008: Herzog Blaubart im Rollstuhl inszeniert durch den Holländer Johann Simons. Mit Falk Struckmann und Michelle deYoung standen zwei stimmlich, wie darstellerisch rollendeckende Protagonisten zur Verfügung. Unter Peter Eötvös liefern die Wiener Philharmoniker ein Musterbeispiel an klanglicher Differenzierung und intellektueller Durchdringung, ein Großteil der dramatischen Spannnung kommt aus dem Orchestergraben, sorgsam akzentuiert durch die Regie und die Bühne des Hamburger Malers Daniel Richter.

An der Oper Leipzig kann man erleben, dass die Frage nach dem Wohl oder Wehe des viel gescholtenen Regietheaters gegenstandslos bleibt. Dietrich Hilsdorf erzählt die Geschichte von Jenufa (im Orginal: Ihre Ziehtochter) als schlüssige Milieustudie. Ein wunderbar disponiertes Ensemble, souveräne Figurenzeichnung und eine durchdachte Konzeption - so einfach ist großes Musiktheater. Wenn am Ende Diane Pilcher als Alte Burya im Rollstuhl resigniert auf die Trümmer ihrer Famile und damit auch ihres Lebens schaut, dann ist das unerhört nahe bei Janacek und zugleich auch Regietheater par excellence. Musikalisch spielt der Abend dort, wo die Oper Leipzig hingehört, in der ersten Liga. Alles in allem: Eine Sternstunde - unbedingt anschauen, die Aufführung bleibt weiterhin im Repertoire!

Die sehr selten gespielte Ägyptische Helena von Richard Strauss kam in einer gelungenen und heftig akklamierten Inszenieurng an der Deutschen Oper Berlin heraus. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli nimmt das verschachtelte Stück ernst und gewinnt, nicht zuletzt wegen der grandiosen Ricarda Merbeth in der Titelrolle. Die wirft sich mit Vehemenz in eine der schwierigsten Partien des dramatischen Sopranfachs und bewältigt sie mit Bravour! Ein Genuss, wie sicher und souverän sie durch die tückische "zweite Brautnacht" geht. Vergleiche mit der legendären Christel Goltz die in der Presse angestellt wurden sind nicht von der Hand zu weisen. Ebenfalls eine geglückte Besetzung: Laura Aikin als Aithra. Fazit: Viel riskiert und alles gewonnen. Und: Auch die Drehbühne ist nicht out!

Die kulissenselige Inszenierung der Lucia di Lamermoor von Regisseur Filippo Sanjust an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahr 1980 gehört auf jeden Fall ins staubige Repertoirefach. Schon zu ihrer Premiere wollte sie nicht mehr, als nur die Handlung bebildern. Die im Frühjahr diesen Jahres anlässlich der Wiederaufnahme aufgebotene Besetzung ließ diese Zumutung allerdings rasch vergessen. Es war das Sängerfest der Saison in der (in dieser Hinsicht gar nicht so verwöhnten) Stadt! Klar und kernig Mariusz Kwiecien als Enrico mit strahlendem Bariton, Joseph Calleja mit ungefährdeter tenoraler Kraft als Edgardo und schließlich eine Elena Mosuc in Topform mit einer Verkörperung der Titelrolle, die wohl nicht nur im Moment als Maßstäbe setzend gelten kann (auch angesichts der Tatsache, das so unterschiedliche Sängerinnen wie Anna Netrebko und Edita Gruberova die Rolle im Repertoire haben). Riesenjubel, die Deutsche Oper stand Kopf - schön, dass es auch so was immer noch gibt!

Diese Inszenierung feiert schon seit Jahren einen unvergleichlichen Siegeszug über die europäischen Bühnen und gehört ab Herbst auch zum Programm der neuen Intendanz an der Opéra de Paris: Die Tote Stadt von Erich Wolfgang Konrngold in der Inszenierung von Willy Decker. Bei der diesjährigen Wiederaufnahme an der Wiener Staatsoper konnte man erneut erfahren, warum das so ist. Klug und poetisch rehabiltiert sie die Oper als ein Meisterwerk für das Repertoire. Angela Denoke als Marie/Marietta und Klaus Florian Vogt als Paul harmonieren auf beeindruckende Weise sowohl in lyrischen Momenten, wie auch bei wohldosierter Dramatik. Eine Aufführung, deren Wirkung man sich nicht entziehen kann und die immer wieder auf ganzer Linie beeindruckt.

Für ihre Darstellung der Penthesilea in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck, die seit vorletzter Saison an der Dresdner Semperoper auf dem Spielplan steht, hat sie jetzt den Theaterpreis "Faust" bekommen: Iris Vermillion. Auch bei der letzten Wiederaufnahme erwies sich sich als kongeniale Darstellerin der Kleistschen Extremfigur. Das mit Engagement agierende übrige Ensemble und die von Marc Albrecht zu Höchstleistungen inspirierte Staatskapelle Dresden machen die Inszenierung von Günter Krämer zu einem Glücksfall, zu einem Beweis für die enormen musiktheatralischen Möglichkeiten des modernen Repertoires der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Dresdner Aufführung sind noch viele Vorstellungen und ein aufgeschlossenes Publikum zu wünschen.

Zwischenzeitliche kursierte der Name des lettischen Dirigenten Andris Nelsons für die musikalische Leitungsposition an der Deutschen Oper Berlin. Daraus wurde leider nichts, bei der von ihm geleiteten Wiederaufnahme des Eugen Onegin in der Inszenierung aus dem Jahr 1996 von Götz Friedrich Ende April wurde deutlich welch vertane Chance das ist. Selten wurde eine Repertoirevorstellung an diesem Haus mit solchem Engagement, mit solcher Leuchtkraft dirigiert. Das Orchester spielt für diesen Abend in einer anderen Liga also sonst und bereitet den Sängern und dem präzise einstudierten Chor einen Klangteppich der Sonderklasse. Mit Olga Guryakowa (Tatjana), Bo Skovhus (Onegin), Andrej Dunajew (Lenski) und Eva Wolak (Olga) ist ein erlesenes Sängerquartett aufgeboten, welches konzentriert und mit großer Spielfreude agiert. Schön auch das erneute (und letzte?) Wiedersehen mit der "Chefin": Karan Armstrong als würdevoller Larina. Die nicht mehr ganz taufrische Inszenierung erweist sich als reizvolle und tragfähige Annäherung an ein gemeinhin eher unterschätztes Standardwerk.

Es schien zunächst der Theaterskandal des Jahres zu werden, Samson et Dalila an der Oper Köln inszniert von Tilman Knabe. Während der Proben stieg der halbe Chor und ein Teil des Ensembles aus. In der Aufführung dann bleibt nur schwer verständlich warum, denn diese geht wirklich unter die Haut. Der Schönklang der Musik von Camille Saint-Saéns wird kontrastriert durch ein schonungslos dargestelltes Bühnengeschehen, es herrscht Krieg. Das beeindruckt in seiner Radikalität, wird aber vom allabendlichen Fernsehprogramm dennoch in den Schatten gestellt. Die Inszenierung wirkt in ihrer Größe als Ganzes: durch gelungen strukturierte Massenszenen, die beiden Sänger der Hauptpartien Ursula Hesse von den Steinen und Ray Wade jr., das unter Enrico Delamboye mit Kraft und Detailfreude spielende Gürzenich-Orchester und nicht zuletzt durch eine mutig umgesetzte Konzeption.

Das Märchen nicht unbedingt für Kinder aufgeschrieben werden gerät mitunter in Vergessenheit. Bei Hans Werner Henze ist das nicht so, seine poetisch schillernde Oper L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe kam im Juni zur Premiere in der Dresdner Semperoper. Die Regie von Altmeister Nikolaus Lehnhoff holt das Stück nicht näher an uns heran, macht es aber dennoch auf prachtvolle Art wirksam und nachvollziehbar. Subtil und humorvoll geht er mit den zahlreichen musikalischen und szenischen Querverweisen um und kreiert daraus eine neue, eigene Interpretation, die aus sich selbst heraus lebt. Nichts ist zuviel, nichts fehlt. Dazu steht ihm ein wunderbar präpariertes Ensemble und ein wirklungsvolles Bühnenbild von Roland Aeschlimann zur Verfügung und - nicht zu vergessen - eine mit differenziertem Klangbild aufspielende Staatskapelle Dresden. Henze - schon zu Lebzeiten ein Klassiker, jetzt auch wieder an der Elbe!
Samstag, 4. Juli 2009
Liebe Macht Tod
Mit seiner letzten Oper "Turandot" (1920) kommt Giacomo Puccini endgültig im zwanzigsten Jahrhundert an - musikalisch und inhaltlich. Nichts mehr von entrückten Melodien à la "Tosca" oder "La Bohéme". Hier geht es um alles - um Liebe und um Macht, also um das Leben. Deshalb sah er sich auch außerstande ein Happy End zu erfinden, die Oper wurde erst posthum vollendet. An der Deutschen Oper Berlin steht seit Anfang dieser Saison die komplettierte Form auf dem Spielplan, und zwar in einer anspuchsvollen und eigensinnigen Inszenierung, die überzeugt.

Regisseur Lorenzo Fioroni verzichtet dabei auf jegliche chinesische Folklore und wirft - angereichert mit ein paar ironischen Seitenhieben - einen abgeklärten illusionslosen Blick auf das Stück. Wenn Liebe und Macht aufeinandertreffen gehen beide unter, das ist die These der Aufführung, die mit intensiven Bildern beglaubigt wird. Fulminant und auftrumpfend und dennoch plausibles Menschentheater - das ist selten. Das Ganze ist dazu noch handwerklich solide arrangiert und hat in sich eine Musikalität, die man sonst so oft schmerzlich vermisst. Dirigent Pinchas Steinberg hat das Geschehen im Griff, er nimmt das Orchester gelegentlich sängerfreundlich zurück und weiß die entscheidenden Akzente zu setzen und dem Klangrausch keine zu engen Fesseln anzulegen. Mit Maria Guleghina wurde eine der rennomiertesten Sängerinnen für die Titelpartie aufgeboten. Sie singt die Turandot schon seit längerem und überall, oft mit großem Erfolg. Den hatte sie auch hier, aber die Anstrengungen der letzten Jahre sind ihrer Stimme dann doch anzumerken, die schweren Partien wie Turandot, Abigaille und Lady Macbeth, auf welche sie abonniert ist, haben ihre Spuren hinterlassen. Zu viele Töne sprechen nicht mehr richtig an, in der Höhe gibt es Schärfen und in der Rätselszene zeigte sie sich merkbar unsicher. Gegen Ende singt sie sich dann auch noch richtig in Hochform und löst die Figur erstaunlich facettenreich ein. Sie ist immer noch eine wunderbare Turandot und wenn endlich in Fahrt auch die große Diva, auf die das Publikum wartet. Dessen Symphatie fliegt auch Elena Mosuc als Liu zu, die im Frühjahr am gleichen Haus eine phänomenale Lucia di Lamermoor gesungen hatte, diesmal ist der Eindruck eher gemischt. Bei ihre bleibt alles irgendwie Behauptung, ihr gelingt an diesem Abend nicht, was Guleghina so meisterhaft macht: Defizite, seien sie Tagesform oder grundsätzlicher Natur in der großen Geste zu transzendieren. Möglicherweise ist das auch der Inszenierung zuzurechnen, die der Turandot-Figur eine erstaunliche Ambivalenz als Frau zugesteht ober besser abfordert, Liu bleibt da viel eindimensionaler. Als Calaf überzeugt Roy Cornelius Smith mit großer Durchschlagkraft, er ist die ganze Partie hindurch völlig ungefährdet unterwegs. Die drei Minister Ping, Pang und Pong sind mit Simon Pauly, Jörg Schörner und Paul Kaufmann bestens besetzt, auch szenisch ist das alles sehr schön präzise. Unerschütterlich Peter Maus, wieder mal eine großartige Studie, als Altkaiser. Ohne Makel auch der Opernchor der Deutschen Oper. Ein auf jeden Fall sehenswerter Abend, vielleicht entfaltet sich der konzeptionelle Ansatz einer einer anderen (weniger auf Opulenz angelegten) Sängerkonstellation noch besser. Auf jeden Fall handelt es sich um eines der raren Beispiele, bei welchem sich der Ersatz einer alten Aufführung aus der Götz-Friedrich-Ära durch eine Neuproduktion als Gewinn erweist!

Regisseur Lorenzo Fioroni verzichtet dabei auf jegliche chinesische Folklore und wirft - angereichert mit ein paar ironischen Seitenhieben - einen abgeklärten illusionslosen Blick auf das Stück. Wenn Liebe und Macht aufeinandertreffen gehen beide unter, das ist die These der Aufführung, die mit intensiven Bildern beglaubigt wird. Fulminant und auftrumpfend und dennoch plausibles Menschentheater - das ist selten. Das Ganze ist dazu noch handwerklich solide arrangiert und hat in sich eine Musikalität, die man sonst so oft schmerzlich vermisst. Dirigent Pinchas Steinberg hat das Geschehen im Griff, er nimmt das Orchester gelegentlich sängerfreundlich zurück und weiß die entscheidenden Akzente zu setzen und dem Klangrausch keine zu engen Fesseln anzulegen. Mit Maria Guleghina wurde eine der rennomiertesten Sängerinnen für die Titelpartie aufgeboten. Sie singt die Turandot schon seit längerem und überall, oft mit großem Erfolg. Den hatte sie auch hier, aber die Anstrengungen der letzten Jahre sind ihrer Stimme dann doch anzumerken, die schweren Partien wie Turandot, Abigaille und Lady Macbeth, auf welche sie abonniert ist, haben ihre Spuren hinterlassen. Zu viele Töne sprechen nicht mehr richtig an, in der Höhe gibt es Schärfen und in der Rätselszene zeigte sie sich merkbar unsicher. Gegen Ende singt sie sich dann auch noch richtig in Hochform und löst die Figur erstaunlich facettenreich ein. Sie ist immer noch eine wunderbare Turandot und wenn endlich in Fahrt auch die große Diva, auf die das Publikum wartet. Dessen Symphatie fliegt auch Elena Mosuc als Liu zu, die im Frühjahr am gleichen Haus eine phänomenale Lucia di Lamermoor gesungen hatte, diesmal ist der Eindruck eher gemischt. Bei ihre bleibt alles irgendwie Behauptung, ihr gelingt an diesem Abend nicht, was Guleghina so meisterhaft macht: Defizite, seien sie Tagesform oder grundsätzlicher Natur in der großen Geste zu transzendieren. Möglicherweise ist das auch der Inszenierung zuzurechnen, die der Turandot-Figur eine erstaunliche Ambivalenz als Frau zugesteht ober besser abfordert, Liu bleibt da viel eindimensionaler. Als Calaf überzeugt Roy Cornelius Smith mit großer Durchschlagkraft, er ist die ganze Partie hindurch völlig ungefährdet unterwegs. Die drei Minister Ping, Pang und Pong sind mit Simon Pauly, Jörg Schörner und Paul Kaufmann bestens besetzt, auch szenisch ist das alles sehr schön präzise. Unerschütterlich Peter Maus, wieder mal eine großartige Studie, als Altkaiser. Ohne Makel auch der Opernchor der Deutschen Oper. Ein auf jeden Fall sehenswerter Abend, vielleicht entfaltet sich der konzeptionelle Ansatz einer einer anderen (weniger auf Opulenz angelegten) Sängerkonstellation noch besser. Auf jeden Fall handelt es sich um eines der raren Beispiele, bei welchem sich der Ersatz einer alten Aufführung aus der Götz-Friedrich-Ära durch eine Neuproduktion als Gewinn erweist!
Donnerstag, 11. Juni 2009
Ein Tristan mit Hindernissen
Die Deutsche Oper hat zum Ende der Saison Pech mit ihren Wagner-Sängern. Vor einem Monat gab es handfeste Probleme einen Ersatz für den Tannhäuser zu finden und jetzt musste Robert Gambill als Tristan absagen. Die Lösung, die man in der gestrigen Vorstellung gefunden hat kann aber nur als Kompromiss gelten, obwohl der "Einspringer" alles andere als eine Verlegenheitslösung ist.

Erfreulich ist, dass Peter Seiffert sich bereit gefunden hat, als Tristan einzuspringen. Schade bleibt, dass er das erstmal nur singend (mit Buch und Pult) getan hat. Als Tristan auf der Bühne figurierte die verdiente Spielleiterin der Deutschen Oper Gerlinde Pelkowski. Man muss sagen: Das funktioniert so nicht. Das Ganze gewinnt zu wenig an Spannung, es wird kein richtiger Opernabend. Seiffert singt einen akzeptablen Tristan, auch er mit Schwierigkeiten im dritten Akt, aber welcher Sänger hat die nicht. Trotzdem, er singt die ganze Partie, er schreit oder deklamiert sie nicht und alles mit vorzüglicher Sprachbehandlung. Es wird klar, warum der Sänger mal als Hoffnung des Wagnergesangs galt. Als Isolde ist Evelyn Herlitzius nach wie vor eine erste Rollenvertreterin, wohl kaum einer Sängerin gelingt es die Figur mit einer solchen Plausibilität und Konkretheit zu zeichnen. Indes stellte sich gerade beim Liebestod gestern erstaunlich wenig Magie ein, sicher lag es auch an der Tatsache, dass sie sich ja immer zwei Tristans gegenüber sah, einem singenden und einem spielenden. Der singende verließ die Bühne nach seinen letzten Phrasen und der spielende lag nur noch da, an der Stelle war dann endgültig die Luft raus. Die Brangäne von Daniela Sindram blieb zu eindimensional in der Darstellung. Gewohnt deutlich und mit viel sonorem Tiefklang zelebriert Hans-Peter König den König Marke. Das hat Wirkung, aber es berührt nicht. Schade, aber diese Rolle darf man nicht so unbeteiligt singen. Den besten Eindruck des Abends hinterlässt Samuel Youn als Kurwenal, mit viel Attacke und heldischem Glanz in der Stimme zeigt er sein Wagner-Format. Das Orchester der Deutschen Oper und Pinchas Steinberg hat einen routinierten Abend und hält sich über weite Strecken angenehm im Hintergrund, so geht es auch! Die langgediente Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1980 bekennt sich zu einer psychologischen und realtistischen Erzählung der nicht ganz einfachen Geschichte und es erstaunt, wie weit sie damit kommt. Üblicherweise wird dieser Weg ja inzwischen vermieden und das Stück in eher allegorischen oder symbolischen Zusammenhängen präsentiert. Das kann gut gehen, muss es aber nicht, wie viele Beispiele zeigen. Für die nächsten Vorstellung am 14. Juni 2009 ist Peter Seifert allein als Tristan angekündigt. Wenn alle einen guten Tag haben, könnte das - nach der gestrigen Durchlaufprobe mit Publikum - eine kleine Wagner-Sternstunde werden.

Erfreulich ist, dass Peter Seiffert sich bereit gefunden hat, als Tristan einzuspringen. Schade bleibt, dass er das erstmal nur singend (mit Buch und Pult) getan hat. Als Tristan auf der Bühne figurierte die verdiente Spielleiterin der Deutschen Oper Gerlinde Pelkowski. Man muss sagen: Das funktioniert so nicht. Das Ganze gewinnt zu wenig an Spannung, es wird kein richtiger Opernabend. Seiffert singt einen akzeptablen Tristan, auch er mit Schwierigkeiten im dritten Akt, aber welcher Sänger hat die nicht. Trotzdem, er singt die ganze Partie, er schreit oder deklamiert sie nicht und alles mit vorzüglicher Sprachbehandlung. Es wird klar, warum der Sänger mal als Hoffnung des Wagnergesangs galt. Als Isolde ist Evelyn Herlitzius nach wie vor eine erste Rollenvertreterin, wohl kaum einer Sängerin gelingt es die Figur mit einer solchen Plausibilität und Konkretheit zu zeichnen. Indes stellte sich gerade beim Liebestod gestern erstaunlich wenig Magie ein, sicher lag es auch an der Tatsache, dass sie sich ja immer zwei Tristans gegenüber sah, einem singenden und einem spielenden. Der singende verließ die Bühne nach seinen letzten Phrasen und der spielende lag nur noch da, an der Stelle war dann endgültig die Luft raus. Die Brangäne von Daniela Sindram blieb zu eindimensional in der Darstellung. Gewohnt deutlich und mit viel sonorem Tiefklang zelebriert Hans-Peter König den König Marke. Das hat Wirkung, aber es berührt nicht. Schade, aber diese Rolle darf man nicht so unbeteiligt singen. Den besten Eindruck des Abends hinterlässt Samuel Youn als Kurwenal, mit viel Attacke und heldischem Glanz in der Stimme zeigt er sein Wagner-Format. Das Orchester der Deutschen Oper und Pinchas Steinberg hat einen routinierten Abend und hält sich über weite Strecken angenehm im Hintergrund, so geht es auch! Die langgediente Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1980 bekennt sich zu einer psychologischen und realtistischen Erzählung der nicht ganz einfachen Geschichte und es erstaunt, wie weit sie damit kommt. Üblicherweise wird dieser Weg ja inzwischen vermieden und das Stück in eher allegorischen oder symbolischen Zusammenhängen präsentiert. Das kann gut gehen, muss es aber nicht, wie viele Beispiele zeigen. Für die nächsten Vorstellung am 14. Juni 2009 ist Peter Seifert allein als Tristan angekündigt. Wenn alle einen guten Tag haben, könnte das - nach der gestrigen Durchlaufprobe mit Publikum - eine kleine Wagner-Sternstunde werden.
Dienstag, 12. Mai 2009
Venus + Elisabeth = Nadja
Fast hätte sie abgesagt werden müssen, die Auftaktvorstellung der zweiten Aufführungsserie der Neuproduktion des TANNHÄUSER an der Deutschen Oper Berlin. Nachdem erst Scott McAllister und dann auch Stefan Vinke krankheitsbedingt ausfielen musste weltweit nach einem Sänger für die Titelrolle gesucht werden. Allein sechs potentielle Kandidaten waren allerdings an der MET gebunden, als Besetzungen und Cover für die aktuellen Ring-Serie. Fündig wurde man dann in Oslo!

Es wurde ein überraschender und kurzweiliger Abend. Ivar Gilhuus schlägt sich zunächst nur wacker, seine Stimme will eine gewisse Abnutzung gar nicht verleugnen, doch er teilt sich den Abend sehr gut ein und die nicht unheikle Romerzählung im dritten Akt kommt klar und kraftvoll wie selten. Das alles mit vorzüglicher Verständlichkeit des Textes. Das gilt überraschenderweise auch für Nadja Michael, der Gesangsstil nicht jedermanns Sache ist. Die vor längerem vom Mezzo zur Sopranistin konvertierte Sängerin neigt als Venus zu Schärfen in der Höhe, die Elisabeth gelingt ihr dann viel besser. Viele ehrliche, innerliche Töne. Die dritte Überraschung ist Markus Brück, nicht die aufregendste Stimme, aber an diesem Abend singt er den Wolfram über alle hinaus.

Die Inszenierung von Intendantin Kirsten Harms verzichtet darauf, ihr Konzept zu Tode zu reiten. Sie findet große, aussagekräftige Bilder und immer wieder auch das Kammerspiel in der großen Oper, nicht zuletzt getragen durch die Bühnenpräsenz von Nadja Michael. Wirklich berührend und ganz neu gelesen die Szene am Schluss, wenn Wolfram der toten Elisabeth das Haar öffnet und sie damit auch zu seiner Venus macht. Der Chor der Deutschen Oper erweist sich zum wiederholen Male als sichere Bank, das Dirigat von Philippe Auguin ist trocken und unpathetisch, mitunter etwas eindimensional, aber der große Entwurf stimmt über alle drei Akte. Eine gelungene Repertoireaufführung im fast ausverkauften Haus an der Bismarckstraße, großer Jubel für alle Mitwirkenden.

Es wurde ein überraschender und kurzweiliger Abend. Ivar Gilhuus schlägt sich zunächst nur wacker, seine Stimme will eine gewisse Abnutzung gar nicht verleugnen, doch er teilt sich den Abend sehr gut ein und die nicht unheikle Romerzählung im dritten Akt kommt klar und kraftvoll wie selten. Das alles mit vorzüglicher Verständlichkeit des Textes. Das gilt überraschenderweise auch für Nadja Michael, der Gesangsstil nicht jedermanns Sache ist. Die vor längerem vom Mezzo zur Sopranistin konvertierte Sängerin neigt als Venus zu Schärfen in der Höhe, die Elisabeth gelingt ihr dann viel besser. Viele ehrliche, innerliche Töne. Die dritte Überraschung ist Markus Brück, nicht die aufregendste Stimme, aber an diesem Abend singt er den Wolfram über alle hinaus.

Die Inszenierung von Intendantin Kirsten Harms verzichtet darauf, ihr Konzept zu Tode zu reiten. Sie findet große, aussagekräftige Bilder und immer wieder auch das Kammerspiel in der großen Oper, nicht zuletzt getragen durch die Bühnenpräsenz von Nadja Michael. Wirklich berührend und ganz neu gelesen die Szene am Schluss, wenn Wolfram der toten Elisabeth das Haar öffnet und sie damit auch zu seiner Venus macht. Der Chor der Deutschen Oper erweist sich zum wiederholen Male als sichere Bank, das Dirigat von Philippe Auguin ist trocken und unpathetisch, mitunter etwas eindimensional, aber der große Entwurf stimmt über alle drei Akte. Eine gelungene Repertoireaufführung im fast ausverkauften Haus an der Bismarckstraße, großer Jubel für alle Mitwirkenden.
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