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Montag, 21. Juli 2014
Tannhäuser als Livestream aus Bayreuth
Der in diesem Jahr letztmalig auf dem Grünen Hügel zu erlebende Tannhäuser in der Regie von Sebastian Baumgarten wird am 12. August 2014 vom Bayerischen Rundfunk live als Videostream im Internet gezeigt. In den Vorjahren gab es parallel zur Kinoauswertung immer auch TV-Übertragungen bei Arte oder der ARD. Die musikalische Leitung der Aufführung hat Axel Kober, es singen Torsten Kerl (Tannhäuser), Camilla Nylund (Elisabeth), Michelle Breedt (Venus) und Markus Eiche (Wolfram). Die umstrittende Produktion wird seit 2011 gezeigt und nun ein Jahr früher vom Spielplan genommen, dafür steht der Lohengrin in der Inszenierung von Hans Neuenfels ein Jahr länger auf dem Plan.
Dienstag, 10. Juni 2014
Richard-Strauss-Gala aus Dresden auf ARTE
Am morgigen 150. Geburtstag von Richard Strauss überträgt ARTE ein Galakonzert aus der Dresdner Semperoper mit der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann. Es wurden drei nicht ganz unbekannte Sopranistinnnen verpflichtet: Camilla Nylund, Anja Harteros und Christiane Goerke (erstzt die ursprünglich vorgesehene Nina Stemme). Dementsprechend opernlastig ist auch das Programm: Es erklingen instrumentale Ausschnitte aus Der Rosenkavalier, Feuersnot und Intermezzo sowie einzelne Szenen aus dem umfangreichen Opernwerk von Richard Strauss, wie der Schlussgesang der Salome, der Auftrittsmonolog der Elektra die Zweite Brautnacht aus der Ägyptischen Helena, der Schluss des ersten Aktes Arabella und die Schlusszene aus Daphne. Eine reizvolle Mischung aus beliebten und weniger bekannten Stücken, angesichts der aufgebotenen Besetzung dürfte das eine Sternstunde mit Ansage werden! Das Konzert wird übrigens auf den Vorplatz der Semperoper übertragen. Woanders sind solche public viewings schon wieder aus der Mode, in Dresden wohl noch nicht!
Montag, 25. Juli 2011
Heute um 16 Uhr Festspieleröffnung in Bayreuth

Es ist wieder soweit, live auf BR-Klassik und auf vielen anderen Radiokanälen kann heute ab 16 Uhr die Eröffnung der 100. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth verfolgt werden. Es steht die Neuinszenierung Tannhäuser auf dem Programm (Abb.: Regisseur Sebastian Baumgarten mit Camilla Nylund, sie singt die Elisabeth). Während im Vorjahr der Blätterwald angesichts Hans Neuenfels Ratten-Lohengrin rauschte, blieb es in diesem Jahr vergleichweise ruhig. Nur wenig drang vom Grünen Hügel nach draussen. So viel wurde aber vorab bekannt: Im Mittelpunkt der Bühnengeschehen steht ein sog. Alkolator, eine Skulptur des niederländischen Künstlers Joep van Lieshout.

Dirigent Thomas Hengelbrock, ein Spezialist historisch informierter Aufführungspraxis hat sich mit Äußerungen im Vorfeld sehr zurück gehalten. Ganz spannungsfrei soll seine Zusammenarbeit mit Festspielchor und -orchester nicht gewesen sein. Um so mehr begeistert äußerten sich die beteiligten Solisten. Es bleibt also spannend, welche musikalischen und szenischen Wirkungen dieser Tannhäuser entfalten wird. Die Voraussetzungen für eine gelungene Aufführung sind mehr als gegeben!

Aktuelle Bildergalerie der Neuproduktion Tannhäuser
Musikalische Kurzkritik, 21.45 Uhr
Ein interessanter, wenn auch nicht überzeugender Wagner-Abend! Tom Hengelbrock entschlackt erwartetermaßen den Tannhäuser und findet mit dem Festspielorchester Momente großer Leichtigkeit und überraschend schön ausmusizierter Details. Doch das Ganze ist am Ende nicht konsequent genug und führt immer wieder auch zu Langeweile. Schade! Bei den Sängern sind große Premierenaufgeregtheiten zu hören, Stephanie Friedes Venus neigt immer wieder zu Schärfen und Unsauberkeiten in der Intonation. Auch die Elisabeth von Camilla Nylund findet sich erst im Laufe des Abends in die Partie, in der sie sonst eigentlich sehr souverän und sicher ist. Das Gebet gelingt ihr dann auch sehr inniglich und berührend. Der Schwede Lars Clevemann als Tannhäuser teilt sich den Abend gut ein, singt textverständlich, aber es fehlt ihm dann doch das letzte Stück Stimmschönheit. Nur eine respektable Leistung, keine aufregende - immerhin kommt er sehr gut durch die Romerzählung! Michael Nagy kann als Wolfram alle Möglichkeiten seines stilsicheren Baritons ausreizen, auch ihm wird das im Laufe der Vorstellungen souveräner gelingen. Das gleiche gilt für Günter Groisböck, der als vergleichsweise junger Landgraf viel zu routiniert wirkt. Beeindruckend wie immer der Festspielchor. Insgesamt ein Abend der seine musikalische Form sucht und zum Teil auch findet. Es fehlt aber der stringente Zugriff, der interpretatorische Ansatz. Vielleicht wollte der am Grünen Hügel debütierende Dirigent zu Vieles verwirklichen, was unter den Bayreuther Festspielumständen einfach nicht realisierbar ist?
Sonntag, 22. Mai 2011
Peter Schneider dirigiert nicht in Dresden

Nicht-Nur-Wagner-Experte Peter Schneider hat leider sein Dirigat der aktuellen Aufführungsserie des Tannhäuser an der Dresdner Semperoper abgesagt. Für ihn übernehmen Stefan Blunier (02.06.) und Asher Fish (29.05./05.06.). In der immer noch sehenswerten Konwitschny-Inszenierung sind auch zwei verschiedene Tannhäuser zu erleben, einmal Jon Fredric West (29.05.) sowie Stephen Gould in den beiden anderen Vorstellungen (02./05.06.) Kurz vor ihrem Bayreuth-Debüt in der Rolle singt Camilla Nylund die Elisabeth noch einmal an ihrem Stammhaus, die Venus gibt Tichina Vaughn. Den Wolfgang teilen sich Markus Butter und Christoph Pohl. Bleibt zu hoffen, das Maestro Schneider beim Bayreuther Tristan im Sommer wieder zur Verfügung steht!
Tichina Vaughn
Tichina Vaughn
Mittwoch, 23. Februar 2011
Bayreuther Besetzungen 2011 online

Die Sängerbesetzungen bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen sind online veröffentlicht worden. Allein drei neue Solisten gibt es im erstmals wieder aufgenommenen Lohengrin aus dem Vorjahr: Klaus Florian Vogt in der Titelrolle, Petra Lang als Ortrud und Tómas Tómasson als Telramund. Georg Zeppenfeld übernimmt zum ersten Mal den Veit Pogner in den Meistersingern, als Stolzing debütiert Burkhard Fritz. Neu als Parsifal dabei ist Simon O'Neill. In der aktuellen Neuproduktion Tannhäuser singen Camilla Nylund, Stephanie Friede, Michael Nagy und Lars Clevemann.
Sonntag, 28. November 2010
Die Bayreuther Festspielpläne für 2011

Auch in Bayreuth hat inzwischen der Winter Einzug gehalten und das außerhalb der Festspielzeit eher ruhige Städtchen wird noch beschaulicher. Eher ruhig verhalten sich zu dieser Jahreszeit traditionell auch die Festspiele, was das Programm und die Besetzungen für den kommenden Jahrgang angeht. Während andere Sommerfestivals schon seit Wochen massiv Marketing betreiben hat man das in Bayreuth bekanntermaßen nicht nötig. Aber ein Großteil der interessanten Fragen sind ohnehin schon beantwortet, es bedarf nur einer etwas ausführlicheren Internetrecherche, deren Ergebnisse wir hier zusammengestellt haben. Einige Änderungen gibt es bei den Tenören: Von vornherein klar war, dass Jonas Kaufmann den Lohengrin nur im Premierenjahr singt, er wird durch Routiner Klaus Florian Vogt ersetzt. Der gibt dafür den Stolzing an Burkhard Fritz von der Staatsoper Berlin ab, der damit sein Debüt am Grünen Hügel gibt. Simon O'Neill sprang bereits einmal als Lohengrin ein und wird ab jetzt den Parsifal übernehmen. Aus dem Lohengrin-Ensemble scheidet auch Evelyn Herlitzius aus. Die Neuproduktion Tannhäuser wird von Sebastian Baumgarten inszeniert und von Tom Hengelbrock dirigiert. Interessant dürfte an dieser Konstellation sein, welche Fassung zur Aufführung kommt. Die Titelpartie soll der Däne Lars Clevemann übernehmen, von dem man noch nicht so viel gehört hat. Viel mehr weiß man dafür bereits über Camilla Nylund, die als Elisabeth eingeplant ist. Den Wolfram soll Michael Nagy singen. In der Wiederaufnahme von Tristan und Isolde werden wohl wieder Irene Théorin und Robert Dean Smith auftreten, Peter Schneider ist als Dirigent gesetzt. Inzwischen obligatorisch dürften Kinderoper und public viewing sein. Wünschen wir den Bayreuthern eine ruhige Adventszeit!
Donnerstag, 30. September 2010
Daphne kehrt zurück an die Semperoper

Nach einem von eher sehr durchschnittlichen Repertoireauffürungen geprägten Saisonauftakt gibt es jetzt an der Dresdner Semperoper die erste Neuinszenierung in der Intendanz von Dr. Ulrike Hessler. Die Entscheidung fiel auf Hausgott Richard Strauss selten gespieltes Spätwerk Daphne - 1938 am gleichen Ort uraufgeführt unter der musikalischen Leitung des legendären Karl Böhm, dem Strauss seine Oper auch gewidmet hat. Das Werk firmiert als bukolische Tragödie in einem Aufzug und variiert nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Oper den griechischen Mythos der Nymphe Daphne die zum Schutz vor den Nachstellungen Apolls in einen Lorbeerbaum verwandelt wird. Das Ganze wurde von Strauss und seinem Librettisten Joseph Gregor noch mehr ins Menschliche gewendet, noch einen Schritt weiter geht jetzt der Regisseur der Neuinszenierung Torsten Fischer. Er siedelt die Handlung in der Entstehungszeit des Werkes an (das ist für die Strausschen Spätwerke ein bewährtes Mittel) und erzählt die Geschichte der hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Fischer ist eher als gemäßigter Inszenator bekannt und so sind die Erwartungen hoch, dass ihm eine spannende und schlüssige Interpretation des Werkes gelingt. Über allen Zweifel erhaben ist die Besetzung. Einmal mehr in einer Hauptrolle an der Semperoper zu erleben ist Camilla Nylund, inzwischen zu einer der wichtigsten Strauss-Sängerinnen geworden. An ihrer Seite ein hervorragendes Ensemble mit Christa Mayer, Robert Dean Smith, Georg Zeppenfeld und einigen anderen. Das Dirigat übernimmt als Dresden-Debüt die Nachwuchshoffnung Omer Meir Wellber. Wenn alles gelingt hat die Semperoper einen wichtigen Neuzugang im Strauss-Repertoire und die Neuintendantin einen Einstand nach Maß!
Sonntag, 25. April 2010
Esmeralda auf dem elektrischen Stuhl
Eingriffe in Text und Musik einer Oper werden schnell als unzulässig kritisiert. An der Dresdner Semperoper haben jetzt Dirigent Gerd Albrecht und Regisseur Günter Krämer nachdrücklich die so gut wie nie aufgeführte Oper NOTRE DAME des österreichischen Komponisten Franz Schmidt fragmentarisiert und diese so, wenn nicht für das Repertoire, aber wenigstens für diese Inszenierung gerettet.

Wer ein folkloristisch ausgemaltes Mittelalter nach Victor Hugo erwartet liegt komplett falsch. Die Inszenierung erzählt die Geschichte formenstreng und bildgewaltig als Rückblende: Zu Beginn sitzt Esmeralda zum Tode verurteilt auf dem elektrischen Stuhl und der Weg bis dahin läuft nochmals in ihrer Erinnerung ab. Sie ist hier nicht die schöne Zigeunerin sondern ein eiskalter Vamp, der sich nur ab und zu aus seinem orangen Anzug herausschält um selber zur Liebenden zu werden. Der Regisseur will zeigen, das Esmeralda Objekt zahlreicher Männerfantasien ist und dass ihr das schließlich zum Verhängnis wird. Das gelingt ihm recht eindrücklich, aber der Preis ist hoch, weil ihm so alle anderen Aspekte des Stoffs verloren gehen. Vom sinnenfrohen Mittelalter ist wenig zu sehen, wir befinden uns im puritanischen Amerika. Camilla Nylund gestaltet die Esmeralda mit Marylin-Perücke und im Sträflingsoutfit mit wunderbar fließenden Soprantönen, hin und wieder mit kontrollierten emotionalen Ausbrüchen, muss sich aber zu sehr in die unterkühlte Lesart der Figur fügen. Schade, hier könnte doch eine Sopran-Carmen auf der Bühne stehen! In den Mittelpunkt der Inszenierung rückt der Archediakon - von Markus Butter stimmlich, wie darstellerisch sehr eindrucksvoll gestaltet - der sich seine Liebe zu Esmeralda nicht zugestehen kann und sie, auch um sich selber zu bestrafen, in den Tod schickt. Der Geistliche und die Liebe - hier entsteht ein hochinteressanter Diskurs mit tagesakutellen Bezügen, auch körperlich prägnant umgesetzt. Respekt! Nach längerer Pause wieder zu hören ist Robert Gambill, eigentlich weltweit im Heldentenorfach unterwegs. Er hält sich als Hauptmann Phoebus, die große Liebe Esmeraldas, merklich zurück und zeigt auf der ganzen Linie einen wirklichen Durchschnittsmenschen. Keine schlechte Idee, wenn nicht diese merkwürdige Distanz zueinander bliebe, die sich durch die ganze Inszenierung zieht. Gewohnt solide sind auch die kleineren Rollen mit Matthias Henneberg und Oliver Ringelhahn aus dem Dresdner Ensemble besetzt. Nur wenig Profil darf Jan-Hendrik Rootering als Quasimodo zeigen, er wird im Hausmeisterkittel zur Nebenfigur degradiert, sein immer brüchiger klingender Bass passt allerdings gut zur Kreatur, die alle Hoffnungen fahren lässt und ihm gehört auch der große letzte Satz der Oper: Erbebe, du Riesenbau! Falle und begrabe dich unter mir!

Konnten Gerd Albrecht und Günter Krämer mit ihrer gemeinsamen Penthesilea-Produktion vor drei Jahren einen wirklich Triumph landen bleibt das Ergebnis hier unentschieden. Die Inszenierung geht auf Distanz zur Geschichte, das funktioniert, weil dadurch auch alle Sentimentalitäten und folkloristischen Einbettungen umgangen werden, die das Ganze schwer erträglich machen würden. Aber die Aufführung kommt so auch nicht nah genung an die Figuren heran. Die Arrangements stimmen, aus den Personen werden aber keine Menschen. Bei aller Virtuosität der Umsetzung bricht immer wieder Theaterkonvention aus, die hier völlig unangemessen ist und zu wenig funktioniert. Das Schicksal von Esmeralda wird erzählt, doch es berührt nicht. Das gilt für den ganzen Abend, zu viel allemeine Zivilisationskritik, welche die Geschichte überfrachtet. Die Musik gleicht das nur zum Teil aus. Die Staatskapelle Dresden spielt durchhörbar, manchmal fulminant und oft angenehm pathosfrei. Das ist insbesondere beim bekannten Zwischenspiel (welches in der Oper dann doch zu oft zitiert wird) sehr angenehm zu hören. Das Werk ist interessant instrumentiert und über weite Strecken abwechslungsreich, doch wirklich zwingend ist die Musik nicht. Insofern ist auch der Ansatz von Dirigent und Regisseur, die Oper kantiger und härter zu machen, nachvollziehbar.

Auch wenn für die Fachbesucher manche Wünsche offen bleiben folgte das Publikum in der ausverkauften Semperoper der Aufführung mit großer Konzentration und viele engagierte Pausengespräche zeugten von der emotionalen Aufnahme des Gesehenen. Einen bekannten Stoff über eine mutige Annäherung neu erfahren, eigentlich eine der hervorragendsten Aufgaben von Musiktheater. Überraschend, dass das gerade mit dieser Aufführung gelingt! Und sicher auch ein Verdienst des hervorragenden Sängerensembles, welches sich die komplizierten Partien sehr engagiert zu eigen gemacht hat. Erwähnenswert ist noch das in jeder Hinsicht lesenswerte Programmheft, welches informativ und abwechslungsreich neben dem Werk, und dem Komponisten auch die Hintergründe der Produktion beleuchtet. Ob die Oper mit dieser Inszenierung für das Repertoire zurück erobert wurde scheint eher fraglich, aber Anlass die Romanvorlage von Victor Hugo zur Hand zu nehmen ist sie allemahl. Und es bleibt die Hoffnung, dass auch die neue Intendantin die Spielplanlinie von Prof. Uecker, jedes Jahr eine eher unbekannte Oper zur Premiere zu brigen, fortführen wird.
Die Inszenierung ist am 2. Mai 2010 zum letzten Mal in der Semperoper zu sehen!

Wer ein folkloristisch ausgemaltes Mittelalter nach Victor Hugo erwartet liegt komplett falsch. Die Inszenierung erzählt die Geschichte formenstreng und bildgewaltig als Rückblende: Zu Beginn sitzt Esmeralda zum Tode verurteilt auf dem elektrischen Stuhl und der Weg bis dahin läuft nochmals in ihrer Erinnerung ab. Sie ist hier nicht die schöne Zigeunerin sondern ein eiskalter Vamp, der sich nur ab und zu aus seinem orangen Anzug herausschält um selber zur Liebenden zu werden. Der Regisseur will zeigen, das Esmeralda Objekt zahlreicher Männerfantasien ist und dass ihr das schließlich zum Verhängnis wird. Das gelingt ihm recht eindrücklich, aber der Preis ist hoch, weil ihm so alle anderen Aspekte des Stoffs verloren gehen. Vom sinnenfrohen Mittelalter ist wenig zu sehen, wir befinden uns im puritanischen Amerika. Camilla Nylund gestaltet die Esmeralda mit Marylin-Perücke und im Sträflingsoutfit mit wunderbar fließenden Soprantönen, hin und wieder mit kontrollierten emotionalen Ausbrüchen, muss sich aber zu sehr in die unterkühlte Lesart der Figur fügen. Schade, hier könnte doch eine Sopran-Carmen auf der Bühne stehen! In den Mittelpunkt der Inszenierung rückt der Archediakon - von Markus Butter stimmlich, wie darstellerisch sehr eindrucksvoll gestaltet - der sich seine Liebe zu Esmeralda nicht zugestehen kann und sie, auch um sich selber zu bestrafen, in den Tod schickt. Der Geistliche und die Liebe - hier entsteht ein hochinteressanter Diskurs mit tagesakutellen Bezügen, auch körperlich prägnant umgesetzt. Respekt! Nach längerer Pause wieder zu hören ist Robert Gambill, eigentlich weltweit im Heldentenorfach unterwegs. Er hält sich als Hauptmann Phoebus, die große Liebe Esmeraldas, merklich zurück und zeigt auf der ganzen Linie einen wirklichen Durchschnittsmenschen. Keine schlechte Idee, wenn nicht diese merkwürdige Distanz zueinander bliebe, die sich durch die ganze Inszenierung zieht. Gewohnt solide sind auch die kleineren Rollen mit Matthias Henneberg und Oliver Ringelhahn aus dem Dresdner Ensemble besetzt. Nur wenig Profil darf Jan-Hendrik Rootering als Quasimodo zeigen, er wird im Hausmeisterkittel zur Nebenfigur degradiert, sein immer brüchiger klingender Bass passt allerdings gut zur Kreatur, die alle Hoffnungen fahren lässt und ihm gehört auch der große letzte Satz der Oper: Erbebe, du Riesenbau! Falle und begrabe dich unter mir!

Konnten Gerd Albrecht und Günter Krämer mit ihrer gemeinsamen Penthesilea-Produktion vor drei Jahren einen wirklich Triumph landen bleibt das Ergebnis hier unentschieden. Die Inszenierung geht auf Distanz zur Geschichte, das funktioniert, weil dadurch auch alle Sentimentalitäten und folkloristischen Einbettungen umgangen werden, die das Ganze schwer erträglich machen würden. Aber die Aufführung kommt so auch nicht nah genung an die Figuren heran. Die Arrangements stimmen, aus den Personen werden aber keine Menschen. Bei aller Virtuosität der Umsetzung bricht immer wieder Theaterkonvention aus, die hier völlig unangemessen ist und zu wenig funktioniert. Das Schicksal von Esmeralda wird erzählt, doch es berührt nicht. Das gilt für den ganzen Abend, zu viel allemeine Zivilisationskritik, welche die Geschichte überfrachtet. Die Musik gleicht das nur zum Teil aus. Die Staatskapelle Dresden spielt durchhörbar, manchmal fulminant und oft angenehm pathosfrei. Das ist insbesondere beim bekannten Zwischenspiel (welches in der Oper dann doch zu oft zitiert wird) sehr angenehm zu hören. Das Werk ist interessant instrumentiert und über weite Strecken abwechslungsreich, doch wirklich zwingend ist die Musik nicht. Insofern ist auch der Ansatz von Dirigent und Regisseur, die Oper kantiger und härter zu machen, nachvollziehbar.

Auch wenn für die Fachbesucher manche Wünsche offen bleiben folgte das Publikum in der ausverkauften Semperoper der Aufführung mit großer Konzentration und viele engagierte Pausengespräche zeugten von der emotionalen Aufnahme des Gesehenen. Einen bekannten Stoff über eine mutige Annäherung neu erfahren, eigentlich eine der hervorragendsten Aufgaben von Musiktheater. Überraschend, dass das gerade mit dieser Aufführung gelingt! Und sicher auch ein Verdienst des hervorragenden Sängerensembles, welches sich die komplizierten Partien sehr engagiert zu eigen gemacht hat. Erwähnenswert ist noch das in jeder Hinsicht lesenswerte Programmheft, welches informativ und abwechslungsreich neben dem Werk, und dem Komponisten auch die Hintergründe der Produktion beleuchtet. Ob die Oper mit dieser Inszenierung für das Repertoire zurück erobert wurde scheint eher fraglich, aber Anlass die Romanvorlage von Victor Hugo zur Hand zu nehmen ist sie allemahl. Und es bleibt die Hoffnung, dass auch die neue Intendantin die Spielplanlinie von Prof. Uecker, jedes Jahr eine eher unbekannte Oper zur Premiere zu brigen, fortführen wird.
Die Inszenierung ist am 2. Mai 2010 zum letzten Mal in der Semperoper zu sehen!
Donnerstag, 28. Januar 2010
Meyerbeers beste Oper

Richard Wagners Frühwerk Rienzi bleibt umstrtitten, daran ändert auch die aufwendige Neuproduktion an der Deutschen Oper Berlin nichts. Regisseur Philipp Stölzl macht vieles richtig, er kürzt das sechsstündige Orginal auf die Hälfte und erfindet den verbleibenden Rest quasi neu. Inspieriert von Orwell und Riefenstahl (und leider auch von Bernd Eichingers Der Untergang) erzählt er den Weg des "letzten Tribunen" als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Das funktioniert im Detail sehr präzise und wirkungsvoll (allein die fulminante über Charlie Chaplin noch hinausgehende Eingangssequenz lohnt schon den Abend), viele inhaltliche Fragen bleiben allerdings unbeantwortet. Auf der Suche nach dem Prototypischen gelingen Stölzl sehr schöne, virtuos umgesetzte Bilder - ein wirklich interpretatorischer Zugriff wird aber im Laufe des kurzweiligen Abends nicht so recht deutlich. Als eine der Lieblingsopern Hitlers wurde der Rienzi seit Jahrzehnten gemieden. Es reicht aber nicht aus, diese Tatsache allein zum Konzept zu erheben. Es ist wirklich eine Crux: Darüber hinweg zu gehen traut man sich (noch) nicht, darauf zu fokussieren, das erdrückt das Stück. Konsequent hat man sich hier für den zweiten Weg entschieden. Der Vorhang öffnet sich und wir sind in Hitlers Berghof. Diese starke Eindruck dominiert alles was noch kommen wird und macht es kleiner und unwesentlicher als es nötig wäre. Das ist alles zwar präzise gearbeitet und sehr schön anzusehen und auch wenn Stölzl den Fehler vieler Filmregisseure in der Oper macht, alles gleichermaßen wichtig zu nehmen, so befindet er sich dennoch im Einklang mit dem jungen Wagner, der mit der Musik für den Rienzi vieles will und nur manches erreicht. Hier ist noch alles französische Grand Opera und als solche nimmt sie Dirigent Sebastinan Lang-Lessing auch. Schwelgerische Passagen werden mit Wucht ausgespielt, alles Schroffe, Dissonante tritt dahinter zurück. Torsten Kerl in der Titelrolle ist bemerkenswert präsent, auch in den vielen Livevideos. Stimmlich kommt er gut duch die Mammutpartie, mit ein paar kleinen Unsicherheiten gegen Ende. An seiner Seite Camilla Nylund mit höhensicherem Sopran als Schwester Irene, deren Rolle leider durch die umfangreichen Kürzungen auf ein Minimum reduziert wurde. Den größten Beifall erhält Kate Aldrich in der Hosenrolle des Adriano, den sie mit Engagement und Glaubwürdigkeit darstellt. In der heimlichen Hauptrolle triuphiert wieder einmal der Chor der Deutschen Oper Berlin in einer seiner fordernsten Aufgaben. Trotz gewissen Abstriche ist die Produktion unbedingt auf der Habenseite des Hauses einzuordnen. Die Aufführung sorgte bereits im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff und steht wohl für das, was die scheidende Intendantin Kirsten Harms immer wollte und was ihr doch nie so richtig glückte: modernes, großstädtisches und in gewisser Weise auch junges Musiktheater.
Mittwoch, 22. Juli 2009
Sommerpause in Dresden: Viele Fragen offen

Mit einigen dissonanten Tönen ist die Dresdner Musiksaison 2008/09 Anfang Juli zu Ende gegangen. Inzwischen traditionell endete die Spielzeit der Semperoper mit einer Vorstellung von Richard Strauss Der Rosenkavalier. Als Feldmarschallin überzeugte einmal mehr Camilla Nylund (auf dem Foto rechts), die hier an ihrem Stammhaus seit einiger Zeit als Kammersängerin geehrte, aber inzwischen auch in Wien, Salzburg und Paris als eine der wichtigsten Strauss- und Wagner-Interpretinnen ihrer Generation geschätzte Sopranistin. Ansonsten viel sängerische Routine und zu wenig Präzision in manchem Detail. Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wirkt inzwischen mächtig angestaubt, das Konzept die drei Akte in unterschiedlichen Zeitepochen spielen zu lassen trägt nicht so weit, wie es müsste. Im Jahr 2012 jährt sich die Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden zum hundertsten Mal, da besteht Handlungsbedarf für die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler, damit das vielleicht wichtigste Dresdner Repertoirestück zum Jubiläum in einer adäquaten Inszenierung auf dem Spielplan steht. (Das gilt übrigens auch für die Elektra – von der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus musste im Januar Abschied genommen werden.) Doch zu allererst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, nachdem Fabio Luisi überraschend seinen Weggang an das Opernhaus Zürich bekannt gegeben hat. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte das mit Christian Thielemann mehr als ein Ersatz gefunden wurde. Der Qualitätsfanatiker hat seinen Vertrag bei den Münchener Philharmonikern platzen lassen (dort war er immerhin der Nachfolger von Sergiu Celibidache und James Levine) und wäre ab 2012 frei für Dresden. Thielemann gilt als schwierig und kompromisslos, aber gerade das könnte ihm angesichts des Dresdner Traditionsbewusstseins zu Gute kommen. Sein schmales Kernrepertoire (Wagner, Strauss) passt wunderbar mit dem der Staatskapelle zusammen; diese Lösung hätte sogar einen gewissen Charme für den darnieder liegenden CD-Markt. Und die Aussicht, dass Thielemann nicht nur Konzerte sondern auch wieder regelmäßig Opernaufführungen dirigiert, dürfte den Spielplan der Semperoper nachhaltig attraktiver machen, auch überregional. Das ist dringend nötig, denn im bisher stets mit höchsten Auslastungszahlen verwöhnten Haus bleiben immer mehr Plätze frei. Dresdner Publikum und Touristen schaffen es auch zusammen immer seltener das Haus zu füllen und so blieben nicht nur bei der jüngsten Henze-Produktion von L’Upupa ganze Stuhlreihen leer, obwohl die Inszenierung von der Presse als eine der besten der Ära Gerd Uecker gefeiert wird, sondern übers Jahr auch in Aufführungen von Tristan und Isolde trotz einer fantastischen Evelyn Herlitzius oder bei Boris Godunow mit einem überragenden René Pape.

Der stellt seine ganze sängerische und darstellerische Präsenz auch noch mal in einer Vorstellung am Saisonende in den Dienst der in ihrer Eindimensionalität wirklich missratenen Inszenierung von Christian Pade aus dem vergangen Dezember. Und Elton John der am selben Abend auf dem Theaterplatz konzertiert muss warten, bis Pape fertig ist und die Semperopernbesucher das Haus verlassen haben. Schöne Arbeitsteilung. Ansonsten war das Wochenende gekennzeichnet von unerfreulichen Absagen. Waltraud Meier sollte mit der Dresdner Philharmonie am Elbufer einen großen Wagner-Abend gestalten (ihr konzertantes Brünnhilde-Debüt war angekündigt), wegen Hochwassers musste das ganze Konzert ausfallen. Auch der für das letzte Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden angekündigte Dirigent Sir Colin Davis musste seinen Auftritt wegen höherer Gewalt absagen: Er durfte England nicht verlassen, weil sein Reisepass von den britischen Behörden nicht rechtzeitig ausgestellt wurde. Zwei wirklich plausible Erklärungen im um Ausreden eigentlich nicht verlegenen Klassik-Betrieb. Jetzt ist Sommerpause, die Publikum und Musiker verlustieren sich auf diversen Sommerfestivals, schon Ende August geht alles wieder los. Dann streiten wir auch weiter über den neuen Dresdner Konzertsaal...was meint eigenlich Herr Thielemann dazu?
Montag, 22. Juni 2009
Das Glück kennt nur Minuten
Richard Strauss letzte Oper Capriccio - ein Konversationsstück mit Musik - spielt im Frankreich des späten 18. Jahrhunderts. Nach dem Motto Prima la musica e poi le parole streiten der Komponist Flamand und der Musiker Olivier um die Vorherrschaft von Wort oder Musik und zugleich um die Gunst der Gräfin Madeleine. Dem hintersinnigen und anspielungsreichen Alterswerk wird gern Oberflächlichkeit und Langeweile nachgesagt - zu Unrecht wie die aktuelle Premiere an der Oper Köln nachhaltig unter Beweis stellte.

Willkommen im Elfenbeinturm.
Die Inszenierung von Christian von Götz macht aus der Handlung ein kongeniales Spiel im Spiel, angesiedelt in der Entstehungszeit des Stückes: 1942 - im von den Deutschen besetzten Paris. Alles ist nicht mehr als ein flüchtiger Traum in einer Samstagnacht, aber auch nicht weniger. Bilderstark, intellektuell überzeugend, emotional bewegend, getragen von einem intensiv agierenden Solisten-Ensemble wächst da ein Opernabend, dem man sich nicht entziehen kann. Die Rahmenhandlung ist behutsam inszeniert, nur zaghaft mit dem Capriccio-Spiel verknüpft, dann aber um so bewegender. Der Graf ist ein Nazi-Bonze und stellt jüdischen Flüchtlingen Passierscheine aus. Wenn die Gräfin an der Rampe sitzt und in Tränen ausbricht, weil sie bemerkt, dass ihr Schmuck einen jüdischen Vorbesitzer hatte, dieser stumme Moment wird zum Höhepunkt des Abends. Die Schlussworte "Das Souper ist serviert." markieren den Abschied. Die Utopie kann nicht von Dauer sein - das rückt sehr nah heran an Richard Strauss.

Auch Schreibtischtäter sind Menschen.
Mit Camilla Nylund steht als Gräfin eine wirklich herausragende Sängerin und Darstellerin zur Verfügung. Sie beherrscht sowohl die parlandohafte Leichtigkeit der Partitur, wie auch die große Gesangslinie. Ihre Interpretation der Figur kann so als exemplarisch gelten. Mit sicherem Gespür für das nötige Maß an Identifikation und Distanz und fein portionierter Ironie steht sie unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens. Ebenfalls hervorragend: Miljenko Turk in der Rolle des Dichters Olivier, der Hausbariton der Oper Köln, den man hoffentlich bald an anderer Stelle wieder hören wird. Hauke Möller steigert sich als Komponist Flamand zusehends, Ashley Holland ist rollendeckend ein zerrissener Graf. Als Schauspielerin Clairon überzeugt Ursula Hesse von den Steinen durch komödiantischen Zeichnung ihrer Figur. Mit viel Kraft, aber zu wenig Differenzierungsvermögen gibt Michael Eder den Theaterdirektor La Roche, er kommt souverän durch die Partie, bleibt aber zu viel an stimmlicher Gestaltung schudlig. Das gilt leider auch für das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Markus Stenz. Es wird mit Liebe zum Details gespielt, aber nicht mit Inspiration musiziert, was für diese zu ein paar Ausführlichkeiten neigende Oper aber dringend notwendig wäre.

Der Traum ist aus.
Dieser außerordentlich gelungene Capriccio kündet auf beeindruckende Weise von den Möglichkeiten eines realistischen Musiktheaters mit poetischer Rafinesse und politischer Relevanz. Das die Inszenierung inhaltlich etwas wagt stellt man bei dem geglückten Ergebnis kaum in Rechnung. Die letzte Produktion der Oper Köln, bevor der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg sein Amt antritt (vom Ende einer Ära will man nicht sprechen) setzt ein Achtungszeichen. Es geht doch!

Willkommen im Elfenbeinturm.
Die Inszenierung von Christian von Götz macht aus der Handlung ein kongeniales Spiel im Spiel, angesiedelt in der Entstehungszeit des Stückes: 1942 - im von den Deutschen besetzten Paris. Alles ist nicht mehr als ein flüchtiger Traum in einer Samstagnacht, aber auch nicht weniger. Bilderstark, intellektuell überzeugend, emotional bewegend, getragen von einem intensiv agierenden Solisten-Ensemble wächst da ein Opernabend, dem man sich nicht entziehen kann. Die Rahmenhandlung ist behutsam inszeniert, nur zaghaft mit dem Capriccio-Spiel verknüpft, dann aber um so bewegender. Der Graf ist ein Nazi-Bonze und stellt jüdischen Flüchtlingen Passierscheine aus. Wenn die Gräfin an der Rampe sitzt und in Tränen ausbricht, weil sie bemerkt, dass ihr Schmuck einen jüdischen Vorbesitzer hatte, dieser stumme Moment wird zum Höhepunkt des Abends. Die Schlussworte "Das Souper ist serviert." markieren den Abschied. Die Utopie kann nicht von Dauer sein - das rückt sehr nah heran an Richard Strauss.

Auch Schreibtischtäter sind Menschen.
Mit Camilla Nylund steht als Gräfin eine wirklich herausragende Sängerin und Darstellerin zur Verfügung. Sie beherrscht sowohl die parlandohafte Leichtigkeit der Partitur, wie auch die große Gesangslinie. Ihre Interpretation der Figur kann so als exemplarisch gelten. Mit sicherem Gespür für das nötige Maß an Identifikation und Distanz und fein portionierter Ironie steht sie unangefochten im Mittelpunkt des Geschehens. Ebenfalls hervorragend: Miljenko Turk in der Rolle des Dichters Olivier, der Hausbariton der Oper Köln, den man hoffentlich bald an anderer Stelle wieder hören wird. Hauke Möller steigert sich als Komponist Flamand zusehends, Ashley Holland ist rollendeckend ein zerrissener Graf. Als Schauspielerin Clairon überzeugt Ursula Hesse von den Steinen durch komödiantischen Zeichnung ihrer Figur. Mit viel Kraft, aber zu wenig Differenzierungsvermögen gibt Michael Eder den Theaterdirektor La Roche, er kommt souverän durch die Partie, bleibt aber zu viel an stimmlicher Gestaltung schudlig. Das gilt leider auch für das Gürzenich-Orchester unter der Leitung von Markus Stenz. Es wird mit Liebe zum Details gespielt, aber nicht mit Inspiration musiziert, was für diese zu ein paar Ausführlichkeiten neigende Oper aber dringend notwendig wäre.

Der Traum ist aus.
Dieser außerordentlich gelungene Capriccio kündet auf beeindruckende Weise von den Möglichkeiten eines realistischen Musiktheaters mit poetischer Rafinesse und politischer Relevanz. Das die Inszenierung inhaltlich etwas wagt stellt man bei dem geglückten Ergebnis kaum in Rechnung. Die letzte Produktion der Oper Köln, bevor der neue Intendant Uwe Eric Laufenberg sein Amt antritt (vom Ende einer Ära will man nicht sprechen) setzt ein Achtungszeichen. Es geht doch!
Sonntag, 12. April 2009
Esmeralda & Quasimodo in der Semperoper
Franz Schmidt (1874-1939) war zu seinen Lebzeiten einer der bekanntesten Komponisten Österreichs. Von den Nazis hofiert, machte er sich deren Ideologie nie zu eigen, wurde aber nach 1945 als "Mitläufer" diskreditiert. Schnell geriet er dann in Vergessenheit, ein Schicksal, dass er mit vielen Künstlern seiner Generation teilt. Sein recht überschaubares Werk gilt als sehr aufführungswirksam, weshalb es nicht verwundert, dass man immer mehr auf den vielleicht wichtigsten Vertreter der Wiener Spätromantik aufmerksam wird.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
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