Montag, 25. Juli 2011

Heute um 16 Uhr Festspieleröffnung in Bayreuth



Es ist wieder soweit, live auf BR-Klassik und auf vielen anderen Radiokanälen kann heute ab 16 Uhr die Eröffnung der 100. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth verfolgt werden. Es steht die Neuinszenierung Tannhäuser auf dem Programm (Abb.: Regisseur Sebastian Baumgarten mit Camilla Nylund, sie singt die Elisabeth). Während im Vorjahr der Blätterwald angesichts Hans Neuenfels Ratten-Lohengrin rauschte, blieb es in diesem Jahr vergleichweise ruhig. Nur wenig drang vom Grünen Hügel nach draussen. So viel wurde aber vorab bekannt: Im Mittelpunkt der Bühnengeschehen steht ein sog. Alkolator, eine Skulptur des niederländischen Künstlers Joep van Lieshout.



Dirigent Thomas Hengelbrock, ein Spezialist historisch informierter Aufführungspraxis hat sich mit Äußerungen im Vorfeld sehr zurück gehalten. Ganz spannungsfrei soll seine Zusammenarbeit mit Festspielchor und -orchester nicht gewesen sein. Um so mehr begeistert äußerten sich die beteiligten Solisten. Es bleibt also spannend, welche musikalischen und szenischen Wirkungen dieser Tannhäuser entfalten wird. Die Voraussetzungen für eine gelungene Aufführung sind mehr als gegeben!



Aktuelle Bildergalerie der Neuproduktion Tannhäuser

Musikalische Kurzkritik, 21.45 Uhr
Ein interessanter, wenn auch nicht überzeugender Wagner-Abend! Tom Hengelbrock entschlackt erwartetermaßen den Tannhäuser und findet mit dem Festspielorchester Momente großer Leichtigkeit und überraschend schön ausmusizierter Details. Doch das Ganze ist am Ende nicht konsequent genug und führt immer wieder auch zu Langeweile. Schade! Bei den Sängern sind große Premierenaufgeregtheiten zu hören, Stephanie Friedes Venus neigt immer wieder zu Schärfen und Unsauberkeiten in der Intonation. Auch die Elisabeth von Camilla Nylund findet sich erst im Laufe des Abends in die Partie, in der sie sonst eigentlich sehr souverän und sicher ist. Das Gebet gelingt ihr dann auch sehr inniglich und berührend. Der Schwede Lars Clevemann als Tannhäuser teilt sich den Abend gut ein, singt textverständlich, aber es fehlt ihm dann doch das letzte Stück Stimmschönheit. Nur eine respektable Leistung, keine aufregende - immerhin kommt er sehr gut durch die Romerzählung! Michael Nagy kann als Wolfram alle Möglichkeiten seines stilsicheren Baritons ausreizen, auch ihm wird das im Laufe der Vorstellungen souveräner gelingen. Das gleiche gilt für Günter Groisböck, der als vergleichsweise junger Landgraf viel zu routiniert wirkt. Beeindruckend wie immer der Festspielchor. Insgesamt ein Abend der seine musikalische Form sucht und zum Teil auch findet. Es fehlt aber der stringente Zugriff, der interpretatorische Ansatz. Vielleicht wollte der am Grünen Hügel debütierende Dirigent zu Vieles verwirklichen, was unter den Bayreuther Festspielumständen einfach nicht realisierbar ist?

Kommentare:

  1. Den besseren Wagner kann man an mehreren anderen Häusern hören.

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  2. Auf jeden Fall! Der Abend gestern war wirklich enttäuschend. Vielleicht sollte man bei dem ungeheuren Premierendruck, der auf allen Beteiligten liegt, dazu übergehen eine der letzten Vorstellungen der Saison mitzuschneiden und zu senden?

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  3. Es ist nicht der Premierendruck. es sind Inszenierung und Besetzung. Sinnlos und mittelmäßig. In dem Ambiente kann nahezu jede Oper aufgeführt werden. Die stimmen bis auf die des Wolfram hinterlassen keinen Eindruck.

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