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Samstag, 20. Oktober 2012

Hundert Jahre Deutsche Oper Berlin













In Berlin wird gefeiert: Klaus Florian Vogt singt den Parsifal in einer Neuproduktion von Regisseur Philipp Stölzl, der Fragen nach dem Aggressionspotential und Fanatismus hermetischer Religionsgemeinschaften ins Zentrum seiner Auseinandersetzung mit Wagners Bühnenweihfestspiel stellen will. Zumindest spektakulär sollte das werden. Ansonsten ist es ein Wochenende der Änderungen, allein im Parsifal werden Gurnemanz, Klingsor und Amortas umbesetzt. Es übernehmen Matti Salminen, Thomas Jesatko und Thomas Johannes Mayer - alles rollenerfahrene und gestandene Wagner-Sänger. Beim für heute geplanten Festkonzert hat die auch auf diesem Blog sehr kontrovers diskutierte Absage von Jonas Kaufmann noch weitere Folgen nach sich gezogen. Wie die Hompage der Deutschen Oper meldet: Anstelle von Simon O'Neill (Ersatz für Jonas Kaufmann) singt nun Ivar Gilhuus die Partie des Florestan. Auch Joseph Calleja muss seine Mitwirkung leider absagen. Vittorio Grigolo wird "Ah! Lève-toi, soleil" aus Charles Gounods ROMEO ET JULIETTE interpretieren. Jetzt spingt also in letzter Minute Ivar Gilhuus ein, der am gleichen Haus vor längerer Zeit mal ziemlich fulminant einen Tannhäuser gerettet hat. So kommt am Ende alles doch wieder irgendwie zusammen und stellt klar, was für eine kraftvolle Institution so ein Opernhaus ist. Herzlichen Glückwunsch nach Berlin und auf die nächsten Hundert!

Dienstag, 12. Mai 2009

Venus + Elisabeth = Nadja

Fast hätte sie abgesagt werden müssen, die Auftaktvorstellung der zweiten Aufführungsserie der Neuproduktion des TANNHÄUSER an der Deutschen Oper Berlin. Nachdem erst Scott McAllister und dann auch Stefan Vinke krankheitsbedingt ausfielen musste weltweit nach einem Sänger für die Titelrolle gesucht werden. Allein sechs potentielle Kandidaten waren allerdings an der MET gebunden, als Besetzungen und Cover für die aktuellen Ring-Serie. Fündig wurde man dann in Oslo!



Es wurde ein überraschender und kurzweiliger Abend. Ivar Gilhuus schlägt sich zunächst nur wacker, seine Stimme will eine gewisse Abnutzung gar nicht verleugnen, doch er teilt sich den Abend sehr gut ein und die nicht unheikle Romerzählung im dritten Akt kommt klar und kraftvoll wie selten. Das alles mit vorzüglicher Verständlichkeit des Textes. Das gilt überraschenderweise auch für Nadja Michael, der Gesangsstil nicht jedermanns Sache ist. Die vor längerem vom Mezzo zur Sopranistin konvertierte Sängerin neigt als Venus zu Schärfen in der Höhe, die Elisabeth gelingt ihr dann viel besser. Viele ehrliche, innerliche Töne. Die dritte Überraschung ist Markus Brück, nicht die aufregendste Stimme, aber an diesem Abend singt er den Wolfram über alle hinaus.



Die Inszenierung von Intendantin Kirsten Harms verzichtet darauf, ihr Konzept zu Tode zu reiten. Sie findet große, aussagekräftige Bilder und immer wieder auch das Kammerspiel in der großen Oper, nicht zuletzt getragen durch die Bühnenpräsenz von Nadja Michael. Wirklich berührend und ganz neu gelesen die Szene am Schluss, wenn Wolfram der toten Elisabeth das Haar öffnet und sie damit auch zu seiner Venus macht. Der Chor der Deutschen Oper erweist sich zum wiederholen Male als sichere Bank, das Dirigat von Philippe Auguin ist trocken und unpathetisch, mitunter etwas eindimensional, aber der große Entwurf stimmt über alle drei Akte. Eine gelungene Repertoireaufführung im fast ausverkauften Haus an der Bismarckstraße, großer Jubel für alle Mitwirkenden.

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