Mittwoch, 27. Juli 2016

München verschiebt Oper für alle & Meistersinger-Stream















Die Bayerische Staatsoper sagt den für den kommenden Sonntag (31. Juli 2016) geplanten Livestream der aktuellen Neuproduktion Die Meistersinger von Nürnberg ab, ebenfalls nicht stattfinden wird die Übertragung der Aufführung auf den Max-Josephs-Platz vor dem Nationaltheater. Das in München sehr populäre Format Oper für alle hätte an diesem Abend sein zwanzigstes Jubiläum gefeiert. Nach dem Amoklauf am vergangenen Freitag wäre es aber nicht der richtige Zeitpunkt für eine sommerliche Großveranstaltung vor den Toren des Hauses, heißt es in einer Verlautbarung des Hauses. Außerdem ist zum gleichen Termin in München ein Gedenkgottesdienst für die Oper des Amoklaufes geplant. Eine nachvollziehbare und konsequente Entscheidung, die man nur begrüßen kann. Der vergangene Freitag war ein Einschnitt in der Geschichte der zutiefst lebensfrohen und pausenlos amüsierwilligen bayerischen Landeshauptstadt, der erst einmal verarbeitet werden muss. Das gelingt sicher nicht, wenn man einfach so weiter macht, wie bisher. Die Bayerische Staatsoper prüft eine Wiederholung von Stream & Übertragung für die neue Saison, ab Ende September steht eine Reprise der Inszenierung mit drei Terminen auf dem Spielplan.

Dienstag, 26. Juli 2016

Hans Neuenfels kritisiert Bayreuth auf ganzer Linie













Im letzten Sommer stand sein Lohengrin zum letzten Mal auf dem Spielplan am Grünen Hügel. Die im Premierenjahr 2010 eher gemischt aufgenommene Produktion wurde dann schnell ein ganz großer Publikumserfolg und ist heute längst Legende. Vielleicht die einzige in der Direktionszeit von Katharina Wagner. Die amtierende Festspielchefin wird vom Altmeister jetzt deutlich und direkt kritisiert. Hans Neuefels sieht die Bayreuther Festspiele vor der Selbstabschaffung, wenn es nicht gelingt, bald merkbar neue Akzente zu setzen. Diese müssen im künstlerischen Bereich liegen. Es sollte wieder über die Aufführungen diskutiert werden und nicht um die großen und kleinen Skandale rings um die Festspiele herum. Insbesondere bedauert Hans Neuenfels auch den Abgang von Andris Nelsons, der in der Endphase aus der diesjährigen Neuproduktion Parsifal ausgestiegen war.  Mit ihm gemeinsam hatter er den Lohengrin zum Erfolg geführt. Das komplette Interview kann bei Deutschlandradio kultur nachgelesen und -gehört werden.

Montag, 25. Juli 2016

Heute kein roter Teppich zur Eröffnung in Bayreuth













Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele findet heute ohne den traditionellen roten Teppich vor dem Festspielhaus statt. Das sonst von der Stadt Bayreuth veranstaltete Spektakel findet aus Respekt vor den Opfern des Amoklaufs am Freitag in München genauso wenig statt, wie der an die Aufführung anschließende Staatsempfang der bayrischen Staatsregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihre Teilnahme an der Eröffnungspremiere schon vor längerer Zeit abgesagt. Ein Festspielauftakt, bei dem allein die Kunst im Mittelpunkt steht, das sollte man sich in Bayreuth genau anschauen und am besten so beibehalten. Parsifal steht auf dem Programm, das große Versöhnungsstück. Und erstmals kann man am heimischen Computer die gesamte Aufführung verfolgen, denn es gibt einen kostenlosen kompletten Livestream auf BRklassik.

Sonntag, 24. Juli 2016

Parsifal aus Bayreuth als Livestream













Endlich geht es los, nach vielen Wochen mit spektakulären Nachrichten vom Grünen Hügel und ringsherum steht nun wieder die Aufführungen von Richard Wagners hochgeschätzten Werken im Mittelpunkt. Am 25. Juli eröffnen auch in diesem Sommer die Bayreuther Festspiele, auf dem Spielplan steht die Neuinszenierung des Parsifal in der Regie von Uwe Eric Laufenberg unter der musikalischen Leitung von Hartmut Haenchen. Zum ersten Mal wird die Festspieleröffnung live im Internet übertragen, auf dem Portal von BR klassik kann man ab 16 Uhr live dabei sein. Eine schöne Möglichkeit für alle Musikfreunde am Bayreuther Geschehen nah dran zu sein und trotzdem zu Hause auf dem Sofa zu sitzen!

Dienstag, 5. April 2016

Freyer übernimmt von Tcherniakov in Wien















Die Wiener Festwochen trennen sich von Dimitri Tcherniakov, der Regisseur - wie häufig auch diesmal sein eigener Bühnenbildner - sollte Mitte Juni eine Neuproduktion von Fidelio im Theater an der Wien herausbringen, ist aber offenbar mit den notwendigen Vorarbeiten nicht fertig geworden. Die Regie übernimmt Achim Freyer, der Altmeister, der noch jedes Stück passend für sein Einheitskonzept gemacht hat. Die Inszenierung dürfte nun völlig anders werden als gedacht, aber nicht anders als all die anderen Freyer-Inszenierungen, die wir bereits kennen. Der musikalische Teil der Besetzung bleibt an Bord der Produktion: Marc Minkowski dirigiert seine Musiciens du Louvre und auf dem Besetzungszettel stehen Christiane Libor, Elizabeth Watts, Julien Behr, Franz Hawlata, Michael König, Georg Nigl und Jewgeni Nikitin.

Mittwoch, 30. März 2016

Die Zarenbraut live in Berlin und auf ARTE















An der Staatsoper im Berliner Schillertheater laufen gerade die Proben für die Wiederaufnahme von Nikolai Rimsky-Korsakow Die Zarenbraut, ab dem kommenden Sonntag steht die sehenswerte Inszenierung von Dimitri Tcherniakov für vier Termine auf dem Spielplan. ARTE hat den Mitschnitt der Premierenserie des selten gespielten Stückes jetzt ebenfalls noch einmal gezeigt und dieser ist noch auch noch einmal für einige Tage auf der Homepage abrufbar. Es lohnt sich auf jeden Fall, entweder reinklicken oder gleich reingehen!

Sonntag, 27. März 2016

Waltraud Meiers letzte Kundry















Am Ostermontag nimmt Ausnahmesängerin Waltraud Meier Abschied von einer ihrer Lebensrollen, im Schillertheater Berlin steht sie zum letzten Mal als Kundry auf der Bühne. Selbstverständlich dirigiert Daniel Barenboim, die Inszenierung von Dmitri Tcherniakov hatte vor einem Jahr Premiere. Seit 1983 hat Waltraud Meier die Kundry zunächst bei den Bayreuther Festspielen und später weltweit in mehr als zwanzig Inszenierungen verkörpert. Nun ist Schluss, von ihr allein beschlossen und verfügt. Sie kann loslassen, nur wenige Sängerkollegen schaffen es auf so souveräne Weise in die Zielgerade ihrer Karriere einzubiegen. Bereits im vergangenen Sommer hat sich Waltraud Meier in München von der Isolde - ihrer zweiten Lebenspartie - verabschiedet. Und wie! Genau zum richtigen Zeitpunkt, im phänomenalen Besitz ihrer sängerischen und darstellerischen Kraft. Wie kaum eine andere Sängerin hat sie in den letzten Jahrzehnten den Wagnergesang geprägt, an die Stelle der auftrumpfendern Tonproduktion vieler ihrer großen Vorgängerinnen hat sie eine Symbiose von musikalischer und darstellerischer Konkrektheit gesetzt, der man sich kaum entziehen kann. Ihre wissende und zugleich könnende Inhaltlichkeit wird lange nachwirken und markiert eine Linie, hinter die man bei Wagner jetzt nicht mehr zurück will. Was folgt? Der Kalender ist gut gefüllt, die von ihr geschätzten Liederabende sollen häufiger kommen und die Klytämnestra in Richard Strauss Elektra, mit der sie nun schon seit längerem zu erleben ist, die hat sie selber mal, als ihre Altersversicherung bezeichnet. Die Elektra-Inszenierung von Patrice Chéreau - mit dem sie auch die Marie in Wozzeck und die Isolde in unvergessenen Produktionen erarbeitet hat - steht in diesem Jahr noch in New York und Berlin auf dem Spielplan. Wir freuen uns darauf!

Samstag, 26. März 2016

Salzburger Otello heute im Fernsehen und im Netz













Christian Thielemann dirigiert Giuseppe Verdi - das passiert leider nicht so oft, wie man sich das wünschen würde. Die gleichwohl eher gemischt aufgenomme Opernproduktion der diesjährigen Salzburger Osterfestspiele ist heute abend ab 20.15 Uhr auf 3sat in einer Aufzeichnung der Premierenvorstellung von vor einer Woche zu sehen. Für alle die nicht im Sendegebiet wohnen bietet die Plattform sonostream.tv einen (kostenpflichtigen) Livestram im Internet an. Wir wünschen schöne Ostern und gute Unterhaltung!

Donnerstag, 24. März 2016

Ringen um den Ring 2020 in Berlin















An der Deutschen Oper Berlin steht im April 2017 zum letzten Mal die Ring-Inszenierung von Götz Friedrich aus dem Jahr 1985 auf dem Spielplan. Intendant Dietmar Schwarz wollte den legendären, aber mittlerweile maroden Zeittunnel nicht neu bauen lassen und konnte den Förderverein des Hauses davon überzeugen, dass es Zeit für eine Neuinterpretation des Werkes geworden ist. Diese soll nun mit Stefan Herheim einer der spannendsten verfügbaren Opernregisseure übernehmen, der mit seiner Bayreuther Parsifal-Deutung bereits vor Jahren Interpreationsgeschichte geschrieben hat. So weit, so gut. Nun gibt es in Berlin noch ein zweites Opernhaus, dessen Musikchef sich als Wagnerinterpret eigener Klasse versteht: Die Staatsoper Unter den Linden mit Daniel Barenboim an der Spitze. Diese hat zwar einen Ring in der Inszenierung von Guy Cassiers im Repertoire (im Juni 2016 wieder auf dem Spielplan im Schillertheater), der aber als künstlerisch missraten und entbehrlich gilt. Nun hat die Staatsoper angekündigt, im Jahr 2020 ebenfalls einen neuen Ring herauszubringen, dann wieder im Stammhaus Unter den Linden. Als Regisseur wird Dmitri Tcherniakov genannt, ebenfalls eine spannende Besetzung und eine die gut nachvollziehbar wäre, hat er doch zusammen mit Daniel Barenboim vor einigen Jahren seine erste Arbeit im Westen gemacht, eine sehr gelungende Inszenierung von Prokofjews Der Spieler und der gemeinsame Parsifal läuft gerade auf den diesjährigen Festtagen des Hauses. Man könnte nun meinen, dass eine Stadt zwei solche Hochkaräter auch parallel aushält, vielleicht sogar spannend findet. Aber da sind aber die komplizierten Berliner Opernverhältnisse davor. Die beiden innerhalb der Opernstiftung zusammengespannten Häuser müssen ihre Programme nämlich in so weit abstimmen, dass Werke des Kernrepertoires - wozu auch der Ring gehört - nur im Abstand von mindestens zwei Spielzeiten neu produziert werden können. Nun muss vermittlet werden und das geht im heutigen Opernbetrieb wohl nur unter starkem Blätterrauschen, was es zugegeben, nicht weniger interessant macht. Eine erste Bewährungsprobe dürfte die Causa für den gerade in Berlin eingtroffenen und denächst neuen Intendanten der Staatsoper Matthias Schulz sein. Und ebenfalls mit Interesse wird auch der Chef der Opera national de Paris Stéphane Lissner die Berliner Diskussionen verfolgen, denn er plant für den Anfang der zwanziger Jahre ebenfalls einen neuen Ring. Das Rennen um die dann besten Wagnersänger sollte deshalb längst eröffnet sein.

Mittwoch, 23. März 2016

Lohengrin, Bayerische Staatsoper, 20. März 2016















Viel Licht, aber auch mancher Schatten in der ersten Vorstellung der aktuellen Serie des Lohengrin an der Bayerischen Staatsoper. Lothar Koenigs geht es anfangs eher ruhig an und bringt mit dem Staatsorchester einen durchhörbaren, von der romantischen Seite aufgefassten Wagner zur Aufführung. Da sind immer wieder wunderbar ausmusizierte Stellen zu genießen. Die Herren der Besetzung nehmen das Angebot souverän an und liefern allesamt authentische, hochmusikalische Rollenporträts. Allen voran Günther Groissböck, mit seinem noblen Timbre ein Idealbesetzung für König Heinrich, als Herrscher mit menschlichen Zügen und Thomas J. Mayer, der dem Telramund vokale Statur und tragische Größe in stimmiger Kombination verleiht. Martin Gantner überzeugt in der heiklen Partie des Heerrufers. Ebenfalls einreihen kann sich in diese Reihe Burkhard Fritz als Einspringer in der Titelpartie. Er singt und spielt einen reflektierten, gleichwohl intensiven Lohengrin, vielleicht ein bisschen zu sehr auf Sicherheit, aber mit klar geführter Stimme, in keinem Moment gefährdet. Eher Mensch als Held, das passt genau ins Konzept der Inszenierung von Richard Jones, die auch nach einigen Jahren im Repertoire noch ihre Wirksamkeit entfaltet, wenn inzwischen vielleicht auch anders als gedacht. Bei den Damen fällt die Bilanz etwas gemischter aus: Edith Haller war lange ein Geheimtipp im jugendlich-dramatischen Fach, inwischen hört man ihrer Stimme die Ausflüge ins Hochdramatische aber doch an. Dennoch ist ihre Elsa mehr als solide, virtuos gestaltet sie die Ausbrüche und weiß durch ihre Bühnenerscheinung zu überzeugen. Petra Lang singt die Ortrud ebenfalls durchaus rollendeckend, aber ziemlich eindimensional und zum Teil schrill und bleibt dadurch Fremdkörper in einer ansonsten sehr ausgewogenen Besetzung. Für beide Frauen nachteilig bleibt, dass ihre große Auseinandersetzung auf dem Weg ins Münster im zweiten Akt hier so wenig in Szene gesetzt ist. Unsicherheiten beim Chor, leider nicht nur im anspruchsvollen ersten Akt mögen ja verzeihlich sein, gerade bei einer vielleicht nicht gerade überprobten Wiederaufnahme... aber eigentlich geht das nicht in einer Aufführung an der Bayerischen Staatsoper!

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