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Freitag, 7. November 2014

Anna Netrebko übernimmt Tatjana in München













Große Diven-Rochade in München: Trotz ihres Rückzugs aus der aktuellen Neuproduktion von Manon Lescaut wird Anna Netrebko in der laufenden Saision an der Bayerischen Staatsoper auftreten. Sie übernimmt die Tatjana in den zwei geplanten Festspielvorstellungen von Eugen Onegin im Juli 2015 und gibt mit der Partie ihr Rollendebüt in München. Ursprünglich für die Tatjana vorgesehen war ihre lettische Kollegin Kristine Opolais, die jetzt für Netrebko in die Manon Lescaut einspringt. Nicht ganz frei von einer gewissen Komik ist der Wechsel schon. Netrebko konnte sich nicht mit dem Blick von Regisseur Hans Neuenfels auf die Figur der Manon anfreunden, der Blick von Regisseur Krzysztof Warlikowski auf die Figuren in Eugen Onegin ist für den einen oder anderen auch eher gewöhnungsbedürftig. Wir waren schon zweimal drin und es gefiel uns beim ersten Mal, wie beim zweiten Mal ganz gut.

Samstag, 15. Juni 2013

From Russia with Love



Neben der österreichischen besitzt sie ja immer auch noch die russische Staatsbürgerschaft. Der tut Starsopranistin Anna Netrebko neuerdings wieder öfter genüge. Nach ihrer Mitwirkung bei der Eröffnungsgala des neuen Marinsky-Theaters in St. Petersburg singt sie nun am 19. Juni 2013 (ab 21.55 Uhr bei arte) gemeinsam mit ihrem ebenfalls aus Russland stammenden Kollegen Dimitri Hvorostovsky ein Open-Air-Galakonzert auf dem Roten Platz in Moskau. Auf dem Programm stehen Arien und Szenen aus Opern von Giuseppe Verdi und narürlich die große Finalszene aus Tschaikowskys Eugen Onegin. Die beiden Solisten werden von der Russischen Staatssymphonie unter der Leitung von Constantine Orbelian begleitet. Danke Arte können die Fernsehzuschauer in Deutschland und Frankreich dabei sein!




Donnerstag, 29. März 2012

Onegin-Wiederaufnahme in München












Inzwischen ist die Onegin-Inszenierung von Krzysztof Warlikowski im Repertoire der Bayerischen Staatsoper angekommen, das Cowboyballett auf der Polonaise ist ein paar Buhs wert, aber wirklich kein Aufreger mehr und auch beim wiederholten Anschauen behält die Aufführung ihren Reiz, denn sie funktioniert durch ein paar Schärfungen vielleicht sogar noch besser als früher. Die Geschichte wird schlüssig erzählt und dennoch gegen den Strick gebürtstet. In den Hauptpartien wurde diesmal großartig gesungen, in den kleineren respektabel. Besser als mit Simon Keenlyside und Pavol Breslik kann man Onegin und Lenski wohl im Moment nicht besetzen. Beide präsentieren sich sängerisch und darstellerisch in Topform und spielen das unglückliche Paar mit Nachdruck und souverän bis ins Detail. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist noch mehr ins Zentrum gerückt, nicht mehr nur ein Suchen, ein Ausweichen. Keenlyside zeigt den Onegin von Beginn an als Opfer, seiner selbst und der Umstände und verpackt das in der ihm eigenen Noblesse. Großartig sein Ausbruch am Schluss. Und so balsamische Töne wie in seinen zwei Arien hat man von Pavol Breslik bisher noch nicht gehört. Sehr schön, der noch junge Tenor ist nach wie vor auf einem guten Weg. Ekatarina Scherbachenko als Tatiana ist ein der stärksten Sängerinnen die bisher in dieser Inszenierung aufgetreten sind. Ihr Timbre ist nicht wirklich einprägsam, aber sie singt stilvoll und technisch sehr ausgewogen mit schön aufblühender Höhe und gestaltet intelligent. Ihre Briefszene wird so zum ersten Höhepunkt der Abends, der noch viele weitere intensive Momente im Zusammenspiel der Protagonisten findet. Ain Anger als Gremin macht das erwartbar so routiniert, dass er den mitkomponierten Szenenapplaus bekommt. Der junge finnische Dirigent Pietari Inkanen - mit dem Stück sehr erfahren - hatte bei seinem Debüt im Nationaltheater zunächst ein paar Probleme mit der Koordination von Bühne und Graben, insbesondere bei den Chorszenen im ersten Teil. Aber die hatte GMD Kent Nagano in der Premierenserie auch. Insgesamt gelingt ihm aber ein zügiger und bemerkenswert unpathetischer Onegin, nach der Pause funktioniert auch das Zusammenspiel zwischen Orchester und Sängern viel besser. Kein Schmelz im Graben, kein Sentiment auf der Bühne, das passt. Wenn die nächste Wiederaufnahme ebenso gelingt wird die Produktion zum Klassiker!

Dienstag, 20. März 2012

Eugen Onegin aus München als Livestream


Das Versprechen einer Wiederholung wird schneller eingelöst als gedacht. Nach dem großen Erfolg der Livestreams von L'elisir d'amore und Don Carlo im Januar diesen Jahres überträgt die Bayerische Staatsoper mit Eugen Onegin am kommenden Samstag um 19 Uhr bereits die dritte Produktion in dieser Saison gratis im Internet. Die Inszenierung stammt von Krzysztof Warlikowski und erzählt die Geschichte auf streitbare, aber keineswegs uninteressante Weise. Der amtierende Münchner Haustenor Pavol Breslik hat den Lenski in dieser Inszenierung bereits gesungen und wirkt nun nach dem Liebestrank bereits zum zweiten Mal in einer Übertragung aus München mit. In weiteren Rollen: Simon Keenlyside als Onegin, Ain Anger als Gremin und Ekatarina Scherbachenko als Tatjana. Die musikalische Leitung der Aufführung hat erstmalig der junge aus Finnland stammende Dirigent Pietari Inkinen.

Samstag, 10. April 2010

Eugen Onegin im Fernsehen


Heute abend um 20.15 Uhr zeigt der Kulturkanal 3sat einen Mitschnitt der Salzburger Produktion von Eugen Onegin aus dem Jahr 2007. In der Regie von Andrea Breth und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim singen Anna Samuil (Tatjana, Foto), Peter Mattei (Onegin), Ekatarina Gubanova (Olga), Joseph Kaiser (Lenski) und Renée Morloc (Larina), sowie Feruccio Furlanetto den Fürsten Gremin. Die Aufführung erzeugte nach ihrer Premiere eher gemischte Reaktionen. So lobte das Hamburger Abendblatt den handwerklichen Umgang der Regisseurin mit dem Stück: Breth schafft es mit fast schon komödiantisch leichter Hand, diese große, schwermütige Oper von ihrer zaristischen Steifheit zu befreien und wie ein Ibsen-Kammerspiel zu erzählen. Genau das macht der Berliner Tagesspiegel aber der Aufführung zum Vorwurf: Schonungslos will diese Produktion die lebensfeindliche Gesellschaft durchleuchten – und verzettelt sich, bei aller feinen Beobachtungsgabe Andrea Breths, optisch doch in einem Ästhetizismus der alten Schaubühne. Auch die Tageszeitung Die Welt sieht das Ganze eher kritisch: So wie Daniel Barenboim, der es später auch dramatisch effektvoll, aber leer krachen lässt, durch eine undurchsichtig bräsige Tschaikowski-Lesart enttäuscht, die die oft unsauberen Philharmoniker zusätzlich verwässern, so erzählt auch Andrea Breth auf hohem Niveau wenig Neues. Zumindest für das Fernsehen sollte eine psychologisch durchgebaute und auf Bildwirksamkeit bedachte Inszenierung gut funktionieren und für einen anregenden Abend sorgen. Auch ist die Zusammenarbeit zwischen Barenboim und Breth so gut gewesen, dass Sie im kommenden Jahr ihre Fortsetzung findet. Zu den ersten Festtagen der Staatsoper Unter den Linden im Ausweichquartier Schillertheater im Frühjahr 2011 inszeniert Andrea Breth den Wozzeck von Alban Berg, am Pult natürlich Daniel Barenboim.

Montag, 9. November 2009

Onegins Alptraum(a)



Man kann der Münchener Inszenierung von Krzysztof Warlikowski - die gerade wieder für einige Aufführungen zu sehen war - vieles vorwerfen, wenn man denn will. Sie verzichtet auf manches, was gern mit Eugen Onegin verbunden wird. Russisches Landkolorit sucht mal genauso vergelblich, wie prachtvoll ausgespielte Tanzbilder. Dennoch ist die Lesart schlüssig. Der Regisseur versucht das Stück konsequent - aber auf interessante Weise indirekt - aus der Biografie Tschaikowskys zu entwickeln. Auf diese Weise legt er Unschärfen frei, über die sonst leichtfertig hinweg gegangen wird und wagt einen zweiten Blick auf die Konstellation und Dynamik der Figuren, der durchaus reizvoll ist. Das Duell zwischen Onegin und Lenski ist Kulmination einer nicht gelebten Liebesbeziehung der beiden. Onegin greift zur Pistole, wenn Lenski ihm zu nahe kommt. Dann sind wir aber schon längst in dessen Alptraum eingtaucht, der vielleicht in Tatjanas Briefszene beginnt, die Onegin mit ihrer Hier stehe ich und kann nicht anders. - Pose gehörig unter emotionalen Druck setzt, für den er kein Ventil findet. Die Frauen Tatjana und Olga stehen hier nicht im Zentrum, beide sind trotzdem nicht zu Randfiguren degradiert. Warlikowski legt auf geschickte Weise immer wieder neue Bedeutungslinien fest, deren Verknüpfungen nach und nach deutlich werden. Das Skandalon ist nicht Tschaikowskys (übrigens auch von ihm selbst nicht verheimlichte) Homosexualiät, sondern die Unerbittlichkeit und die Unlösbarkeit der emotionalen Verwerfungen der Figuren, die immer auch als ganz existenteillen Verlängerungen von Lebensmustern ihres Autors gelesen werden können. Das ist genau die Weise, auf welche der Komponist sein Werk verstanden wissen wollte - es war eben nicht eine weitere große russische Oper die Tschaikowsky komponiert hat, sondern lyrische Szenen. Die legt Warlikowksy durchaus groß an: In ungastlichen verglasten Innenräumen kommt die Handlung immer wieder förmlich zum Stehen, müssen die Figuren sich ihr Weiterleben erkämpfen. Das Leben ist hier kein Spiel, es ist ein Kampf. Mit der Polonaise am Beginn des dritten Aktes wandelt sich dieser Raum dann mit einem merkwürdig gebremsten, aber umso eindrücklicheren Männerballett endgültig zum gespenstischen Alptraumort. Erstauntlich wie fest sich das Bild der schwulen Cowboys aus dem Brokeback Mountain bereits in die zeitgenössische Ikonografie eingeschrieben hat. Nur viel weniger überzeugen kann die musikalische Seite der Aufführung. Michael Volle singt einen noblen, kraftvollen Onegin, weniger Wohlmeinende könnten seiner Darstellung auch eine gewissen Blasiertheit entnehmen. Er wird die Rolle wohl nicht mehr ewig im Repertoire halten. Die anderen Partien sind eher durchschnittlich besetzt, in Erinnerung bleibt kaum etwas. Der junge russiche Dirigent Dimitri Jurowski müht sich sichtbar, der Partitur gerecht zu werden. Er reagiert mehr, als dass er selber Herr des Geschehens wäre und bleibt so viel kammermusikalische Glut schuldig, die gerade in dieser Aufführung wichtig wäre. Er hat noch nicht die Kragenweite seines älteren Bruders Wladimir oder gar seines Vaters Michail Jurowski, ein paar Saisonen kapellmeisterliche Provinzerfahrung sollte für ihn der richtige Weg sein.

Freitag, 20. März 2009

Kälter als der Komponist erlaubt

Mit keinem Werk verbindet sich die Vorstellung was Russland und die russische Oper im 19. Jahrhundert ausmacht intensiver, als mit Tschaikowskis "Eugen Onegin". An der Wiener Staatsoper kam jetzt eine Neuinszenierung von Falk Richter heraus, die leider nicht zeigt, wie nahe uns das Ganze ist.


Da war doch was! Aber was?

Alles ist eingefroren in dieser Aufführung, die Menschen, die Ausstattung und sogar die Musik. Im Hintergrund schneit es unentwegt, die Dekoration besteht aus Eisquadern verschiedener Größe und Simon Keenlyside singt und spielt einen Onegin der nur schwer entflammbar ist, weder bei der ersten Begegnung mit Tatjana auf dem Landgut noch bei der zweiten nach seiner Rückkehr einige Jahre später in St. Petersburg. Auch sein Tanz mit Olga, in dessen Folge er immerhin seinen Freund Lenski beim Duell tötet, bleibt merkwürdig unterkühlt. Um so tiefer dann seine Erschütterung, als er den toten Freund in den Armen hält. Keenlyside gelingen im Laufe des Abends viele solcher Momente und er singt einen beeindruckend geradlinigen Onegin, ohne aufzutrumpfen und ohne Arroganz im ersten und ohne Lamoryanz im zweiten Teil. Ramon Vargas als Lenski weiß mit tadelloser Stimmführung zu beeindrucken, aber ein wirklich berührende Figur spielt er nicht, andere Sänger machen da viel mehr aus dieser Partie. Das gleiche muss für Tamar Iveri als Tatjana gesagt werden. Die emotionalen Momente bleiben Behauptung, ihr Spiel fällt schnell ins Äußerliche. Auch stimmlich ist die georgische Sopranistin ist sicher keine ideale Tatjana, sie schafft es kaum zwischen dem jungen, verliebten Mädchen und der älteren, sich in ihr Schicksal fügenden Frau, zu differenzieren. Genau wie für Vargas scheint auch für sie die Rampe eine magnetische Anziehungskraft zu haben, denn dort finden sich beide meist ein, wenn sie wichtige Dinge zu singen haben.


Das Ende einer Freundschaft.

Entgegen der Rollenkonvention sehr jung besetzt jst Ain Anger als Fürst Gremin, die Inszenierung geht darauf aber überhaupt nicht ein. Auch Nadia Krasteva als Olga mit schönem dunklen Mezzo und etwas zu viel Freude an der Bewegung wirkt am besten für sich allein, als wenn sie mit dem Rest der Inszenierung verknüpft ist. Man glaubt es kaum, dass man hier die komplette Premierenbesetzung sieht, so wenig konsistent wirkt das gesamte Bühnengeschehen. Auch interpretatorisch ist diese Inszenierung merkwürdig eindimensional. Wenn Onegin Tatjana als etablierte Geschäftsfrau wieder trifft ist sie auf einmal sein Typ? Die inneren Veränderungen der Figuren bleiben unbeleuchtet. Es überrascht, dass sich ein Regisseur mit so reicher Schauspielerfahrung wie Falk Richter sich mit einer so wenig komplexen Sicht auf die einzelnen Charaktere zufrieden gibt. Die große offene Bühne ist akustisch problematisch, das Ausstattungskonzept wirkt zufällig. Der permanente Schneefall im Hintergrund ermüdet die Augen schon nach wenigen Minuten. Man hat verstanden und wartet auf eine neue Erkenntnis, die sich nie einstellt.


Russische Party ohne Wodka, aber mit viel Eis.

Die große Enttäuschung des Abends ist das Dirigat von Seiji Ozawa. Er verzichtet auf jedes russische Sentiment, alles bleibt kalt und trocken. Außerdem setzt er das Orchester auf eine unverständliche Weise in Konkurrenz zu den Sängern auf der Bühne, die es schwer haben, diesen Ausbrüchen in jedem Fall zu folgen. Eigentlich müsste der Dirigent im Graben den Vulkan ankochen, der dann auf der Bühne zum Ausbruch kommt, statt dessen lärmt es viel zu oft und an den ganz falschen Stellen. Musikalisch ein unterdurchschnittlicher Abend, welcher an einem Haus wie der Wiener Staatsoper nicht vorkommen dürfte.


Nicht nur der Kenner sieht: Das geht nicht gut aus!

Tschaikowski bezeichnete den "Eugen Onegin" mit gutem Grund als "Lyrische Szenen" und nicht als "Oper". Eine Inszenierung, die mehr können soll als Personen in Bildern zu arrangieren braucht eine starke erzählerische Klammer, welche die einzelnen Szenen zusammen hält. Andere Inszenierungen der letzten Zeit in München und Berlin sind diesen Weg gegangen, mit unterschiedlichem Erfolg. Unterschätzen darf man das Werk aber keinesfalls und man muss genau hinhören, denn eigentlich ist ja auch in diesem Fall alles schon komponiert!

Wiener Staatsoper, besuchte Vorstellung: 19. März 2009

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