Die Berliner Opernhäuser schwimmen noch nicht so heftig auf der Livestream- oder Kinowelle wie ihre Kollegen in München, Wien, London, Paris oder New York. Was nicht nur für auswärtige Beobachter schade ist, denn das Berliner Opernleben ist reichhaltig und spannend. Um so erfreulicher ist die für diesen Freitag geplante klassische Fernsehübertragung aus dem Schillertheater, nach wie vor dem Interimsquartier der Staatsoper Unter den Linden. Zur besten Sendezeit steht um 20.15 Uhr die Neuproduktion von Mozarts Le nozze di Figaro auf dem Programm, es dürfte auch der eine oder andere einschalten, der sich in die ansonsten nächtlich versendeten Opernmitschnitte kaum verirrt. Intendant Jürgen Flimm hat die Regie übernommen, zum dritten Mal bereits hatte er dieses Meisterwerk damit in den Händen und diese Erfahrung konnte er offensichtlich bestens ins Spiel bringen. Publikum und Presse sind ganz aus dem Häuschen, ob der in jeder Hinsicht gelungenen Aufführung. So schreibt die in Alt-Westberliner Kreisen immer noch meinungsbildende Berliner Morgenpost: Man ist es schon fast gar nicht mehr gewohnt, auf einer Berliner Bühne eine derart ausgefeilte Personenregie zu sehen. Alles macht Sinn, selbst der Unsinn. Aber auch die musikalische Seite gibt nur Grund zur Freude. Mit Gustavo Dudamel hat einer der wandlungsfähigsten Dirigenten der jungen Generation die musikalische Leitung übernommen. Die Sängerriege ist wirklich exqusit. Als Cherubino debütiert die französische Mezzo-Sopranistin Marianne Crebassa, eine in wirklich jeder Hinsicht beeindruckende Sängerin. Ebenfalls neu auf dem Besetzungszettel der Bariton Lauri Vasar als Figaro. Gräfin und Graf sind bei den bei Dorothea Röschmann und Ildebrando D’Arcangelo jenseits aller Routine bestens aufgehoben. Und mit Anna Prohaska als Susanna steht eine Sängerin auf der Bühne, die noch jeden ihrer Auftritte zum einprägsamen Ereignis werden lässt. In weiteren Partien: Florian Hoffmann, Olaf Bär, Katharina Kammerloher, Peter Maus, Otto Katzameier und Sonia Grané. Also: einschalten oder mindestens mitschneiden!
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Dienstag, 10. November 2015
ARTE zeigt neuen Figaro aus der Staatsoper Berlin
Die Berliner Opernhäuser schwimmen noch nicht so heftig auf der Livestream- oder Kinowelle wie ihre Kollegen in München, Wien, London, Paris oder New York. Was nicht nur für auswärtige Beobachter schade ist, denn das Berliner Opernleben ist reichhaltig und spannend. Um so erfreulicher ist die für diesen Freitag geplante klassische Fernsehübertragung aus dem Schillertheater, nach wie vor dem Interimsquartier der Staatsoper Unter den Linden. Zur besten Sendezeit steht um 20.15 Uhr die Neuproduktion von Mozarts Le nozze di Figaro auf dem Programm, es dürfte auch der eine oder andere einschalten, der sich in die ansonsten nächtlich versendeten Opernmitschnitte kaum verirrt. Intendant Jürgen Flimm hat die Regie übernommen, zum dritten Mal bereits hatte er dieses Meisterwerk damit in den Händen und diese Erfahrung konnte er offensichtlich bestens ins Spiel bringen. Publikum und Presse sind ganz aus dem Häuschen, ob der in jeder Hinsicht gelungenen Aufführung. So schreibt die in Alt-Westberliner Kreisen immer noch meinungsbildende Berliner Morgenpost: Man ist es schon fast gar nicht mehr gewohnt, auf einer Berliner Bühne eine derart ausgefeilte Personenregie zu sehen. Alles macht Sinn, selbst der Unsinn. Aber auch die musikalische Seite gibt nur Grund zur Freude. Mit Gustavo Dudamel hat einer der wandlungsfähigsten Dirigenten der jungen Generation die musikalische Leitung übernommen. Die Sängerriege ist wirklich exqusit. Als Cherubino debütiert die französische Mezzo-Sopranistin Marianne Crebassa, eine in wirklich jeder Hinsicht beeindruckende Sängerin. Ebenfalls neu auf dem Besetzungszettel der Bariton Lauri Vasar als Figaro. Gräfin und Graf sind bei den bei Dorothea Röschmann und Ildebrando D’Arcangelo jenseits aller Routine bestens aufgehoben. Und mit Anna Prohaska als Susanna steht eine Sängerin auf der Bühne, die noch jeden ihrer Auftritte zum einprägsamen Ereignis werden lässt. In weiteren Partien: Florian Hoffmann, Olaf Bär, Katharina Kammerloher, Peter Maus, Otto Katzameier und Sonia Grané. Also: einschalten oder mindestens mitschneiden!
Montag, 11. März 2013
Anna Netrebko singt Marguerite
Eine interessante Erweiterung des Repertoires für die nach wie vor am meisten geschätzte Sopranistin unserer Tage: Anna Netrebko singt zu den Pfingstfestspielen 2014 im Festspielhaus Baden-Baden die Marguerite in Gounods Faust. Das ist so gut wie die Titelrolle, denn auf deutsch wird die Oper gern auch als Margarethe bezeichnet, nicht zuletzt um sie von den anderen Vertonungen des Stoffes abzusetzen. Die populäre Juwelenarien (Ah, je ris de me voir si belle) könnte zu einem neuen Paradestück der Diva werden. Es ist nur zu begrüßen, dass sich Frau Netrebko nun wirklich anderen und nun auch zunehmend schwereren Partien zuwendet. Ihre Stimme gibt das schon länger her und ihre Bühnenpräsenz sowieso. In den Donizetti-Opern sollte sie jetzt endlich Platz für andere machen. Es lockt ja die Elsa in ein paar Jahren in Dresden und da sind die Tatjana im Wiener Onegin jetzt im Frühjahr und nun diese Marguerite die richtigen Schritte auf einem langen Weg! Den Mephisto wird Ehemann Erwin Schrott geben und als Faust ist Charles Castronovo eingeplant, es dirigiert Thomas Hengelbrock. Weitere Opernproduktionen in der kommenden Saison 2013/14 in Baden-Baden sind Manon Lescaut mit den Berliner Phiharmonikern unter Simon Rattle und ein Don Carlo unter der Leitung von Valery Gergiew. Außerdem wird der Mozart-Zyklus mit Rolando Villazon fortgesetzt, er singt den Belmonte in Die Entführung aus dem Serail mit Diana Damrau und Anna Prohaska sowie Thomas Quasthoff als Bassa Selim.
Freitag, 11. November 2011
Don Giovanni-Tausch in Berlin

Die Staatsoper in Berlin tauscht ihre Don-Giovanni-Neuproduktion im Juni 2012 aus. Anstelle des Gastspiels der Mailänder Scala mit einer Inszenierung von Robert Carsen wird die Salzburger Aufführung in der Regie von Claus Guth gezeigt. Die Besetzung bleibt erhalten: Anna Netrebko, Dorothea Röschmann, Anna Prohaska, Erwin Schrott, Christopher Maltman und Guiseppe Filianoti. Zu den Gründen zählt wahrscheinlich, dass die beiden Protgonisten Maltman und Schrott die Salzburger Fassung bereits gesungen haben (Foto), aber in die Mailänder Produktion erst eingearbeitet werden müssten, was bei den dichten Terminkalendern der prominenten Beteiligten schwierig werden dürfte. Die Mailänder Premiere ist mit Bryn Terfel und Peter Mattei als Leporello/Don Giovanni, sowie Barbara Fritolli als Donna Elvira ebenfalls sehr hochkarätig besetzt. Dirigiert werden die beiden Spektakel vom omnipräsenten Daniel Barenboim, der die Programme seiner Häuser in Berlin und Mailand immer mehr verzahnt, offenbar auch mit Reibungsverlusten. Die Mailänder Premiere ist die traditionelle Saisoneröffnung des Hauses und wird von ARTE am 07.12.2011 um 20.15 Uhr übertragen!
Montag, 8. Juni 2009
No mattern, no art
Die Herausforderungen, die in einer Inszenierung der Opern von Wolfgang Amadeus Mozart liegen werden oft unterschätzt. Als letzte Premiere der Saison an der Berliner Staatsoper Unter den Linden stand sein beliebtes Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ auf dem Plan – in der Regie des schon seit längerem als Schauspielregisseur hoch gehandelten Michael Thalheimer.

Was mach ich nur? Was mach ich nur?
Um es gleich vorwegzunehmen, durchweg erfreulich ist die musikalische Seite der Aufführung: Unter der umsichtigen und inspirierenden Leitung von Philippe Jordan gelingt der Staatskapelle eine höchst differenzierte Aufführung, welche die Spannung über den zweistündigen pausenlosen Abend hält. Pavol Breslik, früher Ensemblemitglied an der Lindenoper - inzwischen ein auch in München und Wien gefragter Tenor, liefert mit Schmelz, Hingabe und sicherer Stimmführung einen Belmonte aus dem Bilderbuch. Ebenso erfreulich Florian Hoffmann als Pedrillo, immer auf den Punkt und seit langem wieder richtig aus sich heraus gehend. Christine Schäfer beglaubigt ihre Konstanze mit Persönlichkeit und Ausstrahlung, ein paar der hohen Töne sitzen nicht so, wie sie könnten, sie scheint nicht ganz in der üblichen Form zu sein. Als Blonde macht die junge Sängerin Anna Prohaska erneut mit Nachdruck auf sich aufmerksam, sängerisch und darstellerisch. Osmin bleibt eher eine Randfigur, obwohl ihn Maurizio Muraro mit stimmlichem und darstellerischem Furor zeigt.

Es sind die Fragen von Nähe...
Regisseur Michael Thalheimer ist eines wirklich gelungen, die Dialoge fallen an diesem Abend nicht hinter die gesungenen Passagen zurück, darin steckt viel Arbeit, die sich gelohnt hat. So stichhaltig und auf den Punkt wurde auf der Opernbühne selten argumentiert (teilweise auf englisch, was nicht weiter stört, aber auch keine tieferen Einsichten bringt). Die Sänger verkörpern allesamt Figuren und singen nicht nur Rollen. So ergeben sich viele schöne und auch überraschende Details. Leider hält das Konzept der Inszenierung als Ganzes dem nicht stand. Thalheimer verzichtet auf die Geschichte, konzentriert sich vielmehr auf eine Versuchsanordnung von sich irgendwie nicht mehr oder noch nicht (wieder) liebenden Menschen. Es bleibt dann aber alles erstaunlich konventionell. Er findet keine richtig schlüssigen Bilder und so das Bühnengeschehen keinen Rhythmus. Deswegen wirkt auch der Bassa Selim des Schauspielers Sven Lehmann, eigentlich eine dankbare Aufgabe, seltsam konturlos.

...und Distanz, welche in der Inszenierung verhandelt werden.
Dennoch ist es ein erlebenswerter Abend, der gut in den beginnende Sommer passt. Durch die verdeckten Proszeniumslogen ergibt sich eine kammerspielhafte Konkretheit im Vorbühnenbereich und so lange die Sänger um das Orchester herumturnen geht eigentlich nichts richtig schief. Wer das Stück kennt und mag kommt auf seine Kosten. Am Schluss einer durchwachsenen Saison steht eine durchschnittliche, irgendwie großstädtisch geratene Entführung, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Großer Jubel für alle Musiker, Buhs für die Regie – auch das fast wie immer.

Das wars - ein Ende ohne jegliche Illusionen.

Was mach ich nur? Was mach ich nur?
Um es gleich vorwegzunehmen, durchweg erfreulich ist die musikalische Seite der Aufführung: Unter der umsichtigen und inspirierenden Leitung von Philippe Jordan gelingt der Staatskapelle eine höchst differenzierte Aufführung, welche die Spannung über den zweistündigen pausenlosen Abend hält. Pavol Breslik, früher Ensemblemitglied an der Lindenoper - inzwischen ein auch in München und Wien gefragter Tenor, liefert mit Schmelz, Hingabe und sicherer Stimmführung einen Belmonte aus dem Bilderbuch. Ebenso erfreulich Florian Hoffmann als Pedrillo, immer auf den Punkt und seit langem wieder richtig aus sich heraus gehend. Christine Schäfer beglaubigt ihre Konstanze mit Persönlichkeit und Ausstrahlung, ein paar der hohen Töne sitzen nicht so, wie sie könnten, sie scheint nicht ganz in der üblichen Form zu sein. Als Blonde macht die junge Sängerin Anna Prohaska erneut mit Nachdruck auf sich aufmerksam, sängerisch und darstellerisch. Osmin bleibt eher eine Randfigur, obwohl ihn Maurizio Muraro mit stimmlichem und darstellerischem Furor zeigt.

Es sind die Fragen von Nähe...
Regisseur Michael Thalheimer ist eines wirklich gelungen, die Dialoge fallen an diesem Abend nicht hinter die gesungenen Passagen zurück, darin steckt viel Arbeit, die sich gelohnt hat. So stichhaltig und auf den Punkt wurde auf der Opernbühne selten argumentiert (teilweise auf englisch, was nicht weiter stört, aber auch keine tieferen Einsichten bringt). Die Sänger verkörpern allesamt Figuren und singen nicht nur Rollen. So ergeben sich viele schöne und auch überraschende Details. Leider hält das Konzept der Inszenierung als Ganzes dem nicht stand. Thalheimer verzichtet auf die Geschichte, konzentriert sich vielmehr auf eine Versuchsanordnung von sich irgendwie nicht mehr oder noch nicht (wieder) liebenden Menschen. Es bleibt dann aber alles erstaunlich konventionell. Er findet keine richtig schlüssigen Bilder und so das Bühnengeschehen keinen Rhythmus. Deswegen wirkt auch der Bassa Selim des Schauspielers Sven Lehmann, eigentlich eine dankbare Aufgabe, seltsam konturlos.

...und Distanz, welche in der Inszenierung verhandelt werden.
Dennoch ist es ein erlebenswerter Abend, der gut in den beginnende Sommer passt. Durch die verdeckten Proszeniumslogen ergibt sich eine kammerspielhafte Konkretheit im Vorbühnenbereich und so lange die Sänger um das Orchester herumturnen geht eigentlich nichts richtig schief. Wer das Stück kennt und mag kommt auf seine Kosten. Am Schluss einer durchwachsenen Saison steht eine durchschnittliche, irgendwie großstädtisch geratene Entführung, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Großer Jubel für alle Musiker, Buhs für die Regie – auch das fast wie immer.

Das wars - ein Ende ohne jegliche Illusionen.
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