
Am kommenden Montag hat in Lyon die Werther-Inszenierung von Rolando Villazon ihre von vielen Seiten erwartete Premiere. Im Gespräch mit der französischen Nachrichtenagentur AFP erläutert der Regiedebütant, dass sein Blick auf das Werk Massenets ein durchweg moderner ist, er will kein Stück aus dem Museum präsentieren. Um das zu erreichen lässt er die Sänger auch als Clowns auftreten, professionell unterstützt wird er dabei durch die Mimin Nola Rae (die auf der der Besetzung unter Mise en mouvement firmiert). Oper sei die Sprache des Unbewussten, wie Villazon feststellt, im wirklichen Leben singt man nicht, sondern man spricht. Eigentlich eine Binsenweisheit, aber auch daran darf ab und zu erinnert werden! Und es ist nicht die schlechteste Arbeitsthese für einen Neuregisseur, der sich der hohen Erwatungen bewusst sein dürfte. Die Bühne als Spielplatz des Unbewussten - weitere Details zur Inszenierung werden noch nicht verraten. Vielleicht hilft ja der Brechtsche Verfremdungseffekt beim pathosgefährdeten Werther und führt zu einer schlüssigen, neuen Deutung? Die Aufgabe ist nicht ganz einfach, aber lösbar. Villazon hält sich an gewichtige Vorbilder: Bartlett Sher und Willy Decker, Regisseure mit denen er bereits gearbeitet hat und sicher auch an den nicht direkt genannten Achim Freyer, bei dem er in Berlin den Lenski gesungen hat. Für die Zukunft plant Villazon sowohl weitere Regiearbeiten, wie auch weiterhin Auftritte als Tenor, den Werther singt er selber das nächste Mal im Mai in London.