Donnerstag, 29. März 2012

Onegin-Wiederaufnahme in München












Inzwischen ist die Onegin-Inszenierung von Krzysztof Warlikowski im Repertoire der Bayerischen Staatsoper angekommen, das Cowboyballett auf der Polonaise ist ein paar Buhs wert, aber wirklich kein Aufreger mehr und auch beim wiederholten Anschauen behält die Aufführung ihren Reiz, denn sie funktioniert durch ein paar Schärfungen vielleicht sogar noch besser als früher. Die Geschichte wird schlüssig erzählt und dennoch gegen den Strick gebürtstet. In den Hauptpartien wurde diesmal großartig gesungen, in den kleineren respektabel. Besser als mit Simon Keenlyside und Pavol Breslik kann man Onegin und Lenski wohl im Moment nicht besetzen. Beide präsentieren sich sängerisch und darstellerisch in Topform und spielen das unglückliche Paar mit Nachdruck und souverän bis ins Detail. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist noch mehr ins Zentrum gerückt, nicht mehr nur ein Suchen, ein Ausweichen. Keenlyside zeigt den Onegin von Beginn an als Opfer, seiner selbst und der Umstände und verpackt das in der ihm eigenen Noblesse. Großartig sein Ausbruch am Schluss. Und so balsamische Töne wie in seinen zwei Arien hat man von Pavol Breslik bisher noch nicht gehört. Sehr schön, der noch junge Tenor ist nach wie vor auf einem guten Weg. Ekatarina Scherbachenko als Tatiana ist ein der stärksten Sängerinnen die bisher in dieser Inszenierung aufgetreten sind. Ihr Timbre ist nicht wirklich einprägsam, aber sie singt stilvoll und technisch sehr ausgewogen mit schön aufblühender Höhe und gestaltet intelligent. Ihre Briefszene wird so zum ersten Höhepunkt der Abends, der noch viele weitere intensive Momente im Zusammenspiel der Protagonisten findet. Ain Anger als Gremin macht das erwartbar so routiniert, dass er den mitkomponierten Szenenapplaus bekommt. Der junge finnische Dirigent Pietari Inkanen - mit dem Stück sehr erfahren - hatte bei seinem Debüt im Nationaltheater zunächst ein paar Probleme mit der Koordination von Bühne und Graben, insbesondere bei den Chorszenen im ersten Teil. Aber die hatte GMD Kent Nagano in der Premierenserie auch. Insgesamt gelingt ihm aber ein zügiger und bemerkenswert unpathetischer Onegin, nach der Pause funktioniert auch das Zusammenspiel zwischen Orchester und Sängern viel besser. Kein Schmelz im Graben, kein Sentiment auf der Bühne, das passt. Wenn die nächste Wiederaufnahme ebenso gelingt wird die Produktion zum Klassiker!

Kommentare:

  1. Hallo, weiß vielleicht jemand Genaueres über den Lehrer/Lehrerin von Pavol Breslik? Bei wem hat denn der junge Tenor singen gelernt?

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  2. Für solche Fragen eignet sich Wikipedia.

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  3. In diesem Fall, Breslik, stimmen die Angabe über seine Studien.
    Ansonsten haben Sie Recht. Wiki ist nicht immer zuverlässig.

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  4. Prof. Vlasta Hudecová

    http://www.operaslovakia.sk/news/prof-vlasta-hudecova-povolanie-pedagoga-je-velmi-narocne-ale-pri-tom-krasne1/

    http://www.operaslovakia.sk/news/osobnost-vokalnej-pedagogiky-prof-vlasta-hudecova/

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  5. Ja, aber nicht nur der. Breslik hat und hatte eine Reihe sehr guter Lehrer.

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  6. Das las ich gerade über Hoffmann in Essen:
    Es war der große Abend des Zurab Zurabishvili als Hoffmann. Was für eine Stimme! Endlich seit langen Jahren mal wieder ein Sänger, der auch die lyrischen Stellen und die kraftvolle schöne Höhenlage stilvoll beherrscht. Zurabishvili ist ein mutiger Bursche; er nimmt keine Rücksicht und schont sich nicht. Geradezu tollkühn wirft er sich in alle gefährlichen Spitzentöne; er meidet nichts, umgeht nichts und transformiert nichts nach unten. Seine gestrige Leistung war absolute Weltklasse! Nirgends auf der internationalen Opernszene wird zur Zeit ein Hoffmann besser und einfühlsamer gesungen. Ein Glücksgriff fürs Essener Haus, wo er ja schon u.a. als ganz großer Puccini-Tenor brillierte.
    Ich war da und es stimmt hoch Drei.

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  7. Hm, und was hat das mit dem "Onegin" aus München oder Pavol Breslik zu tun?
    Steh´ ich jetzt auf dem berühmten Schlauch?

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