Montag, 23. November 2009

Von Göttern und Menschen


Ihr sechzigstes Jubiläum feiern die Salzburger Festspiele im Sommer 2010 mit einem gewohnt umfangreichen Programm, welches sich mit den Mythen der Menschheitsgeschichte auseinandersetzt. Zu den vier Neuproduktionen in der Oper gehört neben Richard Strauss Elektra in der Regie von Nikolaus Lehnhoff mit Waltraud Meier, Irene Théorin und René Pape auch eine Uraufführung von Wolfgang Rihm unter dem Titel Dionysos. Die französische Sopranistin Patricia Petitbon wird als Lulu auftreten, aber nicht wie geplant in der Regie von Jürgen Flimm und der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt, die Produktion wird von Vera Nemirowa und Marc Albrecht übernommen. Anna Netrebko kehrt in der Wiederaufnahme von Romeo et Juliette nach Salzburg zurück und auch Rolando Villazon in einem Liederabend mit der französischen Pianistin Hélène Grimaud. In ihrer Glanzrolle als Norma tritt Edita Gruberowa auf, allerdings nur konzertant. Auch das Konzertprogramm hält einige besondere Höhepunkte bereit, darunter eine Aufführung von Sergej Prokofjews selten gespieltem Iwan der Schreckliche mit den Wiener Philharmonikern, sowie Gerard Depardieu und Olga Borodina. Das Schauspielprogramm dominieren zwei prominente Salzburg-Heimkehrer: Zwanzig Jahre nach seinem letzten Auftritt als Jedermann wird Klaus Maria Brandauer den Ödipus auf Kolonos in einer Inszenierung von Peter Stein spielen. Der Vorverkauf beginnt in diesen Tagen!

Samstag, 21. November 2009

Neuer Konzertsaal für Dresden

Wenn Christian Thielemann an seine zukünftige Wirkungsstätte schaut, dürfte ihm eine Sache sehr bekannt vorkommen. In München dreht sich die Diskussion um den Umbau des innerstädtischen Marstalls zum Konzertsaal für das rennomierte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Das hat keinen eigenen Konzertsaal, sondern spielt an verschiedenen Orten, so auch in der Philharmonie im Gasteig, der Heimstatt der Münchener Philharmoniker, denen Thielemann derzeit noch vorsteht. Doch auch der als akustisch problematisch geltende Gasteig muss nach nur fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens grundsätzlich renoviert werden.


Auch Dresden hat neben der Sächsischen Staatskapelle noch ein zweites (städtisches) Orchester von internationaler Bedeutung - die Dresdner Philharmonie, welche ihre Sinfoniekonzerte seit Jahrzehnten im Kulturpalast (Abb.) spielt, einer dafür nicht sonderlich geeigneten Mehrzweckhalle am Dresdner Altmarkt. Ein Bau der seine sozialistische Herkunft kaum verleugnen kann, sich heute dennoch allseitiger Akzeptanz erfreut. Seit Jahrzehnten wird über eine neue eigene Spielstätte für das Orchester diskutiert, ohne Ergebnis. Mit Marek Janowksi hat die Stadt deswegen bereits einen renommierten Chefdirigenten verloren (der inzwischen sein neues Ensemble das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zu einem herausragenden Klangkörper geformt hat). Auch für die Dresdner Staatskapelle ist die Situation unbefriedigend, sie spielt ihre Sinfoniekonzerte seit langem in der Semperoper, mit allen Nachteilen, die das mit sich bringt. Seitdem sich eine Entscheidung der Stadt Dresden in Richtung eines Einbaus eines adäquaten Konzertsaales in die bauliche Hülle des Kulturpalastes anbahnt, kommt wieder frischer Wind in die langandauernde und mit aller Dresdner Unerbittlichkeit geführten Diskussion, die sich in drei verschiedene Richtungen aufspaltet:


Der Umbau: Einbau in den Kulturpalast


Bei dieser Lösung wird der Kulturpalast komplett entkernt und erhält einen völlig neuen Saal, der viel besser auf die Erfordernisse von klassischer Musik angepasst ist als der jetzige. Die Platzkapazität sinkt um ca. ein Drittel, andere Veranstaltungen sind kaum mehr möglich, auch weil kein zusätzlicher Probensaal vorgesehen ist. Von Seiten der Stadt Dresden wird diese Variante präferiert, weil der Kulturpalast ohnehin generalüberholt werden muss und weil danach auch das städtische Kabarett und die Stadtbibliothek untergebracht werden sollen. Widerstand kommt vor allen von den Veranstaltern von Popkonzerten und der sog. Heiteren Muse, die sich wohl zu recht ausgebootet sehen und zukünftig auf die Neue Messe ausweichen sollen und vom Architekten Wolfgang Häntsch, der sein Urheberrecht am Gebäude durch die radikalen Veränderungen verletzt sieht. Die Staatskapelle hat bereits mitgeteilt, dass sie mit ihren Sinfoniekonzerten nicht in den Kulturpalast umziehen würde.
Fazit: Dresden würde einen Konzertsaal gewinnen, aber eine funktionierende Stadthalle verlieren.

Der Neubau: Konzerthaus am Elbufer


Im Gespräch für eine Neubau einer Dresdner Philharmonie war schon zu Zeiten der DDR die immer noch ungenutzte Brache am Neustädter Elbufer in Höhe des Narrenhäusels, direkt gegenüber der Dresdner Altstadt könnte dort - auch als Gegengewicht zu dieser - ein völlig neues, allen modernen Erfordernissen entsprechendes Konzerthaus mit dezidiert moderner Architektur entstehen. Es wäre das erste Konzerthaus für Dresden und würde nicht nur diese Lücke schließen. Der Kulturpalast könnte dann weiter als multifunkionale Stadthalle genutzt werden und die Stadt wäre um eine touristische Attraktion reicher. Da auch die Staatskapelle das Haus nutzen würde ist ein entsprechendes Engagement seitens des Freistaates an diesem Standort unerlässlich.
Fazit: Dresden bekäme ein Konzerthaus und könnte den Kulturpalast behalten, so wie er ist. Jedes Genre hätte eine ihm entsprechende Spielstätte. Am Neustädter Elbufer würde ein entscheidender städtebaulicher Akzent gesetzt.

Die Alternative: Umbau des Johanneums


Der jüngste Vorschlag ist vielleicht der interessanteste: Umbau des Johanneums am Neumarkt, welches jetzt das Verkehrsmuseum beherbergt, zu einem Konzertsaal mittlerer Größe (Abb. Festspielhaus Luzern). Auch hier könnte der Kulturpalast das bleiben, was er ist und durch die räumliche Nähe wäre die Weiternutzung von Räumen dort durch die Philharmonie denkbar. Größtes Manko: Platz für einen Probensaal bleibt nicht, so dass sich daraus bereits Einschränkungen für die Häufigkeit der Nutzung ergeben. Und auch für das Verkehrsmuseum muss eine zukunftsweisende Lösung gefunden werden, der momentane Zustand ist bis auf die Lage alles andere als ideal. Das sollte aber angesichts der zahlreichen Industriebrachen in Stadt um Umland kein Problem sein.
Fazit: Auch diese Außenseiterlösung hat einigen Charme. Der "Schuhkarton"-Konzertsaal passt von der Dimension und Größe gut nach Dresden, der Neumarkt bekäme endlich eine abendliche Belebung und die Dresdner einen Grund hinzugehen.


Das Thema gewinnt also wieder an Fahrt und es bleibt zu hoffen, dass es nicht endgültig zu einer die Stadt spaltenden Polarisierung kommt, wie im Fall der Waldschlösschenbrücke. Inzwischen hat sich eine Reihe wichtiger Dirigenten für den Neubau eines Konzerthauses ausgesprochen, dazu zählen neben Daniel Barenboim, Kent Nagano auch die eng mit Dresden verbundenen Künstler Herbert Blomstedt, Sir Colin Davis, Kurt Masur, Fabio Luisi und Christian Thielemann. Viel wichtiger für die innerstädtische Diskussion dürfte aber die Aussage pro Konzertsaal von Peter Schreier sein, der sich in den letzten Tagen erstmals zu Wort gemeldet hat. Er ist für einen Neubau und zwar als Dresdner und nicht als Vertreter eines Orchesters. Das ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Vielleicht trifft er den Nerv seiner Mitbürger und es gelingt der Stadt eine wirklich zukunftsträchtige Lösung hervorzubringen. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Wetten, welcher Konzertsaal dann als erster eröffnet wird, der in München oder der in Dresden, werden angenommen!

Montag, 9. November 2009

Onegins Alptraum(a)



Man kann der Münchener Inszenierung von Krzysztof Warlikowski - die gerade wieder für einige Aufführungen zu sehen war - vieles vorwerfen, wenn man denn will. Sie verzichtet auf manches, was gern mit Eugen Onegin verbunden wird. Russisches Landkolorit sucht mal genauso vergelblich, wie prachtvoll ausgespielte Tanzbilder. Dennoch ist die Lesart schlüssig. Der Regisseur versucht das Stück konsequent - aber auf interessante Weise indirekt - aus der Biografie Tschaikowskys zu entwickeln. Auf diese Weise legt er Unschärfen frei, über die sonst leichtfertig hinweg gegangen wird und wagt einen zweiten Blick auf die Konstellation und Dynamik der Figuren, der durchaus reizvoll ist. Das Duell zwischen Onegin und Lenski ist Kulmination einer nicht gelebten Liebesbeziehung der beiden. Onegin greift zur Pistole, wenn Lenski ihm zu nahe kommt. Dann sind wir aber schon längst in dessen Alptraum eingtaucht, der vielleicht in Tatjanas Briefszene beginnt, die Onegin mit ihrer Hier stehe ich und kann nicht anders. - Pose gehörig unter emotionalen Druck setzt, für den er kein Ventil findet. Die Frauen Tatjana und Olga stehen hier nicht im Zentrum, beide sind trotzdem nicht zu Randfiguren degradiert. Warlikowski legt auf geschickte Weise immer wieder neue Bedeutungslinien fest, deren Verknüpfungen nach und nach deutlich werden. Das Skandalon ist nicht Tschaikowskys (übrigens auch von ihm selbst nicht verheimlichte) Homosexualiät, sondern die Unerbittlichkeit und die Unlösbarkeit der emotionalen Verwerfungen der Figuren, die immer auch als ganz existenteillen Verlängerungen von Lebensmustern ihres Autors gelesen werden können. Das ist genau die Weise, auf welche der Komponist sein Werk verstanden wissen wollte - es war eben nicht eine weitere große russische Oper die Tschaikowsky komponiert hat, sondern lyrische Szenen. Die legt Warlikowksy durchaus groß an: In ungastlichen verglasten Innenräumen kommt die Handlung immer wieder förmlich zum Stehen, müssen die Figuren sich ihr Weiterleben erkämpfen. Das Leben ist hier kein Spiel, es ist ein Kampf. Mit der Polonaise am Beginn des dritten Aktes wandelt sich dieser Raum dann mit einem merkwürdig gebremsten, aber umso eindrücklicheren Männerballett endgültig zum gespenstischen Alptraumort. Erstauntlich wie fest sich das Bild der schwulen Cowboys aus dem Brokeback Mountain bereits in die zeitgenössische Ikonografie eingeschrieben hat. Nur viel weniger überzeugen kann die musikalische Seite der Aufführung. Michael Volle singt einen noblen, kraftvollen Onegin, weniger Wohlmeinende könnten seiner Darstellung auch eine gewissen Blasiertheit entnehmen. Er wird die Rolle wohl nicht mehr ewig im Repertoire halten. Die anderen Partien sind eher durchschnittlich besetzt, in Erinnerung bleibt kaum etwas. Der junge russiche Dirigent Dimitri Jurowski müht sich sichtbar, der Partitur gerecht zu werden. Er reagiert mehr, als dass er selber Herr des Geschehens wäre und bleibt so viel kammermusikalische Glut schuldig, die gerade in dieser Aufführung wichtig wäre. Er hat noch nicht die Kragenweite seines älteren Bruders Wladimir oder gar seines Vaters Michail Jurowski, ein paar Saisonen kapellmeisterliche Provinzerfahrung sollte für ihn der richtige Weg sein.

Samstag, 7. November 2009

Tod im Kochstudio

Es gehörte zu den mit Staunen aufgenommenen Ankündigungen des neuen Intendanten der Bayerischen Staatsoper Nikolaus Bachler zu seinem Amtsantritt vor einem reichlichen Jahr, dass er am Haus jetzt Schauspiel betreiben wolle. Er setzt das um, indem er zwar im Schauspiel erfolgreiche Regisseure, die aber im Musiktheater noch keine Erfahrungen haben, mit Neuinszenierungen betraut. Der Letzte im Reigen der Debütanten war Stephen Kimmig, ihm hat Bachler Mozarts DON GIOVANNI anvertraut.



Um es vorwegzunehmen, die Sache ging gründlich schief. Kimmig macht neben vielen anderen den Kardinalfehler, dass er versucht aus der Musik Stimmungen und Bilder zu extrahieren und auf der Bühne abzubilden. Das doppelt im besten Falle, ist aber zumeist hilflos oder gar einfältig, denn die Bilderwelt die der Regisseur von seiner Ehefrau und Bühnenbildnerin Katja Hass erfinden lässt, kann der komplexen Bilder- und Ideenwelt der Oper natürlich nicht gerecht werden. Hier gehört nichts zusammen und es passt auch nichts. Eine sich stupide drehende Containerwelt, die ab und zu den Blick auf ein Kulisse gewordenes Vorurteil frei gibt. Alles ohne innere Bezüglichkeit, im Detail merkt man die Führung der Personen, vom Entwuf her ist es Rampentheater mit einer Drehbühne. Nur selten nimmt das Geschehen auf der Bühne die Dynamik der Musik auf. So geht Oper nicht!



So geht aber auch Mozart nicht. Was Kent Nagano da vorlegt, hat mit einer Interpretaion von Don Giovanni nicht viel zu tun. Keine Linie, keine Idee, kein Sinn für die dunklen Seiten der Musik, die filigranen Tempoabstufungen. Alles ist schön durchhörbar, aber es bleibt nichts zurück. Ganz flau der Einstieg in die Ouvertüre und sehr viel besser wird es dann im Laufe des Abends nicht mehr. Wirklich gemischt sind auch die Sängerleistungen. Besser als mit Mariusz Kwiechien kann man die Titelrolle wohl nicht besetzen, wenn es einen Bariton gibt, der auch einen reflektierten Don Giovanni spielen kann, dann er. Doch statt dessen wird tief und witzlos ins Sterotypen-Kästchen gegriffen. Das brandschatzende Macho-Tier mit südosteuropäischem Einschlag, dem es eigentlich um Titten geht und um nichts anderes. Auf der anderen Seite billige Weiblichkeit und denunzierende Alltags-Versatzstücke. Von einer Rezeptionsgeschichte, welche die Figur Don Giovanni schon seit Jahrzehnten in ihrer Gesamtheit und so auch als Opfer seiner selbst auslotet weiß die Inszenieurng gar nichts. Deswegen hat die Aufführung auch so überhaupt nichts mit uns heute zu tun, auch wenn sie sie das pausenlos behaupten will.



Dennoch überzeugt Kwiechien mit einer grandiosen stimmlichen Leistung, selten hat man die Rolle so ausgewogen gesungen gehört. An seiner Seite Alex Esposito als Leporello, beide sind in der Kombination schon in diversen Produktionen aufgetreten, er macht seine Sache gut und präszise. Vom Publikum nicht ganz zurecht am meisten gefeiert wurde Pavol Breslik als Don Ottavio, er singt schön und beseelt, dass er sich in das Konzept der Figur nicht hinein findet, wen wundert es? Bei den Frauen gibt es ein Grundproblem: Donna Anna und Donna Elvira sind stimmlich einfach zu leicht besetzt (und Zerlina zu schwer). So kommt auch hier nichts so richtig zusammen. Elli Dehn schafft es nicht die emotionale Bandbreite der Donna Anna über die Rampe zu bringen und auch Maija Kovalevska tut sich mit ihrer Donna Elvira schwer. Und Zerlina (Laura Tatulescu) ist musikalisch eigentlich sehr viel weniger explizit erotisch unterwegs als sie das hier tun muss. Eine der vielen Ungereimtheiten der Inszenierung.



Das Fazit: Eine der wichtigsten Premieren der Saison ist zum Desaster geworden, nicht ganz unvorhersehbar. Das ist mehr als schade. Wäre da nicht die gelungene Szene, dass Don Giovanni beim Kochen durch einen Herzinfarkt vom Tode ereilt wird, der Abend wäre vollkommen entbehrlich. Da scheint aber für ein paar Takte auf, was sein könnte: plausibles, stimmiges Musiktheater, welches mit einer gelungen Umsetzung einer heiklen Szene überrascht. Kwiechien und Esposito singen sich in einen kleinen Rausch hinein, das wirkt bis hinunter in den Graben und dann kommt ganz en passant der Tod. Entgrenzung und Absturz ganz ohne Moral, davon handelt Mozarts Don Giovanni - hoffentlich bald wieder!

Mittwoch, 4. November 2009

Waltraud Meier singt Gustav Mahler



Die Berliner Freunde und Fans der Sängerin Waltraud Meier können sich kaum beklagen, war die Sängerin in den letzten Jahren doch oft in der Hauptstadt zu erleben. An der Staatsoper trat sie als Isolde, Leonore und Kundry auf (alle mit Daniel Barenboim) und im letzten Sinfoniekonzert der Staatskapelle Berlin in der vergangenen Saision brillierte sie mit Ernest Chaussons "Poème de l‘amour et de la mer op. 19" unter Philippe Jordan. Am 14. und 15. November steht sie nun mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester unter der Leitung von Kristjan Järvi auf der Bühne des Konzerthauses. Das interessante Programm enthält neben Liedern von Gustav Mahler auch die 3. Sinfonie und als Deutsche Erstaufführung das Stabat mater von Arvo Pärt. Im Laufe der Saison sind dann auch wieder Auftritte als Isolde an der Staatsoper und als Ortrud an der Deutschen Oper geplant.

Dienstag, 3. November 2009

Lohengrin wieder an der Staatsoper in Berlin



Zur Enttäuschung wurde die Wiederaufnahme des Lohengrin an der Berliner Staatsoper, den Regisseur Stefan Herheim dort im Frühjahr herausgebracht hatte. Das lag vor allem an Daniel Barenboim, der wohl in seinem gegenwärtig äußerst dichten Berliner Terminkalender zu wenig Zeit für ausreichende Proben gefunden hat. So kommt es immer wieder zu Abstimmungsproblemen zwischen Bühne und Graben und so etwas wie Magie will sich nicht einmal für Momente einstellen. Die fehlende Spannung kann auch die Inszenierung nicht wettmachen, hier läuft vieles ins Leere, wirkt zufällig und ausgedacht. Die Aktion siegt über den Inhalt, der hat nie eine ernste Chance. Vielleicht braucht eine so zugreifende Interpretation einfach den Premierenhype um richtig wirken zu können oder die ordnende und schärfende Hand des Regisseurs bei der Wiederaufnahme (doch der war ja gerade in Stuttgart mit dem Rosenkavalier beschäftigt). Das Rollendebüt von Haustenor Burkhard Fritz als Lohengrin ist gelungen, aber auf jeden Fall noch ausbaufähig, bei ihm war viel Nervosität im Spiel. Anna Samuil hat (nicht ganz überraschend) Schwierigkeiten der Elsa-Figur auch ambivalente Seiten abzugewinnen, sie ist stilistisch einfach auch keine Wagner-Sängerin. Auch die Ortrud von Deborah Polaski überzeugt nur teilweise und Artu Kattaja als Heerrufer ist schlicht fehlbesetzt. Wiederrum eine ganz sichere Bank Kwangchul Youn als König Heinrich, das kann zur Zeit kaum jemand besser und so gab es in einer sehr mittelmäßigen Vorstellung wenigstens einen Lichtblick!

Montag, 2. November 2009

Tristan und Isolde aus London jetzt auf BBC



Die aktuelle Londoner Aufführung von Tristan und Isolde ist noch bis zum Wochenende über die Website der BBC zu hören. Unter der Leitung von Antonio Pappano singen Nina Stemme und Ben Heppner die Titelrollen, sowie Sophie Koch (Brangäne), Michael Volle (Kurwenal) und John Tomlinson (König Marke). Die mustergültig besetzte Aufführung (man vergleiche mal mit dem Bayreuther Tristan) zählt zu den interessantesten Produktionen der laufenden Saison und fand insbesondere in musikalischer Hinsicht großen Anklang bei Presse und Publikum. Viel Spaß beim Hören!

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