Montag, 25. Juni 2012

Quo vadis Colonia?















Die Oper Köln steht - wieder einmal - in einer Existenzkrise. Intenant Uwe Eric Laufenberg hat das Haus nach monatelangen Querelen eher unfreiwillig verlassen, der GMD Markus Stenz kündigt seinen Abschied für 2014 an (Ich habe nur ein Künstlerleben). Drei bereits im Vorverkauf befindliche Neuproduktionen für die kommende Saison stehen ohne Regisseur da (Die Hochzeit des Figaro, Cosi fan tutte, Parsifal) und das Haus ohne einen Chef. Das Operngebäude ist endgültig für die Sanierung geschlossen, wann und wie es wieder eröffnet werden wird bleibt ungewiss. Das Ganze ist um so bedauerlicher, weil man in den vergangenen zwei Jahren den Eindruck gewinnen konnte, dass die Oper Köln wieder Land gewinnt und auch überregional eine Rolle spielt. Die mehr als zwanzig Jahre andauernde desaströse Kölner Kulturpolitik findet einen weiteren traurigen Höhepunkt. Wer soll diese Karre aus dem Dreck ziehen? Der geschasste Laufenberg will gegen seinen Rauswurf klagen. Die Nachrichtenlage wird also nicht bessser werden, aber man hat sich an solche Meldungen bereits gewöhnt. Düstere Aussichten in Köln!

Kommentare:

  1. Als Kölner Opernliebhaber ist man wirklich arm dran. Jahre- oder fast jahrzehntelang dümpelte das Haus künstlerisch vor sich hin. Es gab nur ganz wenige Vorstellungen, die einen Besuch lohnten und dementsprechend sah auch die Auslastung aus. Es gab viele Abende, an denen nicht einmal die Hälfte der Plätze besetzt war.
    Mit Herrn Laufenberg hat sich alles verändert. Seit der Saison 2009/2010 gibt es in Köln plötzlich Oper auf Spitzenniveau. Und gerade in der aktuellen Spielzeit gab es viele Produktionen auf Spitzen-Niveau und das, obwohl die Politik Herrn Laufenberg von Anfang an einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine geworfen hat. Er hat es gemeinsam mit seinen Mitarbeitern geschafft, unter widrigsten Bedingungen hervorragende Arbeit zu liefern und hat selbst die Ausweichspielstätten (zB eine ehemalige Fabrikhalle, das Treppenhaus des Oberlandesgerichts), die eigentlich keine optimalen Bedingungen für eine Opernaufführung bieten, zum Vorteil der Aufführung ausnutzen können.
    Sicherlich hat er in der Auseinandersetzung mit den Politikern der Stadt auch viele Fehler gemacht. Aber er ist Opernintendant und kein Diplomat. Und er sollte eigentlich am Ergebnis seiner künstlerischen Arbeit gemessen werden. Und das ist absolut Top. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass man seit etwa drei Jahren wieder regelmäßig in einem gut gefüllten Opernhaus (oder was halt gerade als Spielstätte dient) sitzt. Köln hat sich dank Herrn Laufenberg in kürzester Zeit von einem drittklassigen Opernhaus zu einem der interessantesten Häuser Deutschlands entwickelt. Es ist furchtbar traurig, dass das nun kaputt gemacht wird. Als Kölner muss man demnächst wieder weit reisen, um Spitzenoper zu sehen. Dabei hätte alles so schön werden können.

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  2. Das Desaster in Köln ist einzig den dämlichen Kulturbeamten dieser Stadt anzulasten. Zwei Jahrzehnte können die machen was sie wollen ohne die geringste Ahnung zu haben. Laufenberg hat Ecken und Kanten. Und die braucht er in dem Job. Und er war es der Köln wieder zur Bedeutung gebracht hat. Die Kulturbanausen der Stadt, die nur an ihre Pension denken, werden alles zerstören.

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  3. Das, was gerade in Köln passiert, ist ein echtes Trauerspiel. Die Oper wurde jahrzehntelang heruntergewirtschaftet, das Niveau war grottenschlecht. Häufig war das Haus zu nicht einmal 50% ausgelastet. Mit Herrn Laufenberg wurde es wie durch ein Wunder fast über Nacht anders. Plötzlich gab es spannende Inszenierungen, es sangen plötzlich Topsänger am Haus und nun kommen ein paar Politiker daher und machen alles kaputt. Erst holen Sie einen Intendanten, der den Karren aus dem Dreck ziehen soll und, kaum dass er es geschafft hat, wird er abgesägt.
    Laufenberg ist unbequem, aber das muss ein guter Intedant auch sein. Er muss für sein Haus kämpfen, sonst erreicht er nichts. Aber in einer Stadt wie Köln hat man leider keine Chance gegen den Sumpf - der kölsche Klüngel existiert leider nicht nur sprichwörtlich, sondern verhindert leider jede positive Entwicklung in der Stadt.
    Laufenbergs Äußerungen waren sicherlich nicht immer richtig, ein Diplomat ist er nun mal nicht. Aber sollte man einen Intendanten nicht an seinem künstlerischen Erfolg messen? Laufenberg hat das Haus wieder ganz weit nach oben geführt. Er hat dabei nicht nur die Kritiker überzeugt, sondern auch das Publikum. Und das, obwohl er nicht einmal eine vernünftige Spielstätte hatte, sondern neben dem maroden Opernhaus auf Ausweichquatiere wie eine ehemalige Fabrikhalle, eine Kirche oder das Treppenhaus des Oberlandgerichts ausweichen musste. Er hat es aber geschafft, die schwierigen Bedingungen, die sich aus den Besonderheiten der Spielstätten ergaben, zum Vorteil der jeweiligen Aufführungen zu nutzen.
    Die Kölner Oper hätte unter Laufenberg auf Dauer einen Spitzenplatz unter den internationalen Opernhäusern einnehmen können. Nun wird sie wohl von den Provinzpolitikern der Stadt wieder zurück ins Mittelmaß gestoßen. Aber so ist das eben mit dem linken Sumpf: Mehr als Mittelmaß darf nirgendwo sein. Alles, was gut ist, muss vernichtet werden. Am Ende erkennt man sonst noch, dass man selbst überhaupt nichts kann.

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  4. Sehr richtig und absolut jeder soll studieren, das Niveau senken wir dann auf den Dümmsten dann könmmen alle mit. Kulturfeinde SPD. Bonn ist ja nicht weit, da regiert der SPD-Ignorant Nimptsch, war sogar Gymnasiallehrer, gut dass er meine Kinder nicht unterrichtet hat, bei dem Kulturverständnis, und will gleich ganze Kulturzweige abschaffen, die Oper, die besser ist als die Kölner, die wohl derzeit abgeschafft wird. Oder sie zusammenlegen, was schon wegen verschiedener Bühnen-Dimensionen gar nicht geht. Jede Produktion müßte doppelt hergestellt werden, also kein Sparen, aber das ficht die SPD nicht an. Der Nimptsch kommt aus Wesseling; die Benzindämpfe sind wohl schuld. Die Bonner Oper reicht bis in die Zeit der Kurfürsten zurück. Sogar Giacomo Casanova war hier. Makenball in Bonn.
    Zitat: "Am Tage des Balls fuhr ich in der Dämmerung in einer Postkutsche ab; ich trug einen Anzug, den in Köln niemand kannte, und hatte einen Koffer bei mir, worin sich zwei Dominos befanden. So fuhr ich in aller Eile nach Bonn, nahm dort ein Zimmer und zog den einen Domino an, während ich den anderen in dem Koffer ließ, den ich gut verschloß. Dann ließ ich mich in einer Sänfte nach dem Schlosse tragen. Ohne Schwierigkeit trat ich ein und sah, ohne erkannt zu werden, alle Kölner Damen unmaskiert in den Festsälen, unter ihnen auch meine Schöne, die an einem Pharaotische saß und dukatenweise setzte."

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