Montag, 8. November 2010

Super Bad Boy Bryn Terfel


Der walisische Bass Bryn Terfel ist mit seinem aktuellen Album Bad Boys auf Tournee, beim gestrigen Konzert in der Münchner Philharmonie überzeugt er auf der ganzen Linie. Er präsentiert sich stimmlich und auch ansonsten in Hochform. Einen solch wandlungsfähigen, charmanten und ausdrucksstarken Sänger muss man lange suchen. Fast das gesamte ausgesuchte Repertoire liegt ihm perfekt in den Stimmbändern und er macht mit ein paar Gesten, ein wenig Kostüm kleine, spannende Minidramen aus jeder Arie. Zum Auftakt überrascht er mit einem witzigen Dulcamare aus Donizettis Liebestrank, später ist er ein düsterer Mephisto sowohl bei Boito, wie auch bei Gounod. Der Mackie-Messer-Song klingt bei ihm so wunderbar aasig, als sei er nur für ihn geschrieben. Stilistische Meisterschaft auch bei den beiden Ausflügen ins angelsächsische Musicalfach. Als Höhepunkt vor die Pause gesetzt war der Scarpia - beeindruckend, aber nicht überwältigend, was vielleicht auch dem etwas indifferenten Chor zuzurechnen ist. Dem Münchner Rundfunkorchester merkt man an, dass es sich auf fremden Terrain bewegt, über bloßes Begleiten reicht das nur selten hinaus. Bei der Auswahl der Orchesterstücke scheint man schlecht beraten zu sein, denn eine Offenbach- oder eine Verdi-Overtüre sollten eigentlich präziser und fehlerlos erklingen. Das konnte allerdings den Gesamteindruck eines großartigen Sonntagnachmittages kaum trüben. Im Mittelpunkt stand mit Bryn Terfel ein wirklicher Ausnahmesänger, ein begnadeter Entertainer mit einer außerordentlichen Stimme und dieser in nichts nachstehenden Bühnenpräsenz. Erstaunlich, dass in der Philharmonie doch einige Plätze frei blieben, war das Gesicht des Bad Boys Terfel doch seit Wochen in ganz München plakatiert. Schade für alle, die ihn versäumt haben!

Kommentare:

  1. Ja, Bryn Terfel ist in der Tat in Höchstform und verkörpert die verschiedensten Rollen souverän und ausdrucksstark. Aber auch das Münchner Rundfunkorchester, das mit seinem breiten Repertoire sehr wohl auf dem Gebiet der Oper und Operette zu Hause ist, hat Bryn ebenbürtig begleitet und in den Orchesterstücken vollen Glanz entfaltet sowie wahre Spielfreude gezeigt!

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  2. Terfel ist Bariton, kein Bass

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  3. Falsch. Terfel ist Bass-Bariton. Diese eigene Kategorie gibt es auch. Sie kommt unter dem Bariton. Über dem liegt der Kavaliersbariton. Terfel singt auch fast das ganze Bassrepertoire.

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