Donnerstag, 30. Juni 2011

Trinks übernimmt Münchner Rosenkavaliere


Die musikalische Leitung der beiden Rosenkavalier-Vorstellungen während der Münchner Opernfestspiele übernimmt der junge Maestro Constantin Trinks. Offenbar zieht das Haus damit die Konsequenzen aus den von vielen Seiten kritisierten Dirigaten der Wiederaufnahmeserie durch den Finnen Leif Segerstam. Trinks zählt zu den vielversprechenden Talenten der Dirigentenszene, gleichwohl ist er an seinem Stammhaus in Darmstadt bereits etabliert und wurde dort für seine jüngsten Ring-Dirigate gefeiert. Ebenfalls neu im Rosenkavalier-Ensemble ist Sophie Koch als Octavian.

Kaufmann-Fidelio als Livestream


Der Münchner Fidelio in der Regie von Calixto Bieto wird am 08. Juli 2011 nicht nur live auf den Max-Joseph-Platz übertragen, sondern erstmalig auch als Livestream im Internet gezeigt. Weitere Informationen auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper. Neben Jonas Kaufmann als Florestan ist Anja Kampe als Leonore zu erleben, die Premierenbesetzung. Für alle die es ganz genau wissen wollen geben Intendant Nikolaus Bachler und Thomas Gottschalk vor der Übertragung eine Einführung ins Werk.

Nitsch inszeniert Messian in München


Am Freitag eröffnen die diesjährigen Münchner Opernfestspiele mit Olivier Messians Mammutwerk Saint Francois d'Assise in einer szenischen Einrichtung des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch. Blut wird dabei auf jeden Fall fließen und zwar in großen Mengen. Die Aufführung dürfte ausschließlich durch das Orgien-Mysterien-Theater des Künstlers geprägt sein, welches noch nie jedermanns Sache war und entsprechend polariserende Reaktionen hervorrufen. Für GMD Kent Nagano sind Werk und Komponist Herzensangelegenheit, deswegen erstaunt es, dass insgesamt nur drei Aufführungen geplant sind. Im ORF gab es bereits einen Vorabbericht mit ein paar Bildern.

Montag, 27. Juni 2011

Philippe Jordan übernimmt Wiener Symphoniker


Der immer noch junge Dirigent Philippe Jordan soll die Leitung der Wiener Symphoniker übernehmen und damit Fabio Luisi auf dieser Position nachfolgen. Jordan arbeitet bereits regelmäßig mit dem Orchester, seit zwei Jahren ist er außerdem GMD an der Oper von Paris. Zuvor war er musikalischer Leiter der Oper in Graz und hat sehr erfolgreich an der Berliner Lindenoper gearbeitet. Auch Luisis Weggang von den Wienern ist von Irritationen überschattet, übernimmt er doch derzeit viele Aufgaben für den New Yorker Opernchef James Levine und sagt dafür immer wieder Engagements in Europa ab. Auch die Dirigate der beiden Münchner Festspielaufführungen Fidelio mit Jonas Kaufmann hat Luisi jetzt zurück gelegt, für ihn übernimmt Adam Fisher.

Sonntag, 26. Juni 2011

Meistersinger aus Glyndebourne online!


Das rennomierte Opernfestival im britischen Glyndebourne hat in diesem Jahr zum ersten Mal Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg produziert. Regisseur David McVicar hat das Werk in seine Entstehungszeit transponiert und kommt damit so nahe an das Stück, wie kaum eine Meistersinger-Inszenierung unserer Tage. Mit Gerald Finley (Sachs), Anna Gabler (Eva), Johann Martin Kränzle (Beckmesser), Marco Jentzsch (Walther) und Tobi Lehtipuu (David) steht ihm ein junges, spielfreudiges Ensemble zur Verfügung, welches durchweg überzeugt. Die musikalische Leitung hatte Vladimir Jurowski. Insgesamt eine erstaunliche und sehenswerte Inszenierung. Am gestrigen Sonntag wurde die letzte Aufführung der Serie online übertragen. Noch eine Woche ist dieser Mitschnitt on demand in Internet zu sehen!

Freitag, 24. Juni 2011

Bayreuth bringt 2013 Wagners Frühwerke


Im Jubiläumsjahr 2013 bringen die Bayreuther Festspiele die bisher noch nie gezeigten Frühwerke Die Feen, Das Liebesverbot und Rienzi zur Aufführung. Kooperationspartner ist dafür das Opernhaus aus Richard Wagners Geburtsstadt Leipzig, welches seit kurzem unter der Leitung von Ulf Schirmer steht. Die drei Opern sollen an beiden Orten gezeigt werden. Die Stadt Leipzig stellt dafür zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung, außerdem sollen Sponsoren das Projekt unterstützen. Künstlerische Details werden Ende Oktober auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin (!) bekannt gegeben.

Neuer Lohengrin an der Scala


Das könnte fast eine Münchner Produktion sein: Zur Saisoneröffnung im Dezember 2012 an der Mailänder Scala inszeniert Martin Kusej einen neuen Lohengrin mit Anja Harteros als Elsa und Jonas Kaufmann in der Titelrolle. Die beiden Starsänger waren bereits in der Premiere der aktuellen Münchner Lohengrin-Produktion vor zwei Jahren gemeinsam aufgetreten. Bekannt wurden diese Personalien am Rande der Vorstellung des neuen Spielplans des Bayerischen Staatsschauspiels, wo Kusej ab Herbst Intendant sein wird. Bis auf die genannte Gast-Inszenierung will er ausschließlich an seinem Haus in München arbeiten.

Edit 29.11.2012
Die Premiere des neuen Lohengrin aus Mailand wird von arte am 07.12.2012 übertragen und es gibt auch schon erste Bilder!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Noch nichts Neues aus Bayreuth....


Es wird langsam Sommer und unaufhaltsam rücken die Bayreuther Festspiele in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Den Auftakt markierten die Schlagzeilen der vergangenen Woche, wonach der Bundesrechnungshof (wieder einmal) die Praxis der Kartenvergabe kritisiert hat. Zuviele Freikarten und angesichts der hohen Nachfrage zu geringe Preise sind die Hauptkritikpunkte, denen noch einige andere hinzugefügt werden könnten. Auf ebay sind auch bereits wieder die Angebote zu Mondpreisen zu finden. Ansonsten ist noch nicht viel zu vernehmen, die Proben zum Tannhäuser, der Neuproduktion des Jahres, dürften begonnen haben und die Suche nach dem Ring-Regisseur wird hinter den Kulissen akribisch weitergehen. Nach dem Debakel mit Wim Wenders wäre ein weiterer Fehltritt nicht mehr zu verkraften. Aber es gibt auch schon (positive) Neuigkeiten im Sommer 2011: Erstmalig wird in diesem Jahr eine Aufführung im Fernsehen übertragen und zwar der aus dem letzten Jahre stammende Lohengrin in der Inszenierung von Hans Neuenfels am 14. August auf arte. Ob die Kartennachfrage weiterhin so hoch bleibt, wenn halb Deutschland und ganz Frankreich im Fernsehen zuschauen können, das werden wir sehen...

Bayerische Staatsoper fährt nach Japan


Während sich andere Ensembles dagegen entschieden haben will die Bayerische Staatsoper ihre für September geplante Japan-Tournee ohne Abstriche durchführen. Im Haus ist diese Entscheidung nicht unumstritten, Mitarbeitern wird die Möglichkeit eingeräumt während des Tourzeitraums unbezahlten Urlaub zu nehmen. Die Metropolitan Opera New York hatte ihre Japan-Tournee Anfang Juni ebenfalls in vollem Umfang durchgeführt, aber die Absagen einiger prominenter Sängerinnen und Sänger, wie Anna Netrebko und Jonas Kaufmann in Kauf nehmen müssen. Kaufmann ist auch für die Lohengrin-Aufführungen im September besetzt, außerdem soll Edita Gruberova in Roberto Devereux auftreten und es wird Ariadne auf Naxos aufgeführt.

Samstag, 11. Juni 2011

Rolando & Damrau junior


Rolando Villazon als Babysitter - an seiner Seite Diana Damraus Sohn Alexander. Das Bild entstand auf der aktuellen Japan-Tournee der Metropolitan Opera. Damrau und Villazon singen dort Lucia di Lamermoore, Villazon war kurzfristig für Joseph Calleja eingesprungen, der wie verschiedene andere Künstler seine Teilnahme an der Tournee abgesagt hatte. Seit 2009 hatte er nicht mehr an der MET gesungen und konnte jetzt ein unerwartetes, aber gleichwohl erfolgreiches Comeback feiern.

Weitere Bilder vom MET-Gastspiel in Japan

Freitag, 10. Juni 2011

Von der Elbe an die Salzach und zurück


So sehen Gewinner aus: Christian Thielemann (im Bild mit Eliette von Karajan, der Dresdner Opernchefin Dr. Ulrike Hessler, Orchesterdirektor Jan Nast und Vorstand Andreas Wylezol in Salzburg) übernimmt ab 2013 die Leitung der Salzburger Osterfestspiele und mit ihm kommt sein neues Orchester, welches eines der ältesten und besten des Landes ist - die Staatskapelle Dresden. Nach dem überraschenden und unfairen Abgang der Berliner Philharmoniker nach Baden-Baden schlagen die Festspiele ein neues Kapitel auf. Wer hätte das vor wenigen Wochen noch gedacht? Die erste Opernneuproduktion wird Richard Wagners Parsifal sein (mit Johan Botha, Stephen Milling und Wolfram Koch) im Jahr darauf folgt Richard Strauss Arabella (mit Renée Fleming). Die Operninszenierungen gehen später ins Dresdner Repertoire. Die Salzburger Sinfoniekonzerte wird neben Thielemann der neue Erste Gastdirigent der Dresdner Myung-Whun Chung leiten. Um das Gesamtengagment zu ermöglichen hat die Wiener Staatsoper Christian Thielemann aus dem Vertrag einer Neuproduktion Lohengrin entlassen, die zu Ostern 2014 herauskommen wird. Der Maestro wird anstelle eine Serie Ariadne auf Naxos im Haus am Ring dirigiren.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Anja allein zu Haus


Es war ein mit Spannung erwartetes Rollendebüt: Anja Harteros als Marschallin an ihrem Stammhaus der Bayerischen Staatsoper in München. Anstelle der geplanten Neuinszenierung gab es eine Neueinstudierung der jahrzehntealten Produktion von Otto Schenk. Harteros überzeugt als Marschallin, auch wenn sie sich als noch nicht ganz genesen ansagen lassen muss, aber mehr Positives gibt es von dieser Mittwochs-Aufführung nicht zu berichten. Das Staatsorchester stellt unter Beweis, dass es aus sehr guten Musikern besteht, die ihren Strauss kennen und sogar lieben, ganz für sich. Blickkontakte zum Dirigenten konnten nicht beobachtet werden. Was Dirigent Leif Segerstam zusammenfuchtelt, darüber sollte man lieber schweigen. Eigenartige Tempiauffassungen, undiffenzierte Lautstärken, nichts vom Silberklang, von der wunderbar gebrochenen Walzseeligkeit. Vollkommen leer und gedankenlos wirkt dann auch das Bühnengeschehen. Hier wird ein Bewegungskonzept erfüllt und nicht Theater gespielt. Von einer aufpolierenden Neufassung ist musikalisch, wie szenisch nichts zu spüren. Durchschnittlich nur der Octavian von Ruxandra Donose und die Sophie von Lucy Crowe. Auch Peter Rose gelingt es nicht, den Ochs, trotz seiner stimmlichen Mittel zu einer interessanten Figur zu machen. Keinem der Beteiligten steht der Parlando-Ton zur Verfügung, der über die weiten Konversationsstrecken des Stücks so notwendig ist. Auch Harteros (noch) nicht, aber sie wird in der Rolle noch stilistisch reifen und dann zu den großen Interpretinnen der Partie gehören. Kenner und Zeugen der Münchner Aufführungsgeschichte müssen das Haus schwer enttäuscht verlassen haben!

Dienstag, 7. Juni 2011

Sasha Waltz goes Waldbühne


Seit 2005 steht die hocherfolgreiche Produktion in der Berliner Staatsoper auf dem Spielplan, es gab bereits Gastspieleinladungen aus 12 Städten. Aber weil die Inszenierung nach Auffassung ihrer Macher zu selten gespielt wird und weil es in Lyon bereits eine Freiluft-Variante gab und weil man in Berlin ja gern alles ein bisschen größer macht, als es ohnehin schon ist wird die Dido & Aeneas-Inszenierung von Sasha Waltz am 27. August 2011 in der Berliner Waldbühne gezeigt. Der Eingeweihte wundert sich, das ist doch die mit dem großen Wasserbassin? Ja, es wird 7000 Liter angewärmtes Wasser geben, das Orchester sitzt neben der Deko und es gibt natürlich Videoeinspielungen, auch von den Bäumen ringsrum, denn das Ganze wird auch ein ökologisches Spektakel mit korrekten mediterranen Picknickkörben! Moderiert wird der Abend von Sopranistin Annette Dasch, die auch zur umtriebigen Radialsystemfamilie gehört und die mit den Besuchern eine Chorszene aus der Oper einstudieren wird. Es sind 18.000 Plätze zu besetzten, die Preise zwischen 22 und 62 Euro sind moderat. Über Sinn oder Unsinn der Unternehmung wird nicht diskutiert, wir sind ja die Guten, deshalb viel Erfolg! Und wem das alles zu viel ist, der warte einfach bis Juli 2012. Dann steht die Produktion wieder ganz regulär auf dem Spielplan des Schillertheaters, der Ausweichspielstätte der Staatsoper Unter den Linden.

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