Sonntag, 28. November 2010

Die Bayreuther Festspielpläne für 2011


Auch in Bayreuth hat inzwischen der Winter Einzug gehalten und das außerhalb der Festspielzeit eher ruhige Städtchen wird noch beschaulicher. Eher ruhig verhalten sich zu dieser Jahreszeit traditionell auch die Festspiele, was das Programm und die Besetzungen für den kommenden Jahrgang angeht. Während andere Sommerfestivals schon seit Wochen massiv Marketing betreiben hat man das in Bayreuth bekanntermaßen nicht nötig. Aber ein Großteil der interessanten Fragen sind ohnehin schon beantwortet, es bedarf nur einer etwas ausführlicheren Internetrecherche, deren Ergebnisse wir hier zusammengestellt haben. Einige Änderungen gibt es bei den Tenören: Von vornherein klar war, dass Jonas Kaufmann den Lohengrin nur im Premierenjahr singt, er wird durch Routiner Klaus Florian Vogt ersetzt. Der gibt dafür den Stolzing an Burkhard Fritz von der Staatsoper Berlin ab, der damit sein Debüt am Grünen Hügel gibt. Simon O'Neill sprang bereits einmal als Lohengrin ein und wird ab jetzt den Parsifal übernehmen. Aus dem Lohengrin-Ensemble scheidet auch Evelyn Herlitzius aus. Die Neuproduktion Tannhäuser wird von Sebastian Baumgarten inszeniert und von Tom Hengelbrock dirigiert. Interessant dürfte an dieser Konstellation sein, welche Fassung zur Aufführung kommt. Die Titelpartie soll der Däne Lars Clevemann übernehmen, von dem man noch nicht so viel gehört hat. Viel mehr weiß man dafür bereits über Camilla Nylund, die als Elisabeth eingeplant ist. Den Wolfram soll Michael Nagy singen. In der Wiederaufnahme von Tristan und Isolde werden wohl wieder Irene Théorin und Robert Dean Smith auftreten, Peter Schneider ist als Dirigent gesetzt. Inzwischen obligatorisch dürften Kinderoper und public viewing sein. Wünschen wir den Bayreuthern eine ruhige Adventszeit!

Samstag, 27. November 2010

Dresden ist nicht Oberhausen


Die erste Saison der neuen Intendantin Dr. Ulrike Hessler an der Dresdner Semperoper stellt Frauenfiguren in den Mittelpunkt. Nach einer sehr gelungenen Daphne von Richard Strauss konnte jetzt die zweite Neuproduktion Gisela! oder: Die merk- oder denkwürdigen Wege des Glücks nicht überzeugen. So verschwurbelt der Titel, so unausgegoren kommt der ganze Abend daher. Altmeister Henze hat sein jüngstes Werk sehr knapp gehalten, keine 75 Minuten dauert das Ganze mit ein paar unleugbaren Durchhängern, eine komplette Oper ist das nicht! Sicher, es gibt viele schöne, flirrende, beglückende Momente, so manche hochinteressante und überraschende musikalische Wendung, aber schon dem Libretto geht eigentlich jede dramatische Spannung ab. Irgendwo zwischen Oberhausen und Neapel verlieren sich Hanspeter Schluckebier, Vulkanologe und seine Gisela Geldmeier, Studentin der Kunstgeschichte. Schuld ist natürlich der italienische Fremdenführer Gennaro Esposito. Nun gut, warum nicht! Anfangs nimmt man das noch für ironisch, es ist aber verhältnismäßg ernst gemeint. Spätestens aber, wenn der Italiener anfängt, von seiner Doktorarbeit zu reden, die er im fernen Ruhrpott zu Ende schreiben will, wähnt man sich doch im falschen Film, wenn nicht gar im falschen Jahrhundert. Und irgendwie fragt man sich auch ganz heftig, was diese Oper im Herbst 2010 in der Dresdner Semperoper zu suchen hat. Regisseurin Elisabeth Stöppler müht sich redlich, das verquaste Etwas an den Mann zu bringen, macht allerdings meist zu viel und vom Falschen. Der erfundene Spielort Flughafen entfaltet kaum eine über sich hinaus weisende Wirkung, die Personenführung wirkt ungelenk und über weite Strecken unmusikalisch. Viel Aktion, wenig Inhalt. Vollkommen überfordert erscheint auch die Komödiantentruppe, welche die Handlung irgendwie vorantreiben soll, es aber kaum schafft, eine eigene Bühnenpräsenz zu entwickeln. Immerhin gibt man vor commedia dell arte zu betreiben, zeigt aber nur das, was man in Dresden seit mehreren Jahrzehnten für Pantomime hält. Kaum verständlich ist die Entscheidung für ein solch monumentales Bühnenbild, kaum einmal war bisher das wunderschöne Bühnenportal des Hauses so zugebaut. Dabei hätte gerade die sentimentale, schönheitstrunkene Musik Henzes diesen starken Resonanzrahmen unbedingt gebrauchen können. Auch die umfangreichen Videoeinspielungen zerfasern die Aufführung mehr, als dass sie Klarheit bringen. (Warum machen Sänger eigentlich so etwas immer wieder mit?) Bis zum Ende wird nicht klar, warum dieses Stück überhaupt auf den Spielplan gelangt ist. Trotz dieser Einschränkungen, musikalisch hat der Abend durchaus Klasse, die im Wesentlichen auf das Konto der Protagonisten geht: Nadia Mchantaf singt und spielt die Gisela mit wunderschön geführter Stimme und der richtigen Portion an Liebreiz. Markus Butter als Verlobter ist ihr dabei ein adäquater Partner (In der letzten Dresdner Henze-Premiere L'Upupa konnte er in einer unspektakulär gelungenen Inszenierung zeigen, was für ein präziser und verlässlicher Sängerdarsteller er ist.) Zu gefallen weiß auch Giorgio Beruggi als Gennaro, überraschend prägnant auch der relativ klein besetzte Staatsopernchor und einmal mehr die Dresdner Staatskaplle unter der souveränen Leitung von Erik Nielsen. Alles in allem ein leider entbehrlicher Abend, dem offenbar die Gründlichkeit der Vorbereitung abging. Schade drum, das Werk und das Dresdner Publikum haben besseres verdient! Als nächste Premiere ist Dvoraks Rusalks in der Version von Stefan Herheim geplant, die bereits in Brüssel und Graz zu sehen war.

Freitag, 26. November 2010

Anna & Erwin in Dresden gelandet


Foto: Flughafen Dresden
Bereits am Donnerstagabend sind Anna Netrebko und Erwin Schrott in Dresden gelandet, sie trafen mit einer Linienmaschine aus Wien ein. Offenbar in bester Laune präsentierte sich das Sänger-Paar dem Flughafen-Fotografen. Am Samstag wird Anna Netrebko in der Frauenkirche bei einer Aufzeichnung von Pergolesis Stabat mater mitwirken. Für den Sonntag ist die Rückreise geplant. Ihre Mitwirkung am ZDF-Adventskonzert hatte die Sängerin vor einigen Tagen abgesagt. Der Gatte wird selber nicht singen und begleitet seine Frau diesmal nur, vielleich ja auch zu einem Rundgang auf den Dresdner Striezelmarkt, dessen 576. Jahrgang gestern eröffnet wurde...

Donnerstag, 25. November 2010

Noch kein Wagner - Anna Netrebko in Dresden


Am Samstag singt die russische Sopranistin erstmals gemeinsam mit der Staatskapelle Dresden. In der Dresdner Frauenkirche wird Pergolesis Stabat mater aufgezeichnet und dann am Karfreitag im ZDF gesendet, im kommenden Frühjahr geht die Sängerin mit diesem Stück auch auf Tournee. Ursprünglich sollte sie in Dresden auch bei der Aufzeichnung des ZDF-Adventskonzertes am gleichen Tag mitwirken, von diesen Planungen hat sie jetzt aber wieder Abstand genommen um sich nach eigenen Aussagen ganz auf das Stabat mater konzentrieren zu können. Im Adventskonzert des ZDF (am Sonntag um 18 Uhr auch als Livestream!) übernimmt nun Mojca Erdmann ihren Part, was mehr als nur ein Ersatz ist! An ihrer Seite ist der junge italienische Tenor Vittorio Grigolo zu erleben, es dirigiert Bertrand de Billy und es stehen Werke von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Joseph Haydn, Franz Schubert, Pjotr I. Tschaikowsky auf dem Programm. Von einer örtlichen Tageszeitung über ihre Wünsche befragt äußert die Netrebko: Die Zukunft wird hoffentlich weitere Projekte bringen. Wagner unter dem designierten Kapellenchef Christian Thielemann zu singen, ist mein Traum. Ich liebe Wagner! Er ist mein Lieblingskomponist. Also trägt sich die Sängerin doch mit dem gerüchteweise kolportierten Gedanken, die Elsa zu singen. Folgt man ihren weiteren Ausführungen steht ein Fachwechsel in Aussicht: Man muss sich entscheiden, in welchem Fach man in erster Linie zu Hause ist. Wie in so vielen Dingen des Lebens kann man auch in diesem Bereich nicht alles machen, was man möchte. Erstaunlich reflektiert spricht sie auch über die Anfänge ihrer Karriere: Von einer Blitzkarriere kann wirklich keine Rede sein. Mein Debüt an einer großen Bühne hatte ich schon Jahre zuvor in St. Petersburg am Mariinsky-Theater in „Nozze di Figaro“. Bis 2002 hatte ich 30 Rollen drauf – große und kleine, in verschiedenen Sprachen. Also, ganz so schnell ging es nicht.
Wir wünschen Ihr auf jeden Fall, dass es noch eine ganze Weile weiter geht!

Dienstag, 23. November 2010

Christian Thieleman wird Ring in Wien dirigieren


Wie Dominique Meyer der Intendant der Wiener Staatsoper mitteilte wird Christian Thielemann im Herbst 2011 die Wiederaufnahme von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen dirigieren. Damit dafür ausreichend geprobt werden kann lassen die Wiener Philharmoniker zwei bereits geplante Konzerte ausfallen. Für die darauf folgende Saison ist ein neuer Lohengrin mit Thielemann geplant, Renée Fleming soll die Elsa geben. In Bayreuth wird der gefragte Dirigent im kommenden Sommer pausieren und dafür bei den Salzburger Festspielen das Mammutwerk Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss einstudieren. Im Sommer 2012 kehrt er für Der fliegende Holländer wieder auf den Grünen Hügel zurück. Mit den Wiener Philharmonikern stimmt offenbar die Zusammenarbeit, zusammen hat man soeben die komplette Einspielung aller Sinfonien von Ludwig van Beethoven realisiert und plant auch weitere zyklische Aufführungen. Der nächste Komponist soll Robert Schumann sein. Ab der kommenden Saison ist Thielemann dann auch Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden, auf deren neuer Homepage er schon jetzt sehr präsent ist. Der nächste Dresdner Auftritt ist das Silvesterkonzert mit Ausschnitten aus Lehárs Die lustige Witwe, verkörpert durch keine geringere als Renée Fleming! Wenn das nichts ist...

Semperoper hat bundesweit beste Kennzahlen


Nach einer Untersuchung der Zeitschrift Wirtschaftswoche ist die Dresdner Semperoper das wirtschaftlich bestgeführte Haus in Deutschland. Kein anderes Musiktheater erreicht einen Kostendeckungsgrad von mehr als 40 Prozent, die Sächsische Staatsoper sogar 43! Damit einher geht eine sehr hohe Auslastung von weit über 90 Prozent. Als Gegenbeispiel wird die Komische Oper Berlin aufgeführt, die bei einer Auslastung von 63 Prozent nur eine Kostendeckung von 17 Prozent erreicht. Bei den kleineren Häusern steht Dessau mit 11 Prozent an der Spitze, die hinteren Plätze belegen Heidelberg, Rostock und Halle. Die Studie prognostiziert, dass die öffentlichen Zuschüdsse in den nächsten Jahren um zehn Prozent sinken werden und dadurch jedes zehnte Haus in seiner Existenz gefährdet ist. Aktuelle Schließungsdiskussionen aus Wuppertal und Bonn stützen diese These. Grundlage der Untersuchung waren die Zahlen der vergangenen Spielzeit 2009/2010, ob sich die Dresdner Erfolgsgeschichte in der Zukunft fortschreiben wird muss sich noch herausstellen. In der aktuellen Saison kämpft auch die Semperoper mit Auslastungsproblemen, gerade wochentags bleiben viele Sitze leer. Die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler versucht das Programm und damit das Publikum zu verjüngen. Eine dringend notwendige, aber auch eine Mammutaufgabe, weil es gilt, das Haus gleichermaßen für Touristen attraktiv zu halten und für neue Besucherkreise zu öffnen. Das wird ohne gewisse Besuchereinbrüche kaum zu leisten sein.

Samstag, 20. November 2010

Juan Diego Flórez sagt in Baden-Baden ab


Das Festspielhaus Baden-Baden im Absagepech: Gestern abend musste der aus Peru stammende Startenor Juan Diego Flórez seinen Auftritt kurz vor Beginn absagen. Das Konzert fand dennoch statt: Vom Orchester wurden nur die im Konzertprogramm geplanten sinfonischen Stücke gespielt. Bereits vor einigen Wochen wurde bei Elina Garanca genauso verfahren, sie musste kurzfristig absagen und dafür spielte dann nur das Orchester. Die Sängerin kommt dann zu einem Nachholetermin wieder. Ausnahmetenor Flórez ist gerade auf Tournee mit einem Arienprogramm aus Bravourstücken von Bellini, Donizetti und Verdi und Ausschnitten aus seiner neuen CD Santo, Baden-Baden sollte der Auftakt für weitere Konzerte in Frankfurt, Köln, Essen und München sein, die sicherlich stattfinden werden. Über sein vergleichsweise schmales Repertoire sagt der Sänger selten zu hörende Worte (im Gespräch mit dem Portal Der Westen: Man sollte immer das singen, was seiner Stimme entspricht. Nicht zu schwere Rollen, die die Stimme ruinieren. Ich habe meine Nische gefunden, die ich behutsam erweitern werde. Den Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ oder Belmonte in der „Entführung aus dem Serail“ will ich auf jeden Fall bald in der Originalsprache singen. Gute Besserung Herr Flórez und viel Glück auf diesem Weg!

Dienstag, 16. November 2010

Rolando mexikanisch in München


Sein letztes Konzert in der Philharmonie liegt noch nicht so lange zurück, der Eindruck damals war nicht der beste und die zwischenzeitlichen Absagen hatten die Erwartungen auch nicht gerade in die Höhe geschraubt. Aber Rolando Villazón kam und sang und überzeugte, zwar nicht restlos, aber immerhin auch den zugegeben skeptischen Beobachter. Vielleicht ganz klug beraten versucht er sich diesmal an mexikanischen Volksliedern, die ihm sehr vertraut sein dürften, dem Publikum weniger - obwohl erstaunlich viele Landsleute im Saal waren. Das funktioniert von Anfang an erstaunlich gut, nicht zuletzt wegen den beherzt aufspielenden Bolivar Soloists. Die liefern ihm einen immer funktionalen und mitunter wirklich ausgelassenen Klangteppch, den er nach allen Regeln seiner Kunst nutzt. Hier geht es um Entertainment und das Genre des stimmungsvollen Heimatliederabends vor großem Auditorium findet in Rolando seinen Meister! Man muss ihn einfach gern haben, er bietet Sentiment pur und zwar für jeden Anwesenden. Selten war jemand auf einer Bühne so warmherzig und zugleich so verletzlich unterwegs, das ist ganz unverwechselbar er. Alles in allem kein spektakulärer, aber ein schöner und sogar ein gelungener Abend! Über den Sänger Rolando Villazón, einst die Tenorhoffnung dieses Jahrzehnts schweigen wir an dieser Stelle lieber. Es ist und bleibt ein Jammer! Die Stimme hat fast alles von ihrer strahlenden Opulenz eingebüßt, klingt angestrengt und in der Höhe oftmals gepresst. Auch das war zwischendurch extremer, aber der grandiose, mühelose Tenor Rolando ist Vergangenheit. Er nie ein technisch wirklich versierter Sänger, das wird jetzt um so mehr deutlich, wenn seine Stimme solche Verschleißerscheinungen zeigt. Es ist schade und man fragt sich, warum dieser symphatische junge Mann jetzt schon wieder oder immer noch einen solchen Wahnsinns-Weg geht. Von wem wird er beraten? Nach Zwangspausen und Absagen sofort wieder solche großen Tourneen! An Rolando Villazóns gegenwärtigem Zustand zeigt sich die ganze Unerbittlichkeit des heutigen Klassik-Betriebes. Wem nützt das?

Montag, 15. November 2010

Die Passagierin auf 3sat


Es ist die vielleicht verdienstvollste Opernproduktion des laufenden Jahres und auf jeden Fall eine der gelungensten: David Pountney hat zu den Bregenzer Festspielen die nahezu unbekannte Oper Die Passagierin von Mieczyslaw Weinberg nach der gleichnamigen Novelle der polnischen Auschwitz-Überlebenden Zofia Posmysz inszeniert. Publikum und Kritik war voll des Lobes, die Häuser in Warschau und London wollen die Produktion übernehmen und angesichts der komplett angereisten Intendantenriege wird es wohl auch im deutschsprachigen Raum zu weiteren Neuinszenierungen kommen. Aber im Moment ist die Bregenzer Aufführung die Ausgrabung des Jahres und als solche ein Pflichtprogramm für alle Opernfreunde und solche, die sich dafür halten! In tiefster Nachtstunde sendet 3sat den Mitschnitt aus dem Festspielhaus in Bregenz: In der Nacht vom 22.11. auf den 23.11. um 02.05 Uhr! Bitte programmieren Sie Ihren DVD-Recorder, damit Sie an dieser Aufführung teilhaben können!

Mittwoch, 10. November 2010

Die Salzburger Festspiele im Sommer 2011


Der nur für eine Saison amtierende Intendant Markus Hinterhäuser hat das Programm der kommenden Salzburger Sommerfestspiele präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die drei Opernneuproduktionen, die man durchaus als randständig im Repertoire bezeichnen könnte: Christoph Marthaler inszeniert Leoš Janáčeks bisher in Salzburg noch nie gezeigtes Věc Makropulos (Die Sache Makropulos) mit der wunderbaren Angela Denoke als Emilia Marty, Esa-Pekka Salonen dirigiert. Peter Stein bringt zusammen mit Ricardo Muti einen neuen Macbeth heraus, es singen Željko Lučic, Guiseppe Filanoti und Tatjana Serjan. Außerdem gibt es eine Neuinszenierung von Richard Strauss großer Oper Die Frau ohne Schatten in der Regie von Christoph Loy und unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann. Die Sängerbesetzung ist auch hier erlesen: Anne Schwanewilms, Stephen Gould, Evelyn Herlitzius, Michaela Schuster und Wolfgang Koch. Als Zugabe sind außerdem noch zwei leider nur konzertante Aufführungen von Tschaikowskis unterschätztem Einakter Iolanta gekoppelt mit Strawinskys Le Rossignol geplant, starbesetzt mit Anna Netrebko, Julia Novikova und Piotr Beczala. Komplett wiederaufgenommen wird der Mozart-da-Ponte-Zyklus von Claus Guth mit dem Versprechen, daß nicht nur an den Inszenierungen, sondern auch an den Bühnenbildern weiter gearbeitet wird. Nach den eher auf Repräsentation und Oberfläche ausgerichteten Programmen der Flimm-Jahre lassen sich jetzt erstmals wieder dramaturgische Linien erkennen. Auch das Konzertprogramm - selbstverständlich gruppiert um den Jubilar Gustav Mahler - zeugt von stringenter und bewusster Planung. Endlich wieder Festspiele, die den Namen zu recht tragen! Der Kartenvorverkauf beginnt ab sofort über die Homepage der Salzburger Festspiele. Erfreut können wir auch feststellen, dass uns nichts so richtig überrascht hat, denn fast alle Produktionen wurden bereits in unserm Blog angekündigt.

Montag, 8. November 2010

Super Bad Boy Bryn Terfel


Der walisische Bass Bryn Terfel ist mit seinem aktuellen Album Bad Boys auf Tournee, beim gestrigen Konzert in der Münchner Philharmonie überzeugt er auf der ganzen Linie. Er präsentiert sich stimmlich und auch ansonsten in Hochform. Einen solch wandlungsfähigen, charmanten und ausdrucksstarken Sänger muss man lange suchen. Fast das gesamte ausgesuchte Repertoire liegt ihm perfekt in den Stimmbändern und er macht mit ein paar Gesten, ein wenig Kostüm kleine, spannende Minidramen aus jeder Arie. Zum Auftakt überrascht er mit einem witzigen Dulcamare aus Donizettis Liebestrank, später ist er ein düsterer Mephisto sowohl bei Boito, wie auch bei Gounod. Der Mackie-Messer-Song klingt bei ihm so wunderbar aasig, als sei er nur für ihn geschrieben. Stilistische Meisterschaft auch bei den beiden Ausflügen ins angelsächsische Musicalfach. Als Höhepunkt vor die Pause gesetzt war der Scarpia - beeindruckend, aber nicht überwältigend, was vielleicht auch dem etwas indifferenten Chor zuzurechnen ist. Dem Münchner Rundfunkorchester merkt man an, dass es sich auf fremden Terrain bewegt, über bloßes Begleiten reicht das nur selten hinaus. Bei der Auswahl der Orchesterstücke scheint man schlecht beraten zu sein, denn eine Offenbach- oder eine Verdi-Overtüre sollten eigentlich präziser und fehlerlos erklingen. Das konnte allerdings den Gesamteindruck eines großartigen Sonntagnachmittages kaum trüben. Im Mittelpunkt stand mit Bryn Terfel ein wirklicher Ausnahmesänger, ein begnadeter Entertainer mit einer außerordentlichen Stimme und dieser in nichts nachstehenden Bühnenpräsenz. Erstaunlich, dass in der Philharmonie doch einige Plätze frei blieben, war das Gesicht des Bad Boys Terfel doch seit Wochen in ganz München plakatiert. Schade für alle, die ihn versäumt haben!

Sonntag, 7. November 2010

Elina Garanca moderiert ARTE-Lounge


Die lettische Mezzosopranistin präsentiert am 16. November 2010 um 23.40 Uhr zusammen mit dem französischen Moderator Patrice Bouédibéla aus einem Berliner Technoclub eine neue Ausgabe der ARTE-Lounge. Zu den Gästen gehören Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, die Pianistin Lise de la Salle und der Rapper FéFé. Die Sendung wird anlässlich des 20jährigen Jubiläums des deutsch-französischen Kulturkanals ins Programm genommen. Elina Garanca hatte zuletzt mehrere Konzerte ihrer Habanera-Tournee absagen müssen, war auf den verbleibenen Terminen aber vom Publikum bejubelt worden. Die ARTE-Sendung dürfte bereits aufgezeichnet sein, denn zur Zeit steht die Sängerin in New York auf der Bühne und gibt auch am 16.11.2010 die Carmen an der MET.

Peter Schneider an der Komischen Oper Berlin


Kaum ein Dirigent vereint Souveränität, Sängerfreundlichkeit und profunde Werkkenntnis im deutschen Fach so sehr wie Peter Schneider, früher nannte man das ganz wertfrei kapellmeisterliche Tugenden. Seine Interpretationen sind durchhörbar und detailreich, dabei immer spannungsvoll und nie zufällig. Auch der erfahrene Zuhörer kann ihnen viel abgewinnen. Seit Jahrzehnten ist Schneider deshalb eine stabile Größe im Musikbetrieb, ob in München, Dresden oder Wien. In Bayreuth übernahm er 2006 das Tristan-Dirigat in der Marthaler-Inszenierung vom im Premierenjahr grandios gescheiterten Eiji Oue, der inzwischen schon in Vergessenheit geraten ist. Heute abend springt Peter Schneider an der Komischen Oper in Berlin als Dirigent für Die Meistersinger von Nürnberg ein, das dürfte sein spätes Debüt an diesem Haus sein. Die von vielen Seiten hochgelobte Inszenierung stammt vom Hausherrn Andreas Homoki und steht seit Saisonbeginn auf dem Spielplan.

Donnerstag, 4. November 2010

Dirigent Rudolf Barschai gestorben


Der aus Russland stammende Dirigent Rudolf Barschai ist am Dienstagabend im Alter von 86 Jahren in Basel gestorben. Er war seit längerem sehr krank und hatte deshalb auch im September das späte Debüt mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden bei den ersten Internationalen Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch (Sächsische Schweiz) abgesagt. Barschai schrieb mit der vom Komponisten autorisierten Instrumentierung des 8.Streichquartetts von Schostakowitsch für Kammerorchester Musikgeschichte. Seine erfolgreiche Gesamtaufnahme der fünfzehn Sinfonien von Schostakowitsch mit dem WDR-Sinfonieorchester ist bis heute unter Musikfreunden weit verbreitet. Der 1924 geborene Barschai studierte Geige und Bratsche, er erhielt Kompositionsunterricht bei Schostakowitsch und im Jahr 1955 gründete er das Moskauer Kammerorchester. Nach Schostakowitschs Tod emigrierte er in den Westen, leitete das Israeli Chamber Orchestra und andere Klangkörper wie das London Symphony Orchestra und das Royal Philharmonic Orchestra.

Mittwoch, 3. November 2010

René Pape sagt Wotan an der Scala ab


Nach seinem überragenden Erfolg an der New Yorker MET in der Titelrolle von Boris Godunow muss der deutsche Bassbariton René Pape eine Pause einlegen und wird nicht den Walküre-Wotan in der neuen Ring-Produktion der Mailänder Scala singen. Der aus der Ukraine stammende Vitalij Kowaljow übernimmt die Partie. Die Erholungspause solle bis zum Jahresende dauern, Pape hat alle Termine abgesagt. Am 17. April 2011 will er dann sein Rollendebüt als Wotan geben, in der selben Produktion wie in Mailand, die dann an seinem Stammhaus der Staatsoper Berlin herauskommen wird. René Pape, vielleicht der weltbeste Sänger seines Fachs, gilt als sehr vorsichtig bei der Erweiterung seines Repertoires. Vor einigen Jahren war er in Berlin bereits als Hans Sachs angekündigt, hatte die Rolle dann aber doch wieder gestrichen.

Montag, 1. November 2010

Patrice Chéreau bei ARTE


Zwei aktuelle Fernseh-Pflichttermine für Opernfreunde: Der französische Theatermann Patrice Chéreau wird im November von ARTE gleich zweifach gewürdigt. Heute abend zeigt der Kulturkanal den Mitschnitt seiner Janácek-Inszenierung Aus einem Totenhaus. Für die Produktion hatte er nach seinem Bayreuther Ring und der Pariser Lulu zum dritten Mal mit Dirigenten-Legende Pierre Boulez zusammen gearbeitet. Die Aufführung gehört zu den meistgereisten des modernen Opernbetriebes, nach den Premieren in Aix-en-Provence und bei den Wiener Festwochen wurde sie auch in Amsterdam, Mailand und New York gezeigt. Auch die Berliner Staatsoper hat eine Übernahme in des Repertoire des Schiller-Theaters angekündigt, die musikalische Leitung soll dann Sir Simon Rattle übernehmen. Am 15. November um 22.50 Uhr gibt es als Nachschlag ein 75minütiges Porträt des Ausnahmekünstlers Patrice Chéreau unter dem Titel Leidenschaft für den Körper. Warum als Ergänzung nicht auch Teile seines umfangreichen filmischen Schaffens auf den Bildschirm kommen wissen nur die Verantwortlichen des Senders. In den letzten Jahren hatte sich der Regisseur wieder von der Oper weg hin zum Film orientiert, seine letzte Opernarbeit kam mit Tristan und Isolde in Mailand im Dezember 2007 zur Premiere.

LinkWithin

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...