
Am Sonntag eröffnet die
Staatsoper Unter den Linden Berlin ihre erste Saison im Ausweichquartier
Schillertheater. Auf dem Programm steht
Metanoia - Über das Denken hinaus,
die Uraufführung einer Komposition von Jens Joneleit nach einem Libretto von René Pollesch. Die musikalische Leitung hat selbstverständlich
Daniel Barenboim. Die Inszenierung wird aus Respekt für den verstorbenen
Christoph Schlingensief ohne Regisseur, sondern als Gemeinschaftsprojekt aller Beteiligten hergestellt.
ARTE überträgt am Sonntag ab 22.25 Uhr! Zum Ensemble gehört u.a. die Sopranistin
Annette Dasch, die zuletzt in Bayreuth als umstrittene Elsa auf der Bühne stand. Auf dem Bild oben ist sie zusammen mit dem Staatsopernchor zu sehen, der sich in hautengen Bodies präsentiert, das dürfte bei den Damen und Herren einige Überzueugungsarbeit gekostet haben. Die neue Saison an der Staatsoper ist auch die erste von Neuintendant
Jürgen Flimm, der sich in der vergangenen Woche
recht nebelhaft zum Profil des Hauses geäußert hat. Er nennt mit
Andrea Breth,
Claus Guth,
Falk Richter,
Philipp Stölzl,
Krzysztof Warlikowski,
Nicolas Stemann,
Achim Freyer und
Dmitri Tcherniakov eine illustre Schar an Regisseursnamen, aus denen sich aber eine Linie kaum ablesen lässt. Außer bei den beiden letztgenannten scheint keine zwingende Verbindung zur Staatsoper auf, eher handelt es sich wohl um einen Auszug aus dem privaten Telefonbuch des Intendanten. Auch zum Thema Berliner Opernlandschaft und der immer noch andauernden Dubletten-Diskussion reichen
Flimms Einlassungen kaum über Allgemeinplätze hinaus. Im
Stammhaus Unter den Linden konnte man sich des Interesses der Hauptstadt-Touristen gewiss sein (und hat den Spielplan darauf abgestellt), das dürfte sich im Schillertheater in Grenzen halten. Eine Idee, wie mit dieser Situation umgegangen werden soll, ist im Moment noch nicht sichtbar. In Charlottenburg soll offenbar alles so weiter gehen, wie es in Mitte mehr oder weniger erfolgreich lief. Wenn eine Premiere funktioniert, schön - wenn nicht, auch nicht schlimm. Und zwischendurch dröge Repertoirekunst. Die Aussichten für die Staatsoper sind also eher ernüchternd und das in einem Moment, in welchem die beiden anderen Berliner Häuser konzeptionell aufgestockt haben.
Kirsten Harms hat an der
Deutschen Oper gleich gegenüber dem Schillertheater ihre bisher beste Saison geplant (das ist wirklich
Große Oper), das Programm ihres Nachfolger
Dietmar Schwarz an der Oper Basel wurde gerade zum zweiten Mal in Folge als Opernhaus des Jahres ausgezeichnet. Und an der Komischen Oper wird es mit dem avancierten Künstler-Theater von
Barrie Kosky demnächst auch mehr kantiges Profil geben. Ob es für die Staatsoper ausreicht, sich dazwischen mit ein paar Namen und
Daniel Barenboim an der Spitze zu profilieren, das darf doch stark bezweifelt werden. Macher-Qualitäten in allen Ehren, aber ohne Konzept ist eine Oper im 21. Jahrhundert nur schwer zu führen, gerade wenn sie wie in (der Hauptstadt der Schiedsrichter) Berlin unter heftigster Beobachtung von Presse und Fach-Öffentlichkeit steht!