Donnerstag, 28. Oktober 2010

Thomas Hengelbrock legt Premiere zurück


An der Oper Zürich hat Thomas Hengelbrock das Dirigat der Neuproduktion von Guillaume Tell zurück gelegt, es übernimmt der Rossini-Spezialist Gianluigi Guilmetti. In einer Medienaussendung des Opernhauses wird von Mißverständnissen gesprochen: Er dachte, er habe beim Orchester eine Werkbesetzung (immer dieselben Musiker), während die Produktion in dem für Ensemble- und Repertoiretheater üblichen Wechselsystem (sich abwechselnde Musiker) einstudiert wird. Kennt Thomas Hengelbrock das deutsche Stadttheatersystem nicht oder dessen Zürcher Besonderheiten? Wer weiß? Nach dem Rückzug von Waltraut Meier als Isolde vor wenigen Wochen muss die Oper Zürich damit bereits die zweite zentrale Absage in dieser Saison verkraften. Bleibt zu hoffen, dass die Bayreuther Festspiele auch schon vom Wechselsystem auf das Werksystem umgestellt haben, denn dort soll der Dirigent im kommenden Sommer die Eröffnungspremiere Tannhäuser dirigieren.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Michael Sanderling neuer Chefdirigent in Dresden


Die Dresdner Philharmonie bekommt einen neuen Chefdirigenten und verjüngt sich damit auf dieser Position um mehr als eine Generation. Auf Rafael Frühbeck de Burgos (77) folgt mit Beginn der Saison 2011/12 Michael Sanderling (43). Als Sohn des legendären Dirigenten Kurt Sanderling kam er früh in Berührung mit klassischer Musik, reüssierte als Cellist und konnte inzwischen auch große Erfolge als Dirigent mit renommierten Ensembles feiern. In Dresden erwarten ihn große Aufgaben. Die Spielstätte des städtischen Orchesters - der Kulturpalast - soll zu einem modernen Konzertsaal umgebaut werden, über die Umbauzeit gilt es das Publikum zu halten und neues, vor allem junges hinzuzugewinnen. Mit der Sächsischen Staatskapelle demnächst unter Christian Thielemann gibt es in der Landeshauptstadt direkte hochkarätige Konkurrenz. Es gab Zeiten, in welchen die Dresdner Philharmoniker besser positioniert waren, in der Stadt und darüber hinaus, daran gilt es anzuknüpfen. Unter dem jetzigen Chef sanken Bedeutung und Wahrnehmung des Orchester immer mehr. Zu unrecht, wie jeder bestätigen wird, der es regelmäßig gehört hat.

Montag, 25. Oktober 2010

Mittelkürzungen bei Leipziger Kultur


Mehr als 6000 Büger haben bereits eine Petition gegen die Novellierung des Sächsichen Kulturraumgesetzes unnterschrieben. Würde diese wie geplant umgesetzt hätte das drastische Mittelkürzungen u.a. für die Oper Leipzig zur Folge, welche im Gegensatz zur Dresdner Semperoper nicht vom Land, sondern von der Stadt Leipzig und den umliegenden Gemeinden unterhalten wird. Das geforderte Einsparvolumen von mehr als 1 Million Euro wäre nur durch einen wesentliche Verkürzung der Spielsaison und einen Streichung von mehreren Produktionen zu erreichen.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Renée Fleming ab heute in Münchnen


Die amerikanische Star-Sopranistin tritt heute wieder einmal mit ihrem bevorzugten Dirigenten Christian Thielemann auf. In der Münchner Philharmonie singt sie die Rückert-Lieder von Gustav Mahler. Außerdem erklingt das Nachtstück aus Schrekers Der ferne Klang und die IV.Sinfonie von Brahms. Weiter steht das Programm noch am Freitag und Sonntag auf dem Plan und geht dann noch nach Brüssel und Amsterdam auf Tournee. Noch in diesem Monat erscheint eine weitere Crossover-Veröffentlichung mit Renée Fleming, auf der neuen Produktion des Jazz-Bassisten Charlie Haden unter dem Titel Sophisticated Ladies ist sie in illustrer Runde zu hören: Nora Jonas, Diana Krall, Melody Gardot, Cassandra Wilson. Im Sommer hatte Fleming bereits mit dem erstaunlich gelungenen Pop-Album Dark Hope über Fachkreise hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Ein totes Reh


Am Sonnabend gibt es in der Bayerischen Staatsoper die erste Premiere der Saison, es steht Rusalka von Antonin Dvorák auf dem Programm. Wie eine Münchner Boulevard-Zeitung meldet wird in jeder Vorstellung ein totes Reh enthäutet. Für Kenner: Das geschieht zu Beginn des zweiten Aktes. Die Inszenierung stammt von Martin Kušej, deswegen wird das Tier nicht der einzige Aufreger bleiben. Im Vorfeld gab es bereits eine wesentliche Umbesetzung - die ursprünglich für die Titelpartie vorgesehene Nina Stemme zog sich aus der Produktion zurück und wurde durch die lettische Sopranistin Kristine Opolais ersetzt.

Samstag, 16. Oktober 2010

Editas letzte Traviata


Sie hat die Rolle viele Jahre nicht gesungen, niemand würde wohl auch auf die Idee kommen, sie heute noch als Violetta in La Traviata zu besetzen. Aber Edita Gruberova ist längst die Einzige in ihrer eigenen Liga, Aufführungen werden für sie auf den Spielplan gesetzt. Das aktuelle Belcanto-Repertoire nicht nur in München, Wien, Zürich und Barcelona - den Stammhäusern der Diva - sähe vermutlich anders aus, würde sie sich nich seit mehr als zwei Jahrzehnten um die fast vergessenen Werke bemühen. Umjubelt ihre konzertante Lucrezia Borgia gerade an der Wiener Staatsoper, im Theatermuseum der Stadt wird sie zum 40järhigen Hausjubläum geehrt. In München, wo sie ihre Auftritte an der Staatsoper offenbar reduziert, plant sie für Anfang Dezember noch einmal zwei Auftritte in der Titelrolle von La Traviata in einer konzertanten Version in der Philharmonie im Gasteig (11./17. Dezember 2010 - die Karten werden bereits knapp). An ihrer Seite gibt der ebenfalls aus der Slowakai stammende Tenor Pavol Breslik sein Rollendebüt als Alfredo, auf unserem Foto ist er zusammen mit der Gruberova in Lucrezia Borgia an der Bayerischen Staatsoper zu sehen. Ebenfalls ein Münchner Publikumsliebling und langjähriger Bühnenpartner der Sopranistin ist Paolo Gavanelli, der als Giorgio Germont auftreten wird. Die musikalische Leitung hat Verdi-Spezialist Marco Armiliato übernommen. Auf jeden Fall steht damit eine Höhepunkt der gerade Fahrt aufnehmenden Münchner Musiksaison bereits fest. Die komplette Produktion wird am 21.12.2010 auch noch einmal im Musikverein Wien aufgeführt.

Samstag, 9. Oktober 2010

Wann kommt der neue Chef in München?


Münchens neuer Musikchef Kirill Petrenko soll seine erste Premiere in dieser Position am 21. November 2013 dirigieren - das ist der 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Nationaltheaters. Über das Werk hüllt man sich noch in Schweigen, aber es kommen eigentlich nur zwei in Frage: Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg und Richard Strauss Die Frau ohne Schatten. Der Strauss war damals die tatsächlich erste Vorstellung im neuerstandenen Haus, aber nur für einen geladenen Personenkreis, der Wagner dann die erste wirklich öffentliche Vorstellung zwei Tage später - dirigiert übrigens vom damaligen GMD Joseph Keilberth. Die beiden Werke, absolute Chefstücke, fehlen derzeit im Repertoire der Bayerischen Staatsoper und dürften zu Petrenkos Favoriten gehören, ist er nicht zuletzt dafür angetreten, die Münchner Hausgötter Mozart, Wagner und Strauss wieder auf Hochglanz zu bringen. Das wird ihm gelingen, hat er doch mit allen dreien bereits bemerkenswerte Erfolge gefeiert, nicht nur in Wien und Berlin. Seine nächsten Vorstellungen in München wird Petrenko bereits im kommenden Mai dirigieren, er übernimmt eine Tosca-Serie an der Staatsoper. Probleme dürfte es aber noch mit dem Bayreuth-Engagement von Petrenko geben, dort soll er ja ab 2013 den neuen Ring dirigieren. Damit würde er für einige Jahre bei den wichtigen Münchner Opernfestspielen als Dirigent ausfallen. Die entsprechenden Nachfragen werden ausweichend beantwortet, aus Bayreuth ist in der letzten Zeit überhaupt nichts zu hören gewesen. Die Süddeutsche Zeitung hat in dieser Woche bereits spekuliert, dass Intendant Bachler den noch amtierenden GMD Kent Nagano aus dem für 2012 geplanten Ring in München herausdrängen könnte um so Petrenko vorfristig zu installieren. Bayreuth hätte dann das Nachsehen. Da es immer wieder auch Gerüchte um einen vorfristigen Abgang Naganos gegeben hatte wäre eine solche Lösung durchaus vorstellbar. Auch wenn sich mit der Ernennung Petrenkos für viele die Hoffnung verbindet, dass die Münchner Musikszene wieder in ruhigeres Fahrwasser kommt, stehen wohl noch einige überraschende Entwicklungen ins Haus.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Jonas Kaufmann sagt Liederabend in Berlin ab


Wegen einer fiebrigen Erkältung musste Startenor Jonas Kaufmann seinen für heute abend im Berliner Schillertheater geplanten Liederabend absagen. Am Klavier begleiten sollte ihn kein geringerer als Daniel Barenboim. Ein Ersatztermin wird noch gesucht. Zwischenzeitlich hatte die Staatsoper als Ersatzprogramm einen Soloauftritt Daniel Barenboims mit zwei Stücken von Franz Schubert angekündigt, diese Planungen aber im Laufe des Tages wieder zurück gezogen. Sicher mit guten Gründen. In der vergangenen Woche hatte Kaufmann zwei bejubelte Auftritte an der Seite von Angela Gheorghiu in der Deutschen Oper Berlin nur wenige Fußminuten entfernt vom Schillertheater. Der Tenor wird aber immer öfter Opfer seines Erfolges und seines vollen Terminkalenders, er hatte im Sommer zwei Vorstellungen des Lohengrin in Bayreuth und einen Liederabend in Salzburg abgesagt.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Fabio Luisi oder Kirill Petrenko


In München wird heute die momentan wichtigste Kulturpersonalie der bayerischen Landeshauptstadt bekanntgegeben: die Nachfolge für GMD Kent Nagano, der seinen Vertrag über 2013 hinaus nicht mehr verlängert hatte. Nachdem anfangs auch einige andere Kandidaten im Gespräch waren hat sich die Diskussion nun auf zwei Namen konzentriert: Fabio Luisi und Kirill Petrenko. Beider Repertoire ist kompatibel zur Bayersichen Staatsoper und den spezifischen Münchner Anforderungen. Petrenko scheint aber nicht nur musikalisch die bessere Wahl zu sein, gerade nach Luisis unrühmlichem Abgang in Dresden Anfang diesen Jahres. Andererseits ist Petrenko in Bayreuth für den neuen Ring gebunden, was sich schwer mit Münchner Opernfestspiel-Plänen in Einklang bringen ließe. Sein Rückzug dort wäre ein schwerer Rückschlag für die Wagner-Schwestern. Luisi ist der bewährte Routinier, zuletzt waren seine Dirigate aber auch glanzlos und ohne Rafinesse. Das war über Petrenko nie zu berichten! Wer auch immer es wird, er wäre ein Musikdirektor von Intendant Bachlers Gnaden. Das mag man kritisieren, besser als der gegenwärtige Zustand ist das auf jeden Fall.

Dienstag, 5. Oktober 2010

Waltraud Meier steigt in Zürich als Isolde aus


Überraschend kommt aus Zürich die Meldung, das Waltraud Meier aus der Wiederaufnahme von Tristan und Isolde ausgestiegen ist. In einer Aussendung des Opernhauses ist von der Unvereinbarkeit der musikalischen Standpunkte von ihr und dem Dirigenten Bernard Haitink die Rede. Das verwundert den entfernten Beobachter, ist Maestro Haitink doch mittlerweile ein Künstler mit der Gelassenheit einens langen Menschen- und Künstlerlebens und Frau Meier in der Rolle der Isolde wirklich anerkannt und zu Hause (unser Bild zeigt sie im Liebestod der Barenboim/Chereau-Produktion aus Mailand). Wer weiß, worin die tatsächlichen Gründe liegen. Die Isolde übernimmt jetzt Barbara Schneider-Hofstetter, eine gute, aber nicht die erste Wahl. Die Zürcher Tristan-Inszenierung stammt von Claus Guth und steht noch nicht so lange im Repertoire des Hauses.

edit 1
Die Sängerin Waltraud Meier hat auf ihrer Homepage eine Stellungnahme zur Absage in Zürich abgegeben: Waltraud Meier hat sich vergeblich bemüht, ein Einvernehmen mit dem Dirigenten Herrn Haitink zu erzielen. Sie bedauert diese Entwicklung sehr, besonders auch im Hinblick auf ihr Publikum, dem sie sehr gerne ihre 'Isolde' in Zürich präsentiert hätte. Sie möchte aber betonen, dass dies alles nichts mit ihrer Beziehung zum Züricher Opernhaus zu tun hat und die Direktion sich derzeit bemüht, neue Termine zu finden um Frau Meier bald möglichst nach Zürich zurück zu bringen.

edit2
Wie Schweizer Medien berichten kam es in der ersten Tristan-Vorstellung bereits beim Auftritt von Maestreo Haitink zu Buhrufen, die sich beim Abschluss-Applaus fortgesetzt haben. Offenbar wollte das Publikum seiner Enttäuschung über die Absage Ausdruck verleihen. Peter Seiffert soll übrigens einen ganz guten Tristan gesungen haben...

Sonntag, 3. Oktober 2010

Buhs für Rolando in Milano


Während hierzulande die Promotion für seine Herbsttournee zur neuen CD Mexico auf vollen Touren läuft singt Rolando Villazon auch wieder Oper. An der Mailänder Scala steht er seit vorgestern für einige Vorstellungen als Nemorino auf der Bühne, eine Rolle die er früher mit Bravour verkörpert hat und die er inzwischen wieder regelmäßig singt oder wie zuletzt in München absagt. Die Neuproduktion von L'eilisr d'amore wurde vom französischen Regisseur Laurent Pelly in Szene gesetzt. Villazons Bühnenpartnerin ist Nino Machaidze. Offenbar ist es beiden nicht gelungen zu überzeugen, denn aus der Premiere wird von zahlreichen Buh-Rufen berichtet. Aber er singt, zwar nicht mehr so großartig wie früher, aber für viele Rolando-Fans ist das schon mehr als genug.

Letzte Saison in München


Noch ein Jahr dirigiert Christian Thielemann die Münchner Philharmoniker, ehe er zur Dresdener Staatskapelle wechselt. Vor einem Jahr nahm dieses Thema breiten Raum im deutschen Feuilleton ein. Zwei besondere Programme sind im Oktober in München geplant: Auftakt wird Mahlers berühmte und monumentale Achte Sinfonie am 15./17.10. sein. Eine Woche später ist die amerikanische Sopranistin Renée Fleming mit Mahler-Liedern zu erleben, sinfonisch umrahmt von Brahms und Schreker. Karten dürften für diese Konzerte kaum noch zu bekommen sein. Frau Fleming bleibt dem Maestro übrigens treu, zu Silvester führen sie beide Die lustige Witwe auf, in der Dresdner Semperoper!

Samstag, 2. Oktober 2010

Elina Garanca sagt ab, Orchester spielt trotzdem


In München und Hamburg wurde sie umjubelt, in Baden-Baden musste sie passen: Elina Garanca hat ihr gestriges Konzert im Festspielhaus abgesagt, wie bereits auch die ersten beiden Termine ihrer Tournee in Riga und Basel. Als (kostenloser) Ersatz sprang Ehemann Karel Mark Chichon mit dem Lettischen Nationalorchester in die Bresche, was beim teilweise von weither angereisten Publikum für große Zustimmung sorgte. Das Programm bestand im Wesentlichen aus den Orchesterstücken des Tourneereptertoires (Marquez, Bizet, Ravel) mit ein paar sinnfälligen Ergänzungen (Verdi, Mascagni, Rimski-Korsakow). Eine absonderliche Zusammenstellung ohne ein wirkliches Zentrum, aber darum ging es in dem Fall ja wirklich nicht. Die Musiker schlagen sich achtbar, das ist alles sicher nicht das Stammrepertoire. Gleichwohl hätte man sich ein differenzierters Klangbild hin und wieder gewünscht. Das vermeintlich Leichte ist eben so schwer zu produzieren! Einen Ersatztermin für Elina Garanca gibt es auch schon: 04.03.2011 - insofern wird alles gut. Es spricht für die Sängerin, dass sie absagt, ihre wunderbare Stimme ist viel zu wertvoll um irgendwie in Gefahr gebracht zu werden und es spricht für das Festspielhaus, dass es eine so kurzfristige, wie souveräne Lösung anbietet.

Quo vadis Staatsoper


Am Sonntag eröffnet die Staatsoper Unter den Linden Berlin ihre erste Saison im Ausweichquartier Schillertheater. Auf dem Programm steht Metanoia - Über das Denken hinaus, die Uraufführung einer Komposition von Jens Joneleit nach einem Libretto von René Pollesch. Die musikalische Leitung hat selbstverständlich Daniel Barenboim. Die Inszenierung wird aus Respekt für den verstorbenen Christoph Schlingensief ohne Regisseur, sondern als Gemeinschaftsprojekt aller Beteiligten hergestellt. ARTE überträgt am Sonntag ab 22.25 Uhr! Zum Ensemble gehört u.a. die Sopranistin Annette Dasch, die zuletzt in Bayreuth als umstrittene Elsa auf der Bühne stand. Auf dem Bild oben ist sie zusammen mit dem Staatsopernchor zu sehen, der sich in hautengen Bodies präsentiert, das dürfte bei den Damen und Herren einige Überzueugungsarbeit gekostet haben. Die neue Saison an der Staatsoper ist auch die erste von Neuintendant Jürgen Flimm, der sich in der vergangenen Woche recht nebelhaft zum Profil des Hauses geäußert hat. Er nennt mit Andrea Breth, Claus Guth, Falk Richter, Philipp Stölzl, Krzysztof Warlikowski, Nicolas Stemann, Achim Freyer und Dmitri Tcherniakov eine illustre Schar an Regisseursnamen, aus denen sich aber eine Linie kaum ablesen lässt. Außer bei den beiden letztgenannten scheint keine zwingende Verbindung zur Staatsoper auf, eher handelt es sich wohl um einen Auszug aus dem privaten Telefonbuch des Intendanten. Auch zum Thema Berliner Opernlandschaft und der immer noch andauernden Dubletten-Diskussion reichen Flimms Einlassungen kaum über Allgemeinplätze hinaus. Im Stammhaus Unter den Linden konnte man sich des Interesses der Hauptstadt-Touristen gewiss sein (und hat den Spielplan darauf abgestellt), das dürfte sich im Schillertheater in Grenzen halten. Eine Idee, wie mit dieser Situation umgegangen werden soll, ist im Moment noch nicht sichtbar. In Charlottenburg soll offenbar alles so weiter gehen, wie es in Mitte mehr oder weniger erfolgreich lief. Wenn eine Premiere funktioniert, schön - wenn nicht, auch nicht schlimm. Und zwischendurch dröge Repertoirekunst. Die Aussichten für die Staatsoper sind also eher ernüchternd und das in einem Moment, in welchem die beiden anderen Berliner Häuser konzeptionell aufgestockt haben. Kirsten Harms hat an der Deutschen Oper gleich gegenüber dem Schillertheater ihre bisher beste Saison geplant (das ist wirklich Große Oper), das Programm ihres Nachfolger Dietmar Schwarz an der Oper Basel wurde gerade zum zweiten Mal in Folge als Opernhaus des Jahres ausgezeichnet. Und an der Komischen Oper wird es mit dem avancierten Künstler-Theater von Barrie Kosky demnächst auch mehr kantiges Profil geben. Ob es für die Staatsoper ausreicht, sich dazwischen mit ein paar Namen und Daniel Barenboim an der Spitze zu profilieren, das darf doch stark bezweifelt werden. Macher-Qualitäten in allen Ehren, aber ohne Konzept ist eine Oper im 21. Jahrhundert nur schwer zu führen, gerade wenn sie wie in (der Hauptstadt der Schiedsrichter) Berlin unter heftigster Beobachtung von Presse und Fach-Öffentlichkeit steht!

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