Donnerstag, 30. September 2010

Daphne kehrt zurück an die Semperoper


Nach einem von eher sehr durchschnittlichen Repertoireauffürungen geprägten Saisonauftakt gibt es jetzt an der Dresdner Semperoper die erste Neuinszenierung in der Intendanz von Dr. Ulrike Hessler. Die Entscheidung fiel auf Hausgott Richard Strauss selten gespieltes Spätwerk Daphne - 1938 am gleichen Ort uraufgeführt unter der musikalischen Leitung des legendären Karl Böhm, dem Strauss seine Oper auch gewidmet hat. Das Werk firmiert als bukolische Tragödie in einem Aufzug und variiert nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Oper den griechischen Mythos der Nymphe Daphne die zum Schutz vor den Nachstellungen Apolls in einen Lorbeerbaum verwandelt wird. Das Ganze wurde von Strauss und seinem Librettisten Joseph Gregor noch mehr ins Menschliche gewendet, noch einen Schritt weiter geht jetzt der Regisseur der Neuinszenierung Torsten Fischer. Er siedelt die Handlung in der Entstehungszeit des Werkes an (das ist für die Strausschen Spätwerke ein bewährtes Mittel) und erzählt die Geschichte der hingerichteten Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Fischer ist eher als gemäßigter Inszenator bekannt und so sind die Erwartungen hoch, dass ihm eine spannende und schlüssige Interpretation des Werkes gelingt. Über allen Zweifel erhaben ist die Besetzung. Einmal mehr in einer Hauptrolle an der Semperoper zu erleben ist Camilla Nylund, inzwischen zu einer der wichtigsten Strauss-Sängerinnen geworden. An ihrer Seite ein hervorragendes Ensemble mit Christa Mayer, Robert Dean Smith, Georg Zeppenfeld und einigen anderen. Das Dirigat übernimmt als Dresden-Debüt die Nachwuchshoffnung Omer Meir Wellber. Wenn alles gelingt hat die Semperoper einen wichtigen Neuzugang im Strauss-Repertoire und die Neuintendantin einen Einstand nach Maß!

Montag, 27. September 2010

Elina Garanca heute auf ARTE


Um 22.50 Uhr zeigt ARTE unter dem Titel: Eine Sängerin, natürlich! ein Porträt der lettischen Sängerin, die mit ihrer Habanera-CD gerade auf Tournee ist. In dem Porträt von Claire Alby erzählt die Sängerin von ihrem steilen Weg an die Weltspitze, der in Riga begann, wo sie erste Theatererfahrung sammelte. Zu erleben ist sie mit Arien aus dem Rosenkavalier, der Hochzeit des Figaro und La Clemenza di Tito. Noch für eine Woche kann auch ihr umjubelte Auftritt beim letzten Weihnachtskonzert aus Amsterdam abgerufen werden: Elina Garanca singt Mozart, Bizet und Chapí. Unter der Leitung von Mariss Jansons spielt das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam.

Freitag, 24. September 2010

Die Carmen aus Riga


Die ersten beiden Konzerte auf der Herbst-Tournee zum neuen Album Habanera in Riga und Basel musste sie absagen, jetzt ist sie aber auf Tournee, die sie in den nächsten Tagen nach Düsseldorf, Baden-Baden, Hamburg, Frankfurt, München und Paris führen wird. Elīna Garanča ist ohne Zweifel inzwischen der bekannteste und erfolgreichste Mezzosopran hierzulande. Sie hat es mit Klugheit geschafft ihre noch gar nicht so lange dauernde Karriere geschickt zwischen Oper, Medien und Event auszubalancieren und präsentiert sich bei individueller Rollenwahl (von Rossini über Strauss bis zur spanischen Zarzuela) stets stimmlich in Topform. Immer öfter im Orchestergraben ist ihr Ehemann zu finden, der Dirigent Karel Mark Chichon. Als im Frühjahr in der Wiener Star-Carmen zum Abschied von Direktor Hollender der Dirigent Mariss Jansons durch ihrer beider Landsmann Andris Nelsons ersetzt wurde sagte die Diva ab. Gerüchten zufolge wollte sie lieber ihrem Gatten im Orchestergraben sehen, was für ihn ein schöner Karrieresprung gewesen wäre. Direktor Hollender war not amused und hielt damit auch nicht hinterm Berg. Auch dass sie zuletzt immer öfter die Carmen singt wird ihr von manchen angekreidet, sie hätte mit ihrer baltischen Herkunft nicht die notwendige iberische Glut um die Rolle glaubhaft zu verkörpern. Wer das behauptet hat Elīna Garanča noch nie auf der Bühne erlebt. Es gibt wenige Sängerinnen, die es schaffen die musikalischen und die spielerischen Seiten einer Figur so gelungen in Einklang zu bringen. Gerade auch die Carmen, die ja eine durchaus widersprüchliche Figur ist, aber das interessiert ja nicht so oft...

Dienstag, 21. September 2010

Jonas Kaufmann macht in Verismo


Jonas Kaufmann ist der Tenor der Stunde - jetzt gibt es auch noch das Album zur Medien- und Bühnendauerpräsenz: Verismo. Im Sommer noch Cavaradossi und Lohengrin - tief greift er jetzt ins italienische Kerngebiet der Oper, nicht immer ganz glücklich. Seine permanenten Wechsel zwischen dem deutschen, französischen und italienischen Repertoire werden dem Tenor immer wieder zum Vorwuf gemacht. Zu recht! Das vorliegende Album zeigt, dass er ein sicherer und stimmschöner, aber in manchen Dingen doch kein großartiger Sänger ist. Die eher leisen Töne stehen ihm nicht in dem nötigen Maß zu Gebote um auch mit diesen Stücken zu punkten. Wenig begeistert äußert sich auch der Kritiker der WELT: Während die Schwergewichte großartig geraten, mit vollem Volumen und Gusto, schleichen sich vor allem in den lyrischeren Arien seltsam gaumige Töne, heißere Phrasen und merkwürdig flaue Bögen ein. Hier schlägt der Wille zu Gestaltung in Manieriertheit um. Bei einem weniger berühmten Sänger würde man das nicht akzeptieren. Eine Aufnahme, die manche Wünsche offen lässt, von der man aber auch nicht so richtig abraten kann. In der Münchner Abendzeitung erklärt der Sänger nun auch, warum er im kommenden Jahr nicht nach Bayreuth zurück kehrt, wo er in diesem Sommer als Lohengrin debütiert hatte. Der Grund heißt einmal mehr Angela Gheorghiu, mit ihr und Bryn Terfel zusammen steht er in London in Tosca auf der Bühne, das ging sich wohl probenmäßig nicht anders aus. Seine aktuell nächste Rolle ist die des Maurizio in Adriana Lecouvreur welche er ebenfalls an der Seite von Angela Gheorghiu an der Deutschen Oper Berlin (zwei konzertante Vorstellungen Anfang Oktober) und dann später im Jahr in London singen wird. Als Bayreuther Lohengrin wird er im nächsten Jahr von Klaus Florian Vogt abgelöst, der in diesem Jahr bereits am Grünen Hügel für Kaufmann eingesprungen war. Von den geplanten sechs Vorstellungen hatte der nur vier gesugen.

Samstag, 18. September 2010

Noch eine neue Homepage


Auch die Bayerische Staatsoper in München hat zum Saisonauftakt ihre Präsenz im Internet neu gestaltet. Im Wesentlichen ist die Aufteilung der Inhalte geblieben wie bisher. Die repräsentative Startseite fehlt und bei der Navigation gib es noch ein paar kleine Ungereimtheiten. An manchen Stellen blinkt es jetzt (ein Kartenlink auf eine quasi ausverkaufte Zauberflöten-Vortstellung?), gewöhnunsbedürftig ist der senkrecht sortierte Button für den Spielplan. Das alte Logo soll offenbar nicht mehr zum Einsatz kommen, es ist jedenfalls nicht mehr zu finden. Insgesamt fällt es schwer, das Ergebnis besser als den voherigen Zustand zu finden. Dafür wirkt alles irgendwie zu billig und zu gewollt. Aber zumindest die Funktionalität der Seite bleibt gewährleistet. Das ist inzwischen auch nicht mehr selbstverständlich. Wir hatten vor einigen Tagen berichtet, wie der Relaunch der Homepage an der Dresdner Semperoper gründlich schief gelaufen ist.

Donnerstag, 16. September 2010

Und wieder Rigoletto


Nachdem sich die Wogen über die Rigoletto-Aufführung aus Mantua mit Placido Domingo wieder gelegt haben, kündigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Form von arte die Übertragung einer weiteren Rigoletto-Aufführung an. Wozu Absprachen, wenn es Gebührengelder regent! Am 02.10. um 20.40 Uhr wird das Stück aus dem Teatro La Fenice (unsere Abb.) in Venedig übertragen. Diesmal in einer richtigen Operninszenierung, die von Daniele Abbado stammt, dem Sohn von Claudio Abbado, die musikalische Leitung hat Myung-Whun Chung. Am gleichen Ort wurde der Rigoletto immerhin uraufgeführt - am 11. März 1851. Die Titelrolle singt Roberto Frontali, den Herzog Eric Cutler und die Gilda Désirée Rancatore.

Dienstag, 14. September 2010

Neue Rusalka in München


Noch hat die neue Saison noch nicht begonnen, aber die Bayerische Staatsoper hat eine erste wesentliche Umbesetzung angekündigt: Nina Stemme hat die Titelrolle in Rusalka zurück gelegt. Sehr ausführlich gerät die entsprechende Ankündigung auf der Homepage: Frau Stemme sieht sich aufgrund ihrer stimmlichen Weiterentwicklung seit Unterschrift des Vertrages leider nicht mehr in der Lage, Repertoire wie Rusalka zu singen, was sie sehr bedauert. Übernommen wird die Partie nun von der jungen lettischen Sopranistin Kristine Opolais, die bereits auf eine bemerkenswerte Karriere zurück blicken kann. An der Staatsoper Unter den Linden debütierte sie 2006 als Tosca und sang seitdem an vielen ersten Häusern. In der Prokofjew-Premiere von Der Spieler an der Lindenoper gastierte sie unter Daniel Barenboim und Dimitri Tscherniakow als Polina (siehe unser Foto). Nicht nur die FAZ war damals beeidruckt: Kristine Opolais spielt die Polina als kühle Blondine in schwarzem Trenchcoat und trifft mit ihrem klaren Sopran alle Nuancen der Partie zwischen Arroganz, Sehnsucht und Hysterie auf das genaueste. Mit der Rusalka gibt Kristine Opolais ihr Debüt in München, Premiere ist am 23. Oktober 2010, Regie führt Martin Kusej und in weiteren Rollen sind u.a. Klaus Florian Vogt, Nadia Krasteva und Günther Groissböck zu erleben.

Montag, 13. September 2010

Umstrittenes Redesign bei der Semperoper


Es ist inzwischen üblich geworden, dass mit dem Neustart einer Intendanz das gesamte grafische Erscheinungsbild des Opernhauses geändert wird, neudeutsch nennt man das relaunch. Über die Ursachen dieser Entwicklung kann man nur spekulieren, sicher liegt es auch daran, dass man andere Neuerungen nur sehr langwierig durchsetzten kann, aber heute gezwungen ist, schnell und wirkungsvoll Farbe zu bekennen. Bei der Dresdner Semperoper, die seit dieser Saison von Dr. Ulrike Hessler geleitet wird, schaut man mit besonderer Aufmerksamkeit hin, war die Neu-Intendantin doch zuvor für die Kommunikation der Bayerischen Staatsoper zuständig und dieser Bereich überzeugte in München immer auf den ersten und den zweiten Blick. Nach den ersten Wochen muss man allerdings bilanzieren, dass hier einiges falsch gelaufen ist und es ein paar dringender Korrekturen bedarf! Das neue Logo (oben im Bild) soll die stilisierte Semperoper und zugleich ein grafisches Schlüsselloch darstellen, durch welches Einblicke - wohin auch immer - gewährt werden. So weit, so schlecht. Man will sich ja selbst in Dresden gern auch mal an neue Dinge zu gewöhnen, aber gut müssen sie schon sein. Und das Neue besser als das Alte! In diesem Fall ist das nicht so, vielmehr muss hier wirklich etwas vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Es passt hier nichts richtig zusammen, alles wirkt ausgedacht und unpraktisch. Richtig schwierig wird es mit der Homepage der Semperoper. Diese wurde komplett neugestaltet und das Ergebnis ist ernüchternd. Mit der Oper an sich hat das nur noch noch sehr wenig zu tun, die Gestaltung erinnert irgendwie an die ersten Versuche im www vor mehr als einem Jahrzehnt. Schwere gestalterische Schnitzer gehen mit optischen Unzulänglichkeiten einher. Eine Times-Schrift in verschiedenen Farben ist ebenso problematisch, wie die unübersichtliche Navigation und das eigentümliche Verhältnis von Text und Bildern. Zwischendurch vagabundiert die neue Bildmarke, mal farbig, mal mit Fotos unterlegt. Auch die Idee der vielen Weißflächen ist ja ganz interessant, aber in diesem Fall sorgt diese Aufgeräumtheit dafür, dass sich die Inhalte verlieren und jegliche Prioritäten verloren gehen. Undiskutabel auch solche Details, wie das Fehlen einer englischen Version und einer Rubrik für Änderungen und Umbesetztungen. Vieles fehlt vollkommen, das mit Vehemenz propagierte Vier-Sparten-Modell (Oper, Ballett, Staatskapelle, Junge Szene) mag ja konzeptionell interessant sein, der sinnlichen Vermittlung des Opernspielplans dient es nicht. Und das dürfte doch nach wie vor eine der Hauptfunktionen der Homepage der Semperoper sein: Auswärtige Besucher auf das Haus und den Spielplan aufmerksam zu machen. Nicht nur in Dresden (Vorhang auf, Herzinfarkt), inzwischen auch in der überregionalen Fachöffentlichkeit wird das Ganze inzwischen als kommunikativer Totalausfall bewertet. Sicher war die alte Homepage auch nicht großartig, im Gegenteil: überladen und kitschig, aber trotzdem funktional und sie konnte die Verbindung zu dem herstellen, was sich in der Semperoper auf der Bühne abspielt. Genau das schafft diese neue Version überhaupt nicht und dann fragt man sich, wozu es diese Veränderung überhaupt gibt. Böse Zungen würden behaupten, es handelt sich um eine billige Kopie der Homepage der Bayerischen Staatsoper und liegen damit sicher nicht so falsch, denn der Auftragnehmer ist derselbe!

Sonntag, 12. September 2010

Anna Netrebko in Dresden


Die russische Star-Sopranistin Anna Netrebko gastiert in diesem Jahr noch zwei Mal in Dresden. Nicht an der Semperoper, was auch mal ganz schön wäre, sondern in der Frauenkirche und zwar mit zwei verschiedenen Programmen an einem Tag! Am 27. Novermber wird sie um 18 Uhr zusammen mit ihrem Tenor-Kollegen Vittorio Grigolo (der Herzog zu Mantua im gerade gelaufenen Domingo-Rigoletto) im traditionellen ZDF-Adventskonzert auftreten. Und weil das das sicher schön wird und die Kameras gleich stehen bleiben gibt es um 20.30 Uhr noch die Aufzeichnung des Stabat mater von Pergolesi. Das wird aber erst im Jahr 2011 zu sehen sein, natürlich wieder im ZDF und live auf einer Konzerttournee der Diva. In beiden Dresdner Aufzeichnungen spielt die Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Bertrand de Billy. Die enge Terminierung ist ungewöhnlich, aber nachvollziehbar. Für die sich in den letzten Monaten äußerst stimmstark präsentierende Sängerin sollte das genausowenig ein Problem sein, wie für den Rest der Beteiligten!

Dienstag, 7. September 2010

Kein Ersatz für Schlingensief


Die Eröffnungsproduktion der Staatsoper Unter den Linden Berlin im Ausweichquartier Schillertheater wird vom künstlerischen Team in Zusammenarbeit mit dem Ensemble verantwortet. Als Regisseur von Metanoia - Über das Denken hinaus - einer Uraufführung von Jens Joneleit - war der vor drei Wochen verstorbene Christoph Schlingensief vorgesehen, an seiner Stelle wird kein anderer Regisseur die Inszenierung übernehmen. Vielmehr firmieren jetzt auf der Homepage der Staatsoper das komplette Ensemble und das Team gemeinsam für die Enrichtung des Stückes, die wohl auf jeden Fall im Sinne des verstorbenen Künstlers vorgenommen wird. Neben Daniel Barenboim gehören dazu Annette Dasch, Anna Prohaska und Martin Wuttke. Die Liste ist aber nicht ganz komplett, denn von der ursprünglich geplanten Besetzung ist Sophie Rois nicht mehr mit dabei. Premiere ist am 03. Oktober 2010.

Digitale Konzerthalle mit neuem Preissystem


Seit mehr als einem Jahr ist die aufwendige digital concert hall der Berliner Philharmoniker online. Man spricht bisher von mehr als 4.000 Abonennten und von 25.000 verkauften Einzeltickets. Bei denen gibt es jetzt eine entscheidende Veränderung, denn sie sind nicht mehr nur für ein einzelnes Konzert, sondern als 24-Stunden-Ticket gültig. Für 9,90 Euro bekommt man nicht nur die Übertragung eines Livekonzertes aus der Berliner Philharmonie zu sehen, sondern auch Zugang zum kompletten online vorhandenen Archiv der Philharmoniker (mit derzeit 65 Konzerten) welches mit jeder Übertragung weiter anwächst. Der Preis für das Monats- und das Jahresabo bleibt mit 29 bzw. 149 Euro wie bisher. Das Eröffnungskonzert der laufenden Saison unter dem Chef Sir Simon Rattle wurde erstmals auch in über dreißig deutsche Kinos übertragen. Wie kein anderes deutsches Orchester versuchen die Berliner Philharmoniker mit neuen Methoden ihr Publikum zu erweitern und zu verjüngen.

Montag, 6. September 2010

Rigoletto in Mantua - das war es?


Es war kein Experiment, im Gegenteil und trotzdem ist die Sache gründlich schief gegangen. Mag sich eine Tosca für eine solche filmische Liveübertragung eignen, der Rigoletto tut es nicht. Ob diese drei Akte in Mantua oder irgend einer anderen Stadt spielen, es war eigentlich nicht zu erkennen und es spielte auch keine Rolle. All das was diese Ausstattungsorgie präsentieren soll liefert Verdis Musik viel filigraner und plastischer. Und immer wenn die Inszenierung versucht besser zu sein als Verdi verliert sie alles. Bei der Mordszene am Schluss des dritten Aktes werden die Grenzen zur Peinlichkeit dann vollständig überschritten und die Schwächen der Aufführung auf das dann schon Lächerlichste deutlich. Auch filmisch spannungslose Arrangements, die Sänger schauen irgendwohin, auf der Suche nach dem Dirigentenmonitor? Von Personenführung kaum eine Spur, Ruggiero Raimondi ist ein Klischeebösewicht mit bösem Seeräuberblick und stimmlich nurmehr ein Schatten seiner selbst. Als Gilda hat Julia Novikova ein paar schöne Momente, aber zu berühren weiß ihr Gesang und ihr Spiel in keiner Minute. Ebenfalls nicht in Hochform Vittorio Grigolo als Herzog. Er bleibt Stimmträger, wird nicht zur Figur. Zum Star des Abends Placido Domingo muss gesagt werden, dass er sich mit der Übernahme dieser Rolle keinen Gefallen getan hat. Was beim Simon Boccanegra vor einem Jahr gut funktioniert hat, die fehlende baritonale Grundierung der Figur durch Identifikation wett zu machen verliert sich hier im Unverbindlichen. Er ist stimmlich kein Rigoletto und er ist leider auch nicht das Zentrum dieser Inszenierung, so wie er sich unentschlossen durch die Arrangements bewegt. Dabei müsste das doch alles um ihn herum gebaut sein! Man fragt sich als Zuschauer zu mitternächtlicher Stunde was da alles schief gelaufen ist, warum das alles so langweilig sein muss. Mit Oper hat das nicht mehr viel zu tun, soll es ja vielleicht auch gar nicht. Und die Musik? Zubin Metha hat ziemliche Probleme das alles zusammen zu halten. Eigenartige Tempowechsel nehmen der Aufführung viel von ihrer Spannung. Das Ganze ist ein Sieg der Technik über die Kunst der den Weg in eine Sackgasse weist. Den nächsten Rigoletto bitte wieder im Opernhaus!

Sonntag, 5. September 2010

Rigoletto in Mantua - Kurzkritik vom ersten Akt

Es funktioniert und es funktioniert auch wieder nicht. Immerhin kommt herüber, dass Rigoletto eine der schönsten und wirkunsvollsten Opern des Repertoires ist. Damit sich das Werk in all seiner Rafinesse und Vehemenz ausbreiten kann braucht es aber einfach ein Opernhaus mit allem drum und dran. Aber darum geht es hier nicht, das ist die Abteilung TV-Event. Die Umsetzung ist stimmungsvoll und kurzweilig, die Bilder sind gediegen, die Kostüme grenzwertig. Musikalisch bleiben einige Wünsche offen, auch das keine Überraschung. Placido Domingo spielt Placido Domingo der jetzt den Rigoletto singt und das macht er erwartetermaßen ganz gut. Er kann sich auf darstellerische Routine eines sehr langen Sängerlebens verlassen. Julia Novikova hat als Gilda einen nicht so guten Tag, sie wirkt untentschlossen und in den Situationen nicht zu Hause. Schade! Vittorio Grigolo ist ein smarter Herzog, die Partie hat man aber schon viel süffiger gehört. Und ging es nur mir so oder hat das Stück selber nicht mehr Spannung und Spektakel als diese Fernseh-Version zeigen will. Erstaunlicherweise ließ auch das Tempo im Laufe der Übertragung immer mehr nach. Das wird hoffentlich beim zweiten und dritten Akt (heute ab 23.50 Uhr im ZDF) nicht so sein!

Freitag, 3. September 2010

Neues Schostakowitsch-Festival in Sachsen


Dort wo der Freistaat Sachsen vielleicht am schönsten ist, mitten in der Sächsischen Schweiz, wird am übernächsten Wochenende ein neues Musikfestival aus der Taufe gehoben: die Internationalen Schostakowitsch-Tage. In Gohrisch - so heißt der Ort, auf unserem Foto der gleichnamige Felsen - wird ein dreitägiges Programm ausschließlich mit Werken des russischen Komponisten präsentiert. Dimitri Schostakowitsch komponierte hier im Jahr 1960 sein berühmtes Achtes Streichquartett c-Moll op. 110 als er im in der Nähe liegenden Dresden arbeitete und im damaligen Gästehaus des DDR-Ministerrates untergebracht war. Das Werk wird ebenso erklingen, wie sein berühmtes Cellokonzert. Im Wesentlichen getragen wird das Festival durch Musiker der Staatskapelle Dresden, auf die auch die Initiative für das Festival zurück geht. Mit Rudolf Barschai wird einer der Nestoren der Schostakowitsch-Aufführungspraxis dabei sein, ebenfalls eingeladen ist die Witwe Irina Antonowna Schostakowitsch. Insgesamt ein hochinteressantes und substantielles Projekt dem man nur gutes Gelingen und eine regelmäßige Fortsetzung wünschen kann.

Link zur homepage
Presselink: Neues Deutschland

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