Am morgigen Sonntag wird die 99. Ausgabe der Bayreuther Festspiele eröffnet. Hans Neuenfels' Neudeutung des Wagnerschen Lohengrin steht auf dem Programm und der Blätterwald rauscht, aber viel mehr als die Tatsache, das Ratten mit im Spiel sind, dringt nicht durch. Die Beteligten halten sich offenbar an das Schweigegelübde. Was ein Regisseur zwischen Generalprobe und Premiere tut ist inzwischen auch klar: Er gibt Interviews! Hans Neuenfels ist in allen Blättern und gibt mehr oder weniger qualifizierte Kommentare zum Thema ab. Das Neue Deutschland betitelt ihn kurz und treffend als Der Spalter und DIE WELT feiert ihn als letzten Regietheater-Träumer. In der FAZ benennt er die Lohengrin-Story als Warnung an uns alle und im Berliner Tagesspiegel stellt er fest: Also bitte, der Schwan muss sein! Das sehen wir auch so und hoffen inständig, dass sich die Inspiration des Meisters nicht in verbalen Ausdeutungen erschöpft, denn Neuenfels-Fans, zu denen wir uns zählen, mussten in den letzten Jahren mehrfach die bittere Erfahrung machen, dass sein Interviews einfach besser (klüger, inspirierter, witziger) waren als seine Inszenierungen! Aber auch die ersten Festspiele nach dem Tod von Wolfgang Wagner sind ein großes Thema. Die Schwestern Wagner nehmen nun endgültig das Zepter in die Hand. Manchem ist das ja immer noch nicht recht! Während die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor einer Wocher in einem nichtssagenden, recht krawallig geratenen Artikel Kritik am angeblich gar nicht so neuen Stil der Schwestern schüren wollte (warum haben Sie so was nötig Frau Büning?) wollten sich das die Kollegen das so gar nicht zueigen machen und berichten vorab von erwartungsfroh über pragmatisch bis geschwätzig (schon wieder die FAZ!) über die anstehenden Ereignisse - und es wird eigentlich alles wie jedes Jahr, bis auf das Wetter. Da aber in Bayreuth sommers immer viel mehr von Interesse ist, als anderswo wird auch der Probenunfall von Sopranistin Annette Dasch ausführlich reflektiert, sowohl von kleinen, wie auch von großen Zeitungen! Aber keine Sorge, sie singt am Sonntag und alles wird gut! Vielleicht sogar die Kritiken...
Samstag, 24. Juli 2010
Ohne Schwan geht es nicht!
Am morgigen Sonntag wird die 99. Ausgabe der Bayreuther Festspiele eröffnet. Hans Neuenfels' Neudeutung des Wagnerschen Lohengrin steht auf dem Programm und der Blätterwald rauscht, aber viel mehr als die Tatsache, das Ratten mit im Spiel sind, dringt nicht durch. Die Beteligten halten sich offenbar an das Schweigegelübde. Was ein Regisseur zwischen Generalprobe und Premiere tut ist inzwischen auch klar: Er gibt Interviews! Hans Neuenfels ist in allen Blättern und gibt mehr oder weniger qualifizierte Kommentare zum Thema ab. Das Neue Deutschland betitelt ihn kurz und treffend als Der Spalter und DIE WELT feiert ihn als letzten Regietheater-Träumer. In der FAZ benennt er die Lohengrin-Story als Warnung an uns alle und im Berliner Tagesspiegel stellt er fest: Also bitte, der Schwan muss sein! Das sehen wir auch so und hoffen inständig, dass sich die Inspiration des Meisters nicht in verbalen Ausdeutungen erschöpft, denn Neuenfels-Fans, zu denen wir uns zählen, mussten in den letzten Jahren mehrfach die bittere Erfahrung machen, dass sein Interviews einfach besser (klüger, inspirierter, witziger) waren als seine Inszenierungen! Aber auch die ersten Festspiele nach dem Tod von Wolfgang Wagner sind ein großes Thema. Die Schwestern Wagner nehmen nun endgültig das Zepter in die Hand. Manchem ist das ja immer noch nicht recht! Während die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor einer Wocher in einem nichtssagenden, recht krawallig geratenen Artikel Kritik am angeblich gar nicht so neuen Stil der Schwestern schüren wollte (warum haben Sie so was nötig Frau Büning?) wollten sich das die Kollegen das so gar nicht zueigen machen und berichten vorab von erwartungsfroh über pragmatisch bis geschwätzig (schon wieder die FAZ!) über die anstehenden Ereignisse - und es wird eigentlich alles wie jedes Jahr, bis auf das Wetter. Da aber in Bayreuth sommers immer viel mehr von Interesse ist, als anderswo wird auch der Probenunfall von Sopranistin Annette Dasch ausführlich reflektiert, sowohl von kleinen, wie auch von großen Zeitungen! Aber keine Sorge, sie singt am Sonntag und alles wird gut! Vielleicht sogar die Kritiken...
Dienstag, 20. Juli 2010
Pavol Breslik übernimmt für Rolando Villazon

Rolando Villazon ist krank und sagt die nächsten beiden Vorstellung von L'elisir d'amore an der Bayerischen Staatsoper ab. Als Einspringer ist der slowakische Tenor Pavol Breslik mehr als nur ein Ersatz, sondern vielleicht die bessere Wahl. Er hat den Nemorino schon mehrfach mit großem Erfolg gesungen und ist in München nicht zuletzt nach seinen Auftritten an der Seite der ebenfalls aus der Slowakai stammenden Edita Gruberova ein veritabler Publikumsliebling. Der Eindruck, den Rolando Villazon zuletzt in München hinterließ, war eher durchwachsen. Wahrscheinlich ist das Publikum der Opernfestspiele mit Pavol Breslik ohnehin besser bedient. Aber schade ist es schon, weil die Inszenierung zu ihrer Premiere den Eindruck, auf Rolando Villazon zugeschnitten zu sein, nicht ganz vermeiden konnte. Nur wird es bis zum Praxistest noch eine Weile dauern. Rolando Villazon hatte sich mit der Rolle des Nemorino im Frühjahr in Wien nach einer mehr als einjährigen Pause zurück gemeldet.
Montag, 19. Juli 2010
Umbesetzung in Bayreuth
Auch die Homepage der Bayreuther Festspiele nennt jetzt den Namen des Sängers Hans-Joachim Ketelsen für die Rolle des Telramund in der Eröffnungspremiere Lohengrin am kommenden Sonntag. Ursprünglich für vorgesehen war der italienische Bariton Lucio Gallo, der die Rolle offenbar aus Krankheitsgründen zurück gelegt hat. Seine Absage wurde bereits seit vergangener Woche in verschiedenen Musikforen diskutiert. Hans-Joachim Ketelsen gehört seit langem dem Ensemble der Dresdner Semperoper an und gastierte in den letzten Jahren sehr erfolgreich an der Staatsoper Berlin und an der Met als Herr von Faninal in Richard Strauss' Der Rosenkavalier.
Sonntag, 18. Juli 2010
Münchner Mozart-Repertoire-Triumph

Das war doch endlich mal was, für nur zwei Vorstellungen stand in Münchens Nationaltheater Le Nozze di Figaro auf dem Spielplan - in großartiger Besetzung und gelungener Einstudierung. Die Inszenierung von Dieter Dorn hat schon einige Reprisen hinter sich, kann aber durchaus noch Witz und Wirkung entfalten, insbesondere wenn ein solches Ensemble aufgeboten wird. Allen voran Mariusz Kwiecien als Graf Almaviva, nonchalant und selbstverständlich in der Präsenz, stimmlich in Hochform, kernig, viril, gefährlich - in dieser Kombination spielt er schon länger in einer eigenen Liga. Das gilt beinahe ebenso für Ildebrando D’Arcangelo der seinen Figaro mit Vehemenz und Noblesse ausgestattet und dabei ganz wunderbar und durchschlagkräftig singt. Eine Wohltat für Augen und Ohren, die sich ungebrochen bei den Damen fortsetzt: Die Susanna der schwedischen Sopranistin Camilla Tilling hat etwas Herbes, Abgeklärtes, aber dennoch die Rolle sehr umfassend Treffendes. Ihr Timbre mischt sich auch ganz schwesterlich spannend mit dem von Barbara Fritolli, die als Gräfin Almaviva ebenfalls einen sehr guten Abend hat und kleinere Ungenauigkeiten mit ernsthafter Rollengestaltung mehr als wett macht. Der musikalische Clou der Aufführung ist aber der Cherubino von Anna Bonitatibus, so süffig, lasziv gehaucht ist die Partie wohl lange nicht gegeben worden. Sensibles Aufeinanderhören und vorbildliche Pianokultur ist bei allen Sängern selbstverständlich. Das Staatsorchester unter der Leitung des jungen Dirigenten Juraj Valcuha spielt routiniert bis ambitioniert auf, mit ein paar Wacklern mittendrin, aber auch wunderschönen dunklen Farben. Wenn am Ende alle Beteiligten in einer Reihe stehen - jeder ein betrogener Betrüger - dann ist in der Oper, wie im Leben für einen Moment alles gut. Ein Gefühl, welches man in der Bayerischen Staatsoper gern öfter haben würde!
Samstag, 17. Juli 2010
Jonas Überall Kaufmann

Der als Sängerkenner gerühmte, soeben verabschiedete Intendant der Wiener Staatsoper Ioan Hollender nennt Jonas Kaufmann den wohl derzeit besten Tenor weltweit und ist auch sonst des Lobes voll über den deutschen Sänger: Ich habe Kaufmann als Lohengrin und Des Grieux in Massenets "Manon" gehört, diese beiden Partien singt unter den Lebenden niemand besser. Dank der Universalität von Stimmschönheit und Technik, von Ausdruck und Darstellung. Jedes große Haus sollte versuchen, jede Spielzeit eine Premiere mit ihm zu haben. (DIE WELT, 29.06.10) Die Chancen stehen gut, dass Jonas Kaufmann der Sänger des Jahres 2010 wird. Endgültig stellt sich das spätestens am kommenden Sonntag heraus, wenn er bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele als Lohengrin auf der Bühne steht. Aber der meistbeschäftigte Tenor dieses Sommers ist er schon jetzt auf jeden Fall, denn während seines Engagements in Bayreuth steht Kaufmann noch in München an der Staatsoper in Tosca und unter Claudio Abbado (Fidelio) in Luzern auf der Bühne. Kurz vor Ende der Festspielsaison ist dann auch noch Salzburg mit einem Liederabend auf dem Kalender. Im Herbst nimmt Jonas Kaufmann eine neue Rolle in sein Repertoire auf: Francesco Cilea in Adriana Lecouvreur, Vorstellungen an der Seite von Angela Gheorghiu sind an der Deutschen Oper in Berlin und am Royal Opera House in London geplant. Kurz vor Jahresende wird er bereits wieder für eine Neuproduktion von Beethovens Fidelio nach München zurückkehren. Aber auch für die nächsten Jahre wurden bereits umfangreiche Pläne des Tenors bekannt gegeben. Den Lohengrin in Bayreuth wird er nur in diesem Jahr singen, um dann ab nächstem Sommer als Hauptsänger der Ära Pereira (lt.Meldung eines großen Nachrichtenmagazins in Österreich) bei den Salzburger Festspielen zur Verfügung zu stehen. Jedes Jahr soll eine Oper mit ihm produziert werden, neben Wagners Meistersingern sind bereits Fidelio und ein Verdi-Oper avisiert. Auch an der Wiener Staatsoper sind mehrere Produktionen mit Jonas Kaufmann geplant. Neben Puccinis La fanciulla del West auch ein neuer Lohengrin, die Elsa an seiner Seite dürfte dann Renée Fleming sein, das Dirigat Christian Thielemann übernehmen. Der ist auch gerade in Bayreuth, aber nicht für den Lohengrin, sondern für den letzten Jahrgang des Rings in der Regie von Tankred Dorst, der wohl eher als Thielemann-Ring in die Annalen des Hauses eingehen wird!
Presse-Link
Nordbayrischer Kurier: Ich will nicht perfekt sein
Montag, 12. Juli 2010
Placido Domingo als Rigoletto

Er tut es wieder! Nachdem er im vergangenen Herbst in Berlin höchst erfolgreich sein Bariton-Debüt als Simon Boccanegra gegeben hat greift Placido Domingo jetzt nach einer weiteren Paraderolle im tieferen Stimmfach. Allerdings nicht auf der Bühne, sondern nur auf dem Bildschirm. Anfang September will er für eine internationale Fernsehproduktion als Rigoletto vor der Kamera stehen. Die Aufführung soll an zwei Abenden (04./05.09.2010) als Live-Opern-Film in der italienischen Stadt Mantua, dem Orginalschauplatz des Librettos, produziert werden. An der Seite von Domingo wird die junge russiche Sopranistin Julia Novikova als Gilda zu erleben sein. Sie hat die Rolle bereits mit sehr großem Erfolg an der Komischen Oper in Berlin gesungen. Den Herzog von Mantua - früher Domingos Partie - übernimmt der italienische Tenor Vittorio Grigolo. Unter der musikalischen Leitung von Zubin Metha, der einschlägige Erfahrung mit solchen Großevents hat, wird das RAI-Sinfonieorchester spielen. Partner auf deutscher Seite ist das Zweite Deutsche Fernsehen. In den vergangenen Jahren gab es vergleichbare Projekte bereits mit Direktübertragungen von Tosca aus Rom und La Traviata aus Paris. Die Ausstattung orientiert sich bei diesen Produktionen sehr stark an der Entstehungszeit der Werke und macht diese deswegen für ein breites Publikum interessant, welches das für eine unabdingbare Voraussetzung für einen gelungenen Opernabend hält. Dennoch dürfte Domingo, gerade aus einer längeren Krankheitspause zurück gekehrt, mit dieser neuen Verdi-Partie seinen Rang als Ausnahmesänger unserer Zeit einmal mehr unter Beweis stellen. Niemand wird ihm das missgönnen!
Aktuelle Ergänzungen:
Sendezeiten im ZDF:
1. Akt: Sonnabend, 03.04., 23.50 Uhr
2./3. Akt: Sonntag, 04.09., 23.50 Uhr
Probenbilder aus Mantua
Kurzkritik vom ersten Akt
Sonntag, 11. Juli 2010
Direkt vom Grünen Hügel

Jahrzehntelang waren die Bayreuther Festspiele gerade in der Vorbereitungsphase eine Tabuzone für alle Journalisten. Das hat sich spätestens mit dem Antritt der neuen Festspielleitung vor zwei Jahren geändert. Die Öffnung ist in alle Richtungen spürbar und in diesem Sommer ist sogar eine Theaterkritikerin eingeladen, die Neuproduktion des Lohengrin in der Regie von Hans Neuenfels vom Probenbeginn bis zur Premiere zu beobachten. Christine Lemke-Matwey vom Berliner Tagesspiegel (auf dem Foto vor dem Festspielhaus) ist die Auserwählte. Ihre Zeitung feiert die Anwesentheit der Autorin als herausragendes Ereignis: Das gab's noch nie: Eine Journalistin, die in Wagners Allerheiligstes vorgelassen wird und dort sechs Wochen zubringen darf. Das Ereignis wird dann doch besser die Lohegrin-Premiere in zwei Wochen und nicht die Vorberichterstattung von der Seitenbühne. Richtig Konkretes aus der Probenarbeit darf und will Frau Lemke-Matwey ohnehin nicht vermelden, so ergehen sich ihre unregelmäßigen Online-Kolumnen mitunter arg in Geschwätz und Spitzfindigkeiten. Ein Hoch auf unverbindliche Allgemeinplätze! Aber es wird den geneigten Leser sicherlich erfreuen zu hören, dass Hans Neuenfels immer noch seine Assistenten beschimpft, sich in den Dirigenten Andris Nelsons verliebt hat und dass auf dem Grünen Hügel auch Fussball geschaut wird. Schön zu wissen auch, dass Orchesterproben aus Platzmangel im Restaurant stattfinden und nicht zu reden von den Einlassungen über die fränkische Küche, Landschaft, Mentalität und Lebensart. Irgendwie erinnert dass an die Baedecker-Zitate auf langweiligen Tour-de-France-Flachetappen in der Zeit als Doping noch kein Thema war. Und war da nicht noch irgendwas mit Ratten? Alles Gerüchte! Spätestens am 25. Juli wissen wir mehr. Bis dahin lesen wir nur Frau Lemke-Matwey, bleiben Sie dran!
Samstag, 10. Juli 2010
Heute abend live aus München: TOSCA

Um 21 Uhr überträgt arte die aktuelle Festspielproduktion aus dem Münchner Nationaltheater. In den Hauptrollen sind Karita Matilla und Jonas Kaufmann zu erleben, die Inszenierung stammt von Luc Bondy. Bei Publikum und Presse fand die Premiere ein recht geteiltes Echo. Die Tageszeitung Die Welt stellte ihre Kritik unter den Titel: Diese Tosca küsst ziemlich kalt. Dirigieren wird heute abend Fabio Luisi, bis zum Anfang diesen Jahres noch Musikchef an der Dresdner Semperoper. Wäre er nicht zwischenzeitlich nach Zürich verpflichtet, sicher auch ein Kandidat für die Nachfolge auf der demnächst vakanten Chefposition in München. Auf den Max-Joseph-Platz vor dem Opernhaus wird die Vorstellung ebenfalls übertragen, das Event nennt sich in München traditionell Oper für alle, wir hatten uns dazu schon ausführlicher Gedanken gemacht...
Freitag, 9. Juli 2010
München leuchtet nicht mehr
Die Kulturpolitik des Freistaats Bayern konnte jahrzehntlang als seriös mit Tendenz zur Langeweile eingestuft werden. Damit ist es seit der Amtsübernahme von Kulturminister Heubisch von der FDP vorbei. Auch in München ist es jetzt wie anderswo im Land und seit einer Woche vielleicht noch ein bisschen schlimmer.

Kent Naganos Blick schweift in die Ferne, seine Gedanken jetzt sicher auch...
Nach wochenlangen Spekulationen, vom Minister in mehreren Interviews genährt, gab Kent Nagano, der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper Anfang der Woche entnervt auf und kündigte seinen Rückzug spätestens 2013 an. Dass sein Verhältnis zu Opernintendant Klaus Bachler nicht das beste ist, war bekannt. Nagano respektiert für Ernsthaftigkeit und Engagement, schwächelte immer gerade beim Münchner Kernrepertoire Mozart, Wagner und Strauss. Immerhin hat er das Staatsorchester auf eine neue, solide Muszierweise eingestellt. Gerade bei den Sinfoniekonzerten war das nicht mehr zu überhören. Dass Bachler nun als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht heißt nicht, dass es um seine Aufgaben besser steht. Die Bilanz der Neuproduktionen der vergangenen zwei Spielzeiten ist mehr als durchwachsen, der Bedeutung des Hauses angemessene Höhepunkte waren kaum darunter. Unterdessen wird in der interessierten Öffentlichkeit und in der über die Maßen gut informierten Presse fröhlich spekuliert, wie es an der Staatsoper weiter gehen könnte. Immer wieder fällt der Name von Kyrill Petrenko, einem jungen, gleichwohl sehr erfahrenen Operndirigenten mit langjähriger Erfahrung an der Komischen Oper Berlin. Er soll allerdings den nächsten Wagner-Ring in Bayreuth im Sommer 2013 dirigieren, genau dann wenn auch München das Mammut-Werk plant. Beides wird sicher nicht gehen. Angesichts des unsanften Umgangs mit Nagano zögert der ebenfalls feinsinnige Petrenko noch, andere Kandidaten gelten als chancenlos.
Vergleichsweise ruhig läuft es am anderen Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Vor Monaten wurde dort Intendant Ulrich Peters ohne Not nicht wieder verlängert und ein Nachfolger ist immer noch nicht in Sicht. Die Situation für das zweite Münchner Haus ist nicht einfach und anstelle wichtiger Strukturentscheidungen wird hier auch wieder nur über Personal gesprochen, wenigstens nicht in der Öffentlichkeit, aber das kann sich auch schnell wieder ändern. Aus Hamburg, Köln oder Berlin war man bisher gewohnt, dass kulturpolitische Diskussionen komplett in der Öffentlichkeit geführt werden. Jetzt gehört auch München dazu und das Sommertheater um den Weggang von Christian Thielemann im vergangenen Jahr war wohl erst der vergleichbar harmlose Auftakt, an dessen Ende alle Beteiligten irgendwie ihr Gesicht wahren konnten. Was jetzt abläuft gehört schon in eine andere Kategorie. Übrigens sind gerade Opernfestspiele...spricht jemand über die Aufführungen?
Links:
Rätselraten um die Nagano-Nachfolge
Brief Naganos an seine Fans
Die Macht des Intendanten

Kent Naganos Blick schweift in die Ferne, seine Gedanken jetzt sicher auch...
Nach wochenlangen Spekulationen, vom Minister in mehreren Interviews genährt, gab Kent Nagano, der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper Anfang der Woche entnervt auf und kündigte seinen Rückzug spätestens 2013 an. Dass sein Verhältnis zu Opernintendant Klaus Bachler nicht das beste ist, war bekannt. Nagano respektiert für Ernsthaftigkeit und Engagement, schwächelte immer gerade beim Münchner Kernrepertoire Mozart, Wagner und Strauss. Immerhin hat er das Staatsorchester auf eine neue, solide Muszierweise eingestellt. Gerade bei den Sinfoniekonzerten war das nicht mehr zu überhören. Dass Bachler nun als Sieger aus dem Konflikt hervorgeht heißt nicht, dass es um seine Aufgaben besser steht. Die Bilanz der Neuproduktionen der vergangenen zwei Spielzeiten ist mehr als durchwachsen, der Bedeutung des Hauses angemessene Höhepunkte waren kaum darunter. Unterdessen wird in der interessierten Öffentlichkeit und in der über die Maßen gut informierten Presse fröhlich spekuliert, wie es an der Staatsoper weiter gehen könnte. Immer wieder fällt der Name von Kyrill Petrenko, einem jungen, gleichwohl sehr erfahrenen Operndirigenten mit langjähriger Erfahrung an der Komischen Oper Berlin. Er soll allerdings den nächsten Wagner-Ring in Bayreuth im Sommer 2013 dirigieren, genau dann wenn auch München das Mammut-Werk plant. Beides wird sicher nicht gehen. Angesichts des unsanften Umgangs mit Nagano zögert der ebenfalls feinsinnige Petrenko noch, andere Kandidaten gelten als chancenlos.
Vergleichsweise ruhig läuft es am anderen Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Vor Monaten wurde dort Intendant Ulrich Peters ohne Not nicht wieder verlängert und ein Nachfolger ist immer noch nicht in Sicht. Die Situation für das zweite Münchner Haus ist nicht einfach und anstelle wichtiger Strukturentscheidungen wird hier auch wieder nur über Personal gesprochen, wenigstens nicht in der Öffentlichkeit, aber das kann sich auch schnell wieder ändern. Aus Hamburg, Köln oder Berlin war man bisher gewohnt, dass kulturpolitische Diskussionen komplett in der Öffentlichkeit geführt werden. Jetzt gehört auch München dazu und das Sommertheater um den Weggang von Christian Thielemann im vergangenen Jahr war wohl erst der vergleichbar harmlose Auftakt, an dessen Ende alle Beteiligten irgendwie ihr Gesicht wahren konnten. Was jetzt abläuft gehört schon in eine andere Kategorie. Übrigens sind gerade Opernfestspiele...spricht jemand über die Aufführungen?
Links:
Rätselraten um die Nagano-Nachfolge
Brief Naganos an seine Fans
Die Macht des Intendanten
Donnerstag, 8. Juli 2010
Neuer Förderverein für den Grünen Hügel

Die Querelen bei der Bayreuther Mäzenatenvereinigung "Gesellschaft der Freunde der Bayreuther Festspiele" ziehen erste Konsequenzen nach sich. In dieser Woche wird unter dem Namen taff e.V. ein neuer Förderverein gegründet, der sich ausdrücklich die Unterstützung der neuen Festspielleitung und der Öffnung und Neuprofilierung der Bayreuther Festspiele widmen will. Dazu zählen das public viewing und die in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal produzierte Kinderoper. Als Unterstützer des neuen Vereins konnte offenbar auch Christian Thielemann (Foto im Bayreuther Orchestergraben) gewonnen werden, der wichtigste Bayreuth-Dirigent dieses Jahrzehnts und vielleicht auch des kommenden. Nachdem er dieses Jahr die letztzen Zyklen der aktuellen Ring-Inszenierung leiten wird und im nächsten Jahr pausiert (nach 11 Jahren Dauerpräsenz) kehrt er 2012 für Der fliegende Holländer und 2015 für Tristan und Isolde nach Bayreuth zurück. Noch spricht niemand über das umfangreiche Kartenkontingent, welches die Freunde der Bayreuther Festspiele traditionell zugeteilt bekommen. Dennoch ist allen Beobachtern klar, dass hier eine massive und gesteuerte Konkurrenz heranwachsen wird, bei der es letztlich um den Einfluss auf die Festspiele geht. Machtfragen sind natürlich auch in diesem Fall Finanzfragen und das Hauptproblem sind die ca. zehn Millionen Euro, welche die "Freunde" in den letzten Jahren eingesammelt und nicht an die Festspiele weiter gereicht haben, obwohl der Bedarf unabweisbar ist. Es bleibt spannend in Bayreuth!
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