Dienstag, 23. Februar 2010

Lorin Maazel soll auf Thielemann folgen


Seit der Ankündigung des Weggangs von Christian Thielemann war auch in München ein Dirigentenposten vakant, der jetzt viel schneller als gedacht wieder besetzt werden soll. Der achtzigjährige Lorin Maazel soll für eine dreijährige Übergangsfrist Chefdirigent der Münchner Philharmoniker werden. In der Stadt ist er kein Unbekannter, er war von 1993 bis 2002 Chefdirigent bei den BR-Symphonikern, das Orchester verdankt Maazel den Aufstieg in die Topliga. Der Maestro alter Schule gilt als schwierig und teuer, dennoch hat diese Lösung Charme, könnte sie doch helfen die zahlreichen Verwerfungen, welche der Thielemann-Abgang in der Stadt und bei den Musikern erzeugt hat, auzugleichen und - noch wichtiger - die Abonnenten bei der Stange zu halten. Nichts wäre schlimmer, als eine Kündigungswelle! Sollte es so kommen ist die Musikstadt München noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen und gewinnt mehrere Jahre Zeit einen richtigen Nachfolger für Thielemann zu suchen und zu finden.

Freitag, 19. Februar 2010

Drei Dirigenten übernehmen Dresdner Ring


Nun sind fast alle Dirigate des vor zwei Wochen kurzfristig ausgeschiedenen Fabio Luisi an der Dresdner Semperoper neu besetzt: Die beiden Zyklen von Wagners Ring des Nibelungen werden drei verschiedene Dirigenten leiten. Der ehemalige Braunschweiger GMD Jonas Alber übernimmt Das Rheingold. John Fiore, seit kurzem Musikchef in Oslo, dirigiert Die Walküre. Siegfried und Götterdämmerung wird Asher Fish übernehmen. Beide waren am Anfang ihrer Karriere Assistenten von Daniel Barenboim. Üblicherweise übernimmt ein Dirigent alle vier Teile, aber auch eine Aufsplittung ist nicht ungewöhnlich und wurde auch in Dresden schon praktiziert. Auch die aktuelle Serie von Hindemiths Cardillac hat einen neuen musikalischen Leiter: Kevin John Edusei - ein junger und aufstrebender Dirigent, gerade in Augsburg beschäftigt. Unklar ist nun nur noch, wer die Neuproduktion von Franz Schmidts Notre Dame übernimmt, die im April herauskommen wird. Diese könnte auch an Jonas Alber fallen, der hatte im Herbst 2005 eine konzertante Serie dieses selten gespielten Stückes an der Volksoper Wien dirigiert.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Beethoven live aus der Semperoper



Als Motto schrieb Ludwig van Beethoven über seine Missa solemnis: Von Herzen - Möge es wieder - zu Herzen gehen. Am kommenden Wochenende steht das Werk in der Dresdner Semperoper im Rahmen der traditionellen Gedenkkonzerte an die Zerstörung der Stadt 1945 auf dem Spielplan. Unter der Leitung des gerade offziell vorgestellten neuen Dresdner Musikchefs Christian Thielemann wird ein erlesenes Solistenquartett auftreten: Elina Garanca, Krassimira Stoyanova, Franz-Josef Selig und Michael Schade. Neben dem Staatsopernchor musiziert die Sächsische Staatskapelle. Besonders eindrücklich dürfte das Konzert nicht nur wegen der Besetzung werden, sondern weil aufgrund des Anlasses auf Applaus verzichtet wird. Die beiden Vorstellungen sind natürlich längst ausverkauft, der Kultursender 3sat überträgt das Konzert am Sonntag live um 20 Uhr.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Alles auf Anfang


Die Zeichen stehen auf Anfang: Der designierte Chef der Dresdner Staatskapelle dirigiert kommende Woche in der Semperoper Beethovens Missa solemnis. Zuvor stellt sich Christian Thielemann im Gespräch seinem neuen Dresdner Publikum und zwar am 12. Februar um 19 Uhr in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen am Straßburger Platz in Dresden (Eintritt 5 Euro). In der gestrigen FAZ hat er in einem ausführlichen Interview unter dem Titel Ich will als Dirigent immer das Schwerste Stellung zu seinen Dresdner Plänen. Er will an der Semperoper dort anknüpfen, wo er vor Jahren an der Deutschen Oper Berlin aufgehört hat, bei Puccini und dem späten Verdi, dazu kommen selbstverständlich die beiden Hausgötter Strauss und Wagner. Für die Besetzungen verspricht er neuen Glanz, so soll Renée Fleming zum ersten Mal in Dresden singen. Neben Dresden, wo er pro Saison 45 Abende dirigieren will, beschränkt er sich auf Bayreuth, Berlin und Wien. Er vergisst auch nicht die Dresdner Klangkultur und die Orchestertradition zu rühmen und sinniert über den Werkbegriff in der Musik. Frau Dr. Hessler, die neue Intendantin der Semperoper, hat unterdessen auf einer Preisverleihung in München (wo sie in Vertretung von Jonas Kaufmann auftrat) betont, dass sie nicht für Thielemanns Wechsel von München nach Dresden verantwortlich sei. An der Isar gibt man sich nun vollends dem Abschiedsschmerz hin - zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung unter dem Titel Gier nach dem Exzeptionellen in einer Besprechung der konzertanten Einzelaufführung von Elektra am Sonntag in der Philharmonie.

Montag, 8. Februar 2010

Juristisches Nachspiel in Dresden


Die außerordentlichen Kündigung von Fabio Luisi wird nun ein juristisches Nachspiel haben, da der Freistaat Sachsen nicht gewillt ist, sie zu akzeptieren. Für Irritationen sorgte der Rückzug Luisis mittlerweile auch an seinem künftigen Wirkungsort Zürich. Eine große Schweizer Tageszeitung fragt besorgt: Wird das Opernhaus ins Abseits dirigiert? An der Semperoper in Dresden dürfte man indessen zügig zum Alltag übergehen, noch in diesem Monat steht Wagners kompletter Ring auf dem Spielplan und mit großer Spannung wird die Entscheidung erwartet, welcher Dirigent die Wiederaufnahme von Luisi übernehmen wird. Das gleiche gilt für die Premiere von Franz Schmidts Notre Dame de Paris im April, eine der wichtigsten Premieren der Saison und die vorletzte der Amtszeit von Intendant Gerd Uecker. Alles wird sich nun auf den neuen starken Mann an der Semperoper konzentrieren: Christian Thielemann. Der hat gerade das Gastspiel in Baden-Baden mit seinen Münchner Philharmonikern mit Richard Strauss Elektra sehr erfolgreich absolviert und wird in der kommenden Woche das Dresdner Gedenkkonzert mit Beethovens Missa solemnis leiten. Das war schon lange so geplant und hat mit den aktuellen Entwicklungen nichts zu tun. Auch wenn er betont, dass er seinen Münchner Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison erfüllen wird ist davon auszugehen, dass seine Präsenz in Dresden in den nächsten Monaten kontinuierlich steigen wird. Thielemann gehört nicht zu den Jet-Set-Dirigenten und so werden sich in seinem Kalender noch einige Lücken finden lassen. Spätestens wenn sich die Anwälte von Luisi mit dem Freistaat geeinigt haben und der Pulverdampf verzogen ist wird man sagen, das ist ja noch mal gut gegangen...wie es eben in Dresden immer funktioniert!

Freitag, 5. Februar 2010

Luisi gibt auf


Die Nachricht kommt für viele nicht überraschend, der Zeitpunkt könnte aber nicht ungünstiger sein. Fabio Luisi gibt sein Amt als Generalmusikdirektor in Dresden mit sofortiger Wirkung auf. Noch in diesem Monat stehen die Festwochen zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Semperoper auf dem Programm, mit einer Wiederaufnahme von Wagners komplettem Ring der Nibelungen, unmittelbar danach sollten die Proben zu Franz Schmidts Notre Dame de Paris beginnen, einer fast nie gespielten Oper aus der der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts - auch das ein Projekt, für welches sich Luisi mit Nachdruck eingesetzt hatte. Was wird damit? Die Entfremdung zwischen dem italienischen Maestro und seinem Dresdner Orchester hatte schon vor längerem begonnen. Nach seiner frühen Ankündigung Dresden in Richtung Zürich zu verlassen, präsentierte man mit Christian Thielemann sehr schnell einen attraktiven Nachfolger und die Aktivitäten des Orchesters richteten sich von diesem Tag an vollkommen auf den neuen Chef aus. Das Fass zum Überlaufen brachte nun wohl das gemeinsam mit dem ZDF geplante Silvesterkonzert in diesem Jahr, für welches bereits Thielemann vorgesehen war. Für erste beschädigt sein dürfte nun auch die neue Intendantin der Semperoper Dr. Ulrike Hessler, die noch vor Amtsantritt eine Krise lösen muss, an der sie nicht ganz unschuldig ist. Luisi hatte sie von München nach Dresden geholt, dennoch hat sie frühzeitig auf Thielemann gesetzt. Die entscheidende Frage im Moment dürfte sein, wie schnell Thielemann unter den neuen Bedingungen nach Dresden wechselt. In der heutigen Ausgabe der FAZ schließt er einen vorzeitigen Weggang aus München aus, will aber prüfen, ob er fallweise für Dresden zur Verfügung stehen kann. Für die kommende Woche ist schon seit längerem Thielemanns Dirigat des Dresdner Gedenkkonzertes mit Beethovens Missa solemnis sowie seine öffentliche Vorstellung als zukünftiger Orchesterchef geplant.

Dienstag, 2. Februar 2010

Werther aus Paris online zu sehen

Die große romantische Oper gehört zu den gelungensten von Jules Massenet und ohne Zweifel zu den Standartwerken des französischen Repertoires. Sicher auch aus diesem Grund zählt sie zu den mit gespannter Hoffnung erwarteten Neuproduktionen der Opera de Paris in dieser Saison. Diese wurde nicht enttäuscht. Ein neues Traumpaar der Oper wurde geboren. In der Regie von Filmregisseur Benoit Jacquot konnten die beiden Protagonisten Sophie Koch als Charlotte und Jonas Kaufmann in der Titelrolle einen großartigen Triumph feiern. Mit Verve, Natürlichkeit und großer darstellerischer Stimmigkeit gestalten beide ihre Partien und stellen damit ihre Klasse und ihr Künstlertum gleichermaßen unter Beweis. Die musikalische Leitung hat Michel Plasson. Auf der website des deutsch-französichen TV-Senders arte kann derzeit die komplette Aufführung abgerufen werden. Unbedingt anschauen, es lohnt sich!

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