Sonntag, 27. Dezember 2009

Der Rosenkavalier des Jahres


Der Kultursender 3sat verwöhnt das geneigte Publikum zur Zeit mit opulenten Opernübertragungen. Nach dem gestrigen Lohengrin aus München steht heute mit dem Rosenkavalier aus dem Festspielhaus Baden-Baden ein weiterer Höhepunkt aus der vergangenen Opernsaison auf dem Programm. Unter dem musikalischen Leitung von Christian Thielemann sind dabei die amerikanische Sopranistin Renée Fleming in ihrer Glanzrolle als Marschallin, sowie Diana Damrau als Sophie und Sophie Koch als Octavian zu erleben. Besser kann man die drei Rollen zur Zeit wohl kaum besetzen und eine gelungenere Inszenierung steht auch nicht zur Verfügung, als diese von Herbert Wernicke, die bereits mehr als zehn Jahre alt ist und extra für diese Aufführungsserie mit großem Aufwand neu einstudiert wurde. Beginn wieder um 20.15 Uhr, um 19.20 Uhr gibt es eine Einführung!

Samstag, 26. Dezember 2009

Mein lieber Schwan


Heute, am zweiten Weihnachtsfeiertag ist dieses Jahr Lohengrin-Tag auf 3sat. Es wird der komplette Premierenmitschnitt der aktuellen Münchner Inszenierung gezeigt, die im Sommer des ablaufenden Jahres zur kontrovers diskutierten Premiere kam. In der Regie von Richard Jones waren u.a. Anja Harteros als Elsa und Jonas Kaufmann als Lohegrin, jeweils mit Rollendebüts, zu erleben. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr pünktlich nach der Tagesschau, bereits um 19.20 Uhr gibt es auf dem gleichen Sender eine Dokumentation zum Stück. Viel Spaß vorm Fernseher!

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Frohe Weihnachten



Mit diesem Ausschnitt aus der Christvesper in der Dresdner Kreuzkirche grüße ich alle Leser und Freunde dieses Blogs und wünsche ein friedvolles und gesegnetes Weihnachstfest!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Ein wunderbarer Liebestrank


Es gab lange Zeit keine Neuproduktion an der Bayerischen Staatsoper die auf ganzer Linie so überzeugt und gute Laune hervor bringt wie dieser L'elisir d'amore in der Inszenierung von David Bösch. Man glaubt kaum, dass es die erste Opernarbeit des jungen Regisseurs ist, so gekonnt und stilsicher organisiert er das Geschehen auf der Bühne. Jeder Auftritt ist überlegt, jedes Arrangement findet seinen Sinn. Bösch tut sehr gut daran das Theater nicht neu zu erfinden, manchmal stehen seine Sänger einfach nur an der Rampe und singen - aber wie! Ihre Referenzen findet die Arbeit in den Filmen von Federico Fellini, die um alle Ecken schauen. Eine große zunächst leere Bühne füllt sich immer wieder überraschend mit Versatzstücken und bleibt trotzdem ein Spannung erzeugender Handlungsraum. Und das Mondauto mit welchem der Zauberer Dulcamare (kongenial verkörpert von Ambrogio Maestri) einfährt wirft einen wirklich um. Die Hauptrollen sind mit Nino Machaidze und Guiseppe Filanoti mit zwei selbstbewussten, spielstarken Sängern besetzt, die im Laufe des Abends sängerisch und darstellerisch ganz hervorragend zusammen finden. Immer wieder großer Jubel für beide!

Einen wirklich grandiosen Auftritt hat auch Fabio Maria Capitanucci als Belcore mit perfekt disponiertem Bariton. Insgesamt hat man auch in München eine solch wunderbar ausgewogenen italienische Aufführung lange nicht gehört, auch wenn am Dirigat von Juraj Valcuha einige Abstriche zu machen sind. Der hat durchaus Probleme, das Staatsorchester in den richtigen Momenten zu Donizettis Klanggewittern zu führen, das könnte sowohl präziser, wie auch fulminanter sein. Aber wenn Nemorino sein berühmtes Una furtiva lagrima hoch oben auf der Laterne so voll Todessehnsucht singt, dass man meint, man höre es zum ersten Mal, dann versöhnt dieser Moment mit sehr, sehr vielem, nicht nur an diesem Abend. Zwischen den herrlichen Klamauk und die großartige Musik hat sich über die zwei Stunden auch eine kleine Botschaft geschlichen, über die Wege und Umwege im Leben, die man gehen muss, um glücklich zu werden. Danke!

Freitag, 18. Dezember 2009

Die Oper ist nicht tot zu kriegen


Am Opernhaus in Graz arbeiten derzeit zwei der wichtigsten Opernregisseure, die für das stehen, was landläufig als Regietheater bezeichnet wird. Stefan Herheim bringt seine Inszenierung von Rusalka heraus, die vor einem Jahr in Brüssel erstmals zu sehen war. Kein Unbekannter vor Ort ist Peter Konwitschny der im Januar Franz Lehárs Die Csardasfürstin zur Premiere bringt. Für ihn nicht die erste Auseinandersetzung mit dem Stück, an der Dresdner Semperoper erzeugte er Ende der neunziger Jahre einen veritablen Skandal, als er es jenseits aller Operettenseeligkeit und als Vorabend des ersten Weltkrieges inszenierte. Das Publikum protestierte, der damalige Intendant Christoph Albrecht griff in die Inszenierung ein, zwischenzeitlich wurden zwei verschiedene Fassungen gezeigt, Gerichte waren mit dem Fall befasst. Die Aufführung verschwand schnell vom Spielplan und der Regisseur Konwitschny arbeitet seitdem nicht mehr an der Semperoper, was nur zu bedauern ist. In einem launigen Doppelinterview in der österreichischen Kleinen Zeitung werfen sie sich dei beiden Regisseure nun die Bälle zu und man ist sehr erstaunt wie konsequent an der Oberfläche zwei so tiefgründige Denker bleiben können.

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Fidelio statt Peter Grimes in Dresden


Die Dresdner Semperoper hat die im Rahmen ihres fünfundzwanzigjährigen Jubiläums geplanten Vorstellungen von Benjamin Brittens Peter Grimes abgesagt und spielt dafür drei mal den Fidelio in der Inszenierung von Christine Mielitz, die im Herbst 1989 Premiere hatte. Schade, denn die Aufführung, von Sebastian Baumgarten aufwendig und genau inszeniert, gehört zu den interessantesten im Repertoire der Semperoper. Für die Titelrolle war der wunderbare Stephen Gould eingeplant, der bereits die Premiere mit sehr großem Erfolg gesungen hatte, er wird jetzt als Florestan zu hören sein. Zu den Gründen für diese Änderung werden keine Angaben gemacht, es kann allerdings davon ausgegangen werden, dass mangelndes Publikumsinteresse den Ausschlag gegeben hat. Bleibt die Hoffnung, dass der Peter Grimes damit noch nicht endgültig vom Spielplan verschwindet. Gerade das vergangenheitsversessene Dresden braucht solche Musiktheaterabende dringender denn je, inhaltlich und musikalisch!

Montag, 7. Dezember 2009

Rolando Villazon singt im März 2010 in Wien


Der Termin für das Comeback des mexikanischen Star-Tenors steht fest: Als Nemorino in Donizettis L'elisir d'amore kehrt Villazon am 22. März 2010 in Wien auf die Bühne zurück und beendet damit eine mehr als einjährige Schaffenspause. Unmittelbar danach wird er als Lenski an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin auftreten und im April und Mai die im letzten Jahr abgebrochene Tournee mit dem Händel-Programm wieder aufnehmen, Termine in Baden-Baden, Paris, London und München sind geplant. Für Mai ist auch sein Debut am Opernhaus Zürich als Alfredo in La Traviata vorgesehen. Außerdem sind bereits einige Liederabende zusammen mit der französischen Pianistin Hélène Grimaud geplant. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht bestätigt sind die Termine an der Bayerischen Staatsoper in München, wo Villazon während der Opernfestspiele im Juli ebenfalls als Nemorino auftreten soll. Die Inszenierung von David Bösch hatte vor einer Woche ihre umjubelte Premiere im Nationaltheater.

Christian Thielemann für neues Konzerthaus


Meinhard von Gerkan hat den Konzertsaal entworfen, der ab kommendem Jahr im Rahmen einer Generalsanierung in den Dresdner Kulturpalast eingebaut werden soll. Die Dresdner Staatskapelle wird dort allerdings nicht spielen, sondern bleibt mit ihren Sinfoniekonzerten im eigenen Haus, der Semperoper.

Der designierte Chefdirigent der Staatskapelle Dresden Christian Thielemann hat sich im Gespräch mit einer Berliner Tageszeitung für den Neubau eines Konzerthauses in Dresden ausgesprochen und dabei auch Bezug auf die komplizierte Situation in München im Gasteig genommen. Ein solcher Bau wäre gut für Dresden. Diese Meldung ist wichtig, denn eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren eines Neubau-Projektes ist der Umzug des Konzertbetriebes der Staatskapelle und damit das Engagement des Freistaates Sachsen für ein neues Konzerthaus in der Landeshauptstadt. Der hält sich immer noch zurück. Auf einer Einwohnerversammmlung mit mehr als vierhundert Dresdner Bürgern äußerten viele Redner Bedenken gegen die aktuellen Planungen der Stadt. Diese bezogen sich zum großen Teil auf die zukünftig im Kulturpalast nicht mehr möglichen Veranstaltungen im Unterhaltungsbereich. Die Alternativmöglichkeit Messe wird als unzureichend abgelehnt. Viele Stimmen gab es auch grundsätzlich für einen der Stadt und ihrer musikalischen und archetektonischen Tradition angemessenen Neubau. Oberbürgermeisterin Helma Orosz und der Intendant der Dresdner Philharmonie Anselm Rose verteidigten die Umbaupläne nachdrücklich und ernteten dafür massive Kritik.

Freitag, 4. Dezember 2009

Liederabende in der Semperoper


Nachdem ihr für Anfang Juli auf den Elbwiesen geplanter Auftritt mit der Dresdner Philharmonie buchstäblich ins Wasser fiel wird Waltraud Meier nun am kommenden Mittwoch in der Semperoper auftreten. Begleitet vom Pianisten Josef Breinl wird sie einen Liederabend mit Werken von Richard Strauss und Robert Schumann gestalten. Bleibt zu wünschen dass ihr das Dresdner Publikum mehr Interesse entgegen bringt, als ihrer Kollegin Vesselina Kasarova, die sich an gleicher Stelle vor wenigen Tagen ebenfalls mit einem Liederabend vorstellte (mit Charles Spencer am Flügel). Wer dabei war erlebte eine Sternstunde des Liedgesangs, einen großartigen Abend mit zwei Ausnahmekünstlern auf der Bühne, voller Intensität und Empfindungsreichtum und überraschenden Gestaltungsvarianten. Leider waren das nicht so viele, im Publikum klafften erhebliche Lücken. Trotz herausragender Künstler (die in den großen Musikzentren der Welt für ausverkaufte Häuser sorgen) und vergleichsweise moderaten Eintrittspreisen schwächelt die Lied-Reihe in der Semperoper schon seit längerem. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden. Gibt es in Dresden kein ausreichendes Publikum für diese besondere Art der Musik? Ist das Angebot zu groß? Oder vielleicht die Semperoper? Für den Abend mit Waltraud Meier sind im Moment auf jeden Fall noch ausreichend Karten erhältlich!

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Dieser Holländer überzeugt


Noch vor seiner selbstgewählten Kreativpause (aus der er sich mit seiner Amsterdamer Salome soeben zurück gemeldet hat) stand an der Bayerischen Staatsoper vor drei Jahren Richard Wagners Frühwerk Der fliegende Holländer auf dem Programm von Regisseur Peter Konwitschny. Auch in der aktuellen Wiederaufnahme lässt sich wunderbar ablesen, war um er einer der wichtigsten Opernregisseure unserer Zeit ist. Intelligent und präzise schärft er das Werk zur Kenntlichkeit, lässt sich nicht auf voreilige Interpretationen ein und verhilft so dem Zuschauer zu einem Erlebnis, hinter das es kein Zurück mehr gibt. Seine Deutung ist so fulminant, wie stichhaltig. Der Holländer als ewig Unerlöster bleibt immer in seiner düsteren, einem flämischen Gemälde entsprungenen Welt, Senta dagegen lebt ihre Fantasien sehr lebendig und in einer heutigen, anders verstandenen Spinn-Stube aus. Größer könnten die Gegensätze nicht sein, dennoch ist Vermittlung möglich, Erlösung denkbar - ein großes Wort: Liebe. Hier wird die tatsächliche Geschichte von mehr als zwei lebenden Menschen verhandelt, das macht diese Inszenierung so wertvoll.

Das ganze ist nicht, wie so oft, Sentas Projektion. Der Holländer wird als Titelfigur ernst genommen und in seine Rechte eingesetzt. Wunderbar gebrochen gibt ihm Juha Uusitalo überlegt und kraftvoll Format. Auch Nina Stemme überzeugt als Senta mit vielen kraftvollen Tönen, fällt allerdings stimmlich mehr ins dramatische als beim Spiel. Matti Salminens Daland ist immer noch ein Rollenporträt mit enormer Ausstrahlung und Erik Lance Ryan erfreut als Einspringer mit einer wirklich tragfähigen Stimme. Im Orchestergraben entfesselt Cornelius Meister einen sehr kontrollierten Klangrausch, was sich hier durchaus im Einklang mit dem reflektierten Bühnengeschehen befindet. In vielen schön musizierten Details wird deutlich welch großer Wurf dieses frühe Werk Wagners ist und dass hier schon die ganze Genialität des Musikdramatikers aufscheint. Vieles was er später im Lohengrin oder im Tristan thematisch und motivisch weiter entwickelt und vollendet hat, ist hier schon in ganzer Schönheit da. Man muss nur Ohren haben, es zu hören.

Wenn die weißglühende Explosion am Schluss den Zuschauer unerbittlich in die Gegenwart zurück holt bleibt mehr als der Eindruck eines Opernabendes, bei dem nicht alles, aber vieles zusammen passt. Es bleibt mindestens auch die Erkenntnis, dass im Leben nichts gewiss ist und dass sich Priorität schneller verschieben, als man denkt. Wie schade und wie großartig, dass man daran in der Oper erinnert werden muss!

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Förderverein für neue Konzerthaus-Stiftung in Dresden gegründet


Die Diskussion um einen neuen Konzertsaal für die sächsische Landeshauptstadt Dresden konsolidiert sich. Vorsitzender des neuen Fördervereins für die noch zu gründende Konzerthaus-Stiftung wurde der gebürtige Dresdner und international rennomierte Dirigent Hartmut Haenchen, der mehrere Jahre auch Leiter der Dresdner Musikfestspiele war. Am 4. Dezember soll eine Einwohnerversammlung zur Zukunft des Kulturpalastes, der derzeitigen Heimstatt der Dresdner Philharmonie, statt finden, auf der die verschiedenen Möglichkeiten der Sanierung des Gebäudes vorgestellt werden. Mehrere Fraktionen des Stadtrats haben inzwischen einen Bürgerentscheid über die Zukunft des Kulturpalastes gefordert. Noch hat das ganze nicht die Dimension des Dresdner Brückenstreits, ist aber auf dem besten Weg dahin. SPD-Fraktionschef Peter Lames: Es ist deutlich geworden, dass die Stadtverwaltung ungeachtet aller Unklarheiten, Bedenken und der noch ausstehenden Einwohnerversammlung die Planung für den Umbau zu einem Orchestersaal vorantreibt und dabei schnellstens Tatsachen schaffen will. Vom Tisch scheint die zwischenzeitlich ins Spiel gebrachte Variante des Umbaus des Johanneums am Neumarkt, die Gesellschaft Dresdner Konzertfreunde will jetzt auch die Konzerthaus-Stiftung unterstützen. Ruhig verhält sich im Moment noch der Freistaat Sachsen, das wird nicht mehr lange halten, geht es doch auch um einen Saal für die von ihm getragene Staatskapelle Dresden. Auch deren designierter Chef Christian Thielemann hat sich noch nicht zu Wort gemeldet. Die Wellen schlagen hoch, wir werden berichten!

Dienstag, 1. Dezember 2009

Rolando Villazon kommt zurück


Auch wenn der genaue Termin seines Comebacks noch nicht feststeht ist davon auszugehen, dass der mexikanische Tenor Rolando Villazon im kommenden Jahr wieder auf der Bühne stehen wird. An der Staatsoper Unter den Linden in Berlin ist er für die Festtage im März als Lenski angekündigt (er hat die Rolle bereits in der Premiere der umstrittenen Inszenierung von Achim Freyer gesungen) und an der Bayerischen Staatsoper für die Festspielvorstellungen im Juli als Nemorino in L'elisir d'amore. Die Inszenierung hat heute abend Premiere, allerdings ohne Villazon, sondern mit Guiseppe Filanoti. Auch die Salzburger Festspiele kündigen einen Liederabend mit Villazon an, seine Partnerin wird die französische Pianistin Hélène Grimaud sein. Außerdem soll die Konzerttournee mit dem Händelprogramm wiederaufgenommen werden, welche der Sänger Anfang diesen Jahres wegen einer Stimmbanderkrankung abbrechen musste und daraufhin alle weiteren Auftritte abgesagt und sich einer Operation unterzogen hatte. Große, hoffentlich nicht zu große Pläne für einen heiß vermissten Künstler!

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