Freitag, 30. Oktober 2009

Nina Stemme tritt beim Staatsopern-Benefiz auf


Die international gefeierte schwedische Sopranistin hat vor einigen Jahren zusammen mit Placido Domingo in einer aufwendigen Studioproduktion TRISTAN UND ISOLDE eingespielt.

Die Staatsoper Unter den Linden hat für ihr Benefizkonzert zugunsten der Sanierung des Hauses am 04.11.09 das Programm geändert. Anstelle der Opernausschnitte und Zarzuelas mit Placido Domingo gibt es nun Vorspiel und Liebestod aus Richard Wagners Tristan und Isolde sowie den ersten Akt Die Walküre. Angesichts der hohen Eintrittspreise dürfte diese relativ kurzfristige Änderung nicht bei allen Kartenbesitzern auf ungeteilte Zustimmung stoßen, zumal Domingo mit diesem Programm schon öfter zu erleben war. Allerdings sollte das Engagement von Nina Stemme, das mehr als aufwiegen. Die Bayreuth-erfahrene Sängerin ist nur selten in Berlin zu erleben. Die Staatskapelle Berlin spielt unter der Leitung ihres Chefs Daniel Barenboim. Neben Stemme und Domingo wird auch Kwangchul Youn auftreten, derzeit gefeierter Bühnenpartner von Domingo in der aktuellen Simon Boccanegra - Produktion an der Staatsoper. Die ist seit langem ausverkauft, doch für das Konzert in der Philharmonie sind noch Karten erhältlich!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Der Debütant


Nach mehr als einhundertdreißig Rollen als Tenor gab Placido Domingo in Berlin sein Debüt als Bariton. Weitere Auftritte in der Rolle des Simon Boccanegra sind in den nächsten Monaten für Zürich, Madrid, London und New York geplant.

Es war ein außerordentlicher, ein fantastischer Abend. Placido Domingo wagt einiges und gewinnt alles, nicht nur das Publikum, dass ihm ohnehin mehr als gewogen ist. Sein Simon Boccanegra ist die authentische Studie eines zwischen Staatsräson und Lebensglück zerrissenen Menschen. Er hat viele wunderbare, konzentrierte Momente, auch dann wenn er gerade nicht singt, aber wenn er das tut, dann ist sofort der Domingo-Zauber da. Strahlend und souverän und mit unverwechselbarem Glanz, dabei nie auftrumpfend, sondern immer um die Figur kämpfend. Ein weiterer Höhepunkt in einer jetzt schon unendlich andauernden Sängerlaufbahn und vielleicht auch ein Stück Operngeschichte. Um ihn herum wurde eine Sängerensemble aufgeboten, bei welchem keine Abstriche gemacht werden müssen: Anja Harteros singt schon seit einiger Zeit in eigenen Liga, wo gibt es im Moment einen kraftvolleren, versierteren Verdi-Sopran? Mit beeindruckender Klangkultur überzeugt wiederrum Kwangchul Youn und mit raumgreifender Tenorstimme Fabio Sartori. Großartig auch Hanno Müller-Brachmann in seiner ersten Verdi-Rolle mit Charisma und kerniger Stimme (ihm gelingt es am ehesten das eigentümliche Regiekonzept umzusetzen, welches sich ausschließlich auf historische Bebilderung kapriziert und diese dann nur völlig unspannend auf die Bühne bringt) und Alexander Vinogradow. Zum musikalischen Triumph wird die Aufführung durch das, was aus dem Graben strömt. Daniel Barenboim verzichtet fast vollständig auf seine so gefürchteten Tempiwechsel und Aufbrausereien und dirigiert einen klaren, beinahe durchsichtigen Verdi und die Staatskapelle Berlin geht mit einer italianita zu Werke, welche man so in der Lindenoper noch nie gehört hatte. Es wurde ein großer, ein unvergesslicher Abend, der über weite Strecken reines zauberhaftes Opernglück bescherte. Die Legende lebt!

Samstag, 24. Oktober 2009

Dunkel ist die Macht der Liebe



Schon mehr als dreißig Jahre (!) findet sich die Salome in der Inszenierung von Harry Kupfer im Repertoire der Berliner Staatsoper, dass sie sich nach wie vor bewährt spricht für die Aufführung und natürlich auch für das Werk an sich. Kupfers realistische, in dunklen Tönen gehaltene und ganz aus dem obskuren Geist einer Diktatur gespeiste Lesart konzentriert sich (inzwischen?) ganz auf sich selbst und die Hauptfigur. Diese ist mit Evelyn Herlitzius großartig besetzt. Selten hat man eine so packende Salome erlebt, mit wunderbarer geführter Stimme, großen Ausbrüchen und gelingenden Piani, alles mit hervorragender Textverständlichkeit. Die darstellerischen Qualitäten stehen bei Evelyn Herlitzius bekanntermaßen den sängerischen in keiner Weise nach. Einen solchen Grad an Verkörperung der Figur wie hier ganz besonders im Tanz der sieben Schleier findet man wirklich nicht oft auf der Opernbühne. Zum abschließenden Höhepunkt wird der Schlussgesang, eine wirklich grandiose Leistung!



Philippe Jordan gibt der Aufführung mit der Staatskapelle weit mehr als einen Klangteppich. Wie immer sehr sängerfreundlich dirigiert er einen spannungsvollen, kontrastreichen Richard-Strauss-Abend, welcher sowohl im Detail, wie auch im Gesamtbild überzeugt. (Am Rande: Bei der Kombination Jordan-Strauss-Staatskapelle handelt es sich gegenwärtig um eine der wenigen Qualitätskonstanten im Berliner Musikleben!) Mark Doss gab einen kraftvollen, rollendeckenden Jochaanan, Stephan Rügamer routiniert als Narraboth und was Reiner Goldberg mit seinem Herodes anbietet ist schlicht Weltklasse (diesemal leider ohne seine Stammpartnerin Rosemarie Lang, sondern an der Seite der eingesprungenen, aber nur halb so alten Daniela Denschlag). Goldberg gibt der Figur eine wirklich eigene Prägung, spielt einen hochgefährlichen Trottel, der einen regelrecht entsetzt. Gespeist aus Jahrzehnten Bühnen- und Lebenserfahrung entwickelt er eine Charge zum Charakter und wird so auf ganz schlüssige Weise zum Kraftzentrum der Aufführung und eröffnet der Salome einen größtmöglichen spielerischen Freiraum, in doppelten Sinne des Wortes!



Die Aufführung ist nicht nur konzentriertes Musiktheater und als solches alleine ein Vergnügen, sondern auch ein Lehrbeispiel für die wunderbaren Möglichkeiten des Repertoiretheaters. Erfahrene Sängerpersönlichkeiten beglaubigen ihre Figuren am Abend auch ohne wochenlange probende Vorbereitungen. Es ist schön, dass auf diese Weise immer wieder neue Besetzungen erlebt werden können und es ist bemerkenswert, wie die Ästhetik des Abends nach mehr als drei Jahrzehnten zwar nicht mehr ganz taufrisch wirkt, aber immer eine Wirkung hervorruft, die nicht natürlich auch mit ihrer langen Bestandsdauer zu tun hat. Nicht nur deswegen würde sie auf jeden Fall auch gut ins Schillertheater passen!

Freitag, 23. Oktober 2009

Placido Domingo debütiert als Bariton in Berlin

Die Musiksaison in der deutschen Hauptstadt nimmt endlich Fahrt auf: An der Berliner Lindenoper wird an diesem Samstag die Tenorlegende Placido Domingo ihr Debüt als Bariton geben. In einer Neuinszenierung steht Guiseppe Verdis selten gespielte Oper Simon Boccanegra auf dem Plan. Zuletzt stand Placido Domingo, einer der wichtigsten Sänger unserer Zeit, im März als Parsifal auf der Bühne der Berliner Staatsoper. Er hat im Laufe seiner Karriere bisher mehr als 130 verschiedene Rollen interpretiert. Die musikalische Leitung hat selbstverständlich Daniel Barenboim inne und mit Anja Harteros sowie den am Haus bewährten Sängern Kwangchul Youn, Hanno Müller-Brachmann und Alexander Vinogradow sind alle Partien hochkarätig besetzt. Erste Bilder lassen auf eine den historischen Hintergrund des Werkes nachvollziehende Inszenierung schließen. Regie führt der hierzulande noch unbekannte Italiener Federico Tiezzi. Wir sind gespannt und werden berichten!



Samstag, 17. Oktober 2009

Als wärs nur ein Schauspiel von heute

Janaceks Oper "Jenufa" gehört zu den gelungensten Musikdramen des tschechischen Komponisten. Seit diesem Frühjahr steht das Werk nach langer Pause wieder in einer Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper auf dem Spielplan. Leider ist es Regisseurin Barbara Frey nicht gelungen, für die Komplexität der Geschichte und die schroffe Schönheit der Musik eine adäquate Umsetzung zu finden. Das wird auch bei der gerade laufenden Reprise mit fünf Vorstellungen deutlich.


Die geschätzte Sängerin Eva-Maria Westbroek auf einem Pappstein.

Der Abend enttäuscht, aber nicht auf der ganzen Linie. Das ist dem hervorragend aufspielenden Staatsorchester unter der außerordentlich präzisen Leitung von Tomás Hanus zu verdanken. Mit kammermusikalischer Durchdringung und großem Verve wird der Variantenreichtum und die Virtuosität der Partitur deutlich. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass es sich bei Jenufa um ein zentrales Werk der Opernliteratur handelt, spätestens damit wäre er erbracht. Nicht ganz den hohen Erwartungen gerecht wird Eva-Maria Westbroek in der Titelrolle, sie legt die Jenufa durchweg kraftvoll und dramatisch an, die innerlichen Töne fehlen mitunter spürbar. Auch im Spiel wirkt manches erstaunlich grob. Ebenfalls im wagnerschen Geiste legt Deborah Polaski die Küsterin an. Sie tut das mit viel Emphase und den ihr zu Gebote stehenden darstellerischen Mitteln, richtig glücklich wird man mit dieser Version der Figur nicht, aber sie singt durchaus überzeugend. Oft ein Problem: die beiden Männerrollen. Hier überhaupt nicht. Sowohl Jorma Silvasti wie auch Brandon Jovanovich überzeugen mit Spielfreude und stimmlichen Kapazitäten. Von Helga Dernesch als Alter Buryja ist nur wenig zu hören, ihr Auftritt hat leider nur nostalgischen Wert.


Vertrackte Familienverhältnisse in tschechischer Schärenlandschaft.

Man könnte meinen, dass eine in der Oper debütierende Regisseurin mit der Frauen-Oper Jenufa viel anzufangen wüsste, das ist aber in diesem Fall nicht so. Barbara Frey arrangiert belangloses Rampentheater, findet erschreckend konventionelle Arrangements in den Chorszenen und hält sich von jeglicher tiefer schürfenden Deutung zurück. Dazu kommen viele kleine handwerkliche Fehler, unlogische Auftritte und ein Bühnenbild dass in seiner Kulissenhaftigkeit (Bettina Meyer) schon einfältig zu nennen ist. Leere Ölfässer sind in eine Felslandschaft drapiert in der erst kein Haus, dann ein Haus und dann ein halbes Haus steht. Man versteht sofort was gemeint ist, sinnhaft zusammen fügen will sich das Ganze nicht. Der Versuch einer sozialen Charakterisierung wirkt unbeholfen und macht das Geschehen eindimensional und vorhersehbar. Auch zu den verstrickten Familienverhältnissen der Figuren verhält sich die Aufführung kaum.


Auch das kleine Glück ist nicht jedem gegönnt.

Es sieht ganz so aus, als ob das Werk von der Regisseurin kolossal unterschätzt wurde. Barbara Frey hat die große Oper wie ein kleines Schauspiel inszeniert, ohne Sinn für die dynamischen Qualitäten, die in der Musik und in der Geschichte liegen. Und nicht nur deswegen kann sich die ganze dramatische Vehemenz des Geschehens auf der Bühne so schwer entfalten. Fast alles bleibt hier Behauptung. Eine Jenufa-Aufführung, die nicht mindestens berührt, wenn nicht gar verstört hat ihr Ziel verfehlt - eine Jenufa-Aufführung die langweilt ist einfach nur ärgerlich.

Freitag, 16. Oktober 2009

Rolandos voice is back

Der erkrankte Startenor Rolando Villazon hat per Video-Botschaft mitgeteilt, dass seine Stimme wieder da sei und sein comeback für das kommende Jahr angekündigt. Mit neuer Frisur und in bester Laune kündigt er auch die baldige Veröffentlichung seiner neuen Termine an. Wegen Stimmproblemen hatte der Sänger Anfang des Jahres sämtliche Auftritte für 2009 abgesagt.

Freitag, 9. Oktober 2009

Von München nach Dresden

Die Zeit der Spekulationen hat ein Ende. Christian Thielemann wird der neue Chef der Staatskapelle Dresden. Damit geht gleichzeitig ein monatelanges Tauziehen vor und hinter den Kulissen um seinen Verbleib bei den Münchner Philharmonikern zu Ende. Dort schien sich die Lage zuletzt wieder in Richtung einer Fortsetzung seines Vertrages zu verschieben. Das dürfte jetzt gegenstandslos sein. In Dresden erwartet Thielemann ein Orchester von Weltrang mit über vierhundertfünfzig Jahren Tradition, dessen Qualitätswahn beinahe mythische Dimensionen hat. Und in Thielemann kann sich Dresden auf einen Dirigenten von Geltung und mit Wirkung freuen, der viel mehr als nur ein würdiger Nachfolger des zu früh verstorbenen Guiseppe Sinopoli und des zuletzt immer häufiger glücklos agierenden Fabio Luisi sein wird. Nach der Aberkennung des Weltkulturerbetitels nun also wieder gute Nachrichten aus der sächsischen Landeshauptstadt!

Melancholie, Noblesse und Esprit



Schon seit vielen Jahren behauptet sich die Rosenkavalier-Inszenierung von Nicolas Brieger im Repertoire der Staatsoper Unter den Linden. Mit ihrer melancholisch-ironischen Interpretation nimmt sie das Werk ernst und rückt es trotzdem in eine Traumwelt, in der es erstaunlich plausibel wirkt. Viele kleine Details erfreuen und das Konzept funktioniert auch noch zehn Jahre nach der Premiere. Denn mehr noch als viele andere Inszenierungen wird hier auf die Sänger gebaut und das funktioniert ganz wunderbar. Anne Schwanewilms ist eine berührende, lebendige und auch würdige Marschallin. Sie tunkt ihre großen Auftritte im ersten Akt in so tiefe Traurigkeit, dass es den Rest des Abend braucht, um wieder daraus aufzutauchen. Sie beherrscht wunderbar präzise die Dramaturgie der Blicke, mit welchen sie das Geschehen dirigiert, sobald sie auf der Szene ist. Mit Katharina Kammerloher steht ein als Octavian bewährtes Ensemblemitglied auf der Bühne. Sie findet sich als Frau in der Hosenrolle einer Frau, die vorgibt ein Mann zu sein erstaunlich gut zurecht. Ihr Gegenüber Sophie wird von Sylvia Schwartz (ebenfalls Ensemblemitglied) mit viel sopranem Spitzenklang ausgestattet. Bemerkenswert, wie die drei Frauen sowohl vom Stimmklang, wie auch von der Präsenz aufeinander abgestimmt sind. Das Terzett im dritten Akt wird so zu einer kleinen Sternstunde. Als Ochs bleibt Alfred Muff mitunter etwas an Esprit schuldig, hat aber viel schöne Töne. In den kleineren Rollen hervorzuheben sind noch Irmgard Vilsmaier als Leitmetzerin, Stephan Rügamer als Sänger und Martin Gantner als Farinal. Prachtvoll zusammengehalten wird der ganze Abend durch Philippe Jordan, der sowohl den Orchestergraben, wie auch das Bühnengeschehen ständig im Blick und auch im Griff hat und sicher auch für die hervorragende musikalische Einstudierung verantwortlich ist. Insgesamt eine gelungene, sehenswerte und angenehm unspektakuläre Repertoire-Auffürung, wie man sie sich auch an der Lindenoper öfter wünscht.

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