Montag, 27. Juli 2009

Salzburg und Bayreuth live im Internet



In den nächsten Tagen besteht die Möglichkeit jeweils eine Opernaufführung von den Bayreuther und den Salzburger Festspielen zu vergleichsweise moderaten Preisen online mitzuverfolgen. Am 30. Juli wird ab 21 Uhr die Premiere von Mozarts Cosi fan tutte (Szenenfoto) aus Salzburg gezeigt. Unter der Regie von Claus Guth sind u.a. Patricia Petitbon, Bo Skovhus und Miah Persson zu erleben. Aus dem Bayreuhter Festspielhaus wird am 09. August eine Aufführung von Tristan und Isolde in der Inszenierung von Christoph Marthaler übertragen. Die Titelrollen singen Irene Theorin und Robert Dean Smith. Die Preise für ein Onlineticket betragen 7,90 Euro in Salzburg und 14,90 in Bayreuth. Im Vorjahr betrug der Preis in Bayreuth für die Übertragung von Katharina Wagners Inszenierung von Die Meistersinger von Nürnberg noch knapp 50 Euro, dementsprechend durchwachsen war auch die Nachfrage, die sich im moderaten dreistelligen Bereich bewegt haben soll.

Sonntag, 26. Juli 2009

München leuchtet

Während die Münchener Opernfestspiele routiniert ihr Programm abspielen und keiner so richtig weiß, warum sie eigentlich noch gebraucht werden, ist nebenan im kleineren Gärtnerplatztheater ein musiktheatralisches Kleinod zu bestaunen: Benjamin Brittens DEATH IN VENICE in der Inszenierung von Immo Karaman.



Benjamin Brittens letzte Oper hält sich eng an den Handlungsverlauf in Thomas Manns Novelle. Der alternde Dichter Gustav von Aschenbach reist nach Vendig, um seiner Münchener Schaffenskrise zu entfliehen. Dort entdeckt er in dem Knaben Tadzio eine ungekannte Vollkommenheit, die er in seinem künstlerischen Schaffen nie erlangt hat. In der Lagunenstadt grassiert die Cholera, wie im Rausch steigert sich Aschenbach in diese, seine letzte Liebesbeziehung hinein. Der Tenor Hans-Jürgen Schöpflin verkörpert diesen Aschenbach auf kongeniale Weise, nuanciert im Spiel und mit einer unermüdlichen Stimme voller Strahlkraft, Wärme und Farbenreichtum. Ein Rollenportrait von herausragender Größe. An seiner Seite Gary Martin mit sechs verschiedenen Nebenfiguren, wunderbar anmaßend und differnziert gespielt. Eine durchweg überzeugende Leistung liefern Ensemble, Ballett und Chor des Gärtnerplatztheaters bis hin zu letzten Figur der reichhalten Besetzungsliste.



Musikalisch ist die Aufführung ein wirkliches Erlebnis, Dirigent David Stahl hält entschlossen die Balance zwischen zartesten Nuancierungen und hochdramatischen Zuspitzungen, nie zu viel und nie zu wenig. Da stimmt jedes Detail und auch die kargen, schroffen Sequenzen entfalten ihre herbe Schönheit. Das gilt genauso für die Inszenierung, die ungeheuer dicht und verspielt, dem Geschehen viele Bedeutungsebenen einfügt, ohne dabei ihre Stringenz zu verlieren. Gekonnt verbindet Regisseur Immo Karaman die verschiedenen Elemente und schafft schlüssige, poetische Bilder, die Choreografien sind mit sicherer Hand in dei Handlung eingefügt, das zunächst funktionale Bühnenbild von Kaspar Zwimpfer erschließt immer wieder neue, überraschende Spielräume. Auch dramaturgisch erweist sich die Aufführung als großer Wurf. Jenseits aller Klisches wird die Begegnung von Aschenbach und Tadzio nicht schwülstig als spätes Outing-Drama erzählt, sondern - die erotische Grundierung durchaus nicht aussparend - als ein gesellschftskritisches Tableau, das sich einer allzu vorschnellen und eindeutigen Interpretation entzieht. Alles fügt sich zu einem großen, spannenden Musiktheaterabend zusammen, der in seinem Reichtum und in seiner Geschlossenheit noch lange nachwirkt.



Viel zu selten werden die Opern von Benjamin Britten gespielt. Das verwundert, weil sie doch durchaus effekt- und inhaltsvoll die Anforderungen des modernen Opernbetriebs scheinbar bestens bedienen. Diese Münchener Aufführung ist auf jeden Fall mehr als ein Geheimtipp für alle von dem Opernfestspielen am Nationaltheater Gelangweilten oder Enttäuschten!

Drei Karten

Vor einigen Tagen konnte man unter den vermischten Kulturmeldungen lesen, dass der musikalische Leiter des Bolschoi-Theaters Alexander Verdernikow aus Protest gegen die Verzögerungen und Einsparungen bei der Generalsanierung des Moskauer Hauses seinen Rücktritt eingereicht hat. Um so mehr überraschte es, den Namen des Dirigenten am selben Abend auf dem Besetzungszettel der Komischen Oper Berlin zu finden.



Dort dirigierte er die letzte Saisonvorstellung der aktuellen Inszenierung von Tschaikowskis Pique Dame und zwar mit Umsicht und Brillianz, großen Bögen und Sinn fürs Detail. Musikalisch war das einer der besten Abende in der Komischen Oper in der laufenden Saison, was da für ein filigran und dicht gewebter Klangteppich aus dem Orchestergraben wogte, wie der Reichtum der Partitur deutlich wurde und wie engagiert die Musiker bei der Sache waren, das ließ schmerzliche Erinnerungen an den vormaligen musikalischen Leiter Kyrill Petrenko aufkommen. Bei ihm waren solche Abende Alltag. Mit Robert Künzli als Hermann und Elena Semonova als Lisa waren die Hauptrollen gut besetzt, der Rest des umfangreichen Ensembles zeigt sich souverän und prägnant (besonders Mirko Janiska als Jeletski).



Der große Auftritt der Gräfin ist auch ohne Anja Silja ein Ereignis, Eva Gilhofer gurrt und wispert und ist ganz die große Verführerin. An dieser Stelle geht auch das Konzept von Regisseur Thilo Reinhardt bestens auf, die Oper als Psychogramm des unglücklich Liebenden Hermann anzulegen, der erst dann zum Spieler wird. Das ist näher an Tschaikowski und auch an der Puschkinschen Vorlage, als viele andere Interpretationen. Von wenigen Akzenten abgesehen gibt sich die Inszenierung angenehm zurückhaltend, die Geschichte wird durch die vielgestaltige Musik erzählt und vorangetrieben. Die Entscheidung im postsowjetisch angehauchten Einheitsbühnenbild zu spielen ist dabei konsequent, führt aber im Laufe des Abends zu einigen unmotivierten Auf- und Abgängen insbesondere des Chors. Da fehlt dann leider doch die inszenatorische Rafinesse.



Es wird in den Solopartien sehr textverständlich gesungen, in den Ensembles ist kein Wort zu verstehen und man vermisst schmerzlich die lautmalerischen Effekte der russischen Sprache, die für Tschaikowskis Kompostionsstil eigentlich essentiell sind. Noch scheint es ein unverzichtbares Alleinstellungsmerkmal der Komischen Oper zu sein, das gesamte Repertoire in deutscher Sprache zu bringen. Aber eine Inszenierung wie diese Pique Dame würde auch nur durch Musik und Aktion verstehbar sein und das musikalische Erlebnis wäre ungleich kompletter. Nichtsdestotrotz, ein großer, ein schöner Abend!

Mittwoch, 22. Juli 2009

Rolando Villazon hat Operation gut überstanden

Wie der Sänger auf seiner Homepage mitteilt ist die Operation an den Stimmbändern erfolgreich verlaufen und er befindet sich auf dem Weg der Besserung. Mittlerweile hat auch wieder mit ersten Stimmübungen begonnen und gibt sich optimistisch, dass er bald wieder auf die Bühne zurück kehren kann. Das wird aber nicht vor 2010 der Fall sein, für das laufende Jahr hat Villazon alle Auftritte abgesagt. Wann und wo sein Comeback stattfinden wird ist noch völlig unklar, im Moment sind Auftritte als Lenski an der Lindenoper in Berlin, als Idomeno in Paris und als Chevalier des Grieux in London terminiert. Die Auftritte als Don José in Wien hatte er bereits endgültig abgesagt. Es bleibt also noch ein bisschen Zeit, nimm sie dir Rolando und gute Besserung!

Sommerpause in Dresden: Viele Fragen offen


Mit einigen dissonanten Tönen ist die Dresdner Musiksaison 2008/09 Anfang Juli zu Ende gegangen. Inzwischen traditionell endete die Spielzeit der Semperoper mit einer Vorstellung von Richard Strauss Der Rosenkavalier. Als Feldmarschallin überzeugte einmal mehr Camilla Nylund (auf dem Foto rechts), die hier an ihrem Stammhaus seit einiger Zeit als Kammersängerin geehrte, aber inzwischen auch in Wien, Salzburg und Paris als eine der wichtigsten Strauss- und Wagner-Interpretinnen ihrer Generation geschätzte Sopranistin. Ansonsten viel sängerische Routine und zu wenig Präzision in manchem Detail. Die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg wirkt inzwischen mächtig angestaubt, das Konzept die drei Akte in unterschiedlichen Zeitepochen spielen zu lassen trägt nicht so weit, wie es müsste. Im Jahr 2012 jährt sich die Uraufführung des Rosenkavaliers in Dresden zum hundertsten Mal, da besteht Handlungsbedarf für die neue Intendantin Dr. Ulrike Hessler, damit das vielleicht wichtigste Dresdner Repertoirestück zum Jubiläum in einer adäquaten Inszenierung auf dem Spielplan steht. (Das gilt übrigens auch für die Elektra – von der legendären Inszenierung von Ruth Berghaus musste im Januar Abschied genommen werden.) Doch zu allererst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, nachdem Fabio Luisi überraschend seinen Weggang an das Opernhaus Zürich bekannt gegeben hat. Inzwischen verdichten sich die Gerüchte das mit Christian Thielemann mehr als ein Ersatz gefunden wurde. Der Qualitätsfanatiker hat seinen Vertrag bei den Münchener Philharmonikern platzen lassen (dort war er immerhin der Nachfolger von Sergiu Celibidache und James Levine) und wäre ab 2012 frei für Dresden. Thielemann gilt als schwierig und kompromisslos, aber gerade das könnte ihm angesichts des Dresdner Traditionsbewusstseins zu Gute kommen. Sein schmales Kernrepertoire (Wagner, Strauss) passt wunderbar mit dem der Staatskapelle zusammen; diese Lösung hätte sogar einen gewissen Charme für den darnieder liegenden CD-Markt. Und die Aussicht, dass Thielemann nicht nur Konzerte sondern auch wieder regelmäßig Opernaufführungen dirigiert, dürfte den Spielplan der Semperoper nachhaltig attraktiver machen, auch überregional. Das ist dringend nötig, denn im bisher stets mit höchsten Auslastungszahlen verwöhnten Haus bleiben immer mehr Plätze frei. Dresdner Publikum und Touristen schaffen es auch zusammen immer seltener das Haus zu füllen und so blieben nicht nur bei der jüngsten Henze-Produktion von L’Upupa ganze Stuhlreihen leer, obwohl die Inszenierung von der Presse als eine der besten der Ära Gerd Uecker gefeiert wird, sondern übers Jahr auch in Aufführungen von Tristan und Isolde trotz einer fantastischen Evelyn Herlitzius oder bei Boris Godunow mit einem überragenden René Pape.

Der stellt seine ganze sängerische und darstellerische Präsenz auch noch mal in einer Vorstellung am Saisonende in den Dienst der in ihrer Eindimensionalität wirklich missratenen Inszenierung von Christian Pade aus dem vergangen Dezember. Und Elton John der am selben Abend auf dem Theaterplatz konzertiert muss warten, bis Pape fertig ist und die Semperopernbesucher das Haus verlassen haben. Schöne Arbeitsteilung. Ansonsten war das Wochenende gekennzeichnet von unerfreulichen Absagen. Waltraud Meier sollte mit der Dresdner Philharmonie am Elbufer einen großen Wagner-Abend gestalten (ihr konzertantes Brünnhilde-Debüt war angekündigt), wegen Hochwassers musste das ganze Konzert ausfallen. Auch der für das letzte Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden angekündigte Dirigent Sir Colin Davis musste seinen Auftritt wegen höherer Gewalt absagen: Er durfte England nicht verlassen, weil sein Reisepass von den britischen Behörden nicht rechtzeitig ausgestellt wurde. Zwei wirklich plausible Erklärungen im um Ausreden eigentlich nicht verlegenen Klassik-Betrieb. Jetzt ist Sommerpause, die Publikum und Musiker verlustieren sich auf diversen Sommerfestivals, schon Ende August geht alles wieder los. Dann streiten wir auch weiter über den neuen Dresdner Konzertsaal...was meint eigenlich Herr Thielemann dazu?

Montag, 20. Juli 2009

Einmal Batavia und zurück bitte!

Seit mit dem Metropol-Theater das Berliner Stammhaus für die Operette geschlossen ist hat macht es sich die Komische Oper zur Aufgabe, dieses Genre zu pflegen. Die aktuelle Produktion in dieser Reihe ist „Der Vetter aus Dingsda“ des Berliner Komponisten Eduard Künneke.

Die junge Regisseurin Cordelia Däuper nimmt das Stück sehr ernst und gerät schon mit ihrer Grundentscheidung auf eine falsche Fährte. Die pathologische, aber dennoch unbedarfte Schwärmerei eines Landmädchens für einen nach Batavia entschwundenen Jugendfreund mit dem heutigen Bollywood-Starkult zu kontrastieren, hat nur kurzzeitig Wirkung. Dem Stück hilft es nicht über die Runden. Vielmehr wird mit jedem Filmausschnitt deutlich, woran es der Aufführung fehlt: Form, Stringenz und natürlich auch Opulenz. Das mit ein paar Trashelementen lieblos zusammengestellte Bühnenbild erschöpft sich schon nach kurzer Zeit, ebenso der Witz mit Auf- und Abfahrten der einzelnen Personen. Es marthalert hier ein wenig und konwitschnyt dort ein bisschen, aber alles mehr gewollt, als gekonnt.

Unter Patrick Lange müht sich das Orchester der Komischen Oper durch die eigentlich spritzige und abwechslungsreiche Partitur durchzukommen. Mit einem schlanken flexiblen, eher am Big-Band-Style orientierten Klang – der bei dieser Berliner Operette nahe liegt – hat das nur sehr wenig zu tun. Man kann einen Ohrwurm auch als solchen präsentieren, wenn man seiner Sache sicher ist. Julia Kamenik enttäuscht als Julia de Veert, ihre Stimme trägt nicht dahin, wo die Operette wohnt und auf der Szene erreicht sie nie die unverkrampfte Präsenz, bei der man gern hinsieht. Von Anna Borchers (Hannchen) ist über den Abend nicht sehr viel zu hören. Am wackersten schlägt sich noch Uwe Schönbeck als Josef Kuhbrodt, er hat mit Spielwitz und Tempo viele Lacher auf seiner Seite, konterkariert aber damit eher das Konzept der Inszenierung. An seiner Seite Christiane Oertel im hohen Opernton, der hier auch nicht richitig passt, aber die Idee zur Figur stimmt immerhin. Peter Renz liefert im Rollstuhl tapfer eine Studie des verklemmten Egon von Wildenhagen, der Sänger kann ungleich mehr. Mit Charme und Aplomb stattet Christoph Späth den falschen Roderich aus Batavia aus und mit seinem Auftritt bekommt die Inszenierung endlich auch noch eine Portion Ironie.

Schade, wenn das, was die Komische Oper derzeit als Operette anbietet (Der Vetter aus Dingsda, Das Land des Lächelns, Die Fledermaus) wirklich der Stand der Dinge ist, dann steht es wirklich schlecht um dieses Genre. Dem geneigten Operettenfreund sei deshalb die Reise an die Volksoper Wien, die Dresdner Staatsoperette oder die Musikalische Komödie Leipzig angeraten. Andernorts bemüht man sich mit mehr Idee und mehr Elan um die leichte Muse – die wie alles Einfache recht schwer zu machen ist. (An der Volksoper Wien läuft eine unvergleichlich gelungenere Aufführung von Der Vetter aus Dingsda in der Inszenierung von Olivier Tambosi.)

Der König und der Hirte

Als eine seiner letzten Premieren hat der scheidende Intendant der Opéra de Paris Gerard Mortier die selten gespielte Oper Król Roger des polnischen Komponisten Karol Szymanowksi auf den Spielplan gesetzt. Die Inszenierung von Krzysztof Warlikowski zog ein geteiltes Echo auf sich, aber die Besetzung mit hervorragenden Solisten wie Mariusz Kwiechien, Stefan Margita und Olga Pasichnyk machen die Aufführung auf jeden Fall sehenswert. Das ist jetzt auch im Internet möglich, denn derzeit ist ein Mitschnitt auf der Website von ARTE abzurufen. Król Roger steht in diesem Jahr auch auf dem Programm der Bregenzer Festspiele, die Oper wird dort in der Regie von David Pountney aufgeführt.

Montag, 6. Juli 2009

So zieht das Unheil in dies Haus

Hochkarätig besetzt sollte es der abschließende Höhepunkt nicht nur der Münchener Opernsaison werden: die Lohengrin-Premiere an der Bayrischen Staatsoper. Daraus wurde leider nichts und Anja Harteros und Jonas Kaufmann sind zwar wunderbare Sänger, aber sicher nicht das neue Operntraumpaar, als welches sie annonciert wurden.



Mit Spannung wurden die Rollendebüts von Jonas Kaufmann als Lohengrin und Anja Harteros erwartet, restlos glücklich konnte man mit dem Gebotenen nicht sein. Kaufmanns recht baritonal gefärberter Tenor setzt sich immer durch, aber mühelos gelingt ihm das nicht. Er zeigt einen sehr menschlichen Lohengrin mit vielen berückenden Momenten und einer sehr emotionalen und zurückgenommenen Gralserzählung. Sein Gesangsstil hat mitunter italienische Anklänge, das gilt auch für Anja Harteros. Ihre Elsa gerät eine Spur zu souverän, zu dramatisch. Ein paar innerliche, zaghafte Töne könnten die Figur plastischer machen. Ihre Stimme ist groß und wirklich makellos, aber die Elsa gerät bei ihr als Schwester der Traviata und das stimmt so dann doch nicht. Als Ortrud häufiger im Einsatz ist Michaela Schuster, sie hat eine klare Haltung zur Figur, ihr Gesang wirkt aber über weite Strecken eindimensional und lässt die dunklen, beschwörenden Farben vermissen. Sehr kraftvoll geht Wolfram Koch den Telramund an, verhebt sich damit aber und muss gegen Ende sehr kämpfen. Ein repektables Rollendebüt liefert Christoph Fischesser als König Heinrich, er singt die recht schwierige Rolle über weite Strecken ordentlich, er hat noch Spielraum, was die Gestaltung angeht. Evgeny Nikitin hat als Heerrufer hin und wieder Probleme mit der deutschen Sprache, das darf in einer Festspielpremiere eigentlich nicht passieren.



Kent Nagnao hat das Werk gut einstudiert, kommt aber so ziemlich ohne jeden interpretatorischen Ansatz durch die fünf Stunden. Vieles ist zu laut, erschreckend viele Choreinsätze wackeln (was sicher auch der problematischen Aufstellung des Chores geschuldet ist). Ein paar schöne Momente gelingen, von einem musikalischen Erlebnis ist diese Aufführung leider sehr weit entfernt. Über die Inszenierung kann auch kaum Posititves berichtet werden. Regisseur Richard Jones interessiert sich überhaupt nicht für den utopischen Gehalt des Werkes, er setzt die Geschichte von Elsa und Lohengrin als kleines Glück in Szene, welches sich durch den gemeinsamen Bau eines Eigenheimes mit viel Holz äußert. Das trägt überhaupt nicht, schon nach wenigen Minuten weiß man nicht mehr, wo man bei diesem uninspiriert hässlichen Bühenbild noch hinschauen soll. Lohengrin kommt im T-Shirt und mit Turnschuhen und heiratet Elsa dann als Handwerkerbursch. Als sie sich nach seinem Namen erkundigt (beinahe nebenbei) ist für ihn die Beziehung zu Ende, er setzt das kleine hölzerne Kinderbett in Brand. Alles passiert eher zufällig, nichts ist zwingend oder hat irgendeine Logik. Entsprechend unbeholfen und im wahrsten Sinne hölzern agieren auch alle Beteiligten auf der Bühne. Da werden die Spielpartner angeschaut, noch ehe sie angefangen haben zu singen oder sie werden komplett ignoriert. Man glaubt es kaum! Viele Details sind schlicht unverständlich, Bezüge fehlen. Mit spanndem und wirkungsvollem Musiktheater, welches sich die Bayrische Staatsoper neuerdings auf die Fahnen geschrieben hat, will das nichts zu tun haben. Das ganze Konzept der Inszenierung ist völlig ungeeignet sich dem Inhalt und den Ideen des Werkes irgendwie zu nähern, man verspürt überhaupt keine Leidenschaft. Wenn am Schluss der ganze Chor Pistolen gegen sich selbst richtet hat man keine Fragen mehr. Schade!

Samstag, 4. Juli 2009

Liebe Macht Tod

Mit seiner letzten Oper "Turandot" (1920) kommt Giacomo Puccini endgültig im zwanzigsten Jahrhundert an - musikalisch und inhaltlich. Nichts mehr von entrückten Melodien à la "Tosca" oder "La Bohéme". Hier geht es um alles - um Liebe und um Macht, also um das Leben. Deshalb sah er sich auch außerstande ein Happy End zu erfinden, die Oper wurde erst posthum vollendet. An der Deutschen Oper Berlin steht seit Anfang dieser Saison die komplettierte Form auf dem Spielplan, und zwar in einer anspuchsvollen und eigensinnigen Inszenierung, die überzeugt.



Regisseur Lorenzo Fioroni verzichtet dabei auf jegliche chinesische Folklore und wirft - angereichert mit ein paar ironischen Seitenhieben - einen abgeklärten illusionslosen Blick auf das Stück. Wenn Liebe und Macht aufeinandertreffen gehen beide unter, das ist die These der Aufführung, die mit intensiven Bildern beglaubigt wird. Fulminant und auftrumpfend und dennoch plausibles Menschentheater - das ist selten. Das Ganze ist dazu noch handwerklich solide arrangiert und hat in sich eine Musikalität, die man sonst so oft schmerzlich vermisst. Dirigent Pinchas Steinberg hat das Geschehen im Griff, er nimmt das Orchester gelegentlich sängerfreundlich zurück und weiß die entscheidenden Akzente zu setzen und dem Klangrausch keine zu engen Fesseln anzulegen. Mit Maria Guleghina wurde eine der rennomiertesten Sängerinnen für die Titelpartie aufgeboten. Sie singt die Turandot schon seit längerem und überall, oft mit großem Erfolg. Den hatte sie auch hier, aber die Anstrengungen der letzten Jahre sind ihrer Stimme dann doch anzumerken, die schweren Partien wie Turandot, Abigaille und Lady Macbeth, auf welche sie abonniert ist, haben ihre Spuren hinterlassen. Zu viele Töne sprechen nicht mehr richtig an, in der Höhe gibt es Schärfen und in der Rätselszene zeigte sie sich merkbar unsicher. Gegen Ende singt sie sich dann auch noch richtig in Hochform und löst die Figur erstaunlich facettenreich ein. Sie ist immer noch eine wunderbare Turandot und wenn endlich in Fahrt auch die große Diva, auf die das Publikum wartet. Dessen Symphatie fliegt auch Elena Mosuc als Liu zu, die im Frühjahr am gleichen Haus eine phänomenale Lucia di Lamermoor gesungen hatte, diesmal ist der Eindruck eher gemischt. Bei ihre bleibt alles irgendwie Behauptung, ihr gelingt an diesem Abend nicht, was Guleghina so meisterhaft macht: Defizite, seien sie Tagesform oder grundsätzlicher Natur in der großen Geste zu transzendieren. Möglicherweise ist das auch der Inszenierung zuzurechnen, die der Turandot-Figur eine erstaunliche Ambivalenz als Frau zugesteht ober besser abfordert, Liu bleibt da viel eindimensionaler. Als Calaf überzeugt Roy Cornelius Smith mit großer Durchschlagkraft, er ist die ganze Partie hindurch völlig ungefährdet unterwegs. Die drei Minister Ping, Pang und Pong sind mit Simon Pauly, Jörg Schörner und Paul Kaufmann bestens besetzt, auch szenisch ist das alles sehr schön präzise. Unerschütterlich Peter Maus, wieder mal eine großartige Studie, als Altkaiser. Ohne Makel auch der Opernchor der Deutschen Oper. Ein auf jeden Fall sehenswerter Abend, vielleicht entfaltet sich der konzeptionelle Ansatz einer einer anderen (weniger auf Opulenz angelegten) Sängerkonstellation noch besser. Auf jeden Fall handelt es sich um eines der raren Beispiele, bei welchem sich der Ersatz einer alten Aufführung aus der Götz-Friedrich-Ära durch eine Neuproduktion als Gewinn erweist!

Am Sonntag ist Lohengrin-Tag in München



Mit dem langerwarteten Rollendebüt als Lohengrin des Münchener Tenors Jonas Kaufmann findet die Opernsaison morgen ihren spektakulären Abschluss. Die Aufführung wird unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano stehen. Anja Harteros, nicht nur in München hochgeschätzte Sopranistin wird als Elsa von Brabant debütieren. Erste Fotos der Inszenierung kursieren seit einer reichlichen Woche. In einem Rundfunkbeitrag äußert sich Regisseur Richard Jones eher zurückhaltend zu seinen konzeptionellen Absichten. Als sicher kann gelten, dass die Handlung nicht im Brabant des 13. Jahrhunderts spielt. Die Erwartungen könnten höher nicht gesteckt sein, alle Vorstellungen bereits seit langem ausverkauft. Die Premiere wird aber als Oper für alle live vor das Münchener Opernhaus und auch auf Bayern 4 übertragen. Erste Eindrücke von der Premiere gibt es am Montagvormittag an dieser Stelle!

Donnerstag, 2. Juli 2009

Hochwasser statt Liebestod und Weltenbrand - Wagner-Gala am Dresdner Elbufer abgesagt

Wegen ansteigenden Hochwassers muss die Dresdner Philharmonie das für Samstag am Dresdner Elbufer geplante Gala-Konzert mit Musik von Richard Wagner absagen. Waltraud Meier war als Solistin angekündigt und sollte Isoldes Liebestod und Brünnhildes Schlussgesang aus der "Götterdämmerung" singen. Im Blog des Veranstalters wurde bereits spekuliert, dass auch ein Zusammenhang zum schleppend gelaufenen Vorverkauf der Veranstaltung besteht. Schade, es hätte ein wunderbarer Sommerabend mit großartiger Musik in stimmungsvoller Umgebung werden können. Ein Ersatztermin oder eine alternative Spielstätte konnte nicht gefunden werden, am Sonnabend wird nun der Abba-Film Mamma Mia gezeigt.

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