Der mexikanische Tenor hat erneut Stimmprobleme und muss alle seine noch für dieses Jahr geplanten Auftritte absagen, auch das für morgen in der Berliner Philharmonie geplante Konzert mit Musik von Georg Friedrich Händel.
Nach Angaben seines Artztes muss er sich wegen einer Zyste an den Stimmbändern einer Operation unterziehen und wird vor 2010 nicht wieder auf der Bühne stehen. Geplant ist für das kommende Jahr u.a. eine Wiederaufnahme von Carmen an der Wiener Staatsoper zusammen mit Anna Netrebko und Elina Garanca und noch einmal der Lenski in Eugen Onegin an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Villazon hatte bereits in den letzten Monaten mehrere Vorstellungen in Paris und New York kurzfristig abgesagt.
Mittwoch, 29. April 2009
Samstag, 18. April 2009
Lotte Lehmann erklärt die Marschallin
In jeder Aufführung von Richard Strauss großer Oper "Der Rosenkavalier" ist der Monolog der Marschallin "Da geht er hin" ein erster, vom Publikum erwarteter Höhepunkt. In einer seltenen Aufnahme aus dem Jahre 1961 erklärt die Jahrhundertsängerin Lotte Lehmann auf wunderbare Art und Weise wie man diese Erwartungen bestmöglich einlösen kann. Außerdem wird durch diesen Ausschnitt selbst der gestrenge Stimmen-Liebhaber überzeugt: Man kann auch ohne Stimme fast alles singen, ohne Idee beinahe gar nichts!
Mittwoch, 15. April 2009
Waltraud Meier im Juli open air in Dresden

Im Rahmen der Filmnächte am Elbufer wird am 04. Juli 2009 Waltraud Meier im Rahmen einer großen Wagner-Gala zusammen mit der Dresdner Philharmonie auf dem Freilichtgelände am Königsufer auftreten. Unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Rafal Frühbeck de Burgos erklingen Auszüge aus "Tristan und Isolde", "Götterdämmerung" und "Die Meistersinger von Nürnberg". Das Konzert beginnt um 21 Uhr. Die Filmnächte am Elbufer mit einem umfangreichen Konzertprogramm vor der Silhouette der Dresdner Altstadt gelten als eines der schönsten open-air-festivals Europas. Der Vorverkauf hat noch nicht begonnen.
http://www.filmnaechte-am-elbufer.de/
http://www.dresdnerphilharmonie.de/
Sonntag, 12. April 2009
L'amour et la revolution
An der Deutschen Oper Berlin ist seit dem Amtsantritt von Intendantin Kirsten Harms eine Premiere pro Saison einer sogennanten Ausgrabung vorbehalten. Dabei handelt es sich zumeist um ein großes Musiktheaterwerk aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, so auch bei Ottorino Respighis Oper "Marie Victoire" von 1913, welche am Gründonnerstag des Jahres 2009 zur Deutschen Erstaufführung kam. Ob das Werk Eingang ins Repertoire finden wird bleibt nach dieser Inszenierung allerdings noch offen.

Ohne Zweifel ein Ensemblestück!
Es ist ein großer, ein langer Opernabend, den Regisseur Johannes Schaaf (anstelle der abgesprungenen Katharina Wagner) und sein Team in ganz klassischer Weise auf die Bühne gebracht haben. Oper wie früher im Breitwandformat, aber sehr gekonnt. Es überrascht wie souverän Schaaf die verschiedenen Handlungsstränge montiert und die vielen Zweier- und Dreierszenen spannungsvoll arrangiert. Es gelingt ihm so über weite Strecken eine Binnenspannung zu erzeugen, die dem Werk selbst eher fehlt. Dem praktikablen Bühnenbild (Susanne Thomasberger) sind die Sparvorgaben des Hauses leider anzusehen; den aufwendigen und sehr gelungenen, historisierenden Kostümen (Petra Reinhardt) überhaupt nicht. Musikalisch am interessantesten ist der dritte Akt, hier geht die szenische Lösung wirklich auf, wenn sich die Gefangenen auf ganz unterschiedliche Weise auf die für den nächsten Morgen angesetzte Hinrichtung vorbereiten. Dazu kommt es nicht, weil gerade in dieser Nacht den Revolutionsführer Robispierre das gleiche Schicksal ereilt. Marie hatte sich, in ihren vermeintlich letzten Stunden, einem ebenfalls verurteilten, langjährigen Verehrer hingegeben und ist jetzt frei und doch am Ende. Ein schicksalhafter Augenblick voller Tragik und Größe - wie gemacht für einen großen veristischen Opernmoment, derer gibt es einige im Laufe der vier Akte.

Nach der Revolution macht Marie Victoire in Hüten - mit Erfolg.
Musikalisch überzeugt die Aufführung auf der ganzen Linie, mit Michail Jurowski steht ein engagierter Sachwalter Respighis am Dirigentenpult. Das Orchester der Deutschen Oper macht den Farbenreichtum und die Klangpracht der Musik, die Anleihen bei Puccini und Debussy nimmt, sehr schön deutlich. Im Mittelpunkt steht aber die junge amerikanische Sopranistin Takesha Meshé Kizart als Marie Victoire, eine Sängerin mit einer enormen Persönlichkeit und einer großen, entwicklungsfähigen Stimme, die schon jetzt in Erinnerung bleibt und die man auf jeden Fall wieder hören möchte. Das interessanteste Rollenporträt des Abends gelingt Stephen Bronk als Cloteau, der die ganze Zeit an der Seite Maries, seine Entwicklung vom Gärtner über den jakobinischen Gefängnisdirektor zum Hausdiener mit Familienanschluss sehr sinnhaft deutlich macht. Solide ist die Leistung des ganzen Ensembles, die Besetzungsliste führt immerhin 18 Namen auf!

Schwäche? - Aber nur einen Moment! - Und mit Zeugen...
Ein endgültiges Urteil über die Oper kann nach dieser Inszenierung noch nicht gesprochen werden. Sicher, die Handlung ist zu weitschweifig und die Musik unentschlossen. Dennoch überrascht und berührt die Geschichte und es ist ein wirkliches Ensemblestück. Auf jeden Fall wäre es eine Herausforderung für eine mittleres Opernhaus und einen Regisseur, der sich für einen eher psychologisierenden Zugriff entscheidet. Johannes Schaaf war hier weniger gut beraten, ein realistisches Tableau zu inszenieren. Er hilft dem Stück damit zu wenig, weil er so die Schwächen eher ausstellt, als kaschiert. Es bleibt zu hoffen, dass sich bald ein anderes Haus für eine erneute Inszenierung entscheidet.

Ohne Zweifel ein Ensemblestück!
Es ist ein großer, ein langer Opernabend, den Regisseur Johannes Schaaf (anstelle der abgesprungenen Katharina Wagner) und sein Team in ganz klassischer Weise auf die Bühne gebracht haben. Oper wie früher im Breitwandformat, aber sehr gekonnt. Es überrascht wie souverän Schaaf die verschiedenen Handlungsstränge montiert und die vielen Zweier- und Dreierszenen spannungsvoll arrangiert. Es gelingt ihm so über weite Strecken eine Binnenspannung zu erzeugen, die dem Werk selbst eher fehlt. Dem praktikablen Bühnenbild (Susanne Thomasberger) sind die Sparvorgaben des Hauses leider anzusehen; den aufwendigen und sehr gelungenen, historisierenden Kostümen (Petra Reinhardt) überhaupt nicht. Musikalisch am interessantesten ist der dritte Akt, hier geht die szenische Lösung wirklich auf, wenn sich die Gefangenen auf ganz unterschiedliche Weise auf die für den nächsten Morgen angesetzte Hinrichtung vorbereiten. Dazu kommt es nicht, weil gerade in dieser Nacht den Revolutionsführer Robispierre das gleiche Schicksal ereilt. Marie hatte sich, in ihren vermeintlich letzten Stunden, einem ebenfalls verurteilten, langjährigen Verehrer hingegeben und ist jetzt frei und doch am Ende. Ein schicksalhafter Augenblick voller Tragik und Größe - wie gemacht für einen großen veristischen Opernmoment, derer gibt es einige im Laufe der vier Akte.

Nach der Revolution macht Marie Victoire in Hüten - mit Erfolg.
Musikalisch überzeugt die Aufführung auf der ganzen Linie, mit Michail Jurowski steht ein engagierter Sachwalter Respighis am Dirigentenpult. Das Orchester der Deutschen Oper macht den Farbenreichtum und die Klangpracht der Musik, die Anleihen bei Puccini und Debussy nimmt, sehr schön deutlich. Im Mittelpunkt steht aber die junge amerikanische Sopranistin Takesha Meshé Kizart als Marie Victoire, eine Sängerin mit einer enormen Persönlichkeit und einer großen, entwicklungsfähigen Stimme, die schon jetzt in Erinnerung bleibt und die man auf jeden Fall wieder hören möchte. Das interessanteste Rollenporträt des Abends gelingt Stephen Bronk als Cloteau, der die ganze Zeit an der Seite Maries, seine Entwicklung vom Gärtner über den jakobinischen Gefängnisdirektor zum Hausdiener mit Familienanschluss sehr sinnhaft deutlich macht. Solide ist die Leistung des ganzen Ensembles, die Besetzungsliste führt immerhin 18 Namen auf!

Schwäche? - Aber nur einen Moment! - Und mit Zeugen...
Ein endgültiges Urteil über die Oper kann nach dieser Inszenierung noch nicht gesprochen werden. Sicher, die Handlung ist zu weitschweifig und die Musik unentschlossen. Dennoch überrascht und berührt die Geschichte und es ist ein wirkliches Ensemblestück. Auf jeden Fall wäre es eine Herausforderung für eine mittleres Opernhaus und einen Regisseur, der sich für einen eher psychologisierenden Zugriff entscheidet. Johannes Schaaf war hier weniger gut beraten, ein realistisches Tableau zu inszenieren. Er hilft dem Stück damit zu wenig, weil er so die Schwächen eher ausstellt, als kaschiert. Es bleibt zu hoffen, dass sich bald ein anderes Haus für eine erneute Inszenierung entscheidet.
Esmeralda & Quasimodo in der Semperoper
Franz Schmidt (1874-1939) war zu seinen Lebzeiten einer der bekanntesten Komponisten Österreichs. Von den Nazis hofiert, machte er sich deren Ideologie nie zu eigen, wurde aber nach 1945 als "Mitläufer" diskreditiert. Schnell geriet er dann in Vergessenheit, ein Schicksal, dass er mit vielen Künstlern seiner Generation teilt. Sein recht überschaubares Werk gilt als sehr aufführungswirksam, weshalb es nicht verwundert, dass man immer mehr auf den vielleicht wichtigsten Vertreter der Wiener Spätromantik aufmerksam wird.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
Fabio Luisi hat Schmidts letztes Werk, das apokalyptische Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln" bereits vor einigen Jahren auf CD eingespielt. Jetzt erklang es mit großem Erfolg im Rahmen der Palmsonntagskonzerte der Dresdner Staatskapelle in der Frauenkirche und der Semperoper. Neben vier Sinfonien und einer breiten Palette von Orgel- und Kammermusik hat Franz Schmidt auch eine große Oper "Notre Dame" geschrieben. Die Geschichte um die schöne Esmeralda und Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, ist bisher im klassischen Opernrepertoire nicht zu finden. Als Musical ist der Stoff aber - insbesondere in Frankreich - zuletzt mehrfach sehr erfolgreich auf die Bühne gekommen.
Das Intermezzo aus "Notre Dame" gehört zu den wenigen bekannten Stücken Schmidts.
Die Semperoper Dresden plant für die kommende Saison eine Neuproduktion des selten gespielten Werkes unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi. Die Hauptrollen sind mit Camilla Nylund, Robert Gambill und Jan-Hendrik Rootering vielversprechend besetzt. Das gilt ebenso für die Regie. Mit der Inszenierung wurde Günter Krämer beauftragt, der in Dresden mit seinen letzten beiden Arbeiten Die Liebe der Danae (2005) und Penthesilea (2008) zwei ebenfalls nahezu unbekannte Werke zu großer Anerkennung bei Publikum und Presse führte. Mit der deutschen Erstaufführung (!) von "Notre Dame" am 18. April 2010 dürfte einer der Höhepunkte der kommenden Dresdner Opernsaison bereits feststehen.
Montag, 6. April 2009
Kinder, schafft Neues!
Die Erwartungen waren hoch an die diesjährige Festtags-Premiere der Staatsoper Unter den Linden. Regisseur Stefan Herheim hatte im letzten Sommer in Bayreuth einen von allen Seiten gelobten und bewunderten „Parsifal“ auf die Bühne gebracht, nun sollte es Wagners anderes Gralsdrama sein: Lohengrin. In der Presse raunte es bereits vorab vielstimmig, von Umbesetzungen war die Rede und vom Zerwürfnis des Regisseurs mit Daniel Barenboim.

Willkommen nicht in Brabant, sondern in der Berliner Opernkrise!
Es ist eine Plattitüde, aber auch in diesem Fall ist sie nötig: Die Aufführung ist auf hohem Niveau gescheitert. Stefan Herheim will zu viel. Einen Kommentar zur Berliner Kulturpolitik, eine kritische Auseinandersetzung mit Richard Wagner und dann auch noch den Lohengrin nebst Rezeptionsgeschichte. Das fängt gut an, aber es geht nicht gut. Zu vieles bleibt Behauptung, schöne Ideen werden zu früh wieder aufgegeben. Die Inszenierung ist an vielen Stellen im Detail meisterhaft, die vielseitig eingesetzten Marionetten sorgen immer wieder für überraschende Wirkungen. Herheim beherrscht den Theaterapparat wie kaum ein anderer, aber das große Ganze fügt sich hier nicht zusammen. Der Abend ist durchaus kurzweilig, auch wenn an vielen Stellen blanke Theaterkonvention ausbricht, aber es bleibt nichts, wenn er vorbei ist. Das ist schade.

Marion-netten...
Herheims starker Zugriff fordert von den Beteiligten immer wieder gegen ihre eigene Spielintelligenz anzugehen. Das wird zum Problem, weil nur erfüllt wird, was nicht verstanden wurde. Der musikalische Eindruck ist entsprechend gemischt. Mit makellosem Tenor ist Klaus Florian Vogt nach wie vor einer der besten Sänger der Titelrolle, der im Moment aufgeboten werden kann. In letzter Zeit verlegt er sich aber zu oft auf Lautstärke, das beeindruckt auch in der verhältnismäßig kleinen Staatsoper, aber interpretatorische Feinheiten bleiben auf der Strecke. Michaela Schuster als Ortrud zeigt eine recht konventionelle Studie der nervösen Intrigantin mit ein paar schön-schmutzigen Spitzentönen, Gerd Grochowski als Telramund bleibt stilistisch unentschlossen.

Arttu Kattaja als Heerrufer im gelungensten Kostüm des Abends.
Den gesanglich besten Eindruck des Abends hinterlässt Kwangchul Youn als König Heinrich, er hat die Rolle für den erkrankten René Pape übernommen. Dorothea Röschmann kämpft mit vibratoreicher Stimme vielfach um die Höhe, findet sich aber zusehends in ihre Partie ein und gelangt im dritten Akt zu einigen wirklich schönen Momenten. Daniel Barenboims Dirigat macht wie so oft nicht rundum glücklich, es gibt viele sehr klangschöne Phasen, aber auch vollkommen unverständliche Tempowechsel. Eine geschlossene Interpretation des Werkes liefert er nicht, immerhin befindet er sich damit im Einklang mit dem Inszenierungskonzept. Bei der Staatskapelle häufen sich die Patzer schon im Vorspiel, leider keine festtagswürdige Leistung. Auch der Staatsopernchor tut sich streckenweise sehr schwer den umfangreichen musikalischen und darstellerischen Anforderungen zu entsprechen.

Als Lohengrin vom Dienst: Klaus Florian Vogt - hier wirklich mal ein Schwanenritter.
Wenn sich am Schluss der gesamte Schnürboden auf das Ensemble senkt wird eine Transparent mit dem berühmten Wagner-Zitat sichtbar: „Kinder, schafft Neues!“ – auf jeden Fall und bitte immer wieder!

Willkommen nicht in Brabant, sondern in der Berliner Opernkrise!
Es ist eine Plattitüde, aber auch in diesem Fall ist sie nötig: Die Aufführung ist auf hohem Niveau gescheitert. Stefan Herheim will zu viel. Einen Kommentar zur Berliner Kulturpolitik, eine kritische Auseinandersetzung mit Richard Wagner und dann auch noch den Lohengrin nebst Rezeptionsgeschichte. Das fängt gut an, aber es geht nicht gut. Zu vieles bleibt Behauptung, schöne Ideen werden zu früh wieder aufgegeben. Die Inszenierung ist an vielen Stellen im Detail meisterhaft, die vielseitig eingesetzten Marionetten sorgen immer wieder für überraschende Wirkungen. Herheim beherrscht den Theaterapparat wie kaum ein anderer, aber das große Ganze fügt sich hier nicht zusammen. Der Abend ist durchaus kurzweilig, auch wenn an vielen Stellen blanke Theaterkonvention ausbricht, aber es bleibt nichts, wenn er vorbei ist. Das ist schade.

Marion-netten...
Herheims starker Zugriff fordert von den Beteiligten immer wieder gegen ihre eigene Spielintelligenz anzugehen. Das wird zum Problem, weil nur erfüllt wird, was nicht verstanden wurde. Der musikalische Eindruck ist entsprechend gemischt. Mit makellosem Tenor ist Klaus Florian Vogt nach wie vor einer der besten Sänger der Titelrolle, der im Moment aufgeboten werden kann. In letzter Zeit verlegt er sich aber zu oft auf Lautstärke, das beeindruckt auch in der verhältnismäßig kleinen Staatsoper, aber interpretatorische Feinheiten bleiben auf der Strecke. Michaela Schuster als Ortrud zeigt eine recht konventionelle Studie der nervösen Intrigantin mit ein paar schön-schmutzigen Spitzentönen, Gerd Grochowski als Telramund bleibt stilistisch unentschlossen.

Arttu Kattaja als Heerrufer im gelungensten Kostüm des Abends.
Den gesanglich besten Eindruck des Abends hinterlässt Kwangchul Youn als König Heinrich, er hat die Rolle für den erkrankten René Pape übernommen. Dorothea Röschmann kämpft mit vibratoreicher Stimme vielfach um die Höhe, findet sich aber zusehends in ihre Partie ein und gelangt im dritten Akt zu einigen wirklich schönen Momenten. Daniel Barenboims Dirigat macht wie so oft nicht rundum glücklich, es gibt viele sehr klangschöne Phasen, aber auch vollkommen unverständliche Tempowechsel. Eine geschlossene Interpretation des Werkes liefert er nicht, immerhin befindet er sich damit im Einklang mit dem Inszenierungskonzept. Bei der Staatskapelle häufen sich die Patzer schon im Vorspiel, leider keine festtagswürdige Leistung. Auch der Staatsopernchor tut sich streckenweise sehr schwer den umfangreichen musikalischen und darstellerischen Anforderungen zu entsprechen.

Als Lohengrin vom Dienst: Klaus Florian Vogt - hier wirklich mal ein Schwanenritter.
Wenn sich am Schluss der gesamte Schnürboden auf das Ensemble senkt wird eine Transparent mit dem berühmten Wagner-Zitat sichtbar: „Kinder, schafft Neues!“ – auf jeden Fall und bitte immer wieder!
Donnerstag, 2. April 2009
Als wärs das Stück von ihm
Mehr als achtzig Jahre nach der Uraufführung am gleichen Ort kehrte vor einem Jahr Othmar Schoecks Oper "Penthesilea" zurück auf die Bühne der Semperoper. Der Abend wurde ein Triumph bei Presse und Publikum, was nicht zuletzt an der Verkörperung der Titelpartie durch Iris Vermillion lag. Sie wurde mittlerweile für diese Rolle mit dem Theaterpreis "Faust" für die beste Sängerdarsteller-Leistung im Musiktheater ausgezeichnet.

Die Differenz, die ins Verhängnis führt.
Vielleicht sind es ja die großen Musiktheaterwerke aus der ersten Hälfte des 2o. Jahrhunderts, die heute kaum mehr jemand kennt, welche die Rettung sein könnten, für den sich zwischen Repräsentation und Orginalitätssucht zerreibenden Opernbetrieb. Liefern sie doch die großen Geschichten, an denen sich der künstlerische Apparat mit all seinen Möglichkeiten entfalten kann. Der Schweizer Komponist Othmar Schoeck galt als der letzte Romantiker, seine expressiven und zugreifenden Kompositionen vermitteln zwischen Richard Strauss (an dessen ebenfalls in Dresden uraufgeführte "Elektra" seine Oper erinnert) und den sich der Atonalität verschreibenden Avantgardisten der zwanziger Jahre. Ganz der Essenz des Kleistschen Dramas folgend entwickelt er entlang der tödlichen Begegnung der Amazonenkönigin Penthesilea mit dem Krieger Achill ein aus Liebe und Macht gespeistes Panorama der menschlichen Tragödie. In seiner Inszenierung spitzt Regisseur Günter Krämer diesen Konflikt noch zu und findet große, suggestive, in ihrer Einfachheit berückende Bilder - ein Abend mit großer Unerbittlichkeit, der sowohl im Einzelnen, wie auch im Gesamtentwurf nicht loslässt.

Im Mittelpunkt steht Iris Vermillion, eine große, stolze, sichere Penthesilea, die am Ende unerbittlich Rache an sich selber nimmt. Die Leistung der Sängerin rechtfertigt ihren besonderen Erfolg mit der Rolle in jeder Hinsicht. Markus Nieminen gibt den Achill mit großer Natürlichkeit und dramaturgischem Gespür. Er ist weit mehr als nur der Zuspieler seiner Kollegin, beide finden in wunderbaren Momenten von intimer Spannung zueinander, dabei ist nichts Routine, alles Hingabe an den Moment. Mit Disziplin und Engagement sind auch die anderen Solisten im Einsatz. Die Damen des Dresdner Opernchors waren vielleicht noch nie mit einer so ganzheitlich fordernden Aufgabe betraut. Wenn sie den Bericht von Penthesileas tödlicher letzter Begegnung mit Achill knieend an der Rampe unisono flüsternd schreien, dann ist das ein Theatermoment mit archaischer Wirkung, dem sich niemand im Raum entziehen kann.

Liebe + Macht = Untergang
Gerd Albrecht, ein Dirigent der im Laufe seiner langen Karriere unschätzbar viel für die Musik des 20. Jahrhunderts getan hat, ist ein absolut sicherer musikalischer Organisator des Abends, sowohl auf der Bühne, wie auch im Graben, wo die Staatskapelle Dresden souverän mit dem ungewohnten Klangapparat umgeht. Der Librettist ist Heinrich von Kleist - es werden nur Orginalverse aus seinem Drama gesungen und gesprochen. Alles fügt sich auf gelungene Weise zusammen. Auch wenn man den Text und die Oper schon kennt, kann man sich der unmittelbaren Wirkung nicht entziehen. Musiktheater mit einer Wirksamkeit, die dem heutigen Opernbetrieb schon lange abhanden gekommen ist. Wenn sich Iris Vermillion nach dem Schlussakkord ganz langsam in den aufbrausenden Applaus erhebt und nur mühsam aus der Rolle heraus findet ist sie für einen Moment vollkommen außer sich. Sie ist schon nicht mehr die Penthesilea, aber auch nocht nicht nur die Sängerin. Dieser Moment von unglaublicher Zartheit ist der konsequente Schlusspunkt für einen Maßstäbe setzenden Theaterabend, an dem man - wenn man das will - den Glauben an die Oper wieder finden konnte.
Die nächsten Vorstellungen in der kommenden Saison: 10./12./16. Februar 2010

Die Differenz, die ins Verhängnis führt.
Vielleicht sind es ja die großen Musiktheaterwerke aus der ersten Hälfte des 2o. Jahrhunderts, die heute kaum mehr jemand kennt, welche die Rettung sein könnten, für den sich zwischen Repräsentation und Orginalitätssucht zerreibenden Opernbetrieb. Liefern sie doch die großen Geschichten, an denen sich der künstlerische Apparat mit all seinen Möglichkeiten entfalten kann. Der Schweizer Komponist Othmar Schoeck galt als der letzte Romantiker, seine expressiven und zugreifenden Kompositionen vermitteln zwischen Richard Strauss (an dessen ebenfalls in Dresden uraufgeführte "Elektra" seine Oper erinnert) und den sich der Atonalität verschreibenden Avantgardisten der zwanziger Jahre. Ganz der Essenz des Kleistschen Dramas folgend entwickelt er entlang der tödlichen Begegnung der Amazonenkönigin Penthesilea mit dem Krieger Achill ein aus Liebe und Macht gespeistes Panorama der menschlichen Tragödie. In seiner Inszenierung spitzt Regisseur Günter Krämer diesen Konflikt noch zu und findet große, suggestive, in ihrer Einfachheit berückende Bilder - ein Abend mit großer Unerbittlichkeit, der sowohl im Einzelnen, wie auch im Gesamtentwurf nicht loslässt.

Im Mittelpunkt steht Iris Vermillion, eine große, stolze, sichere Penthesilea, die am Ende unerbittlich Rache an sich selber nimmt. Die Leistung der Sängerin rechtfertigt ihren besonderen Erfolg mit der Rolle in jeder Hinsicht. Markus Nieminen gibt den Achill mit großer Natürlichkeit und dramaturgischem Gespür. Er ist weit mehr als nur der Zuspieler seiner Kollegin, beide finden in wunderbaren Momenten von intimer Spannung zueinander, dabei ist nichts Routine, alles Hingabe an den Moment. Mit Disziplin und Engagement sind auch die anderen Solisten im Einsatz. Die Damen des Dresdner Opernchors waren vielleicht noch nie mit einer so ganzheitlich fordernden Aufgabe betraut. Wenn sie den Bericht von Penthesileas tödlicher letzter Begegnung mit Achill knieend an der Rampe unisono flüsternd schreien, dann ist das ein Theatermoment mit archaischer Wirkung, dem sich niemand im Raum entziehen kann.

Liebe + Macht = Untergang
Gerd Albrecht, ein Dirigent der im Laufe seiner langen Karriere unschätzbar viel für die Musik des 20. Jahrhunderts getan hat, ist ein absolut sicherer musikalischer Organisator des Abends, sowohl auf der Bühne, wie auch im Graben, wo die Staatskapelle Dresden souverän mit dem ungewohnten Klangapparat umgeht. Der Librettist ist Heinrich von Kleist - es werden nur Orginalverse aus seinem Drama gesungen und gesprochen. Alles fügt sich auf gelungene Weise zusammen. Auch wenn man den Text und die Oper schon kennt, kann man sich der unmittelbaren Wirkung nicht entziehen. Musiktheater mit einer Wirksamkeit, die dem heutigen Opernbetrieb schon lange abhanden gekommen ist. Wenn sich Iris Vermillion nach dem Schlussakkord ganz langsam in den aufbrausenden Applaus erhebt und nur mühsam aus der Rolle heraus findet ist sie für einen Moment vollkommen außer sich. Sie ist schon nicht mehr die Penthesilea, aber auch nocht nicht nur die Sängerin. Dieser Moment von unglaublicher Zartheit ist der konsequente Schlusspunkt für einen Maßstäbe setzenden Theaterabend, an dem man - wenn man das will - den Glauben an die Oper wieder finden konnte.
Die nächsten Vorstellungen in der kommenden Saison: 10./12./16. Februar 2010
"Neue Welt" in Dresden
Mit einem Schwerpunkt Amerika starten die Dresdner Musikfestspiele im Mai in eine neue Ära. Erstmals unter der Leitung des in Dresden geborenen Cellisten Jan Vogler will das Festival an die reiche Dresdner Musiktradition der Vorkriegsära anknüpfen und in die erste Reihe der europäischen Musikfestivals aufschließen. Mit dem ambitionierten Programm könnte das gelingen und auch der Musikstadt Dresden kann diese Frischluftzufuhr nur gut tun.
Auf dem dichten und konzentrierten Spielplan stehen viele prominente und angesagte Namen der klassischen Musikwelt wie Gustavo Dudamel, Nicolaus Harnoncourt, Valery Gergiev, Anne-Sophie Mutter und Kurt Masur. Mit den Wiener Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam sind drei internationale Spitzenensembles aufgeboten. Zusammen mit der Staatskapelle Dresden sind damit vier Klangkörper versammelt, die sich auf der Ende letzten Jahres von der britischen Fachzeitschrift "Gramophone" veröffentlichten Liste der zehn weltweit besten Orchester finden. Das spricht für den Qualitätsanspruch der neuen Intendanz, genau wie für eine glückliche Hand bei der Programmplanung. Es werden auch bekannte Solokünstler wie Ute Lemper und Bobby McFerrin auftreten. Der in Dresden geborene Bassist René Pape gibt einen Liederabend im Schauspielhaus, die Pianistin Hélène Grimaud ein Klavierrecital in der Semperoper. Für fast alle Aufführungen sind gegenwärtig noch Karten erhältlich!
www.musikfestspiele.com
Auf dem dichten und konzentrierten Spielplan stehen viele prominente und angesagte Namen der klassischen Musikwelt wie Gustavo Dudamel, Nicolaus Harnoncourt, Valery Gergiev, Anne-Sophie Mutter und Kurt Masur. Mit den Wiener Philharmonikern, dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Königlichen Concertgebouworchester Amsterdam sind drei internationale Spitzenensembles aufgeboten. Zusammen mit der Staatskapelle Dresden sind damit vier Klangkörper versammelt, die sich auf der Ende letzten Jahres von der britischen Fachzeitschrift "Gramophone" veröffentlichten Liste der zehn weltweit besten Orchester finden. Das spricht für den Qualitätsanspruch der neuen Intendanz, genau wie für eine glückliche Hand bei der Programmplanung. Es werden auch bekannte Solokünstler wie Ute Lemper und Bobby McFerrin auftreten. Der in Dresden geborene Bassist René Pape gibt einen Liederabend im Schauspielhaus, die Pianistin Hélène Grimaud ein Klavierrecital in der Semperoper. Für fast alle Aufführungen sind gegenwärtig noch Karten erhältlich!
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